286 Novellen⸗
älteſte Sohn dieſes Cosmus von Medici, Don Garzia, ermordete auf der Jagd ſeinen Bruder, den Cardinal Giovanni, und in aufwallendem Zorn über dieſe Unthat erſtach der Vater den eigenen Sohn. Dieſe tragiſche Be⸗ gebenheit iſt ſehr häufig von italieniſchen Dichtern in Trauerſpielen bearbeitet. Ungefähr zur ſelben Zeit, wo V Schiller ſich mit dieſem Stoffe beſchäftigte, im Jahre 1777, erſchien von dem Florentiner Catani, der auch 1779 eine „Verſchwörung der Pazzi“ aufführen ließ, ein Drama „Cosmus der Erſte.“ Dies war das erſte einer Reihe von Trauerſpielen, die Catani unter dem Titel la real Irediceide herausgegeben hat. Ein zweites handelt von Cosmus' Sohne Francesco und der Bianca Capello. Und faſt gleichzeitig mit Schiller's Räubern erſchien zu Paris ein franzöſiſches Gedicht von Mereau: Cosme de Medicis, grand Duc de Toscane, ou la nature outragée et vengée par le crime. Hieß Schiller's Jugendwerk wirklich Cos⸗ mus von Medicis, ſo wird er, aller Vermuthung nach, dieſen Stoff behandelt haben.
Vermuthlich! Wäre es doch Schiller vergönnt gewe⸗ ſen, das Alter zu erreichen, wo er mit Ruhe und Objecti⸗ vität ſein Leben ſelbſt hätte beſchreiben können, wie Goethe in„Dichtung und Wahrheit.“ Goethe der Menſch und Goethe der Dichter ſind dem Kenner ſeiner Werke völlig eins; man weiß, wie Goethe's Dichtungen nicht allein aus ſeinem Kopfe, ſondern auch aus ſeinem Herzen, ſeinem Leben gleichſam hervorgewachſen ſind; zwiſchen Schiller's Leben und Schiller's Dichtungen gähnt noch immer eine weite Kluft, über die noch kein Biograph eine Brücke ge— ſchlagen hat. Wem fällt nicht Goethe, der Student von Straßburg, und die liebliche Friederike von Seſenheim ein, wenn er im Götz von Berlichingen, im Clavigo, im Fauſt immer wieder denſelben Geſtalten begegnet, dem lie⸗ benden, treuen, einfachen Mädchen, betrogen und verlaſſen von dem heißblütigen, charakterloſen Manne!
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Zeitung. 3
Schöpfungen des Dichters! Wer ein wenig davon weiß, wie Kunſtwerke entſtehen, der weiß auch, daß des Sängers Herz einen außerordentlich ſtarken Eindruck empfangen muß, wenn er ein Lied ſingen ſoll, das mit urkräftigem Be⸗ hagen die Herzen aller Hörer zwingt! Sollte es denn wirklich Zufall ſein, daß Schiller dreimal, in dem Jugend⸗ werke Cosmus von Medici, in den Räubern und in der Braut von Meſſina, denſelben Vorwurf behandelt, das feindliche Verhältniß eines Bruders zu dem andern, daß er viermal, im Cosmus von Medici, in den Räubern, in
Cabale und Liebe und im Don Carlos, einen Sohn dem
Vater feindlich gegenüber ſtellt? Nirgends findet man eine Erklärung dieſer auffallenden Thatſache; Schiller hatte keinen Bruder; in keiner ſeiner Biographien findet ſich auch nur die leiſeſte Spur von einer Begebenheit, welche ſo er⸗ ſchütternd auf die Seele des jungen Dichters gewirkt haben ß, daß ſie bis ins reife Mannesalter, wo er die Braut von Meſſina, wo er den Wallenſtein ſchuf(denn auch im Wallenſtein findet ſich der Conflict zwiſchen Vater und Sohn),, noch darin nachzitterte. Alles, was wir von Schiller
Naus den Jahren wiſſen, wo in der Seele des Dichters die
Werke gleichſam knospen und blühen, die dann ſpäter in uns durch das Leben zu Früchten werden und reifen, ſind Vermuthungen, Conjecturen, faſt Sagen. Wie wird das erſt in ſpäterer Zeit werden! Wer weiß, nach Jahrhun⸗ derten erzählt man ſich vielleicht von Schiller wie von Sal⸗ vator Roſa, daß er in ſeiner Jugend eine Zeit lang unter Räubern gelebt habe, oder daß er von einem gottloſen Bruder verfolgt, von einem tyranniſchen Vater verſtoßen ſei u. dgl. Das Volk iſt ſtets gewohnt geweſen, ſich das Leben ſeiner Lieblinge und Heroen auszumalen und auszu⸗ ſchmücken, und wo die Geſchichte ſchweigt, da pflegt die Sage das Wort zu nehmen, wie das wilde Gras wächſt auf dem Acker, den der Pflug nicht umwühlt zum Getreidebau.
