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Noveſlen⸗Zeitung.
nachdem Sie mich in unſerem Kränzchen ſo gefeiert. Allein blühenden Keime zu pflegen und heranwachſen zu laſſen zu nicht mir allein gebührt hier Anerkennung; durch die Ver- einer Blume.“ mittelung des Herrn Commerzienraths haben wir erfahren,„Bravo! Bravo! Bravo!“ unterbrechen Alle.
Die welche Verdienſte ſich der Herr Notar um den Waggon ge⸗ Directorin drückt dem Dichter gerührt die Hand.
macht, und welchen bedeutenden Politiker unſer Kränz⸗
chen birgt. Ich fordere Sie daher auf, dem Herrn Notar ein Hoch auszubringen.
zu ſeiner Frau:„Kunigunde, Du kannſt nachher auf eine feine Manier ſagen, daß ich den Aufſatz über die Zucker⸗ fabrik geſchrieben.“
Nach einer feierlichen Pauſe ſpricht der Notar:
„Verehrte Freunde! Ja, ich habe den vorhin erwähn⸗ ten Artikel geſchrieben, und wahrlich, ich bin ſtolz darauf, weil er mir das Lob unſeres Kränzchens gebracht; doch kann ich nicht alles Lob für mich in Anſpruch nehmen, da wir in unſerer Geſellſchaft Talente beſitzen, vor welchen ich mich beſcheiden beuge. Iſt die Romanliteratur durch Frau von Goltzheim und die Journaliſtik durch mich vertreten, ſo dürfen wir auf der andern Seite nicht vergeſſen, daß wir in unſerer Mitte einen Dichter haben, der demnächſt die Aufmerkſamkeit Europa's auf ſich lenken wird. Ich meine Herrn Berder und bringe dieſem jungen Talente ein donnerndes Hoch aus.“
„Mein Kind,“ flüſtert der Commerzienrath zu ſeiner Frau,„vergiß den Artikel nicht.“
Herr Berder erhebt ſich nun, fährt einige Mal mit der Hand durch ſeine blonden Locken und ſpricht:
„Geehrte Anweſende! Verzeihen Sie es meiner Rüh⸗ rung, wenn ich mich vielleicht nicht mit derſelben Bered⸗ ſamkeit ausdrücke wie mein geehrter Vorgänger; fühle ich mich auch hoch gehoben durch Ihre freundliche Anerkennung, ſo muß ich Ihnen bemerken, daß ich mein Talent nur mei⸗ ner hohen Gönnerin, der Frau Directorin, verdanke. Nur ihren Bemühungen war es geſtattet, meine im Stillen
Frau Directorin es fand und pflegte.
„Zu einer Blume!“ fährt Berder fort,„einer Blume,
die ſich hier vor Ihren Augen entfaltet; doch die Blume verdankt nur ihr Daſein ihrer Wohlthäterin, der Sonne; Während des„Hochs“ ſagt der Commerzienrath leiſe wie dieſe mit ihren ſanften Strahlen dem armen
Blümchen neues Leben gibt, ſo traf mich der Geiſtesſtrahl meiner hohen Gönnerin, als ich am Rande des Weges unbemerkt blühte; man beachtete das arme Blümchen nicht, bis die Ich trinke daher auf das Wohl meiner Sonne!“
Die ganze Geſellſchaft erhebt ſich wie ein Mann. Die Directorin ſinkt tief bewegt an das Herz ihrer Tochter und ſchluchzt:„Mögeſt Du, Emilie, in meine Fußtapfen treten.“
Nach einer Weile erhebt ſich die Commerzienräthin, während ihr Gemahl beſcheiden erröthend die Augen nie⸗ derſchlägt, beginnt ſie:
„Meine Freunde! Nicht ohne Rührung habe ich die großartigen Momente erlebt, in welchen eben unſere an⸗ weſenden Talente ihre gerechte Würdigung erhalten, und ich kann nicht umhin, Sie auf ein literariſches Veilchen aufmerkſam zu machen, das im Verborgenen blüht. Haben Sie den Aufſatz über die neue Zuckerfabrik geleſen? Nun, ſo ſage ich Ihnen, der Verfaſſer jenes gediegenen Aufſatzes iſt— mein Mann.“
Der Notar macht ein ſchiefes Geſicht bei der Ent⸗ deckung dieſes journaliſtiſchen Concurrenten; die Frau Directorin drückt dem Commerzienrath die Hand; der Muſiklehrer macht es gerade ſo am Klavier mit Emilie.
