Jahrgang 
01-26 (1857)
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Noveſlen

2. November, an welchem ich früh um neun Uhr vor einen Gerichtsbeamten geführt wurde; er ſtellte mit mir ein Ver⸗ hör an, in welchem ich die Anklagepunkte erfuhr und ſo antwortete, daß er ſich hätte von meiner Unſchuld über⸗ zeugen ſollen.

Abraham Payba, ein Israelit, der den Namen Ro⸗ berts angenommen, gab an, er habe mit Miß Roſe Eng⸗ land verlaſſen, um mit ihr, mit bedeutenden Anweiſungen auf die engliſche Bank und auf mehrere Londoner Banquiers verſehen, eine Reiſe nach Frankreich und Italien zu machen. Er habe im Hötel d'Orléans gewohnt, und ſei ſehr erſtaunt geweſen, daß ich, den er gar nicht gekannt ihn beſuchte. Am nächſten Tage, ſo lautete ſeine Ausſage, verreiſte er auf das Land und fand bei ſeiner Rückkehr eine Einladung von mir, bei mir zu Mittag zu ſpeiſen, die er angenommen, und traf eine zahlreiche Geſellſchaft von England in mei⸗ ner Wohnung. Ich nöthigte ihn, mehrere Sorten Wein und andere Getränke zu trinken, bis ich bemerkt, daß er berauſcht ſei, und nach dem Mittagsmahl, das bis gegen ſechs Uhr Abends währte, zog ſich die Geſellſchaft auf mein Zimmer zurück, um Kaffee zu trinken. Dann gingen Alle fort, außer Mr. Taafe, Lord Southwell und mir. Mr. Taafe nahm ein paar Würfel, warf ſie auf den Tiſch und fragte, wer ſpielen wolle. Roberts entſchuldigte ſich an fangs, weil er nur zwei Kronenthaler bei ſich habe, worauf

1 der Andere erwiderte, er könne auf ſein Ehrenwort ſpielen. Auf ſeine Entgegnung, er brauche ſein ganzes Geld zu einer Reiſe, beſtanden Mr. Taafe, Lord Southwell und ich ſo hartnäckig darauf, daß er ſpielen ſolle, daß er endlich, vom Weine berauſcht und nicht wiſſend was er thue, ein⸗ willigte. Seinen Zuſtand benutzend, gewannen wir ihm in weniger als einer Stunde 870 Louisd'or ab. Am fol⸗ genden Tage ſandte Mr. Taafe ihm eine Einladung zum Abendeſſen, die er aber ablehnte, und den Sonntag darauf bat derſelbe ihn brieflich, ihm die 400 Louisd'or zu ſchicken, die er von ihm gewonnen, und Roberts antwortete ihm, er

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Zeitung

werde nächſten Donnerſtag zu ihm kommen. am Montag, Nachts zwiſchen elf und zwölf Uhr, pochten Mr. Taafe, Lord Southwell und ich unter Drohungen und Verwünſchungen heftig an ſeine Thür, und als er uns ein⸗ gelaſſen, erklärten wir ihm, wenn er nicht Jedem von uns einen Wechſel auf die verſchiedenen Summen gäbe, die wir ihm abgenommen, ſo würden wir ihn ſofort nach der Ba⸗ ſtille bringen laſſen, da die Wache und der Gouverneur der Baſtille zu dieſem Zwecke ſchon unten warteten. Wir ſagten ihm, in Frankreich müßten alle Spielſchulden bin⸗ nen vierundzwanzig Stunden bezahlt ſein, nachdem ſie ge⸗ macht worden, und drohten, ihm mit unſern Degen das Geſicht zu zeichnen, wenn er ſich weigere, uns die verlang⸗ ten Wechſel zu geben. Durch unſere Drohungen einge⸗ ſchüchtert und der in Frankreich herrſchenden Gebräuche unkundig, gab er uns Wechſel auf den Pariſer Banquier Walters den Jüngern. Der Kläger wußte wohl, daß die Wechſel nicht angenommen werden würden, und da er ſein Leben für gefährdet hielt, entſchloß er ſich, den folgenden Tag nach Lyon abzureiſen; hier und nach ſeiner Rückkehr nach Paris erfuhr er, daß Mr. Taafe, Lord Southwell und ich an demſelben Tage, an welchem er Paris verließ, frühzeitig in ſeine Wohnung kamen, wo wir nur Miß Roſe und deren Schweſter trafen, und Mr. Taafe die Erſtere überredete, den Kläger zu verlaſſen und mit ihm nach dem Hötel de Peron zu gehen, indem er verſprach, ſie in Kur⸗ zem nach England reiſen zu laſſen. Hierauf durchſuchte er alle dem Beklagten gehörige Koffer und Commoden, woraus er Geld, Brillantſchnallen und Spitzen im Betrage von 30,180 Livres, außerdem ſieben bis acht Frauenkleider, zwei Brillantringe, mehrere goldene Doſen und andere Sachen nahm, die er nicht alle angeben konnte; dies Alles nahm Mr. Taafe mit Hülfe ſeines Dieners mit ſich in einem Wagen, der an einer Straßenecke wartete, nach ſeiner Wohnung. Dann holte er Miß Roſe und deren Schweſter in einem andern Wagen, und ſie blieben drei Tage bei

