Jahrgang 
01-26 (1857)
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ein Individuum bemerken, das auf ſeiner mit einem Pan⸗ zerhandſchuh bekleideten Fauſt einen Jagdfalken trug, deſ⸗ ſen Kopf mit einer Haube bedeckt war. Der Vogel war prächtig und hatte trotz ſeiner Haube eine ſtolze und kühne Haltung.

Dieſe lebende Erinnerung an ein früheres Zeitalter verſetzte mich um mehrere Jahrhunderte zurück. Ich war fern von der Stadt in einer ſtillen, unbelebten Landſchaft; der Nil der Kalifen rollte einige Schritte vor mir; das Geräuſch der Dampfmaſchinen, der ſchwarze Steinkohlen⸗ rauch, das Echo aller Neuerungen, welche die Wiſſenſchaft der Gegenwart in Aegypten eingeführt hat, drang nicht bis zu meinen Ohren und war meinem Geiſte fern. Vor mir ſah ich die dunkeln Geſichter der Leute des Palaſtes ſich aufrichten, denen die orientaliſche Tracht eine drohende Feierlichkeit gab. Es hing nur von mir ab, ſie für dieſe Stummen und Icoglans(Pagen), jene unerbittlichen Die⸗ ner des frühern muſelmänniſchen Despotismus, zu nehmen.

So trat ich, indem ich mich von einer wenigſtens rück⸗ blickenden Aufregung ergriffen fühlte, in die Umzäunung dieſer Gärten, von denen man mir erzählt hatte, daß der

ſeines Harems ſich von der abendländiſchen Civiliſation auszuruhen.

Die Gärten haben keine große Ausdehnung; der Plan derſelben iſt eigenthümlich, indeſſen ſind die Baumpflan⸗ zungen und Gebüſche gut vertheilt. Es gibt in denſelben keine Ausſicht, dagegen aber Ueberraſchungen. Die im Kreiſe herumführenden Alleen bringen den Spaziergänger bald vor ein hübſches Blumenbeet, bald an den Eingang eines Kiosk, bald an einen Springbrunnen. Der wirkliche Vorzug dieſer Gärten beſteht in der Mannigfaltigkeit der

in Europa nicht ein einziges Luſtſchloß, das mit Schubra zu vergleichen iſt. Dieſe Gärten bei Kairo verbreiten eine Miſchung von wirklich wollüſtigen Wohlgerüchen. Wollte

Novellen⸗Zeitung.

Großpaſcha gar oft dahin gekommen ſei, um in der Mitte Politik und Waſſ˖ Waſſer beſpült werden,

Pflanzen und Früchte, und in dieſer Beziehung findet ſich

man den feinen Geruch unſrer Veilchen, ſpaniſchen Flieder und Heliotrops mit dieſen kräftigen Wohlgerüchen verglei⸗ chen, ſo ſtellte man Ophelia oder Mignon mit einer Lais oder Kleopatra, die etwas kränkliche Grazie der Züge und des Herzens mit der leidenſchaftlichen Organiſation der Königin unter den Courtiſanen und der verliebten Köni⸗ gin in Parallele.

Die vorzüglichſte Merkwürdigkeit in Schubra, das Ge⸗ bäude, welches einen wirklich ausgezeichneten Aufenthalt darbietet, iſt ganz mit Grün umgeben. Hinter dieſem dich⸗ ten und wohlriechenden Vorhang hatte der vorletzte ſouve⸗ raine Beherrſcher von Aegypten ein Bad erbaut, wie ohne Zweifel kein ähnliches ſich mehr findet.

Stellen Sie ſich eine Einfaſſungsmauer von weißem Marmor vor, die von hohen Fenſtern durchbrochen iſt, da⸗ mit das Licht durch dieſelben eindringen kann, die aber mit

einem Gitter verſehen ſind, damit man nicht von Außen

hineinblicken kann. Wir wollen es wie im Märchen machen und es wagen einen Blick hineinzuwerfen. Was wir im Innern ſehen werden, iſt der Mühe werth.

Das Innere des geräumigen Vierecks bildet ein mit Waſſer angefülltes Baſſin; Marmorſtufen, die von dem ſtoßen an eine Seitengalerie, die unter einem Säulengang von Marmor um das Baſſin herumführt. Man könnte ſie für einen der Säulengänge halten, unter denen Sokrates ſeine Schüler unterrichtete. Es handelt ſich hier aber eben ſo wenig um den Sokrates, wie um ſeine Moral.