Wer lieſt
nicht des Menſchen Liebe, Schuld und Reue in dieſen!
nahm das Ei zwiſchen ihre vier Füße auf den Bauch und ließ ſich als Schlitten benutzen, indem zwei Gefährten mit ihren Zähnen ſie am Schwanze vorwärts zerrten, gegen den Strich der Haare, — alſo auf eine höchſt unangenehme Weiſe.“ aber auch wahr?
guineen und Pſund Sterling.
Die engliſche Goldmünze der Guineen empfing ihren Namen dadurch, daß die erſten Goldſtücke der Art aus dem Golde geprägt wurden, welches engliſche Kaufleute aus Guinea mitgebracht hat⸗ ten.— Das Pfund Sterling iſt gegenwärtig nur eine Rechnungs⸗ münze, d. h. es gibt keine Stücke, die zu dieſem Werthe ausge⸗ prägt ſind; gleichwohl ſtammt die Benennung von einer wirklichen Münze her, die in Schottland vor der Vereinigung der beiden Königreiche curſirte und dieſen 4 dem Schloſſe Stirling, zehn Stunden von Edinburgh entfernt, ge⸗ prägt wurde. a.
Leipzig und Paris— Nachbarſtädte.
Eiſenbahnen und Telegraphen haben die früheren Begriffe
von Entfernung und Zeit ſo ganz verändert, daß Orte, die früher für beinahe unerreichbar weit von einander getrennt galten, jetzt zu Nachbarſtädten geworden ſind, d. h. daß man, von dem einen zu dem andern zu gelangen, kaum mehr Stunden gebraucht, als unſere Väter, gewiß aber unſere Großväter bedurften, um bei einem in
— Merkwürdig,
Ramen davon hatte, daß ſie in
ihrer Nachbarſchaft wohnenden Freunde Beſuch zu machen. Da⸗
durch iſt denn natürlich auch die Reiſeluſt bedeutend geſteigert worden, und Mancher gewährt ſich das Vergnügen, berühmte Städte mit wenig Aufwand von Zeit und Geld zu beſuchen, während in ſrüheren Zeiten das, was jetzt als Spazierfahrt er⸗ ſcheint, als große und koſtſpielige Reiſe ſeine Kräfte überſtiegen haben würde. Unter den Anlockungspunkten als Reiſeziele ſteht V unbedingt Paris in erſter Linie, und die Weltſtadt an der Seine
unter den günſtigſten Umſtänden zu beſuchen, bietet ſich in nächſter Zeit von Leipzig aus eine höchſt vortheilhafte Gelegenheit. Es wird nämlich, wie wir hören, am 1. Juli d. J. ein Extrazug von Leipzig nach Paris gehen. Die Paſſagiere, die dieſen Zug be⸗ nutzen, zahlen für Hin- und Rückfahrt nur den einfachen Preis und können im Laufe des ganzen Monats Juli mit jedem beliebi⸗ gen Zuge zurückkehren; ein ausgezeichnetes Muſikchor wird den Zug begleiten, unterwegs an den bedeutenderen Haltepunkten ſpielen und in Paris Concerte geben, zu denen die Extrafahrbillets Den Paſſagieren ſollen noch außer⸗ dem manche andere Vortheile, als Beſorgung von Quartieren ꝛc., geboten werden, und es läßt ſich daher kaum bezweifeln, daß nicht nur von Leipzig, ſondern auch von vielen andern Orten aus dieſe
Extrafahrt zahlreich benutzt werden wird. Die näheren Bedin⸗ gungen, unter denen dies geſchehen kann, erfährt man nach der uns gewordenen Mittheilung auf frankirte Anfragen unter der Adreſſe:„Extrafahrt nach Paris. Leipzig, Billeteinnahme der Thüringer Eiſenbahn.“ a.
das freie Entrée gewähren.
(III. Jahrg.
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