Jahrgang 
01-26 (1857)
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. Jahrg.

dist durch Alphons

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leutschen Publienm a Chimere, ro- vortheilhaft be- nders geeignet, ihn

h franzsischer Lec- Mlit der ihm eigenen Darstellung schildert e 1848 angetretene 2d S andwichs-Inseln rselben erlebt und gebericht mit Stati- austigen Notigen, gleich anziehen- lie in pittoreskem geführt werden.

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Dritte foſlge.

Rovellen-Zeitung.

Die letzten Stunden eines Spötters.

Aus den hinterlaſſenen Papieren eines epangeliſchen Predigers. Mitgetheilt

von

Ernſt Willkomm.

I.

Den ganzen Tag war ununterbrochen Schnee gefallen, den ein kalter Nordweſtwind an manchen Stellen hoch auf⸗ häufte. Dies böſe Wetter hielt Alle zu Haus, die nicht ge⸗ rade genöthigt waren, in unaufſchiebbaren Geſchäften ſich der unerquicklichen Witterung auszuſetzen. So ruhig ver⸗ ging ſelten ein Tag im Jahre, denn auch die ſtillſten führ⸗ ten doch gewöhnlich einige Perſonen zu mir, die in kirchli⸗ chen Angelegenheiten mit mir zu ſprechen hatten.

So kamen die Abendſtunden heran. Ich beendigte mein Studium und überließ mich ſtillem Nachdenken über die Textesworte, die ich der nächſten Sonntagspredigt zu Grunde legen ſollte. Vertieft in meine Gedanken, hatte ich ein haſtiges Klopfen an der Hausthür nicht bemerkt. Erſt beim geräuſchvollen Oeffnen derſelben horchte ich auf. An dem lauten Sprechen der Magd konnte ich hören, daß ir⸗ gend ein Unbekannter eingetreten ſein müſſe und mich zu ſprechen wünſche. Bald auch vernaͤhm ich leichte Schritte, ein ſchüchterner Finger klopfte an, und ein junges Mäd⸗ hhen, deſſen hübſches Geſicht von Wind und Schnee ſtark geröthet war, trat ängſtlich in mein Zimmer.

Was bringſt Du, mein Kind? fragte ich, ohne die Eintretende genau zu betrachten. Das Mädchen zitterte vor Froſt und Angſt, und ich erkannte jetzt eine meiner dufgeweckteſten Confirmandinnen vom vorigen Jahre.

Du biſt es, Suſanne? ſprach ich, erſtaunt, das in ledeutender Entfernung wohnende Mädchen bei ſolchem Wetter bei mir zu ſehen.Es hat doch nicht wieder Un⸗ annehmlichkeiten gegeben zwiſchen Dir und Deinem Vater?

Suſanne antwortete durch verneinendes Kopfſchütteln, während ſie ihre verklommenen Hände haſtig rieb und die ftierenden Füße mit den Hacken gegen einander ſchlug.

Nein, nein, Gott Lob! erwiderte ſie jetzt mit wei⸗ nerlicher Stimme.Der Vater iſt in den letzten Monaten

umer gut geweſen, obwohl er es nicht gern ſah, wenn ich Sonntags die

Feſtkleider anlegte. Nun aber iſt er ſeit eſwa zehn Tagen ſo krank, o, ſo furchtbar krank, daß weder de Mutter noch ich uns zu helfen wiſſen! Einen Doctor dürfen wir nicht rufen, denn der Vater haßt alle Doctors, uſd doch muß etwas gethan werden. Da dachten wir an

ᷣℳ

Sie, Herr Paſtor, und in der Angſt meines Herzens bin ich fortgelaufen und zu Ihnen gekommen, um Sie zu bit⸗ ten, den Vater zu beſuchen und ihm zuzureden. Sie haben ſolche Gewalt über alle Menſchen

Nicht doch, mein Kind, unterbrach ich die ängſtlich Sprechende.Ich beſitze nur wenig Macht über Andere, über Deinen Vater aber leider gar keine! Haſt Du ver⸗ geſſen

O könnte ich es, könnten wir es Alle! fiel mir Su⸗ ſanne ins Wort.Aber ich bitte, ich flehe aus Herzens⸗ grund, vergeſſen Sie alles Vorgefallene und begleiten Sie mich nach Hauſe! der Vater geht gewiß in ſich!

Ich war ſeltſam bewegt. Mein Beruf als Seelſorger verlangte, daß ich den Wunſch des armen Mädchens er⸗ füllte, mein Verſtand aber warnte mich, nicht voreilig zu handeln und einer bloßen Herzenswallung, die ich viel leicht ſpäter bereuen könnte, zu folgen. Ich zog die Glocke und ließ dem noch immer vor Froſt klappernden Mädchen eine Herzſtärkung reichen. Während ſie dieſe dankend an⸗ nahm, erkundigte ich mich nach den nähern Umſtänden und errieth aus den weiteren Mittheilungen Suſannens, daß deren Vater ſein bisheriges Leben zwar keineswegs bereut habe, daß aber doch wohl in ſeinem Innern eine Verände⸗ rung vorgegangen ſein möge. Er war ſchon längere Zeit kränklich, ohne darauf zu achten, wie dies abgehärtete Land⸗ leute gewöhnlich zu thun pflegen. Plötzlich brach ſeine ganze Phyſis zuſammen und zeigte deutliche Spuren einer nahen Auflöſung.

Suſannens erſichtliche Angſt und ihr bittend auf mich gerichtetes Auge beſtimmten mich mehr noch als ihre Worte, dem Kinde zu willfahren. Ich konnte ja vielleicht doch nützen, wenn auch nicht als Rathgeber zur Wiedergeneſung des Körpers, ſo doch als Seelenarzt. Gerade daß dies ſchuldloſe, aufgeweckte Kind mich rief, ſchien mir bedeu⸗ tungsvoll. Des Kindes Bitte war ein Wink von Oben. Es gibt der Boten, denen Gott eine Sendung überträgt, ja viele und vielgeſtaltige. Warum ſollte er ſich nicht eines Kindes bedienen, um mich zu rufen? Ich erklärte mich dem⸗ nach bereit, Suſanne zu begleiten..

Meine einfache Zuſage ſchon beruhigte das bis dahin ſo zaghafte Mädchen. Sie drückte mir wiederholt die Hand, band das abgelegte Tuch, das ihr zur Schutzwehr gegen Wind und Schnee diente, wieder um den Kopf, um⸗ hüllte die Hände mit ihrer Schürze und mahnte mich durch ihre Blicke, mein Verſprechen auch recht bald zur That werden zu laſſen.

Es war ſehr finſter geworden trotz der weißen Schnee⸗ decke, die ſich über alle Gegenſtände breitete. Um nicht irre zu gehen, da wir eine öde, unbewohnte ſogenannte Lehde