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Zeit, daß wir uns entfernten. genußreich.“
„Wollen wir nicht nächſtens die Räuber leſen?“ fragt die Commerzienräthin,„ich erbiete mich gern den Franz zu leſen.“
Der Vorſchlag der Frau Kunigunde findet keine gün⸗ ſtige Aufnahme. Die Geſellſchaft entfernt ſich und der junge Dichter iſt im Begriffe, der Frau von Goltzheim ſeinen Arm anzubieten; die Directorin bemerkt es, zupft den Dichter an den Schößen ſeines Paletots und flüſtert: „Unterſtehen Sie ſich nicht, wozu dieſe Eile? Neumann iſt ja da!“
Die Geſellſchaft hat ſich entfernt. ter bleiben allein.
„Wie habe ich die Thekla geleſen, Emilie?“
„Ausgezeichnet, Mama.“
„Habe ich nicht beſſer geleſen, als alle Andern?“
„Gewiß, Mama.“
„Die Frau von Goltzheim hat abſcheulich geleſen, nicht wahr, Emilie?“
„Ja wohl, Mama.“
„Nur der junge Berder las ausgezeichnet.“
„Gewiß, Mama.“
„A propos, Emilie, noch Eins. Nächſten Donnerſtag ſerviren wir den Thee gleich in Taſſen; der Notar hat wenigſtens ein halb Pfund Zucker gebraucht; ich finde das im Grunde unſchicklich; ein Stückchen für jede Taſſe iſt genug.“
„Gewiß, Mama.“
„Gute Nacht, Emilie.“
„Gute Nacht, Mama.“
Mutter und Tochter trennen ſich.
Der Abend war höchſt
Mutter und Toch⸗
[III. Jahrg.
Schillers Leben— eine Mythe.
Mitgetheilt von
Mathilde Raven.
Man erzählt von einem engliſchen Hiſtoriker, er habe
am Fenſter geſtanden und einem Crawall auf der Straße zugeſehen. Nachdem das Volk ſich verlaufen, kommt ein Freund zu ihm herauf, der draußen ſelbſt am Streite mit betheiligt geweſen iſt, und es findet ſich, daß der am Fen⸗ ſter nicht allein eine Menge von Einzelnheiten überſehen, ſondern auch von der Veranlaſſung und dem Ausgange des Vorfalls eine ganz unrichtige Meinung hat. Kaum hat der Freund ihn verlaſſen, ſo wirft der Hiſtoriker ſeine angefangene Geſchichte des vorigen Jahrhunderts ins Feuer. „Wenn ich nicht einmal wahrheitsgetreu berichten kann, was ich vom Fenſter aus mit eigenen Augen ſehe, wie will ich dann längſt Vergangenes richtig erzählen können?“ An dieſe Anekdote wird man erinnert, wenn man die Werke über Schiller's Leben lieſt, auch die ausführlichſten, die gründlichſten. Ein Biograph beweiſt dem andern, daß ſeine Data unſicher, ungenau, unwahr ſind. Und wer die Lebensbeſchreibungen alle durchgeleſen hat, der muß
am Ende faſt wie Fauſt bekennen:„Ich ſehe, daß wir
nichts wiſſen können.“
Einen auffallenden Beweis von der Wahrheit dieſer Bemerkung liefert der leider ſo früh verſtorbene Eduard Boas in ſeinem intereſſanten Buche, Schiller's Jugendjahre (Hannover, C. Rümpler). Er geht Schritt vor Schritt den früheren Biographen nach und zeigt die Unrichtigkei⸗ ten der Anekdoten, die über Schiller's Jugendzeit verbreitet ſind, und doch begegnet es ihm ſelbſt zuletzt, daß er ſeiner Phantaſie völlig die Zügel ſchießen läßt und den geſchicht⸗ lichen Boden ganz und gar unter den Füßen verliert.
einen Neger auf ein Pferd und ſchickte ihn in der ganzen Umgegend
umher, um einen Bogen Schreibpapier zu borgen. Der Burſche blieb den ganzen Tag über aus und kehrte mit einbrechender Nacht zurück, hatte aber weiter Nichts auftreiben können, als das Vor⸗ ſetzblatt aus der Bibel eines methodiſtiſchen Farmers. Indeß Mr. Morriſſon hat eine förmliche Bibliothek.“
„„Wo verwahrt er denn ſeine Bücher?“
„„In der Dachſtube, wo ich vergangene Nacht ſchlief. Ich
der eben genannten haben die Novellen„Ein poetiſcher Sonn⸗ tagsmorgen,“„Meine Verlobung, aus dem Tagebuche einer Dame,“„Sirene“ und„Frauenliebe“ ihm bereits viele Freunde erworben.— Dieſer Herzog ſchen Erzählung ſchließen ſich im vor⸗ liegenden Jahrbuche andere an von Bodenſtedt, Sternberg, Ida v. Düringsfeld, H. Pröhle und B. v. Guſek.— Die poetiſchen
Beiträge tragen die Namen von Geibel, Gottſchall, Victor Hans⸗
ſtürzte das Faß, worin ſie ſich befinden, um, während ich bei
früheren Beſuchen die Bücher auf der oberen offenen Seite des⸗ ſelben geſehen hatte.““ u. ſ. w.
Literatur. Jahrbuch deutſcher Belletriſtik auf 1857.
gegeben von Siegfried Kapper. Prag, Carl Bellmann's Verlag.
Dieſes Jahrbuch nennt ſich den dritten Jahrgang eines früher
im ſelben Verlage erſchienenen„Album der Erinnerungen.“ Die⸗ ſer Band iſt eroffnet mit einer Novelle„Felicitas“ von Theodor Herzog, einem Dichter, der in den letzten Jahren in die beſten belletriſtiſchen Zeitſchriften mannigfache Beiträge lieferte, und von dem die„Novellen⸗Zeitung“ ſich mit Stolz ſagen kann daß ſie
zuerſt ſein Talent entdeckte, da die Novelle„Waldſegen,“ mit der
wir den Jahrgang 1855 eröffneten, die erſte vom Verfaſſer ver⸗ öffentlichte Erzählung iſt. Herr Theodor Herzog, Juriſt von
Heraus⸗
Hauſe aus und Beamter in Gera, iſt einer der einfachſten und
natürlichſten Erzähler, die wir gegenwärtig beſitzen, und außer
girg, Moritz Hartmann, Fr. Hebbel, Uffo Horn, Siegfried Kapper, W. Müller v. Königswinter, Ludwig Pfau, Theophil Pisling, Otto Prechtler, Heinrich Pröhle, L. J. Semlitſch, Joh. Nep. Vogl. Ein Bildniß Emanuel Geibel's ziert das Titelblatt.
Der junge Dichterfreund. Von Dr. Emanuel Sa⸗ mostz und Dr. Moritz Zille.— Für das Alter von ſechs bis neun Jahren.— Leipzig, Loopold Schnauß. 1857.
Dieſe Gedichtſammlung zur Uebung im mündlichen Vortrage iſt namentlich deshalb zu empfehlen, weil die im Druck hervorge⸗ hobene Bezeichnung der mit Nachdruck zu ſprechenden Worte den jungen Lernenden von vornherein vor falſcher Betonung wahren dürfte. Das einleitende Vorwort enthält manches Beherzigens⸗ werthe. Die Herausgeber ſind Lehrer am bekannten modernen Geſammtgymnaſium in Leipzig.
Miseellen. . Prügel ſtatt geld. Der General Charles Windham, der Held des Redan„ſtand noch als Capitain in der engliſchen Garde, als er einen Urlaub
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