Jahrgang 
01-26 (1857)
Einzelbild herunterladen

moſphäre war durch Rauch, Tabak, naſſe Kleider und Branntwein wahrhaft mephitiſch geworden und der un⸗ glückliche Baron feſt überzeugt, daß er ohne weitere Vor⸗ hölle direct in das Himmelreich ſpazieren werde, da ihm St. Peter dieſe Nacht ſicher dafür anrechnen werde. Auch ſah er in ſeinen unruhigen Träumen allerlei Teufel mit Gemshörnern, die ihn verhöhnten, und weibliche Unge⸗ thüme, die ihm glühendes Gold eingießen wollten kurz er fühlte ſich wirklich in einer Hölle!

Aber auch der peinlichſte Zuſtand muß einmal auf⸗ hören; und als der Baron am andern Morgen mit ſchwe⸗ ren Sinnen erwachte, rüſteten ſich die nächtlichen Gäſte zum Abmarſch, trotzdem noch dichter Nebel draußen webte und zog.

Gott ſei gedankt! rief endlich der Verwundete aus voller Bruſt, riß ſeine Binde ſehr leichtſinnig ab und warf ſie der eben aus der Thür gehenden Schmugglerin nach.

Eine ſchöne Rolle, Joſé, die Du mich da haſt ſpielen laſſen! rief er aufſpringend voller Unmuth.

Na,'s würde Euch auch nicht behagen, wenn Euch ein Dutzend Stuhlbeine die Knochen zerklopft hätten, und das wäre noch das Geringſte geweſen, ſagte gleichmüthig Joſé.Es war das Geſcheidtſte was Ihr thun konntet, glaubt's mir, und zum Troſt will ich Euch verkünden, daß das Wetter ſich zu morgen klären wird.

Noch vierundzwanzig Stunden! ſeufzte der Gems⸗ liebhaber im Stillen.

Am fünften Tage nach ſeiner Eklipſe erſchien der grüne Jagdanzug des Barons, wenn auch in etwas defectem, un⸗ gebürſtetem Zuſtande mit ſeinem Eigenthümer, der noch ſonnverbrannter und magerer ausſah als vorher, wieder an den erſten Hütten der langen Dorfgaſſe von Champény. Aber war auch in dieſem Augenblicke die Erſcheinung des Barons wenig gentil zu nennen, ſo ſtrahlte dafür ſein Blick um ſo ſtolzer, wie der eines an der Spitze ſeiner Tapferen heimkehrenden Triumphators; denn ihm folgten Joſé und

ſein Kamerad, und von Jedes Schultern herab ließ eine Gemſe ihr Köpfchen zur Erde hängen.

Welcher Ausdruck von Selbſtgefühl in dem Klirren ſeines eiſenbeſchlagenen Stockes auf dem Steinpflaſter des Dorfes; welches zutrauliche herablaſſende Grüßen an jedes Fenſter, und als er gar auf dem Balcon des Gaſthauſes einen Theil der Geſellſchaft verſammelt ſah, fühlte er, wie ihm das Glück in die Wangen ſtieg, und gab ſich alle mög⸗ liche Mühe, ganz unbefangen auszuſehen. Denn ein klein wenig eitel war ſelbſt der harmloſe Baron Gerhard.

Jetzt können Sie mir gratuliren, Gnädigſte! rief er zu den Damen hinauf, indem er ſeine Kappe ſchwenkte und mit einem Blick rückwärts ſchaute, wie ein Liebhaber auf die endlich errungene Braut.

Der deutſche Baron iſt wieder da und hat eine Gemſe geſchoſſen, hieß es gleich darauf in allen Corridors des Hauſes, und wer freundlich oder neugierig genug war und außerdem ſeiner Würde Nichts zu vergeben fürchtete, ging hinaus auf den Flur, ſeinen Triumph zu verherrlichen. Er war aber auch zu glücklich, der brave Baron: das ſchönſte und flinkſte Thier hatte er getroffen; ſolche Gemſe war einzig und unvergleichlich in ihrer Art, und immer wieder zeigte und demonſtrirte er den Meiſterſchuß, den er gethan, und ließ von Joſé bezeugen, daß er ihn wirklich gethan habe.Nicht wahr, Liebe, Gnädige, ich darf mich doch nun auf Sie berufen, wenn's mir die loſen Kameraden etwa nicht glauben wollen? bat er mit kindlichem Eifer. Gewiß, verſicherte dieſe freundlich.Ich küſſe Ihnen die Hände dafür! aber erſt nachher, wenn ich wieder wür⸗ dig bin, in guter Geſellſchaft zu erſcheinen. Und ſomit begab ſich der Baron in ſein Gemach.

