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Thiers ſtellt dabei eine Betrachtung an, auf die be⸗ kannte Verurtheilung des Herrn Frochot ſich beziehend, eines„rechtlichen, nicht ſowohl ſchwachen, als durch die Umſtände überraſchten Beamten, den man opfern wollte,
Novellen⸗Zeitung.[III.
gedicht von Clara Hetd.
um die Aufmerkſamkeit des Publicums von andern bedenk⸗
licheren Dingen abzuziehen.“
Der Verfaſſer ſagt:
„Welch ein Schauſpiel gab man mit dieſem Zorne
gegen die Philoſophie der intelligenteſten Nation Europa's! Wie, man hatte in Rußland die franzöſiſche Armee, mit dieſer den kaiſerlichen Thron und, was noch ſchlimmer war, die Größe Frankreichs auf unſinnige Weiſe compromittirt, man hatte ſich arg getäuſcht über die Nothwendigkeit dieſes Kriegs und über die Mittel zu ſeiner Führung, man kam beſiegt, gedemüthigt zurück, und die Philoſophie ſollte an alldem ſchuld ſein! War es auch die Philoſophie, die in dieſem Augenblicke den unglücklichen Pius VII. zu Savona gefangen hielt und jeden Tag Hunderte von Prieſtern in die Kerker warf? Und ein mit dem vorzüglichſten Geiſte begabter Mann wagte, ſolche Dinge im Angeſichte Frank⸗
reichs und der Welt und überdies Ereigniſſen gegenüber
zu ſagen, die nur zu wohl geeignet waren, ihn Lügen zu ſtrafen! Solcher Art iſt die Wirkung der Fehler, zumal der großen Fehler! Außer all' dem Uebel, das ſie nach ſich ziehen, verblenden ſie auch noch den Verſtand deſſen, der ſie begangen hat, dermaßen, daß in der durch ſie ver⸗ urſachten Gemüthsunruhe ſelbſt das Genie ſich nur noch wie ein zorniges Kind geberdet. Es gibt ſeine Fehler denen ſchuld, denen ſie am wenigſten zur Laſt zu legen ſind und die oft am meiſten darunter leiden.“
Nie wirſt du ein Herz ergründen.
Wirſt ein andres Herz du finden, Das dem deinen ſich erſchließet: Freudig ſei es dann begrüßet,— Doch du wirſt es nie ergründen!
Was dir Wort und Blick auch künde Aus der Seele tiefſtem Grunde:
Wehmuth nur erweck' die Kunde,— Wort und Blick verweht im Winde.
Hoff' auf keinen Bund der Seelen, Der ſo feſt unlösbar wäre,
Wie zwei Tropfen in dem Meere, Die auf ewig ſich vermählen.
Wolken ganz zuſammen fließen; Töne können ſich durchdringen,
Im Accord harmoniſch klingen,— Herz wird Herz nur flüchtig grüßen!
Laß den Stolz, o laß ihn ſchwinden, Deines Glückes Traum muß bleichen Und der bittern Wahrheit weichen: Nie wirſt du ein Herz ergründen!
koloſſalſte Pathos von allen gegenwärtigen Bühnenkünſtlerinnen zu Gebote ſtehen; daß ſie aber auch dieſen ganz entgegengeſetzte Vorzüge zu entfalten weiß, darüber belehrten uns die ferneren Rollen.
Dieſe Phädra vornehmlich war ein ſo durchweg von unge⸗ bändigter„Excentricität durchdrungenes, ſo Entſetzen erregend titanenhaftes Weib, daß wir es fuͤr eine Unmöglichkeit hielten, als für die nächſten Tage Gretchen angeſetzt war. Aber wie groß war die Ueberraſchung, als wir hier mit einem Male eine ganz andere Perſönlichkeit, ein zartes, jungfräulich⸗weibliches Weſen
vor uns ſahen, mit all' den Tönen wärmſter Innigkeit ausgeſtat⸗ tet, welche die früheren Rollen vermiſſen ließen. Am allerwenig⸗ ſten hätten wir es erwartet, daß hier nicht die Schilderungen des kraſſen Wahnſinns, ſondern grade die Scenen der vorhergehenden Acte am meiſten anſprachen, daß das„Meine Nuh iſt hin“ und das„Neige, du Schmerzensreiche“ die ſchönſten Partien der Rolle ſein würden! Und wiederum eine andere Ueberraſchung ſtand uns bevor, als die Gaſtin im Luſtſpiel auftrat. Wir ſahen ſie als Leopoldine in„Der beſte Ton,“ als Gräfin d'Autreval im„Damenkampf“ und als Lucie im„Tagebuch.“ Welche Mannigfaltigkeiten der Ton⸗ arten, welche Klarheit der Uebergänge, welche Natürlichkeit der ganzen Haltung! Wie ſicher, intrigant und ſchelmiſch— dieſe Leopoldine! Wie taktvoll dieſes halb à part geſagte„Sie haben kein Herz“ als Autreval! Im„Tagebuch“ wie prächtig gemüth⸗ voll das„Wollen Sie auch ein recht guter Ehemann ſein?“ Wie drollig naturwahr— dieſes Träumen! Der Glanzpunkt indeß von Allem, was wir von den Darſtellungen dieſer Küͤnſtlerin kennen, war die große Scene der Pompadour im dritten Acte des„Narciß.“
Wenn wir in den oben genannten großen Rollen der Darſtellerin ihre Energie, die Gewalt ihrer Mittel hervorheben, hier offen⸗ barte ſie eine Charakteriſtik, eine Fülle und Schärfe hiſtoriſcher Genremalerei, durch die ſie ſich nicht nur als eine natürlich begabte, auch in eben ſo hohem Grade als eine geiſtig ſchaffende Künſtlerin erwies. Das war wie ein Gemälde von Gallait, in grellen, aber wunderbar gemiſchten Farben, ſicher und brillant im Effect, natur⸗ wahr bis zum Entſetzen, meiſterhaft in detaillivteſter Ausführung. Da ſahen wir in die Wirklichkeit zurückgerufen, zu ihrer Ideali⸗ tät concentrirt, Frankreichs lächelnde Eris mit den Dolchen im eigenen Buſen, das galvaniſch zuckende Verenden einer wahnſinnig leichtfertigen Geſellſchaft, die Heroine aller Maitreſſen, die, aus dem Nichts hervorgegangen, im Begriff nach der Krone die Hand auszuſtrecken, von der eigenen überreizten Natur verlaſſen, ver⸗ geblich den Todeskrampf noch zu überſchminken ſucht. Mit den Worten:„Und ich ſah ihn wieder— in Lumpen“ erreichte die Scene ihren großartigſten Gipfelpunkt. Dieſer Pompadour trat würdig an die Seite die Eliſabeth in Laube's„Eſſex,“ worauf die Gaſtin ihren Cyklus mit der bürgerlich einfachen, tief ergrei⸗ fenden Mathilde ſchloß. 3 2
Die Auffübrung des„Eſſex“ zum Beneſiz unſeres Regiſſeurs Pauli gab uns Gelegenheit, die treffliche Darſtellung des Herrn Hendrichs, aus Berlin, in der Titelrolle kennen zu lernen. Im Uebrigen war die Beſetzung der meiſten Stücke die gewohnte. Von neuen Partien ſind die Aricia des Frl. Francke, der Theramen des Herrn Stürmer in„Phädra,“ ſo wie ganz beſonders der höchſt elegante und dabei komiſche Henri de Flavigneul des Herrn Böckel
im„Damenkampf“ zu erwähnen. R. G.
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