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Nr. 17.]
Im Jahre 1766 wurde er, nachdem er durch Salonich gereiſt war und die Inſeln des Archipels beſucht hatte, mit ungewöhnlicher Achtung in Conſtantinopel aufgenommen, wie die Zeitungen damals berichteten.
Zu Anfang des Jahres 1773 befand er ſich zu Roſette in Egypten, wie ein an einen ihm befreundeten Arzt ge⸗ richteter Brief beweiſt. Er ſchreibt unter Anderm:„Ich bin für das Compliment, das Sie meinem Barte machen, ſehr verbunden, und auch meinem Freunde Dr. Mackenzie, daß er Ihnen die Vortheile auseinandergeſetzt hat, welche ihn der Lobrede würdig machen. Ich bin Odyſſeus und Aeneas gefolgt— ich habe Alles geſehen, was ſie beſucht haben ſollen, die Länder der Bundesgenoſſen der Griechen, wie die des alten Priamus, mit weniger Bequemlichkeit, doch mit mehr Vergnügen, als die Meiſten, welche Frank⸗ reich und Italien bereiſen. Ich hatte manchen beſchwer⸗ lichen Schritt, doch nie eine langweilige Stunde, und ſo viele unangenehme und gefährliche Abenteuer ich hatte, konnte doch keines mich von meinem Ziele abbringen, ſie ſpornten mich im Gegentheil nur noch mehr an. Ich habe ſicherlich viele Materialien, und zwar claſſiſche, aber ich bin ein ſchlechter Arbeiter; und ein Sechzigjähriger iſt unter allen Arbeitern der ſchlechteſte. Dies iſt ſehr wahr; aber die Patriarchen begannen da erſt zu leben, und ich fühle, daß ich eine patriarchaliſche Conſtitution habe. Ich lebe ſo ſtreng und einfach, wie ſie lebten. An Mühſeligkeit ge— wöhnt, verachte ich Verſchwendung; meine einzige Ver⸗
ſchwendung iſt Kaffee und Claret, exceptis excipiendis. Ich verweilte ziemlich lange in Epirus und Theſſalien, den Theatern, auf welchen das Schickſal der Welt das Drama war. Ich nahm genaue Pläne von Actium und Pharſalus auf.... Ich beſchäftige mich eifrig mit dem Studium der arabiſchen Sprache.“
Im Juni deſſelben Jahres verließ er Roſette, und in demſelben Monat finden wir ihn in der Quarantainean⸗ ſtalt bei Livorno. Von da reiſte er nach Venedig, wo er
ſich zwei Jahre aufhielt, mehr als je orientaliſchen Ge⸗ wohnheiten nachhängend und mit dem feſten Vorſatz, eine Reiſe nach Mecca und Medina zu machen. Während ſei⸗ nes Aufenthaltes in Venedig erhielt er den Beſuch des Herzogs von Hamilton und des Dr. Moore, von denen der Letztere uns einen eigenthümlichen Bericht über ſeine Ge⸗ wohnheiten und ſeine Erſcheinung hinterlaſſen hat.„Er traf Seine Gnaden,“ ſagt er,„oben auf der Treppe und führte uns durch mehrere in venetianiſchem Geſchmack meublirte Zimmer in ein inneres Gemach ganz andern Stiles. Da gab es keine Stühle, ſondern er lud uns ein, uns auf ein Sopha zu ſetzen, während er ſelbſt auf einem Kiſſen mit übereinandergeſchlagenen Beinen, nach türkiſcher Weiſe, Platz nahm. Ein junger Neger ſaß bei ihm, und ein ehrwürdiger Greis mit langem Barte reichte uns Kaffee. Hierauf wunpen wohlriechende Harze gebracht und in einem kleinen ſit nen Gefäß angezündet. Mon⸗ tague hielt einige Minuten lang die Naſe über den Rauch und zog ihn mit großem Behagen ein; ſodann ſuchte er den Rauch mit den Händen aufzufangen und rieb ihn ſorg⸗ fältig in ſeinen Bart, welcher ihm in grauen Ringeln bis auf den Gürtel herabhing. Wir unterhielten uns lange mit dieſem ehrwürdig ausſehenden Manne, der im höchſten Grade geiſtreich und mittheilend iſt und in Geſpräch und Sitten die Lebhaftigkeit eines Franzoſen mit der Würde eines Türken vereinigt. Er war außerordentlich für die türkiſchen Charaktere und Sitten eingenommen, die er den europäiſchen, ſo wie denen anderer Völker bei weitem vorzog..... 4
Unter andern Sonderbarkeiten iſt zu erwähnen, daß er die Türken zu dem Glauben zu bewegen bemüht war, er ſei ein Sohn des Großherren, und viele waren leicht⸗ gläubig genug, ſein Vorgeben für wahr zu halten. Seine größte Verletzung der Gebräuche des Lebens war folgende Anzeige:
Betragen außerordentlich angenehm ſei. Sein Anzug glich dem eines vornehmen Europäers und er ſprach und benahm ſich mit einer aufrichtigen und offenen Herzlichkeit und zeigte dabei zuwei⸗ len ein tiefes Gefühl— lauter Anzeichen jener aufrichtigen, menſchlichen und großmüthigen Geſinnung, um derentwillen er ſo allgemein geliebt iſt.
