Jahrgang 
01-26 (1857)
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Clarinettiſten von Geſichtsbläſſe und Gegenwärtig iſt

t, wo er weder übermäßig an⸗ n Stelle hat ihm olfen, welcher bei⸗ 3 und Hand

gt Theodors Clari⸗ tübchen. Zur näch⸗ wobei Kudraß mit

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Nr. 21.) Dritte

nedigs ſelbſt, der Wache haltend an den Grabmälern ſeiner

Helden, von Müdigkeit und Trauer überwältigt die edlen Glieder zum Schlaf auf einem Marmorſarge ausgeſtreckt

habe. Dann iſt es auch ein linder Traum, der die geiſt⸗

vollen Züge verklärt, der Traum von dem goldnen Tage, der Frieden und Verſöhnung bringend über Venedig em⸗ porſteigt und deſſen warme Strahlen die letzten Bande des ſchlafbefangenen Genius löſen werden. Denn noch iſt ja das alte Liebesband zwiſchen Venezia und dem Adriatico nicht gelöſt, alle die ſchlanken raſchen Dampfer mit weiß⸗ rother Flagge ſind ihnen die Boten der alten Liebe und eines neuen glänzenden Glückes. II Adriatico liebt noch heute zärtlich und leidenſchaftlich la bella Venezia; keiner kann es bezweifeln, der einmal ſah, wie ſich ſeine ſtahlgrauen Wogen dunkel und haſtig durch die Lagunen hereindrängten, den Saum ihres Gewandes zu küſſen, und wie im Cana⸗ lazzo, der großen Pulsader Venedigs, die Wellen wie hei⸗ ßes Herzblut ungeſtüm aufſpringen.

Und ſie ſelbſt, la bella Venezia, wie war ſie ſtrahlend

ſchön bei dieſem Rendezvous, wo ſich der wilde, ſchöne Freier ungeſtüm zärtlich zu ihren Füßen wand, ganz mar⸗ morruhig und ſiegesbewußt, lächelnd und klar. Scharf und fein wie Silhouetten hoben ſich von dem goldhellen purpurgefärbten Abendhimmel alle Conturen ihrer Paläſte und Kirchen, keine ſchlanke Säule, keine graziöſe Stein roſe, keine reizendkühne Wölbung ging verloren, der letzte Sonnenſtrahl lag roſig wie ein lockend ſüßes Lächeln auf dem weißen Marmor und der Abendſtern glänzte wie ein Diamant in dem azurnen Schleier, den der Himmel über ihr ausgebreitet hatte, die dunklen ſchaumgekrönten Wo⸗ gen aber rauſchten auf, und aus ihrem Rauſchen klang es ganz deutlich:

O Venezia benedetta,

no ti vogio pitu lasar!

C. M.

folge. 3 331

Schubra.

V

Der franzöſiſche Reiſende Paul Merruau ſpricht ſich in einem kürzlich aus Kairo geſchriebenen Briefe in folgen⸗ der Art über Schubra*) und die Bewohnerinnen von Ae⸗ gypten aus:

Ich wußte, daß ich durch die Vermittlung unſres Conſuls überall Zugang finden würde, wohin mein Wunſch, zu ſehen und mich zu belehren, mich führen möchte. In der That begab ich mich bereits am Tage nachher, wo ich dem Conſul meinen Beſuch abgeſtattet hatte, nach den Gär⸗ ten von Schubra. Dieſen Namen führt ein Palaſt, der in einer kleinen Entfernung von Kairo liegt. Mehemed Ali hat denſelben verſchönert und bewohnt. Jetzt gehört der⸗ ſelbe einem Prinzen von der Familie desGroßpaſcha. Dort kann man ſich eine Idee davon machen, was man in Europadie Wonne des orientaliſchen Lebens nennt.

