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Nr. 17.)
gungen ins Zimmer tritt und ſich dann zur Frau Direc⸗ torin wendet: „Frau Directorin,“ ſagt Heuer,„ich weiß die Ehre nicht hoch genug zu ſchätzen, welche Sie mir dadurch er⸗ zeigen, daß Sie mir den Zutritt zu Ihrem Kränzchen ge⸗ ſtatten!“
Der Oberlehrer wird vorgeſtellt und an dem untern Ende des Tiſches placirt.
„Nehmen Sie eine Taſſe Thee?“ fragt die Directorin.
„Mit Vergnügen,“ entgegnet der Lehrer.„Bei den Alten war es gebräuchlich, dem Gaſte den Ehrentrunk bis auf die Straße entgegenzutragen; erſt trank der Wirth, dann der Gaſt, und wenn beide aus einem Becher getrunken hatten, war das Band der Freundſchaft geſchloſſen; ſo er— Zählt Tacitus....“
„Nehmen Sie Zucker, Herr Lehrer?“
„Danke, Frau Directorin; noch heute beſteht bei den morgenländiſchen Völkern die Sitte, daß man dem Gaſte Brod und Wein reicht, und dieſe Sitte....“
„Sind Sie im Orient geweſen, Herr Lehrer?“ der Notar.
fragt
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„Entſchuldigen Sie, daß ich Sie unterbreche,“ be⸗ nſerkt die Directorin,„aber meine Tochter Emilie erinnert nich eben an eine Geſchichte, die ich Ihnen nicht länger dorenthalten kann. Denken Sie ſich, die Frau Apothekerin hat niemals etwas von Clauren geleſen.“
Bemerkung veranlaßt ein allgemeines Lachen,
nur der Lehrer bemerkt ſchüchtern:„Erlauben Sie, daß iich dies nicht ſo außerordentlich finde. Clauren iſt in der That vergeſſen.“
„Vergeſſen?“ unterbricht die Frau Directorin;„wie kommen Sie zu dieſer Behauptung, Herr Lehrer?“
„Frau Directorin, unſere Zeit paßt nicht mehr für dergleichen Dinge, denn es hat ſich gottlob im deutſchen Volke ein geſunderer Kern gebildet.“
„Herr Heuer,“ erwidert die Directorin ziemlich trocken, „möglich, daß es Ihre Anſicht iſt, die meinige iſt es auf keinen Fall.“
„Haben Sie ſchon gehört, meine Damen,“ ſagt der Notar,„daß wir in nächſter Woche einen ausgezeichneten Gaſt an unſerm Theater haben, der den Franz Moor gibt?“ V„Wie?“ ruft die Commerzienräthin,„die Räuber kommen zur Aufführung, jenes herrliche Meiſterwerk unſeres großen Schiller!“
„Meiſterwerk?“ bemerkte der Lehrer.„Es thut mir leid, Ihnen hierin widerſprechen zu müſſen, Frau Commer⸗ zienräthin, aber die Räuber ſind nach der Annahme aller bedeutenden Schriftſteller ein ungeregeltes Werk einer er⸗ hitzten Jugendphantaſie.“ „Jugendphantaſie, Herr Lehrer?“ Commerzienräthin,„ich begreife wirklich nicht, wie Sie mit ſo wenig Achtung von Schiller ſprechen können.“ „Aber, Madame—“
„Nein,“ fährt die Commerzienräthin fort,„ein ſolches Urtheil iſt in meiner Gegenwart niemals ausgeſprochen worden, und ich muß mich höchlichſt wundern, zum erſten Male in unſerm Kränzchen den großen Dichter auf dieſe Weiſe angegriffen zu ſehen.“
Der Notar beſchwichtigt die Commerzienräthin; dieſe aber flüſtert ihrem Manne ins Ohr:„Wenn der lang⸗ weilige, ungebildete Menſch nicht wegbleibt, ſo ſetze ich keinen Fuß mehr hier ins Haus!“
„Sei ruhig, Kunigunde!“ entgegnet leiſe der Gemahl,
entgegnete die
8853 in der Rheinprovinz jährlich erzeugten 364,000 Eimern Wein keanmen 57,2 Proc. auf die Moſel, 16,8 Proc. auf die Nahe,
15,5 Proc. auf den Rhein, 4,4 auf die Ahr, 3,6 auf die Saar ꝛc. ür den Zeitraum von 1849— 53 berechnet ſich der Verbrauch an
und ausländiſchem Wein im Zollverein auf 6 Quart auf den ſopf, welche aber ſo ungleich vertheilt ſind, daß für die eigentlichen
Keinländer 10— 15, für Norddeutſchland 1—2 Quart auf den Kopf zu rechnen ſind.
