Jahrgang 
01-26 (1857)
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gen iſt friſch. Hurrrr! Biſt Du auch ſchon da, Wieſel? fuhr er zu dem Clarinettiſten fort.Ich wollte der Erſte hier ſein, weil ich zuvor die Maſchine inwendig heizen muß, wenn mein Dampſſchiff flott ſegeln ſoll.

Er holte unter ſeinem Mantel eine alte Geige hervor, die er neben die Clarinette legte.

Das wärmt! ſprach er zufrieden, indem er aus einem kleinen Fläſchchen, welches ihm das Schenkmädchen einge⸗ händigt hatte, den Feuertrank in langen Zügen hinunter⸗ ſchlürfte.Das rinnt hinab wie geſchmolzenes Blei. Hurrrr! nicht lange, und meine jetzt noch zitternden Hände werden ſicher und feſt den Fidelbogen bewegen und das Griffbret bearbeiten. Ja, Wieſel, haſt Du auch einen hin⸗ ter die Binde gegoſſen? Er iſt nicht ſchlecht, der Nordhäu⸗ ſer hier.

Theodor erwiderte kein Wort, ſondern blickte unver⸗ wandt in das Zeitungsblatt.

Stockfiſch! ſchimpfte der Alte, das Fläſchchen nach jedem Schlucke gegen das Licht haltend.Sieht das bleiche Jammergeſicht nicht wie ein herabgeſchmolzenes Pfennig⸗ licht aus? Doch waxum ärgere ich mich über den einfäl⸗ tigen Burſchen! Heda, Jungfer, noch einen Schnitt! Machen Sie's aber hübſch reichlich; dann will ich zu Ihrer Hochzeit mitſpielen, daß es nur ſo fliegen ſoll.

In dem Augenblick, wo der Alte das Fläſchchen aber⸗ mals zwiſchen ſeine Lippen brachte, trat ein drittes Glied der fliegenden Kapelle ein. Es war eine kleine, jedoch ge⸗ drungene, breitſchulterige Geſtalt, die eine nach vorn ge⸗ beugte Haltung beſaß, in ihren Bewegungen aber eine gewiſſe, feſte Entſchloſſenheit zeigte. Der Mann war ein Fünfziger, trug dunkles Haar und um das Antlitz einen krauſen Backenbart. Der aufwärts gezogene Mund mit der aufgeworfenen Unterlippe und eine etwas ſpitzige Naſe ließen auf eine Neigung zum Spott, wie zum leicht auflo⸗ dernden Zorn rathen.

Dachte ich's doch gleich hob er nach dem erſten

Rovellen-Zeitung.

Umblick andaß ich Lohſen wieder über dem Trinken treffen würde. Wenn Du es ſo forttreibſt, ſo wird Dir der blaſſe Klappermann bald einmal den bitterſten aller Bit⸗

tern einſchenken. Ich trinke auch mein Glas Schnaps, doch

nur mit Maß. Alles mit Maß, lautet mein Grundſatz.

Ei, das iſt doch kein Maß lachte Lohſe, ſein

Fläſchchen vorzeigendſondern das kleinſte unter den

V Mäßern. Man kann nicht genügſamer ſein wie ich. Gönne mir doch das Thränchen, Kudraß, und laß Dein ewiges

Knurren ſein.

Wo bleibt aber Kroll mit ſeinem trägen Buben? fragte Kudraß und ſtellte das mitgebrachte Cello hin. Punkt neun Uhr habe ich Euch Alle hierher beſtellt und jetzt ſind bereits 20 Minuten darüber. Ich konnte nicht eher kommen, weil ich erſt die neue Sedlenick⸗Polka vollends⸗ ausſchreiben mußte, auf welche Jedermann jetzt ſo verſeſ⸗ ſen iſt. Sorgte ich nicht immer noch für neue Stücke, ſo wären wir längſt ſchon auf dem Hund.

Wir ſind nicht mehr weit davon brummte Lohſe halblaut.

