drückt, auf das Notenblatt gelegt oder aus den Fenſtern der Häuſer zugeworfen wurden, nur zu häufig falſche Kupfermünze, Cigarrenſtumpfe, Pfirſich- und Pflaumen⸗ kerne, runde Steinchen, bleierne oder meſſingne Knöpfe
keine Ohren? dlenick⸗Polka,
Pa u oder ähnlich devalvirtes Geld, bei deſſen Anblick Kudraß näumeriſcher in eine gerechte Wuth verſetzt wurde, ſolche aber nicht an und mit deren eigentlichen Veranlaſſern, ſondern an dem ſchuld⸗ de kranke loſen Clarinettiſten ausließ.„Kroll!“ ſprach Kudraß end⸗ 4 lich zornig,„ich kann Dir nicht helfen: Du mußt einkaſ⸗ Lannebooms.“ ſirengehen oder wir machen noch Bankerott.“ Kähr den zehmnt Dieſes Letztere wollte Kroll nicht, daher er ſich zu dem
Erſteren hergab. Dort ſteht er nun in ſeinem blauen Frack, in den unten beränderten Zwillichhoſen, die Mütze und das Notenblatt in der linken Hand, während er mit der rechten den Klingelzug eines nahen Hauſes in Berührung ſetzt. Die Trompete hängt über ſeinen rechten Arm, die Poſaune ruht dagegen unter dem linken. Sein halb rückwärts ge⸗
Ach, wäre ich
den der großen
m Heere Dreh⸗
und flegender wendetes Antlitz verräth eine ſtille Entſchloſſenheit, jeden nagnie ſpilt an ihm verſuchten Muthwillen enetgiſch zurückzuweiſen. D enfimidchel Während dem muſicirte das Vierblatt ohne ſeinen s die Füßr Trompeter fort. Da näherte ſich dem wieder träumeriſchen 1s E nſammeln Clarinettiſten der junge Hornbläſer, verabreichte ihm mit niſten, als dem dem Bauche ſeines Inſtruments einen derben Anſtoß und r Kapellmeiſe bedeutete ihn zugleich durch eine verſtändliche Kopfbewe⸗ daß der Ange gung, um ſich in die Ferne zu ſchauen. Als dieſer Wink rſchlage und bei Theodor unbeachtet blieb, ſetzte Kroll jun. ſein Mund⸗ war Theodor ſtück ab und ſagte mit pfiffigem Lächeln:„Wieſel, Du te. Aun zd, Traumbuch, dort ſteht ein hübſches, junges Weibsbild und nic weh winkt Dir ſchon ſeit etlichen Minuten zu. Stellſt Dich im⸗
bhrlichkeit nict
mer, als wüßteſt Du nicht, daß es Weibsbilder in der Welt gebe, und nun kommen Deine Schliche auf einmal an den Tag.“
Mechaniſch blickte Theodor um ſich. Faſt entſank ihm vor Schreck die Clarinette. Eine tiefdunkle Röthe, wie noch nie im Leben, überzog ſein bleiches Antlitz. Seine heftig zitternden Finger vermochten kaum noch die Löcher
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und Klappen der Clarinette zu treffen. er geſenkten Auges weiter fort. Erſt nachdem die Polka zu Ende war, wagte er mit furchtſamem Blick wieder auf⸗ zuſchauen. Ach, das Geſpenſt, das ihn ſo erſchreckt hatte, ſtand noch immer dort, ſein eifriges Winken fortſetzend. Da verließ er, gebeugt wie unter einer erdrückenden Laſt, ſeine Gefährten und wankte der weiblichen Geſtalt ent— gegen, in welcher er— o Himmel! ſeine Schweſter er⸗ kannt hatte.
„Du hier, Malchen?“ ſprach er leiſe mit ungeheurer Anſtrengung.„Ich glaubte Dich daheim und an den Stick⸗ rahmen gebannt.“
„Du dort, Theodor?“ verſetzte die Schweſter ſchmerz⸗ vergehend. Dabei zeigte ſie auf die neugierig nach dem Ge⸗ ſchwiſterpaar ſich umſehenden Muſikanten.„Ich mußte—“ fuhr ſie fort—„für meine Arbeitgeberin zum Muſter⸗ zeichner gehen, und da— erblickte ich Dich!“
„Laß uns in das Haus hier treten—“ bat Theodor gepreßt. Als ſie in die Hausflur gelangt waren, hob Mal⸗ chen händeringend an:„Wenn das unſere Mutter wüßte! Wenn unſer ſeliger Vater in ſolcher Geſellſchaft Dich ſähe! Im Grabe wendete er ſich um.“
„Konnte ich denn anders?“ ſchluchzte Theodor.„Mein Advocat hatte mir den Dienſt aufgekündigt. Mein Be⸗ mühen um eine andere Schreiberſtelle blieb vergeblich. Sollte ich mich durch Deine Nadel ernähren laſſen, die kaum Dir das Leben friſtet? Sollte ich unſrer kranken Mutter ſchwere Sorge machen oder zur Laſt fallen? Hunger thut weh, und Clarinette blaſen iſt ja nicht ſo ſchimpflich wie Betteln oder Stehlen. Lieber noch wäre ich geſtorben. Aber an ſich ſelbſt die Hand legen ſoll man nicht, und der von mir ſehnlichſt herbeigewünſchte Tod wollte immer nicht kommen. Da blieb mir keine Zuflucht übrig, als des Va⸗ ters Clarinette, die er mich bei ſeinen Lebenszeiten ſpielen gelehrt. So bin ich unter jene fliegende Kapelle gerathen. Und nun wirf den Stein auf mich, wenn Du kannſt.“
Dennoch blies
ndlichen Entzückens, eine Stunde
uoffen indiſche Thränen, ein unerklärliches Entſetzen, und wieder ſetzte urzte n ſeine Flucht und ſie ihre Verfolgung fort.
