Jahrgang 
01-26 (1857)
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282 Novelſen

Emilie wirft einen zärtlichen Blick auf den Muſik⸗- lehrer und ſagt vorwurfsvoll:Neumann, Sie verken⸗ nen mich.

Es iſt entſchieden, nun iſt's gut und ſchnell

Bin ich geheilt von allen Herzensqualen, declamirt der Notar.

Die Geſellſchaft iſt bis zum funfzehnten Auftritte ge langt, der Notar declamirt weiter:

Ich kenne Dich wohl, Du biſt aus Brügg in Flandern, Dein Name iſt Mercy....

Vergebens wartet der Notar auf die Antwort des Küraſſiers. Der Gefreite, Herr Heuer, iſt eingeſchlafen, nachdem das letzte Butterbrod vom Tiſche verſchwunden. Ein Sturm des Unwillens erhebt ſich gegen den Lehrer, dem, aufgerüttelt aus dem Schlafe, eine Welt von Vor⸗ würfen ſich entgegenwälzt.

Der Notar wirft das Buch hin und ruft:Nein, das iſt nicht zum Aushalten; ſchlafen bei einer ſo claſſiſchen Stelle!

Die gnädige Frau ruft:Abominable!

Der Commerzienrath ſchreit:Nein, das iſt fürch⸗ terlich!

Am allerſchlimmſten ſcheint aber die Commerzienräthin durch den Lehrer beleidigt.

Die ganze Geſellſchaft iſt in der größten Aufregung, nur Emilie und Neumann lachen herzlich über den Vorfall.

Endlich erhebt ſich die Frau vom Hauſe und ſagt dem Lehrer: 8*

Herr Heuer, ich hatte keinen Augenblick Anſtand ge⸗ nommen, auf Ihre Bitte hin Ihnen eine Einladung zuzu⸗ ſchicken; Ihr Betragen aber veranlaßt mich, dieſen Schritt zu bedauern; denn wenn Sie ſchlafen wollen, Herr Lehrer, muß ich Ihnen rathen, Ihr Bett aufzuſuchen. Emilie, gib dem Herrn ſeinen Hut.

Zeilung.

Emilie gibt dem Lehrer ſeinen abgetragenen Hut und

[III. Jahrg. Nr.)

dieſer entfernt ſich ganz verwirrt. Die Tochter vom Hauſe

begleitet den Lehrer bis zur Thüre und ſagt ihm zum Ab⸗ ſchied gutmüthig:Wie konnten Sie ſich ſo weit vergeſſen, Herr Heuer, Sie konnten die Geſellſchaft nicht ſchlimmer beleidigen.

Die Entfernung des Schulmeiſters hat die Gemüther indeſſen noch nicht ganz beruhigt. Die Frau Directorin thut alles Mögliche, damit der Abend nicht geſtört werde, doch iſt einſtweilen an ein Weiterleſen nicht zu denken. Der junge Berder hat ſich ſchon ſeit acht Tagen auf die Glanzſcene des Max Piccolomini gefreut und vorbereitet, und iſt in dieſem Augenblicke, der ihm einen neuen Leſe⸗ triumph entziehen ſoll, der Verzweiflung nahe.

Am unangenehmſten ſcheinen Neumann und Emilie durch die Unterbrechung der Lectüre berührt; dieſe thut, was in ihren Kräften, die Geſellſchaft zu beruhigen(was ihr auch endlich gelingt), und die Commerzienräthin erklärt ſich bereit an Stelle des Lehrers den Küraſſier zu leſen.

Emilie, ſagt die Directorin,warum bleibſt Du am Klavier ſitzen?

Ach, Mama, erwidert Emilie,Herr Neumann er⸗ klärt mir den Beethoven.

Es ſcheint, Emilie, Du intereſſirſt Dich weniger für Dichtung, als für Muſik?

Ja wohl, Mama, aber nur für die elaſſiſche Muſik.

