Jahrgang 
01-26 (1857)
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gelloſigkeit anhing, ſo war ſie doch durch die Liebe zur Literatur und Wiſſenſchaft ſehr gemildert.

In demſelben Jahre ſtarb ſeine Mutter, und, wie ſo viele andere Eltern der herrſchenden Leidenſchaft noch im Tode folgend, vermachte ſie ihm eine einzige Guinee, mit der ſarkaſtiſchen Bemerkung,daß ſein Vater reichlich für ihn geſorgt habe. In Folge dieſes Teſtaments fiel dem Earl von Bute, welcher Edwards Schweſter geheirathet hatte, ein ungeheures Vermögen zu, doch mit einem bei ſolchen Gelegenheiten ungewöhnlichen Edelmuthe gab er dem Enterbten einen anſehnlichen Theil des ihm ſo Ent⸗ zogenen zurück. Indeſſen ſcheint er ſich dieſe Täuſchung ſeiner Erwartungen nicht ſehr zu Herzen genommen zu haben. Das mütterliche Vermächtniß ward ihm über⸗ geben, als er auf Reiſen war, und er zeigte es, wie man erzählt, Mr. Daviſon, ſeinem Pueie, mit großer Hei⸗ terkeit..

Nun reiſte er nach dem Orient, wo er drei Jahre blieb. In einem Briefe an ſeinen Freund Dr. Watſon berichtet er über ſeine Reiſe von Cairo nach dem Sinai.

Von den Erlebniſſen Wortley Montague's während

ſeines Aufenthaltes im Orient iſt faſt nur ein Abenteuer

bekannt, das er in Alexandrien beſtand. Er war mit dem däniſchen Geſandten bekannt geworden, der, wie es ſich in dieſem Falle erwies, das Unglück hatte, eine ſchöne Frau zu beſitzen. Unter verſchiedenen Vorwänden überredete unſer Reiſender den Conſul, nach Holland zu reiſen, und einige Zeit darauf zeigte er der Frau einen erdichteten Brief, welcher die Nachricht von ihres Mannes Tode enthielt, worauf ſie ſich verleiten ließ, ihn zu heirathen. Bald dar⸗ auf erhielt der däniſche Reſident in Conſtantinopel Nach⸗ richt von dem angeblich geſtorbenen Conſul; allein die

Kataſtrophe dieſer ärgerlichen Sache iſt nicht bekannt. Es

wird bloß berichtet, daß der Verführer ſein Opfer mit ſich nach Syrien nahm. Wir ſehen ihn zunächſt in Venedig Quarantaine hal⸗

[III. Jahrg. ten, in Kleidung und Sitten ein vollendeter Aſiat; ſein Bart, den er dritthalb Jahre hatte wachſen laſſen, reichte ihm bis auf die Bruſt, ſeine Kopfbedeckung war armeniſch, ſein Lager die Erde, ſeine Nahrung Reis, ſein Getränk Waſſer oder Kaffee und ſeine größte Verſchwendung eine Pfeife. Alle Engländer in Venedig beſuchten ihn, eine Aufmerkſamkeit, die ihn ſehr freute und die er durch Er⸗ zählung der verſchiedenen Wunder, auf die er geſtoßen, erlangte. Von den Arabern und ihrem Lande ſprach er mit Begeiſterung und erzählte, wenn Jemand auf der Straße ſeinen Mantel fallen laſſe, würde er ihn nach ſechs Monaten dort wieder finden, da ein Araber zu rechtſchaffen ſei, als daß er etwas aufheben ſollte, was einem Andern gehört; und wenn man dem Araber für erhaltene Lebens⸗ mittel Geld anböte, würde er fragen, warum man eine ſo geringe Meinung von ſeinem Wohlwollen habe, daß man ihn für fähig halte, eine Vergütung anzunehmen. Von Venedig ſcheint er nach Piſa gegangen zu ſein. Der Be⸗ richt, den er in einem aus dieſer Stadt datirten Briefe gibt, iſt ſehr charakteriſtiſch. Er ſagt darin:Ich habe einige Verſuche gemacht, welche nicht wenig zur Verbeſſe⸗ rung meines organiſchen Syſtems beigetragen haben. Ich habe mit den deutſchen Edelleuten Umgang gehabt und auf ihren Landſitzen meine Lehrzeit in der Reitkunſt beſtanden. Ich war ein Landbauer auf den Feldern der Schweiz und Hollands und verſchmähte nicht den niedrigen Dienſt eines Poſtillons und Pflügers. Ich nahm in Paris den lächer⸗ lichen Charakter eines petit maitre an. Ich war in Rom ein Abbé. Ich legte in Hamburg die lutheriſche Krauſe an und verkündete mit einem dreifachen Kinn und mit feierlicher Miene das Wort Gottes auf ſolche Weiſe, daß ich den Neid der Prieſter erregte. Ich ſpielte nach einan⸗ der alle Rollen, welche Fielding in ſeinem Julian beſchrie⸗ ben hat. Mein Schickſal war dem einer Guinee ähnlich, welche ſich bald in den Händen einer Königin, bald in der Taſche eines ſchmuzigen Wucherers befindet.

