Abermals erklang dieſelbe, wobei dem lauſchenden Schenkmädchen die Zehen in den Schuhen hüpften, als ein Polizeimann in die Stube trat.
„Was heißt das?“ fuhr er barſch die Muſiker an— „wer erlaubt euch, ſo früh ſchon hier Tanzmuſik zu machen? die ganze Nachbarſchaft aufzuregen?“
„Nichts für ungut, Herr Dobler!“ nahm Kudraß das Wort.„Wir üben nur die neue ungariſche Polka ein. Auf nächſten Montag haben wir Jahrmarkt und da müſſen wir für neue Stücke Sorge tragen.“
„Da ſolltet Ihr Eure Proben an einem abgelegenen Ort und nicht in dieſer am Anlauf befindlichen Wirthſchaft ausführen“ erwiderte der Polizeimann.„Wie leicht und gern laſſen ſich leichtſinnige Menſchen durch Eure Muſik zum Verlaſſen ihrer Arbeit und zum unzeitigen Tanzen verführen!“
„In unſern armſeligen Wohnungen—“ verſetzte Ku⸗ draß—„haben wir keinen Raum für unſere Proben und in den Keller deshalb kriechen wie die Kellerwürmer können wir nicht.“
„Nicht anzüglich geſprochen—“ warnte der Poliziſt— „ſonſt legen wir euch das Handwerk ganz.“
Giftig blickte Kudraß dem abgehenden Poliziſten nach. Dabei murmelte er Worte zwiſchen den Zähnen, die buch⸗ ſtäblich wiedergugeben bedenklich iſt, weil ſie mit den Stich⸗ wörtern aus der demorcatiſchen Blüthenzeit der Jahre
1848 und 1849 verwandt waren.
„Dam mir der Aerger nichts ſchade—“ ſprach Lohſe gelaſſen—„ſo muß ich einen Nordhäuſer darauf ſetzen.“
„Du wirſt ſo lange norohäuſern—“ erwiderte Ku⸗ draß,—„bis man Dir ein ſchwarzes Kreuz auf das Grab ſetzt.“
„Das iſt das Ende von jedem Liede—“ meinte Lohſe und trank ſeinen Nordhäuſer hinunter.
hielt plötzlich Kudraß mit ſeinem Celloſpiel inne.„O Mo⸗ zart und Haydn!“ rief er aus.„Habt Ihr keine Ohren? Hört Ihr nicht, daß Wieſel, anſtatt die Sedlenick-Polka, o Tanneboom, o Tanneboom pfeift? Heda! rappelt's mit dem Burſchen? Wo hat Er Seine Gedanken, Augen und Ohren?“ Theodor ſchrak zuſammen. Sein träumeriſcher Blick wandelte ſich in einen ſchmerzlichen um und mit ſanfter Stimme ſprach er:„Ich dachte an meine kranke Mutter! „Und da kam er aus der Polka in den Tanneboom—“ ſpottete Kudraß—„und aus dem Thon in den Lehm! V Das ſind Muſiker! daß Gott ſich erbarme! Ach, wäre ich doch lieber ein Holzſpalter geworden!“
Jahrmarkt war's. Aller Orten und Enden der großen Hauptſtadt wurde die edle Muſica von einem Heere Dreh⸗ V orgler, Geiger, Harſeniſten, Citherſpieler und fleegender Kapellen gemißhandelt. Kudraß und Compagnie ſpielte die Sedlenick⸗Polka zum Entzücken aller Dienſtmädchen und tanzluſtigen Schönen. Weniger rührig ls die Füße bewieſen ſich die Hände zum Geben. Das Einſammeln des Spielhonorars kam eigentlich dem Horniſten, als dem jüngſten Gliede der Kapelle, zu. Allein der Kapellmeiſter V
Kudraß hatte nicht ungegründeten Verdacht, daß der unge Kroll einen Theil der empfangenen Gelder unterſchlage und zu ſeinem eigenen Nutzen verwende. Daher war Theodor
von ihm mit dem Kaſſireramte betraut worden. Nun za, einen grundehrlicheren Kaſſirer hätte man nicht auffinden. können; allein heutzutage reicht die Grurndehrlichkeit nicht mehr zum Fortkommen aus. Der ehrliche Clarinettiſt mit ſeinem bleichen, gutmüthigen, jedoch etwas einſältig ſchei⸗ nenden Antlitz, mit ſeinen ſchlaffen Hängebacken und treu⸗ herzigen Augen, mit ſeiner Schüchternheit und ſtillen Sanftmuth war bald zur Zielſcheibe nicht nur der ſpott.
