Jahrgang 
01-26 (1857)
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folge.

Nr. 19.) Drilte 299

Folgende eilf werden belaſtet und nach Maßgabe und Höhe der Belaſtung hier aufgeführt:

1. Breslau mit 7500 Thlr. und 400 Thlr. an Mieth⸗ zins und andern Abgaben.

2. Köln mit 7000 Thlr. an verſchiedenen Miethzinſen und Abgaben an die Armen.

3. Hamburg mit 14,750 Mark Cour. an Miethzins und andern Abgaben.

4. Stettin mit einer Miethe von 3000 Thlr. bei der

bedeutenden Ausgabe von gleichfalls 3000 Thlr. für reiche Gasbeleuchtung im neuen Hauſe.

5. Bremen mit einem Miethzins von 4600 Thlr. und

einem Benefiz.

6. Königsberg mit einem Betrage von circa 4000 Thlr. für Miethzins und zwei Benefizen für die Armen. .Magdeburg mit 2400 Thlr. Miethzins für ein altes und unanſehnliches Haus und für das Tivoli⸗Theater.

8. Danzig mit einem Miethzins von 1800 Thlr.

9. Nürnberg mit einem drückenden Privilegium und einem Geſammtbetrage von 1500 Fl. an Miethe. Thalia⸗Theater in Hamburg und Peſth, beide mit einem Miethzins, deſſen Betrag dem Verfaſſer unbekannt iſt.

Die Zahl der deutſchen dramatiſchen Künſtler kann

man wie in Frankreich auf 6000 annehmen, welche Zahl

die Vorſtände der Theater, Orcheſter und Regie, ſowie die

Schauſpieler und Schauſpielerinnen, Sänger und Sänge⸗

rinnen, Tänzer und Tänzerinnen mit Inbegriff des Corps

de Ballet nebſt Souffleurs in ſich faßt, nicht die Choriſten und Choriſtinnen, welche die Zahl der 6000 in Frankreich mit bilden. Desgleichen kann man die Zahl der Mitglie⸗ der des Chors, des Orcheſters und des geſammten Admi⸗ niſtrationsperſonales mit Einſchluß des techniſchen und

Unterperſonales, welche Perſonen in obiger Zahl von 6000

nicht begriffen, beim deutſchen Theater auf 10,000 anneh⸗ men. Dieſe Zahl überſchreitet die obige von 6000, weil

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die Anzahl der Mitglieder des Chors und Orcheſters, an ſich bedeutend, in neuerer Zeit noch bedeutender geworden iſt.

Die Zahl der ſämmtlichen zum deutſchen Theater ge⸗ hörenden Perſonen würde ſich ſonach auf 16,000 belaufen, eine Summe, welche die von denſelben Gattungen in Frankreich noch übertreffen dürfte.

Die Zahl der deutſchen Theater und Geſellſchaften, worin allerdings auch die in Ungarn, Polen, Rußland und der Schweiz(nicht in Amerika) begriffen, kann man auf 200 annehmen, welche in 23 Hoftheatern, 100 ſtädti⸗ ſchen und ſtändiſchen Theatern und circa 77 reiſenden Ge⸗ ſellſchaften beſtehen, deren Anzahl gleichfalls größer als die für Frankreich oben angegebene von 136 iſt.

Abgeſehen von ausnahmsweiſe eintretenden, die ge⸗ wöhnliche Größe überſchreitenden Gagen, die nur bei einer geringen Zahl von Künſtlern ſtattfinden, betragen bei Hof⸗ und vorzüglichen Stadt-Theatern die Gagen erſter Claſſe 2000 4000 Thlr.; die zweiter Claſſe 1000 2000 Thlr.; die dritter Claſſe 500 1000 Thlr.; bei kleineren Stadt⸗Theatern und reiſenden Geſellſchaften belaufen ſich die Gagen von 300 800 Thlr., höchſtens 1000 Thlr.

Eine bemerkenswerthe finanzielle Erſcheinung iſt folgende:

Ein Vergleich der Kaſſeneinnahme der neueren Zeit mit der vor mehreren, etwa 3 bis 4 Jahren, lehrt, daß die Kaſſeneinnahme ſeit dieſer Zeit bedeutend geſtiegen iſt. Zeigt ſich dieſe Steigerung am hervorragendſten in den größten Städten, wie Paris, Wien und Berlin, welche End⸗ und Aufenthalts⸗Punkte für die Reiſenden bieten und überhaupt viele Fremde verſammeln, ſo zeigt ſie ſich doch auch in Städten mittlerer Größe, wenn auch in min⸗ derer Höhe. Dieſe Anhäufung von Fremden wird bekannt⸗ lich durch das ſich immer mehr vollendende Netz der Eiſen⸗ bahnen herbeigeführt, welche nach einem lateiniſchen Aus⸗ druck wahre Vomitoria ſind. Dieſe Menge der Fremden iſt