Die Liebe iſt eine ſo eigenthümliche, ſo unerklärliche Erſchei⸗ rung, daß die der ſchönen Anna mit den Koſten der Poſtpferde : a un gleichem Verhältniß zu wachſen ſchien.
— So langte Lord William eines Tages in Petersburg an, ſines umherirrenden Lebens ziemlich müde. Das Klima mißfiel dom und ſeine Laune wurde immer finſterer und finſterer. Zwei
Tage nach ſeiner Ankunft erfuhr er die der Lady Lasley.
Er war ſo eben aufgeſtanden und ſah zum Fenſter heraus, diat ſoch halb erfroren ſchloß er es bald wieder. Er wollte ſich raſi⸗ ien, aber ſein Meſſer war ſtumpf.
* gord Blol junge Mann ſeines Lebens überdrüſſig, und noch mit dem Schaum der Windſorſeife auf dem Geſichte ſetzte er ſich an den Schreibtiſch,
1 ſchrieb einige Zeilen und ſiegelte ſie mit einem Miniaturbilde, das
gferde er beſtändig bei ſich getragen hatte, in ein Couvert. Als er ſein
Icus⸗ Pappen auf das Siegellack gedrückt und die Adreſſe auf den Um⸗ 2antt⸗”“ ſhlag geſchrieben hatte, ergriff eg auf's Neue ſein Raſirmeſſer und AInc liſte mit kaltblütiger Entſchloſſenheir das Problem:„Ob ein Neſſer, zu ſtumpf für den Bart, für den Hals ſcharf genug iſt.“ Nachdem Lady Lasley auf derlutenden Leiche Lord Williams gweint hatte, Andromache über dem Körper Hektors, las ſie die enennt. an ſie gerichteten Zeilen: 9 4„Anna! end Das Bild, das Sie hier beigeſchloſſen finden, wird Ihnen die Sonderbarkeit einer Liebe erklären, welche Ihr Unglück und das meinige machte. Das Bild iſt das meiner Mutter. Wenn Sie es erblicken, werden Sie den furchtbaren Kampf begreifen,
ſpäter aber folgten Zittern,
Da wurde der unglückliche
den ich zu beſtehen hatte; dies Bild allein iſt im Stande, Ihnen das Geheimniß meiner Liebe und meines Widerſtrebens zu er⸗ klären. William Brown.“ Lady Lasley richtete die Augen auf das Bild und ſtieß einen Schrei aus. Zwiſchen ihr und dem Gemälde herrſchte eine ſo wunderbare Aehnlichkeit, daß man darin eine treue Copie der Züge Lady Anna's ſehen mußte. „Poſtpferde!“ gebot ſie augenblicklich, Ende! Ich will es verſuchen, in der Stadt, wo auch meine Liebe zu vergeſſen!“ Und dies ſchien ihr vollkommen gelungen zu ſein, denn ſchon in wenigen Monaten erklärte man ſie in den Salons von Paris für eine der liebenswürdigſten Frauen der Welt. a.
„Der Traunm iſt zu man Alles vergißt,
Aus der Gegenwart. Berliner Plaudereien. Eduard Mantius.
Wieder iſt einer von der alten Berliner Operngarde dahin— nicht vom Daſein, aber von der Bühne geſchieden, der er von Be⸗ ginn ſeiner Künſtlerlaufbahn bis zu deren Ende ohne Unter⸗ brechung angehörte. Eduard Mantius, der liebliche, in der Blüthezeit ſeiner Stimme vielleicht der lieblichſte aller Lieder⸗ ſänger, der innige, zarte⸗Tenoriſt hat am 27. April dieſes Jahres
in der Partie des Floreſtan in„Fidelio“ und den Glanznummern aus der„Zauberflöͤte“(„Dies Bildniß iſt bezaubernd ſchön“) und „Iphigenia in Tauris“ ſeiner langjährigen Bühnenwirkſamkeit den Grenzſtein geſetzt. Wie mancher, der ihn vor fünfzehn, zwan⸗