„Nun aber raſch aufgeſpielt!“ drängte Kudraß. Die Schenkſtube hallte wieder von den luſtigen Klängen. Da
luſtigen Jugend geworden. Daher enthielten die Papier⸗ wickel, welche dem einkaſſirenden Theodor in die Hand ge⸗
und dieſen habe das unerwartete Wiederfinden auf eine ſo unge⸗ wöhnliche Weiſe erſchüttert. Dieſe Meinung war aber durchaus falſch, denn Lady
net. Deſto öfter jedoch ſahen ſie ſich von nun an, und bald wußte alle Welt, daß ſie ein erklärtes Liebespaar waren. Man ſah ſie uͤberall und ohne allen Zwang mit einander, auf den
offentlichſten Promenaden wie auf den einſamſten Spaziergängen,
denn ſie machten kein Geheimniß aus ihrer gegenſeitigen Liebe, und Lady Lasley, eine junge, durchaus unabhängige Witwe, ſah täglich ſeiner Werbung um ihre Hand entgegen. Doch immer und immer wieder wurde ihre Erwartung getäuſcht, obgleich ſie in ihrer Ungeduld endlich ſelbſt die Gelegenheit zu einer ſolchen Werbung mehrmals herbeizuführen wußte.
Lord Brown äußerte unverhohlen ſeine Zärtlichkeit, ja er ſprach wiederholt das Geſtändniß ſeiner Liebe aus, aber dabei zeigte er eine beinahe ehrfurchtsvolle Scheu vor ſeiner Geliebten, und in Momenten innigerer Zärtlichkeit wich er oft plötzlich wie erſchrocken, ja wie entſetzt, vor ihr zurück, ſo daß ſie ſich ſein wechſelvolles Benehmen auf keine Weiſe zu deuten wußte. Als ſie endlich bei der Wiederholung eines ſolchen Auftrittes Thränen in ſeinen Augen glänzen ſah, fragte ſie ihn mit dem Tone herzge⸗ winnender Theilnahme:
„Was iſt Dir denn, William?“
„Ich liebe Dich!“ ſagte er und ſeufzte ſchwer.
„Und ich liebe Dich auch von ganzer Seele!“ gebend und glaubte, gekommen ſei. Er aber wich von ihr mit dem Aasrufe zurück: „Wehe! Wehe über uns!“
rief ſie hin⸗
Lasley und Lord Brown warin einander noch nie zuvor im Leben begeg⸗
daß nun endlich der entſcheidende Augenblick
Erſchrocken bat ſie, ihr dies hölliſche Geheimniß zu offen⸗ baren, und ergriff ſeine Hand; er aber riß ſich los und ſtürzte wie wahnſinnig hinweg.
Am nächſten Tage erhielt ſie das folgende Billet:
„Dey Tag, an welchem ich Sie zum erſten Male ſah, ent⸗ ſchied üher mein Leben. Ich muß fern von Ihnen an einer hoffnungsloſen Liebe ſterben, an einem Sehnen, das nie Be⸗ friedigung finden darf. W. B.
Nichts reizt die Liebe mehr, als Schwierigkeiten; Lady Las⸗ ley klingeltſe daher ihren Leuten und befahl:
„Poſtpferde! In einer Stunde reiſe ich!— Man erkundige ſich auf der engliſchen Geſandtſchaft, welchen Weg
eingeſchlagen hate.
„Nach Venedig!“ ward ihr die Kunde. 8
„Nach Wenedig!“ gebot ſie;„und was die Pferde laufen
können.“ 3
Lady Lagley traf Lord William auf dem Sanct⸗Marcus⸗
Platze, und vaͤller Freuden ſanken ſie einander in die Arme.—. „Grauſander!“ klagte die ſchöne Anna.„Liebte ich Dich
denn nicht? Weshhalb entfloheſt Du vor mir?— Ich bin ja Dein,
— Dein für immher!“.
Bei dieſen Worten erbebte Lord Brown vom Kopf bis zu de Füßen. Eine Sbtunde ſpäter rollte ſein Reiſewagen im raſcheſten Laufe der Pferdel auf der Straße nach Rom dahin, während Lady Lasley ihn in Venedig im Theater Fenice erwartete. zS
So machte? der unglückliche Lord Brown die Runde di ganz Europa, um der unglücklichen Lady Lasley zu entfliehen, die ihn überall hiän verfolgte. Holte ſie ihn ein oder trafen ſie 4
zufällig, ſo gab zos einen Auftritt unausſprechlicher Freude, un⸗
Lord Brown⸗„
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