Portraits. Ein Fürſt der alten guten Zeit. 4 Obriſtlieutenant v. Blumröder erzählt in ſeinen ſchon er⸗ wähntenErlebniſſen(Sondershauſen, F. A. Eupel, 1857): Die erſte Stelle in meiner dankbaren Erinnerung nimmt der am 22. April 1837 in die Ewigkeit gegangene edle Fürſt, Gün⸗ ther Friedrich Karl von Schwarzburg⸗Sondershauſen, der Vater des jetzt regierenden Fürſten, ein. Da ich mehrere Jahre der Tiſchgenoſſe dieſes Herrn war, und er, bei guter Laune, gern von ſeinen jugendlichen Abenteuern erzählte, ſo habe ich Gelegen⸗ heit gehabt, i cher Andere, der ihm ferner ſtand, und mich überzeugt, daß ſein ſcharfer Verſtand mit einem guten, gefühlvollen Herzen verbun⸗ den war, daß ſeine kräftige Natur aber auch von ſtarken Leiden⸗ ſchaften bewegt wurde, welche er nicht immer zu beherrſchen wußte. Er geſtand ſelbſt, daß ſeine Erziehung ſehr vernachläſſigt worden ſei, und beklagte es, daß er in ſeiner Jugend nicht mehr Kenntniſſe eingeſammelt habe. Gewiß würde er, wenn man ihm Geſchmack an der Literatur und Lectüre beigebracht hätte, vor mancher Thorheit, vor mancher koſtſpieligen Liebhaberei, womit er die leere Zeit auszufüllen ſuchte, verwahrt worden ſein. Aber ich will nicht von ſeinen Fehlern und Schwächen reden, ſondern von ſeinen Vorzügen, beſonders von ſolchen, worin er vielleicht einzig in ſeiner Art war. Dazu gehörte zuvörderſt ſeine außerordentliche Popularität, die ihn veranlaßte, jedem, auch dem Geringſten, herablaſſend und freundlich zu begegnen, bei Gelegenheit ſich mit Perſonen vom Bürger⸗ und Bauernſtand ins Geſpräch einzulaſſen und ſich nach ihren Anliegen zu erkun⸗

tiefere Blicke in ſeinen Charakter zu thun, als man⸗-

digen. Dieſe Popularität war aber keine ſtolze Herablaſſung,

keine leere, zur Schau getragene Demonſtration, ſondern ſie ging aus wirklicher Theilnahme hervor. Es war eine beſondere Eigen⸗ thümlichkeit dieſes Herrn, daß er, ſo weit es anging, gern ſeine Freuden und Genüſſe mit ſeinen Bürgern theilte. In ſeinen jüngern Jahren vereinte ſich dieſer theilnehmende Fürſt gern mit den Fröhlichen bei Gelegenheit kleiner Volksfeſte, zu welchen auch der Geringſte Zutritt hatte und ſich mit dem gnädigen Herrn zu⸗ gleich im Tanze drehen konnte. Als noch Wildeſchweins-Jagden gehalten wurden, gab er jedesmal nach geendigter Jagd den hieſi⸗ gen Bürgern einige gebratene Schweine zum Beſten und auch am Weine feblte es nicht. Aus dieſer Neigung, andern den Genuß zu verſtatten, den er ſelbſt liebte, ging nicht allein die oft geta⸗ delte Erlaubniß des Tabakrauchens in ſeinem Hoftheater hervor, ſondern auch der Entſchluß, dieſes Theater ſeinen Unterthanen ganz frei zu geben. Als ihm aber vorgeſtellt wurde, daß der Aufwand, den dies Theater erforderte, eine zu große Lücke in den Finanzen verurſache, wurde daſſelbe ſofort aufgehoben. Auch in kleinen Zügen offenbarte ſich dieſe Theilnahme an Allem, was im bürgerlichen Leben vorging. Als einſt der Geburtstag des Fürſten auf dem hieſigen Schützenhauſe gefeiert wurde, war ein ſonſt wackerer Bürger beim Nachhauſegehen in den Mühlgraben gefallen. Davon in Kenntniß geſetzt, ſchickte ihm der Fuͤrſt am andern Morgen einige Flaſchen Champagner mit dem Zuſatze: er ließe ihm danken, daß er ſeinen Geburtstag zu Waſſer und zu Lande gefeiert hätte. 3 3

Es läßt ſich denken, daß ſich dieſer Fürſt durch dieſe Popu⸗ larität nicht nur die Liebe und das Vertrauen des Volks erwarb, ſondern ſich auch eine Menſchenkenntniß erwarb, welche andern