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„ich werde ſchon dafür ſorgen;“ dann fügt er laut hinzu: „Möge es nun ein Jugendwerk ſein oder nicht, ich für meinen Theil freue mich auf die Räuber, beſonders wenn der Franz gut iſt, und ich habe einige Hoffnung, daß die Mehrzahl der Anweſenden mit mir übereinſtimmt. Wie denken Sie darüber, Herr Berder?“
„Meine Meinung iſt,“ entgegnete der jugendliche Dich⸗ ter,„daß Alles bei Schiller groß iſt und, wie meine hohe Gönnerin, die Frau Directorin, in ihrem Gedichte an Schiller ſo treffend bemerkt, von höheren Gefühlen einge⸗ haucht. Es wäre wohl zu wünſchen, daß die Frau Direc⸗ torin uns dieſes Gedicht vortrüge.“.
„Ja bitte, bitte, Frau Directorin!“ rufen Alle, mit Ausnahme der Frau von Goltzheim, welche dem Notar ins Ohr raunt:„Wie, die Directorin dichtet?“
„Gewiß, meine Gnädige.“
„Nun ja, dichten mag ſie, das will ich ſchon glauben, aber für den Roman hat ſie gar kein Talent.“
„Ein anderes Mal werde ich meine Gedichte vortra⸗ gen,“ erwidert die Frau Directorin,„für heute bitte ich nicht von unſerm Geſpräch abzukommen; der Herr Com⸗ merzienrath bemerkten vorhin, daß der Herr Notar poli⸗ tiſche Artikel für den Waggon ſchreibt.“
„Nun, wenn es denn einmal ſein muß,“ ſagt der Notar,„ſo will ich es Ihnen offen geſtehen, daß ich für den Waggon ſchreibe. Es hat mich unangenehm berührt, daß die orientaliſche Frage von unſeren politiſchen Blät⸗ tern ſo wenig gründlich berührt worden, ich bitte aber von dieſem Bekenntniß keinen Gebrauch nach außen zu machen.“
Bei ſich aber denkt der Notar:„Vor morgen weiß es die ganze Stadt, tant mieux!“
„Ich habe der Geſellſchaft die angenehme Mittheilung zu machen,“ ſagt die Directorin,„daß wir von nun an die Gedichte unſeres Berder im Waggon leſen werden; endlich iſt der Redacteur zu der Einſicht gekommen, daß man ein ſolch bedeutendes Dichtertalent nicht länger unbe⸗
Novellen⸗Zeitung.
rückſichtigt laſſen könne; aber nun erlauben Sie, daß ich mich einige Augenblicke mit dem Herrn Notar beſpreche, es handelt ſich nämlich darum, der Geſellſchaft eine gewiß angenehme Ueberraſchung zu machen. Herr Notar, darf ich bitten?“
„Frau Directorin, ich ſtehe ganz zu Ihrer Dispoſition.“
„Aber Sie, Herr Neumann, reden ja kein Wort,“ be⸗ merkt die Commerzienräthin.
„Wie ſoll ich es wagen, da, wo die größten Geiſter unſerer Stadt vereint ſind. Ich höre und ſchwelge!“
„Sie ſpielen alſo die begleitende Muſik zu unſerer De⸗ clamation, Herr Neumann?“
„Ja wohl, Frau Commerzienräthin, obſchon ich nicht viel von dieſer Muſik halte. Für mich gibt es nur zwei Muſiker, Beethoven und Mozart.“
„Ja, ja,“ meint der Commerzienrath.„Beethoven iſt der Goethe und Mozart der Schiller der Muſik; nicht wahr, Herr Neumann?“
„Man kann ſich nicht treffender ausdrücken, Herr Rath.“
Der Lehrer, welcher ſich bisher im Stillen mit Thee und Butterbrod beſchäftigt hat, bemerkt:
„Die Muſik, meine Herrſchaften, reicht bis in die älteſten Zeiten hinauf; die Juden hatten bekanntlich Po⸗ ſaunen, bei den Römern hingegen muß....“
„Wie? hatten die Römer auch Muſik?“ fragt die Com⸗ merzienräthin.