Amtliche Indianerjagd.
Der Indianer⸗Agent in Florida fordert in einer officiellen ekanntmachung zum Einfangen, reſp. zur Anwerbung von In⸗
ſonern auf. Dieſelben müſſen in ein Fort abgeliefert und ſollen
ſah dem Weſten abgeſandt werden. Di ausgebotenen Preiſe ſud nicht unbeträchtlich: 250 bis 500 Die nifhehede uaiaei 3) bis 200 Dollars für jede Squaw, 100 bis 200 Dollars für ſden Knaben über 10 Jahre. Das Maximum ſoll für jedes lüfige Individuum, für Kranke und Altersſchwache je nach Ab⸗ hhitzung, jedoch nie weniger als das oben genannte Minimum, arhlt werden. Für Kinder unter 10 Jahren wird kein Cent
ſagütet; ob man ſie nach Einfangung ihrer Eltern und Geſchwiſter ſi ſelbſt zu überlaſſen gedenkt, iſt aus der Bekanntmachung nicht ài erſehen. um der es ſich nicht leugnen läßt, daß ſie ihre überraſchenden un pikanten Seiten hat. Für 100 bis 500 Dollars unterzieht
Es iſt dies wohl eine neue Art der Kriegführung,
Art ſtellen, wird ſich ihnen unter dem Anſchein freundlicher Ab⸗ ſichten nähern und ſich ihrer dann bemächtigen; man wird groß⸗ artige Treibjagden veranſtalten und allen Scharfſinn aufbieten, das edle Wild nicht zu verletzen, weil eine Hieb⸗, Stich⸗ oder Schußwunde den Werth deſſelben verringern würde. Der Zweck des liebenswürdigen Aufgebots und die Beſtimmung der Einge⸗ fangenen wird nicht ausgeſprochen. Will man auf dieſe Weiſe Florida von Indianern ſäubern, ſo verdient der Umſtand, daß nur für Lebende und nicht für Todte Preiſe ausgeboten werden, lobende Anerkennung. Aus dem Umſtande, daß ſo ſonderbares Gewicht auf das Alter und die körperliche Beſchaffenheit der Auf⸗
gejagten gelegt wird, ſcheint hervorzugehen, daß man ſie irgendwo im Weſten zu irgend Etwas zu benutzen und auf dieſe Weiſe den
Kaufpreis wieder einzubringen gedenkt. Will man ſie als Heloten in Texas oder Mexico anbringen, oder, wie die Chineſen, als frei⸗ willige Lehrlinge nach Cuba ſenden? Wir wiſſen es nicht, müſſen aber noch einmal dem Agenten, welcher nicht zur Einbringung von Köpfen, ſondern von lebenden Menſchen auffordert, unſere
aufrichtige Bewunderung zu erkennen geben. Nach Ausſpruch
des Congreſſes ſind die Indianer als ſelbſtſtändige Nationen zu betrachten. Daß man auf ſolche Jagd zu machen pflegt, haben wir freilich nicht gewußt.
Abnahme der Bevölkerung in Deutſchland. Nach den Volkszählungen der zollvereinten. Staaten vom
rnaf ſich ſchon einer Strapaze und im Nothfall auch einiger Ge⸗ Ende des Jahres 1855, welche nun, zuſammengeſtellt und ver⸗ dhi. Man wird den Indianern Schlingen und Gruben jeder
glichen mit früheren Zählungen, der Oeffentlichkeit übergeben ſind,