In Hinſicht deſſen, worin Hr. Ellis ſo tief intereſſirt iſt, erklärt er, daß die Lage der Dinge ſelbſt ſeine höchſten Erwar⸗ tungen übertroffen habe; doch die in Madagascar erlaſſenen ſtrengen Verordnungen gegen das Chriſtenthum beſtehen noch in voller Kraft, obgleich in der neueſten Zeit dort keine Verfolgung gegen die Chriſten ſtattgefunden hat. Er hat bereits genug Kennt⸗ niſſe von der Inſel ſich eingeſammelt, um den Eindruck in ihm zu beſtärken, daß es ſeine Pflicht war, dieſe Reiſe zu unternehmen, welchen Erfolg ſie ſchließlich auch haben möge, und er bittet alle Chriſten dringend, ihre Gebete gen Himmel zu ſenden, damit ſeine Miſſion nicht eine vergebliche ſein möge. Es wäre ſicher etwas Großes, wenn es dem Herrn Ellis gelänge, die Königin und ihren Sohn zum Chriſtenthum zu bekehren und ſo den Grund dazu zu legen, daß dieſe von der Natur ſo ſehr begünſtigte Inſel endlich der Civiliſation eröffnet würde. Unſere beſten Wünſche beglei⸗ zen ihn! C.
Aus der Geſellſchaft. faſſche Riedermänner und falſche Pöſewichter in Paris.
Wir haben ſchon früher bei Gelegenheit der Lorettendramen ir Paris darauf aufmerkſam gemacht, wie die Talente des fran⸗
zöſiſchen Theaters es verſtehen, dieſelben Stoffe von den verſchie⸗ denſten Seiten zu behandeln und über die herrſchenden Tages⸗ fragen durch entgegengeſetzte Auffaſſungen gewiſſermaßen eine dramatiſche Debatte zu eröffnen. Wie ſeiner Zeit den Griſetten⸗ ſtücken die fllles de marbre, den Camelliendamen die Geißelung der Demi- monde entgegengeſetzt wurde, ſo tritt in dieſer Saiſon neben die faux bons hommes als bezüglicher Contraſt das Stück les fanfarons de vice.
Die„falſchen Biedermänner“ von Barrière und Capendu ſind unter dem Titel„Biedermann und Conſorten“ bereits auf die deutſchen Bühnen übergegangen. Wir ſelbſt ſahen auf dem Königs⸗ ſtädtiſchen Theater in Berlin, mit Herrn Anton Aſcher als Maler
Thevonet, eine höchſt beluſtigende Darſtellung dieſes Drama's, das die Tendenz, die Heuchler in unſrer modernen Geſellſchaft mit
den Mienen der Biederkeit zu entlarven, durch vier Acte in ſtets ſich ſteigernder Virtuoſität durchführt, und bei aller poſſenhaften Ausgelaſſenheit doch wieder einen ſeltſamen, Nachdenken erregen⸗ den Eindruck hinterläßt.— Auch Laube hat das Stück auf dem Burgtheater, wie man ſchreibt, mit einigen Aenderungen und mit der glücklichſten Wirkung, zur Darſtellung gebracht.
Im Gegenſatze dazu berichtet Theoödor Mundt in ſeinem Buche„Pariſer Reiſeſkizzen“(Berlin, 1857) von einem anderen gleichfalls Epoche machenden Drama:
„Auf dem Gymnaſe dramatique wurde ſeit einiger Zeit ein neues Stück der HH. Dumanoir und Bisville wiederholt, das den überraſchenden Titel„les fanfarons de vice“(die Prahlhänſe des Laſters) führt und nur durch die Aufgreifung des in dieſem Titel ausgedrückten Thema's erwähnenswerth und merkwürdig iſt.
„Der Tartüfferie, die ſich fromm anſtellt, um dadurch welt⸗
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