Jahrgang 
01-26 (1857)
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Wie wohl thun mir dieſe Worte, Emilie, entgegnet Neumann, auf Berder.

Um Gotteswillen, Neumann, lacht Emilie,wie dieſes Piccolomini!

konnten Sie daran denken, ich kann den faden, ſüßen Men⸗ ſchen gar nicht ausſtehen.

Sie ſind ein Engel, Emilie.

Neumann fügt noch Mehreres hinzu, während Berder ſich erhebt, mit den Händen in ſeine Locken fährt, wüthende Blicke über die Geſellſchaft ſchweifen läßt und ſchreit: Blaſt! Blaſt! Oh, wären es die ſchwed'ſchen Hörner!

Je weiter ſich der Jüngling dem Schluſſe des Actes nähert, je mehr geräth er außer ſich. Bei den letzten Worten:

Ihr habt gewählt zum eigenen Verderben,

Wer mit mir geht, der ſei bereit zu ſterben. fällt der Dichter unter donnerndem Applaus erſchöpft zurück auf ſeinen Stuhl.

Sie leſen zu leidenſchaftlich; Sie regen ſich zu ſehr auf! ruft die Directorin und hält dem jungen Berder ihr Flacon unter die Naſe.

Welche Aufmerkſamkeit für den Dichter! ſagt leiſe die Commerzienräthin zu ihrem Manne.

Merkſt Du was, Kunigunde? erwidert der Gemahl.

Ich habe es Ihnen ſo oft geſagt, Berder Sie leſen zu leidenſchaftlich, jammert die Directorin;bei Ihrer ſchwachen Geſundheit müſſen Sie ſich ganz auf⸗ reiben.

Ach, bitte, Frau Directorin, Sie ſind gar zu gütig,

Dritte Jolge.

Ach, Frau Directorin, entgegnet der Dichter,wie

denken Sie, ich war eine Zeit lang eiferſüchtig könnte ich anders, als mich hinreißen laſſen durch dieſe

herrliche Dichtung; welch edler Stil, welche Begeiſterung Mich ergreift der Gedanke, daß der Unglückliche in der Schlacht fällt, anſtatt zu leben für ſeine Thekla. Frau Directorin, Sie haben die Thekla außer⸗

ordentlich ſchön geleſen.

Weib! ruft die gnädige Frau.

flüſtert der Dichter, während die Frau von Goltzheim

und der Notar einen bedeutungsvollen Blick austauſchen.

Der junge Berder hat ſich endlich erholt, und von allen Seiten lobt man ihn, und die Directorin bemerkt: Herr Berder, Herr Berder, Sie ſtrengen ſich zu ſehr an, wenn Sie nicht ſich mehr beherrſchen lernen, gebe ich Ihnen keine Rolle mehr.

Das iſt wahr, bemerkt Frau von Goltzheim,die Frau Directorin las außerordentlich; Sie hatten ſich wahrſcheinlich auch für den Charakter der Thekla be⸗ geiſtert?

ja.

Wie herrlich ſchildert Schiller dieſes außerordentliche Ich bin überzeugt, daß Thekla bei Lebzeiten Romane geſchrieben hat.

Ich glaube weit eher, daß ſie Verſe gemacht hat, bemerkt die Directorin.Im Allgemeinen, abgeſehen von dem unerfreulichen Auftritte mit dem Lehrer, war dieſer Abend einer der ſchönſten unſerer Kränzchen. Der Herr Notar hat die Glanzſcene mit Max außerordentlich gut geleſen.

Ich zähle den Wallenſtein zu meinen beſten Leiſtungen,

erwidert der Notar.In meiner Jugend zog ich den Max

vor, doch jetzt im reiferen Alter behagt mir der männliche Charakter Wallenſtein's beſſer.

Hat denn Wallenſtein wirklich exiſtirt? fragt die Commerzienräthin.

Dieſe Frage veranlaßt ein allgemeines Lächeln, und der Notar entgegnet:Gewiß, Frau Commerzienräthin.

Nun ja, ſo ſehe ich nicht ein, was mich abhalten

ſollte,Werther's Leiden neu zu bearbeiten, wenn unſer größter Dichter ſeinerſeits im Wallenſtein doch auch einen vorhandenen Stoff benutzt hat.