Der Commerzienrath räuspert ſich und ſpricht:
„Geehrtes Publicum! Ohne meinen Willen hat meine Gemahlin hier mein Geheimniß verrathen, doch wäre
Kiachta zu begeben. Sobald dieſe Bevollmächtigten des Handels, welche directe Verbindungen mit Niſhnei⸗Nowgorod, dem wichtig⸗ ſten Handelsplatz im Innern Rußlands, unterhalten, dort ange⸗ kommen ſind, ſo laſſen ſie ſich gegenſeitig die Menge der verfüg⸗ baren Waaren wiſſen und verhandeln dann über die Preiſe der gegen einander auszutauſchenden Waaren, und bei dieſem reinen Tauſchhandel, der an die urſprünglichen Formen erinnert, unter denen früher die Hirten- und Nomadenſtämme der Mongolei Handel mit einander trieben, bleibt das Geld ganz ausgeſchloſſen. Die ganze Operation wird übrigens dadurch außerordentlich er⸗ leichtert, daß es ſich bei dieſem Tauſchhandel vornehmlich nur um drei Artikel handelt, denn die Chineſen bringen Thee und vertau⸗ ſchen denſelben gegen wollene Tücher und baumwollene Stoffe, die in Rußland gewebt werden und ganz zur Kleidung der Be⸗ wohner des nördlichen China geeignet ſind.
Von welcher Bedeutung dieſer Handel iſt, läßt ſich recht deutlich aus den folgenden officiellen ſtatiſtiſchen Angaben vom Jahr 1852 erkennen, die wir denen aus den folgenden Jahren deshalb vorziehen, weil der in China ausgebrochene Bürgexkrieg auch auf dieſen Handel eine nachtheilige Wirkung ausgeübt und ihn in eine anomale Lage gebracht hat.
Die chineſiſchen Kaufleute meldeten im Jahr 1852 bei dem Zollamte in Kiachta 175,000 Kiſten Theean, worin etwa 12,520,000 Zollpfund Thee enthalten waren, nämlich 133,000 Kiſten Thee in Blättern und 42,000 Kiſten mit Thee in ſogenannten Backſtei⸗ nen, welche letztre Sorte Thee vorzüglich von den Landleuten im öſtlichen Rußland conſumirt wird. Dieſe ganze Quantität, die dem größten Theile nach aus den feineren Theeſorten, dem in Europa ſo beliebten Caravanenthee beſtand, vertrat einen Werth
von ungefähr 3,700,000 Thlr., ſo daß ſich, beiläufig geſagt, der mittlere allgemeine Preis des Thees zu 21 Sgr. das Pfund ſtellt, während das Pfund Karavanentbee bei uns mit 2 bis 4 Thlr. bezahlt wird. Theilweiſe hat das ſeinen Grund in dem theuern Landtransport von Kiachta durch das ganze europäiſche Rußland und es läßt ſich mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß dieſe Preiſe ſich weit niedriger ſtellen werden, ſobald erſt in Rußland das beabſichtigte Eiſenbahnnetz ausgebaut und mit den preußiſchen und öſterreichiſchen Bahnen verbunden worden iſt.
Zum Eintauſch des chineſiſchen Thees hatte der ruſſiſche Handelsſtand für ungefähr 7 Millionen Thlr. Tuch und baum⸗ wollene Stoffe dahingeſchafft und zwar für 3,750,000 Thlr. Tuch und für 3,256,000 Thlr. baumwollene Stoffe. Der Preis der wollenen Gewebe, die im nördlichen China ſehr beliebt ſind, iſt unerhört billig, denn es iſt der ruſſiſchen Induſtrie möglich, die preußiſche Elle Tuch zu 20 Sgr., einem Thaler, einem Thaler 7 Sgr. zu liefern.
Die übrigen Artikel der Ruſſen beſtanden in ſogenanntem Juchtenleder, Pelzwerk, verarbeiteten Metallen, Spiegeln und
ſogar Opium, und von Seiten der Chineſen in einigen ſchwachen
Partien Zucker, Baumwolle, Seide, ſeidenen Zeugen(von den beiden letztern Artikeln bloß für 80,000 Thlr.). Die Geſammt⸗ ſumme der im Jahr 1852 zwiſchen den Ruſſen und Chineſen aus⸗ getauſchten Waaren belief ſich auf 17,500,000 Thlr. und betrug mehr als in einem der frühern Jahre. Im Jahr 1853 zeigten ſich in Kiachta recht deutlich die traurigen Wirkungen der innern Unruhen in China, denn die Theezufuhr ſank auf 50,000 Kiſten und der Geſammtwerth des bewirkten Austauſches blieb noch unter 8 Millionen Thaler. In den Jahren 1854 und 1855 hob
[III. Jahrg.
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