tiefen weichen Schlamm durcharbeiten mußten. Es war eben die Regenzeit und Herr Ellis beſchreibt dieſen Theil des Landes als denjenigen, dem man mit Recht den Namender Fieberdiſtrict gegeben habe. Er erinnerte ſich in der That oft an einen der vie⸗ len liſtigen Ausſprüche des letzten Königs Rodama, der ſich rühmte, er könne jedes feindliche Heer, das in ſein Land einfalle, ſeinen beiden Generälen,dem Walde und dem Fieber, über⸗ laſſen. Der Reiſezug ſchritt indeſſen voran und hielt gelegentlich einen Raſttag, ohne einen Angriff von dieſer Krankheit zu erlei⸗ den, mit Ausnahme eines einzigen Trägers, der davon heimgeſucht wurde.

Während dieſes Theils ſeiner Reiſe bewunderte Herr Ellis die Schönheit und Mannigfaltigkeit des Farrnkrauts, einige für ihn ganz neue Varietäten von Haidekraut und manche üppige Schlingpflanzen mit ſehr ſchönen Blumen. Die für die Einge⸗ bornen in ihren Arbeiten ſo wichtige Ropinpalme fand ſich im Ueberfluſſe und eben ſo der Reiſenden⸗Baum, eine Palmenart, die ſich nur in Madagascar findet. Die merkwürdige Eigenſchaft dieſes Baums, die ihm ſeinen Namen gegeben hat, beſteht darin, daß er, wenn man einen Einſchnitt in ihn macht, eine vollkommen klare und reine Flüſſigkeit und zwar in einer Menge gibt, die ge⸗ nügend iſt, den Durſt des Reiſenden zu löſchen, zuweilen nicht weniger als ein Quart von einem einzigen Einſchnitt.

Als ſie endlich den Fieberdiſtrict verlaſſen hatten und eine offenere und beſſer bebaute Landſchaft erreichten, fand ſich die Ropinpalme und der Reiſenden⸗Baum nicht länger. Die Induſtrie der Hovas war dann weit mehr in dem Anbau der Reisfelder und mancher andern Arten von Erzeugniſſen ſichtbar, ſo wie in dem Weben ſchöner Stoffe von der im Lande gewonnenen Seide, vor⸗

züglich des Lamba, den die Häuptlinge als eine Art von Mantel tragen. Derſelbe hat einen breiten, geſtreiften Rand, der oft von ſehr glänzenden Farben und mit dem größten Geſchmack geord⸗ net iſt.

An den verſchiedenen Halteplätzen wurde der Reiſezug mit Güte aufgenommen und reichlich mit Lebensmitteln verſehen, und wenn einer der Träger ſich heimlich davon machte, was bisweilen geſchah, ſo wurde der Theil des Gepäckes, den er getragen hatte, von dem Häuptling des Ortes mit der größten Pünktlichkeit und Sicherheit weiter befördert. Während des Verlaufs der Reiſe kamen öfters Boten aus der Hauptſtadt an, um dem Herrn Ellis⸗ die freundſchaftlichen Geſinnungen des Prinzen und ſeiner Freunde auszudrücken, und je näher ſie der Hauptſtadt kamen, deſto häufiger wurden dieſe Beweiſe von Aufmerkſamkeit. Zuletzt kamen drei Häuptlinge zu Pferde an, die dem Hrn. Ellis als Escorte dienten, und unſer Reiſender wurde dann in ein für ſeinen Gebrauch be⸗ ſtimmtes Haus geführt, das er außerordentlich bequem und com⸗ fortable fand, weil es mit vielen Dingen ausgeſtattet war, an welche man in Europa gewöhnt iſt..

Herr Ellis war genöthigt, ſein Reiſejournal, um es ſo bald als möglich nach Europa befördert zu ſehen, den Trägern zu über⸗ geben, welche an die Küſte zurückkehrten; er hatte daher noch nichts von dem Beſuch erzählen können, den er der Königin in der Kürze machen wollte, doch ſein Brief ſchließt mit der intereſ⸗ ſanten Erzählung des Beſuchs, den er von dem Prinzen empfing. Dieſer war von dem Secretair der Königin begleitet, der engliſch ſpricht, denn er gehört zu der Zahl der Eingebornen Madagascars, die vor einigen Jahren in England erzogen worden ſind. Herr Ellis beſchreibt den Prinzen als einen Mann, deſſen Perſon und

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