Aber ſchon

mein Geſchäft und macht mir daher kein Vergnügen; beſtehen Sie . aber durchaus darauf, meine Ruhe zu ſtören und mich auf den

Kampfplatz zu ſchleppen, ſo bleiben Sie darauf, das ſchwöre ich V Ihnen.

Elender Prahler, das wollen wir ſehem! Lies einſtweilen hier die getreue Liſte der vierunddreißig Perſonen, die ich im Duell getödtet und der achtundſiebzig, die ich verwundet habe, und frage Dich dann, ob ich der Mann dazu bin, mich vor einem Petit zu fürchten.

Sie wollen ſich alſo durchaus ſchlagen?

Alberne Frage!

Nun, ſo kommen Sie, 3 den Degen.

Ihre Zeugen?

Die Ihrigen. Vorwärts!

Der Creole führte den Degen ſehr geſchickt, aber es fehlte ihm in dieſem Augenblicke die Kaltblütigkeit, die im Duelle unerläßlich iſt. Nach einigen Gängen wurde er durch ſeinen Gegner im Arme leicht verwundet. Der Anblick ſeines fließenden Blutes machte ihn wüthend.,

Folgen Sie mir, ſagte ſind verwundet und damit iſt der es nun gut ſein.

Nein, auf Leben und Tod! auf Leben und Tod!

Wenn Sie es denn durchaus wollen, ſo ſei es! rief Petit, und wenige Augenblicke ſpäter durchbohrte ſein Degen die Bruſt des Händelmachers.

V Lucian Petit's Ruf war durch dieſe Züchtigung des Allge⸗

ſagte der Fechtmeiſter.Ich wähle

der Fechtmeiſter gelaſſen.Sie Ehre genug gethan. Laſſen wir

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ſchrie der Creole außer ſich;

fürchteten ſchnell begründet, und von allen Seiten ſtrömten ihm Schüler zu, ſo daß er kaum die Zeit finden konnte, Allen Unter⸗ richt zu ertheilen, die denſelben von ihm begehrten. a.

Eine Parabel vom Zopf. Mitgetheilt vom Prof. Em.. n.

Jeder meiner Leſer weiß, daß man im Anfang dieſes Jahr⸗ hunderts noch allgemein Zöpfe trug und erſt damals in Folge der leidigen Aufklärung, wie mein ſeliger Vetter immer zu ſagen pflegte, anfing, dieſe edelſte Zierde der Menſchheit zu entreißen. Jedenfalls aber weiß nicht jeder meiner Leſer, wer mein ſeliger Vetter war, und darum will ich es ſicherheitshalber lieber herſetzen. Er war der gemüthlichſte Menſch, den man ſich denken kann, wenn er ſein Pfeifchen im Munde, ſeine Bierkanne vor ſich, ſeinen Zopf im Nacken, ſeine Schlafmütze auf dem Kopfe und ſeinen Schlaf⸗ rock auf dem Leibe hatte; ſeines Handwerks aber war er ein Mül⸗ ler und das war ſein Glück, denn ſonſt trüge er, wenn er lebte, noch heute ſeinen ſtattlichen Zopf, wie er ihn anno 1810 trug. Alles Zureden ſeiner Freunde, alles Bitten ſeiner Verwandten, alle Vorſtellungen, daß er durch ſolch Gebahren ſich lächerlich mache, waren vergeblich, er ſagte immer zu ſolchen Reden, wie der hochgeprieſene Profeſſor Leo in Halle noch heute ſagt:das ſero⸗ phulöſe Geſindel trägt keine Zöpfe, weil es keine Haare dazu mehr auf dem Kopfe hat.

Im oben erwähnten Jahre mußte mein Vetter ausnahms⸗ weiſe ein Mal die Nacht durch ſeinem Geſchäfte obliegen. Wäh⸗ rend ſeine Kameraden an Erzählungen und Spiel ſich ergötzten,

(III. Jahrg.

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