Alſo nächſten Donnerſtag leſen wir die beiden letzten Acte? fragt der Notar;für heute, glaube ich, wäre es

älteren trivialen Coquette; im Schmerz darüber verläßt Veronica

England und flüchtet zu ihren Verwandten in Altvirginien jen⸗ ſeits des Meeres. Max kehrt zur Beſonnenheit zurück, und als nun Onkel Lomax Teſtament cröffnet iſt, eilt er nach Amerika, zum das Herz der Couſine wieder zu gewinnen. Dieſe aber, die frühere Beleidigung ihm nachtragend, im Glauben, er komme nur, um der Erbſchaft willen ſie zu erwerben, ſetzt ihm einen fremden,

kalten Sinn entgegen, der durch Intriguen intereſſirter Verwand⸗

ten geſchürt wird, bis Max geläuterte Liebe endlich natürlich doch über alle Hinderniſſe ſiegt.

Dieſe Geſchichte gibt der ſcharf beobachtenden Verfaſſerin Ge⸗ legenheit zu höchſt ergötlichen Schilderungen aus dem Geſell⸗ ſchaftsleben dieſer alten engliſchen Eingewanderten in Amerika. Eine kleine Oppoſition gegen Onkel Tom's Hütte ſeligen An⸗ gedenkens leuchtet inſofern daraus hervor, als das Verhältniß der ſchwarzen Sclaven zu ihren weißen Herren hier von der erträg⸗ lichen Seite patriarchaliſcher Zuſtände aufgefaßt iſt. So gibt es ein Zeugniß von der gemüthlichen gegenſeitigen Beziehung, wenn die Verfaſſerin bei Schilderung der häuslichen Beluſtigungen ſagt:Kleine Schwarzköpfe lugten jederzeit unter den Tiſchen, nus den Stubenwinkeln oder hinter den Thüren hervor denn ſte mußten ſtets zur Hand ſein, um Gänge zu thun und kleine llufträge auszurichten, und Theilnahme an den Beluſtigungen der Weißen iſt ein ſelbſtverſtändliches und beliebtes Privilegium aller lleinen Neger.

Prächtig iſt Manches, was über das naturfriſche Leben dieſer

berſiedelten Engländer erzählt wird. Unter Anderem heißt es: Herr des Himmels! welch eine Fähigkeit zu endloſer Unterhaltung ſoch in jenem Altvirginien exiſtirt! Setzt einen Virginier mit dem

Stuhle auf den Hinterbeinen und mit einem hinreichenden Tabaks⸗ vorrathe für den ganzen Tag in den Portico, oder laßt ihn unter derſelben Bedingung auf dem Querbalken einer Fenz hocken, und er wird bis zu Einbruch der Nacht von Politik ſchwatzen oder einen Rechtsfall erörtern oder Anekdoten erzählen. Bringt ihn in Ge⸗ ſellſchaft von Damen, vor denen er ſich nicht fürchtet, und befreit ihn von der anſteckenden Steifheit des beſten Beſuchzimmers, und ſeine Galanterie oder Gefühlszärtlichkeit wird ſich bis zurHöhe der Umſtände erheben. Er ſäet Ernten vonLiebe im Nichts⸗ thun und iſt in der That ſelten einer einzigen Huldin treu, ſon⸗ dern verſchießt jederzeit die Pfeile bündelweiſe, ſo oft er ſich des Bogens und Köchers Cupidos bemächtigt. Ich zweifle, ob die Virginier wiſſen, was es heißt, Langeweile zu fühlen, und ob ein wahrhaft langweiliger Peter im ganzen Staate Virginienaufge⸗ ſcheucht werden könnte.

Ein anderes Beiſpiel dieſer urſprünglichen Zuſtände wird uns gegeben⸗ 3

Couſin Tyrell, ſagte ich,lieſ't irgend Jemand in Vir⸗ ginien Bücher? Ich habe ſeit meiner Ankunft nichts Neueres ge⸗ ſehen, als Johnſon's Lebensbeſchreibungen der Dichter und ein zerriſſenes Exemplar des Rienzi. Was die Correſpondenz anbe⸗ trifft, ſo bat ich Mr. Morriſſon um eine Feder, und er ging auf den Hof und zog mir eine aus dem Schwanze einer Gans, die mir, wie ſich ſchließlich ergab, nicht einmal etwas nützte, denn Phil batte ſeine Stiefeln mit der Tinte geſchwärzt und nicht einen Tropfen in der Flaſche gelaſſen.

Tyrell lachte.Ich war einmal in einem Thale, etwa ſechzig Meilen von hier hoch oben im Gebirge, mit einem Freunde, der einen Brief an ſeine Frau in Baltimore ſchreiben wollte. Er ſetzte

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