Haſt Du die neue Polka ſchon gehört, Lohſe? fuhr Kudraß fort.Aus es dur dai di, dai di, dai da, dai da, dai do, dai do, dai dum, dum, dum? Da iſt Deine Stimme, Lohſe, und hier die Deine, Wieſel! He, Wieſel! träumt Er ſchon wieder? Mit offenen Augen, wie die Haſen! Allons, die Clarinette zwiſchen die Zähne genom⸗ men! Gib a an, Wieſel, damit wir unſere Inſtrumente danach ſtimmen können. Wir wollen einſtweilen zu Dreien⸗ probiren.

Das Einſtimmen ging vor ſich, wurde aber bald un⸗ terbrochen. Von der Fauſt des Vaters im Rücken gepackt und vorwärts geſtoßen, ſtürzte ein etwa 14jähriger Burſche über die Thürſchwelle in die Schenkſtube herein. Er trug ein Waldhorn unter dem Arme und ſtieß ein dumpfes Ge⸗ heul hervor.

Hat man nicht ſeine Noth mit dem verſchlafenen Bu⸗

Feuilleton.

de

Ein geheimniß.

Gegen Ende des Herbſtes 1837 beſchäftigte man ſich in Flo⸗ renz viel mit einem jungen Engländer, Lord William Brown, der zwanzig Jahre alt, ſchön und geiſtreich war und dabei 25,000 Pfund Sterling jährlicher Einkünfte und den Spleen hatte.

Sein Wagen, ſeine Pferde, ſeine Haare, ſein Anzug waren ſchwarz, ſein Geſicht blaß und traurig. Jeden Abend ſah man ihn auf der Promenade am Arno, träumeriſch zurückgelehnt in die Kiſſen ſeines Wagens, nicht achtend der ſchönen Frauen, die ihn anbeteten und die er nicht einmal ſah. Die Frauen fragten ſich theilnahmvoll, was für ein großer Schmerz ſchon dieſen Jüng⸗ ling von zwanzig Jahren getroffen haben könne, und viele von ihnen würden willig mit ihrem eigenen Glücke das bezahlt haben, den intereſſanten Traurigen tröſten zu können.

Eines Abends wurde ein glänzendes Feſt in der Villa Cata⸗ lani begangen. Alle Geſandtſchaften bekamen eine Anzahl Ein⸗ ladungskarten zur Vertheilung an ihre Landsleute, und eine derſelben wurde Lord Brown angeboten. Angelockt durch den europäiſchen Ruf der Feſtgeberin verzichtete Lord William für

einen Abend auf ſeine träumeriſchen Gewohnheiten, auf ſeine Nei⸗/ gung zur Einſamkeit, und gegen Mitternacht hielt ſeine Equipag⸗ vor der prachtvoll erleuchteten Villa, deren ſämmtliche Räumgh von der glänzendſten Geſellſchaft erfüllt waren. Alle Nationen ſchienen ihre Stellvertreter zu dieſem Feſte geſendet zu haben u und bis in die einſamſten Bosquets des Gartens ertönte das bun⸗ teſte Gemiſch von Sprachen.

In die Mitte dieſer Verſammlung trat der junge Mann, den ein undurchdringliches Geheimniß ſo intereſſant machte, und flüſternd ging es voll Verwunderung von Mund zu Mund:Lord Brown! Denn obgleich alle Welt ihn kannte, hatte man ihn doch noch in keinem Salon geſehen.

Leicht und anmuthig begrüßte er die Signora Catalani, trat dann aber, die Menge nicht beachtend, in die Vertiefung eines Fenſters und blickte träumeriſch hinaus in die Nacht und auf Flo⸗ renz, das zu ſeinen Füßen ausgebreitet lag.

Wer iſt denn dieſer Lord Brown? fragte man.

Ein Mann mit 25,000 Pfund Sterling jährlicher Ein künfte, entgegnete ein Banquier.

Ein Narr oder ein Geck, ſagte ein alter Junggeſell. Eine vortreffliche Partie, bemerkte eine Witwe, die ſi

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