Der Säulengang, welcher das Baſſin umgibt, trägt eine zweite Galerie. Dieſe iſt noch jetzt mit Divans, Arm⸗ ſtühlen und Ruhekiſſen verſehen. Gold und Seide glänzen überall. Endlich erhebt ſich aus dem Waſſer ein Eiland von Marmor, das der Muſchel ähnlich iſt, welche die an tike Venus trug, als ſie aus dem Schooße Amphitritens hervorkam, und ſie nimmt den Mittelpunkt des Baſſins

kein Talent unbemerkt ließ und Bellmann eine

die zweite Hälfte der Summe die Geſchäfte einem Andern übertrug. Der König berief ihn oft an den Hof, um die Geſellſchaft zu be luſtigen. Um Bellmann dazu in die rechte Stimmung zu bringen, erzählt einer ſeiner Freunde, bedurfte es nur einiger Gläſer Wein; dann ergriff er ſeine Cither, träumte einige Augenblicke mit ge⸗ ſchloſſenen Augen und hub ſodann mit hinreißender Begeiſterung zu ſingen an. Er war groß, bleich und mager, aus und verwendete auf ſeinen Körper, namentlich auf ſein Haar, ſehr wenig Sorgfalt; aber in der Aufregung konnte dieſer er⸗ ſchöpfte Körper wieder von Leben, Feuer, Scherz und Freude glühen. Dabei war er von aufopferndſter Nächſtenliebe. Er diente allen und gab allen, ja er beſaß oft nicht mehr als einen Rock. Aber, mein lieber Bellmann, ſprach ihn einſt der König, als er ihm auf der Straße begegnete, an,Ihr ſeid ja ſo mangelhaft be⸗ kleidet?Ich kann Ew. Majeſtät unterthänigſt verſichern, ant⸗ wortete der Dichter ſich tief verneigend,daß ich meine ganze Gar⸗ derobe auf dem Leibe trage! Er ſtarb 1795 an der Lungen⸗ ſchwindſucht.

Bellmann genießt im Auslande wie in ſeiner Heimath eines großen Rufes. C. M. Arndt namentlich erweiterte denſelben durch eine Schilderung in ſeinerEinleitung zu hiſtoriſchen Charakter⸗ bildern(Berlin 1810). Darin heißt es unter Anderem:Er lebte genügſam und zufrieden von einem kleinen Amt, das ſeines könig⸗ lichen Beſchützers Gnade ihm verliehen hatte, ſpielte ſeine Laute oder Harfe, war gern in Trinkgeſellſchaften und frohen Kreiſen, in denen er ſich oft zu bacchantiſchen Freuden hinreißen ließ, ohne

ſchwediſchen Reichsthalern Gehalt verlieh, woraus der Dichter ſich Gels unden d e 1 eine Sinecure mit 1500 Thalern Einkommen machte, indem er für heilige Verzückung über ihn, und faſt alle ſeine Geſänge waren die Kinder ſolcher Augenblicke.

ſah oft ſchläfrig machte,

Stelle mit 3000 daß man ihn eigentlich ausſchweifend nennen konnte. Bei dieſen

Gelagen, unter Freunden und bei dem vollen Becher, kam Apollo's

Das Wunderbarſte iſt, daß dieſer au⸗ ßerordentliche Menſch auch noch das höchſte mimiſche Talent beſaß, über welches ſeine Freunde wunderbare Dinge berichten. Wenn ihn der Wein in poetiſche Stimmung verſetzt hatte, ſuchte er ſich zuerſt die Melodie zu ſeinem Liede, trug dieſelbe vor, indem er der

verſchiedenen Inſtrumente Klang mit Mund und Fingern nach⸗

und ſang dazu was die inſpirirende Muſe ihm eingab. So improviſirte er halbe Nächte vor ſeinen Freunden, vor ſeinem

König, bis er endlich, gleich einer Sibylla oder Pythia, ermattet

niederſank.

Aus alledem erſieht man, daß er ein Dichter mehr der Gele⸗ genheit als der Bildung, mehr der Orgie als harmoniſcher Lebens⸗ auffaſſung war. Auch die vorliegende Auswahl trägt meiſt den Charakter der Improviſation, mehr derber als ſinniger Volks⸗ thümlichkeit.

Der unterweiſende Monatsgärtner. uUmfaſſende Anleitung ſämmtliche monatliche Arbeiten im Gemüſe⸗, Obſt⸗, Blumen⸗, Wein- und Hopfengarten u. ſ. w. Ein immerwähren⸗ der Gartenkalender von Heinrich Gruner, aufs Neue bearbeitet von Carl Friedrich Förſter. Sechſte ſehr verbeſſerte und vermehrte Auflage. Leipzig, Verlag von Im. Tr. Wöller.

Praktiſches Gartenbuch nach den Monaten geord⸗ net für Hausfrauen. Von Henriette Davidis. Dritte verbeſſerte und vermehrte Auflage. Iſerlohn. J. Bädeker. 185%

Die Illuſtrirte Zeitung zeigte kürzlich fünf Gartenjournale

A(III. Jahrg.

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