Die Lectüre beginnt von Neuem. Endlich gelangt man zum funfzehnten Auftritte, und der junge Poet, der

den Max lieſt, ſtreicht ſeine blonden Locken zurück und be⸗

ginnt mit zitternder Stimme: Ja! ja! da iſt er! Bei den Worten:O ſieh mich an, ſieh nicht weg, holder Engel, wirft der Dichter einen bedeutungsvollen Blick auf die erröthende Directorin. Wie affectirt der junge Menſch lieſt, flüſtert Emilie am Klavier,ich begreife meine Mutter nicht, daß ſie in den jungen Mann ſo vernarrt iſt.

lieben abwerfen kann, um leichter wieder an die Oberfläche zu gelangen. 8

Iſt er auf dem Boden des Meeres angekommen, ſo bricht er die Muſcheln los, nimmt eine unter jede Achſelhöhle, eine zwi⸗ ſchen die Zähne, eine in jede Hand, eine zwiſchen die Schenkel, kehrt an die Oberfläche des Waſſers zurück, thut ſeine Muſcheln in einen Leinenbeutel, ſchöpft Athem, zieht den Stein herauf, be⸗ feſtigt ihn ſich am Fuß und taucht auf's neue.

Jeder Neger iſt verpflichtet, ſeinem Herrn eine gewiſſe An⸗ zahl Perlen zu liefern; er hört nur dann auf zu tauchen, wenn er entweder verwundet worden iſt, oder die nöthige Anzahl von Muſcheln herauf gebracht hat. Dann öffnet er ſie vor dem Boots⸗ führer und überliefert dieſem die Perlen, wie er ſie findet: klein oder groß, vollkommen oder unvollkommen. Iſt die vorgeſchrie⸗ bene Zahl erreicht, ſo gehören die übrigen ihm, und der Neger verfügt frei darüber, mögen ſie noch ſo prachtvoll oder noch ſo ſchadhaft ſein.

Wenn die tauchenden Neger nichts zu thun hätten, als die Muſcheln von dem unterſeeiſchen Felſen loszubrechen, ſo wäre ihr Geſchäft nicht eben allzu ſchwierig; aber ſie ſind ſehr ernſten Ge⸗ fahren ausgeſetzt und müſſen fortwährend dagegen auf ihrer Hut ſein.

Dieſe Meere Mittel⸗Amerika's ſind mit einer großen Menge ſehr gefräßiger Haifiſche bevölkert, und ebenſo mit vielen Monta's⸗ und Cuveta's⸗Arten, von Rochen und Seeſternen von ungeheurer Größe; dieſe nähern ſich den Menſchen, unſchlingen ſie, heften ſich feſt an ihre Glieder, wozu ſie ſich ihrer gewaltigen Saugge⸗ fäße bedienen, und erſticken ſie, um ihr Fleiſch auszuſaugen. Jeder der Taucher iſt deshalb mit einem kleinen Spieße von ſehr

hartem, an beiden Enden zugeſpitzten Holze bewaffnet, um die Haie oder Rochen zu durchſtoßen; aber nicht immer gelingt es ihnen, dieſen furchtbaren Feinden zu entrinnen.

Die letzte Perlenfiſcherei, welche im Juni 1856 an den Bän⸗ ken von Panama ſtattfand, mußte wegen zahlreicher Unglücksfälle unterbrochen werden. In einer einzigen Woche wurden eilf Neger von den Haifiſchen verſchlungen und ſechzehn andere erſtickt durch rieſige Seeſterne und Rochen, welche die unglücklichen Taucher ſo eng und feſt umſchlungen hatten, daß man ſie in Stücke ſchneiden mußte, um ſie von dem Körper ihrer Opfer los zu machen. a.

Aus der neuen Welt.

Aus Altvirginien.

Der Roman einer beliebten amerikaniſchen Schriftſtellerin liegt uns vor, der uns beſonders durch ſeine ethnographiſchen Schilderungen Intereſſe abgewann: Our Cousin Veronica(Dürr's Collection of Standard American Authors. Vol. 27), deutſch unter dem Titel: Couſine Veronica, oder Scenen und Abenteuer jenſeits der blauen Berge, von M. E. Wor⸗ meley, Verfaſſerin vonAmabel(Leipzig, Ch. E. Kollmann, 1857). Die Fabel dieſer Erzählung iſt einfach, nicht ungewöhn⸗ lich, aber ſpannend. Onkel Lomax, Majoratsherr in Alteng⸗ land, ſetzt ſeinen Neffen Max zum Univerſalerben ein mit der Be⸗ dingung, daß er ſeine Couſine Veronica heirathe. Veronica war als Kind im Glauben, für Max beſtimmt zu ſein, aufgewachſen;

Max in jugendlichem Eigenſinn faßt eine Leidenſchaft u a2

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