Eine Allee von Sykomoren oder ägyptiſchen Feigen⸗ bäumen, die über eine Stunde lang iſt, führt bis an den Eingang der Gärten von Schubra. Dieſe Allee läuft längs der Ufer des Nils einher, der hier ſehr breit iſt. Die Nähe des Waſſers und der dichte Schatten unterhalten in dieſer Allee eine Kühle, deren Preis nur die Europäer, welche den Orient bereiſen, vollkommen zu würdigen verſtehen. Die Allee bietet zu den Schönheiten Schubra's einen ſehr hübſchen Eingang. Der Beſitzer des Palaſtes war abwe⸗

ſend, als ich mich daſelbſt einfand. Die Dienerſchaft hielt ſich vor dem Gitter in der Haltung jener nachläſſigen und ein wenig ſpöttiſchen Neugierde, welche das dienſtthuende Per⸗ ſonal aller Großen in allen Ländern der Welt auszeichnet. Als ein charakteriſtiſches Zeichen des Unterſchieds der Orte und Menſchen konnte man mitten unter den andern Dienern

*) In Pierer's Univerſal⸗Lexikon, Art. Kairo, heißt es unrichtig Schudra.

Wir laut, im hellen Sonnenſtrahl Die ſüßen Vöglein allzumal! Ach! aber da

Wo Liebchen ich ſah,

Im Kämmerlein,

So nieder und klein,

So rings bedeckt,

Der Sonne verſteckt

Wo blieb die Erde weit und breit, Mit aller ihrer Herrlichkeit?

Zuerſt erſchien es in der von Jacobi herausgegebenen Iris, Berlin 1776, Band VII. Seite 560; dann in Jarsbis Werken, Zürich 1809, Band III. Seite 104.

Der Nachdru cker Himburg in Berlin gab das Gedicht zu⸗ erſt als Goethe ſches im Jahre 1779. Jacobi hat es immer in ſeine Werke aufgenommen, Goethe erſt nach Jacobi's Tod unter die ſeinigen. 5

In der Iris und in Goethe's Werken hat das Gedicht die Ueberſchrift:Im Sommer und der Text iſt der oben angeführte, während in Jacobi's Werken die Ueberſchrift:Der Sommertag lautet und Zeile 5 und 6 dahin geändert ſind: 3

Wie durch den Hain Die Lüfte ſo rein! u. ſ. f.

Was ſchließlich den Nachdrucker Himburg betrifft, der eigent⸗ lich die erſte Veranlaſſung gab, daß das beſagte Lied für ein Goe⸗ Dhs ſt es gehalten wurde, ſo hat Goethe denſelben bei Gelegenheit des Nachdruckes des 4. Theiles ſeiner Schriften(Berlin 1779 bei⸗ Simburg) gegeißelt:

Was man Andern nach dem Tode thut, Thut man mir bei meinem Leben. Doch ich ſchreibe nicht um Porzellan, noch Brod, Für die Himburg'sbiniichtodt. (Siehe Goethe's Briefe an Frau v. Stein; dann: Wahrheit und Dichtung, 4. Theil.) H.

Novikäten. V Der ſchwediſche Anakreon. Auswahl aus C. M. Bell⸗

mann's Poeſien. Aus dem Schwediſchen von A. v. Winter⸗ feld. Nebſt Sammlung über Bellmann's Leben und Charakteri⸗ ſtik. Berlin. Verlag von A. Hofmann und Comp. 1856. C. M. Bellmann iſt der Beranger Schwedens, der beliebteſte Liederdichter ſeines Volkes, der Sänger der nordiſchen Luſt, die freilich mehr noch für Bacchus als für Aphrodite die Schranken über⸗ ſchreitet. Seine Charakteriſtik hat Berührungspunkte mit der des amerikaniſchen Dichters Edgar Poe, die wir kürzlich hier gaben. Bellmann wurde am 24. Febr. 1741 geboren, ſtudirte in Upſala, zeigte in ſeiner Jugend früh eine religiöſe Richtung, ließ ſich aber bald zu einem diſſoluten Leben in luſtigen Geſellſchaften verführen, die förmliche Jagd auf ihn machten, um ſein unvergleichliches Im⸗ proviſatortalent auszubeuten. Dieſe verhängnißvolle Gabe machte ihn zum gefeierten Liebling des Volks; leider aber beſang er nicht alleinBacchi Tempel, ſondern gab ſich einem ſo werktbätigen Cultus darin hin, daß er bald alle Attribute eines verkommenen Genies hatte. Beim Zollweſen angeſtellt, verſäumte er ſeine Dienſt⸗ pflichten; zum Glück herrſchte König Guſtav III. in Schweden, der