Die freundliche Tiſchnachbarin hatte indeß mit andern Damen einen Kranz aus friſchen Alpenblumen gewunden und dem heimgekehrten Sieger auf ſeinen Teller gelegt; aber der Aermſte, oder eigentlich der Glückliche, kam um ſein Abendeſſen; er lag auf ſeinem Bette und ſchlief

aus 15 von den eingebornen ſchwarzen Poliziſten beſtehen. Sie müßten ſämmtlich beritten und von einem Weißen befehligt ſein. Die Expedition würde ſich von der am weiteſten im Innern des Landes gelegenen Weideſtation auf den Weg machen(weil das Gras in der Nähe der Küſte ſich ſchlecht zum Pferdefutter eignet), ſomit vom Port Curtis⸗ oder Leichhardts⸗ Bezirk aus. Von da an würde ſie mit Hülfe der Schwarzen Leichbardt's Spur ins Innere verfolgen, um ihn ſelbſt oder einige ſeiner Genoſſen, oder Papiere zu finden. Dieſe Aufgabe ſcheine ſchwieriger, als ſie in der That ſei, zumal Leichhardt die Bäume, unter denen er lagerte, jedesmal bezeichnet habe, und wenn auch dies nicht der Fall gewe⸗ ſen wäre, die Spuren ſeiner Laſtthiere in dieſen viehloſen Land⸗ ſtrichen ſelbſt nach zwölf bis vierzehn Jahren deutlich zu verfolgen ſein müßten. Sir Thomas Mitchell's Spuren, die zwölf Jahre alt ſind, ſeien heute noch ſo deutlich wie am erſten Tage zu unter⸗ ſcheiden. Fred. Walker, der ſechzehn Jahre lang im auſtraliſchen Buſch lebte und viel zur Organiſirung der eingebornen ſchwarzen Polizei beitrug, macht ſich anheiſchig, ohne Vergütung irgendwel⸗ cher Art die Expedition zu leiten, um das große Räthſel, das über Leichhardt's Schickſal ſchwebt, zu löſen. Er verlangt für ſeine Truppe Rationen auf ein Jahr und ein Küſtenfahrzeug, das ſich auf einem beſtimmten Punkte mit Vorräthen für das nächſte Jahr einſtellen müßte. Jeder Reiter würde ſeine Kleider, eine Flanelldecke und eine doppelläufige Flinte mit ſich führen. Die Rationen, beſtehend aus 5400 Pfd. Mehl, 1500 Pfd. Zucker, 190 Pfd. Taback und 2 Kiſten Thee, würden auf etwa fünfund⸗ vierzig Packpferde geladen. Damit wäre auf ein Jahr für Früh⸗ ſtück und Abendbrod geſorgt; ihr Mittagsmahl würden ſie ſich erjagen müſſen, was in jenen Gegenden für geübte Schützen keine

(Schwierigkeiten hat. Auf dieſe Weiſe glauben ſie täglich zehn engliſche Meilen zurücklegen zu können. Mehr ließe ſich von

Pferden, die bloß auf Grasweide angewieſen ſind, nicht erwar⸗ ten. Die Koſten ſind, mit Einſchluß des erwähnten Fahrzeugs ſammt den für's zweite Jahr zu liefernden Vorräthen, auf 4500 Pfd. veranſchlagt; zu wenig allerdings für Weiße, aber hin⸗ reichend für die genügſamen Schwarzen. Der Vortheil dieſer

Reiſemethode wäre, daß die Karawane keine Wagen mit ſich führt, V wodurch die größten Hinderniſſe beim Ueberſchreiten von Flüſſen, Sümpfen und dergleichen wegfallen,

Aus der Gegenwart.

Berliner Plaudereien. Dunkle Exiſtenzen. 1.

Sie kommen zum erſten Male nach Berlin. 22

Unbekannt mit dem großſtädtiſchen Treiben treten Sie an eine der Litfaßſchen Säulen, um ſich von den Tages⸗Vergnü⸗ gungen, den Schauſpielen und Concerten in Kenntniß zu ſetzen.

Im Opernhauſe heuteMontecchi und Capuleti im Schauſpielhauſe morgenEgmont. Schnell iſt Ihr Entſchluß gefaßt. Sie werden heute ins Opernhaus, morgen ins Schau⸗ ſpielhaus gehen. Nur drängt ſich Ihnen die traurige Erinnerung an die entſetzlich leeren Häuſer auf, welche der Theaterdirector Ihres Heimathsorts in vergangener Saiſon mit beiden Stücken

[III. Jahrg.

M laßt zugl

zuna

Und Rei übe ſo

Arc

itali

ſche

A