„Gewiß, Madame, wir dürfen daran nicht zweifeln.“
Die gnädige Frau hat bisher wenig geſprochen; der Aerger, daß bis jetzt Niemand ihres Romans erwähnt hat, hat ſie in die trübſte Stimmung verſetzt, indeſſen ſoll ſie bald durch die Aufmerkſamkeit der Frau Directorin glän⸗ zend entſchädigt werden.
(Schluß folgt.)
ergibt ſich eine auffallende Verſchiedenheit in der Bevölkerung bei den einzelnen Staaten.
Die Bevölkerung hat in den Jahren 1852—1855 zugenom⸗ men: im Königreich Sachſen von 1,957,612 Einwohnern auf 2,029,176, um 51,564, um 2,.5 Proc.; im Königreich Preußen von 17,286,450 Einwohnern auf 17,556,316, um 269,332, um 1,5 Proc.; in Frankfurt von 74,867 Einwohnern auf 76,146, um 1279, um 1,6 Proc. Geringe Zunahme findet man auch in Han⸗ nover um 0,2, Oldenburg um 0,9, Thüringen um 0,6 Procent.
Die Bevölkerung hat abgenommen in Bayern von 4,565,256 auf 4,547,239, um 18,177 Einwohner, um 0,4 Proc.; die Ab⸗
nahme würde ſich jedoch in eine Zunahme umkehren, wenn man T 4
die Rheinpfalz ausſcheiden wollte, welche Provinz allein eine Ab⸗ nahme von mehr als 2400(24,000?) Einwohnern erlitt. Abge⸗ nommen hat ferner die Bevölkerung in Luxemburg um 1 Proc., in Braunſchweig um 1, im Großherzogthum Heſſen um 2, in Kurheſſen um 2,3, in Baden um 41,823 Einwohner, um 3, in Württemberg um 63,534 Einwohner, um 3,6 Proc.
In Norddeutſchland fand daber mit geringer Ausnahme eine
Zunahme ſtatt, die ſtärkſte im Königreich Sachſen. Dagegen findet man eine auffallende Abnahme in dem ſüdneſtlichen Theil
des Zollvereins, in Baden, Heſſen⸗Darmſtadt, in der Rheinpfalz,
am meiſten in Württemberg.
Eine geiſtreiche Variante.
In Breslau wurde kurz vor der Belagerung im Jahre 1806, wenn ich nicht irre, zur Belebung des Bürgermuthes auf aller⸗
höchſten Wunſch Wallenſtein's Lager aufgeführt. Da aber mit der untergeſchobenen Tendenz des Wachtmeiſters Worte:
„Der Wehrſtand ſoll leben,
Der Nährſtand ſoll geben!“ ſich nicht vertragen wollten, beſſerte man dieſe Stelle und die Variante lautete:—
Der Wehrſtand ſoll leben,
Der Nährſtand daneben!
Mannigfaltiges.
Im funfzehnten Jahrhundert gab es in Holland zwei Par⸗ teien, die ſehr heftig gegen einander erbittert waren, noch ſchlimmer wie die Familien Montecchi und Capuletti oder die Häuſer York und Lancaſter. Die eine der Parteien nannte ſich Fiſchhaken und die andere Stockfiſche. Im Scherze war nämlich bei einem Gaſtmahle geſtritten worden, ob den Stockfiſch der Haken faſſe oder der Stockfiſch ihn. Der Streit erhitzte ſich; es nahmen Vor⸗ nehme und Geringe Antheil. Ganze Städte ſchlugen ſich auf die eine oder die andere Seite. Die Stockfiſche trugen graue und die Fiſchhaken rothe Kappen, und erſt im Jahre 1492 verſöhnten ſich beide Parteien.
Zur Zeit der alten Römer wurde jeder Schauſpieler für ehr⸗ los gehalten. Ueber die Gründe, die ſie dazu veranlaßt hatten, exiſtirt eine höchſt intereſſante Abhandlung von Ludwig Gelbke,
„De causis infamiae, qua scenicos Romani notabant, disser
tatio,“ Lips. 1835. 4.
In Jnr
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N. I7
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