Jahrgang 
01-26 (1857)
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und Leid und der Herr iſt in dem Schwachen mächtig. Ich habe es erfahren, als Erich in gewohnter Weiſe deſſelben Nachmittags, da mir des Morgens der Beſchluß über mich war mitgetheilt worden, aufs Gut kam und ich ſelbſt ihm Alles ſagte. Wie es da war, das vergeſſe ich niemals, auch nicht, wie er mit mir betete, vor dem Bilde meiner ſeligen Mutter. Ich war faſt ohnmächtig vor Betrübniß, wäre er nicht ein Engel geweſen, ich wäre unterge⸗ gangen darin!

Du darfſt es ſchon glauben, Kind, eine Brautzeit iſt nicht wie die andere. Ich will nicht murren darüber, wie es geweſen iſt, der Herr hat es am beſten gewußt und hat es wohl gefügt. In dieſer Stunde noch habe ich ihm ge⸗ danket, daß Alles ſo gekommen iſt und nicht anders.

Aber fſiehſt Du, liebe Seele, Dein Großvater, der war auch ein rechter Edelmann, ich konnte ihn hochachten, und als ich ſahe und fühlte, daß er mich ſo treufeſt lieb in ſeinem Herzen hatte, da mußte ich ihm das meinige auf⸗ ſchließen und ich ſagte ihm Alles, was geweſen war, und ſagte ihm, daß ich gerne eine brave Hausfrau werden möchte, und bat ihn, mir mit Geduld und Nachſicht beizu⸗ ſtehen. Ich wußte es wohl, daß ich ihm auch wehe that mit ſolchem Bekenntniß, aber ich mußte ehrlich ſein gegen ihn, jetzt war das Verſchweigen eine andere Sache, als damals gegen Deinen Urgroßvater, und ſolches Hinterm⸗ bergehalten gegen den, dem man nun einmal ſein Leben lang angehören ſoll, thut nimmer gut. auch meine richtige Abſicht, und jede Betrübniß, die wohl darob in ihm rege geworden war, bekämpfte er tapfer und war ein ganzer Mann. Und, Kind, der Herr hilft die Verſuchungen überwinden, wenn man ſie nur überwin⸗ den will!

Dein Großvater richtete es ſo ein, daß der Paſtor von ſeines Vaters Gute unſere Trauung vollzog, und ich dankte ihm innig dafür, ich hatte ſchon ſo viel gelitten um

Novellen⸗ Zeitung.

Er erkannte aber

Erich an dem Sonntage, als er nun auf die Kanzel hin⸗

treten und uns Beide mit lauttönender Stimme der Ge⸗ meinde als ein verlobtes Paar verkündigen mußte. Ich lag in derſelben Stunde daheim vor dem Bilde meiner Mutter und fühlte den ſcharfen Schmerz, den ich da in ſeiner Seele wußte, zwiefach in der eigenen. Ich weiß es noch, als wäre es geſtern geweſen. Meine ganze mühſame Faſſung, die ich bis dahin behauptet hatte, war dahin. Ich rang die Hände und konnte ſchier nicht beten. Da überkam mich mit einem Male, plötzlicher, als ich es Dir ſagen kann, zum erſten Male in meinen Brauttagen ein Gefühl wahrhafter Ruhe und ſtillen Friedens. Da wußte ich, daß er gerade nun das übliche Gebet für mich, das einzige Kind des Gutsherrn, geſprochen hatte. Das war ein echtes Gebet geweſen, darum wurde es mir zum Segen. Erich war ein ſtarker, gotterfüllter Menſch und der Schmerz konnte ihn nicht überwältigen.

Als ein Jahr darnach Dein Vater geboren war, da wollte er gerne meinen kleinen Knaben taufen und mein Gemahl ließ es zu; ich zitterte und weinte und dankte Gott in meinem Herzen, als ich die Thränen aus Erich's frommen Augen auf das kleine Geſicht meines Kindes fallen ſah, es war mir, als wäre es nun doppelt geweiht geweſen.

Drei Jahre ſpäter aber, da bin ich es geweſen, aus deren Hand Erich ein ihm treuergebenes Weib empfangen hat. Und zu dieſem Gange nach dem Altare fehlte mir die Kraft nicht mehr. Ich war geſund geworden in mei⸗ ner Seele, und, o Kind, es iſt ein Großes um ein reines Herz; ich brauchte nicht zu zittern und nicht zu krröthen, als ich nun vom Altare zurückkam und neben meinen Ge⸗ mahl in den Kirchſtuhl trat und er hinter dem bergenden Gitter ſeine milden ernſten Augen tief in die meinigen ſenkte. Erich's Gattin iſt mir während ihrer kurzen Lebenszeit faſt Freundin geweſen und Dein Großvater ſah es gern, wenn unſer Aelteſter mit ritterlichem Muthe ihr Knäbchen gegen jede Unbill der Geſpielen vertheidigte.

der unglückliche Gelehrte ſich zu ſo ungelegener Zeit in der Biblio⸗ thek des Reſidenzſchloſſes befunden hatte..

Zum Erſatz für die ungerecht erlittene Entziehung ſeiner Freiheit erhielt daher der Doctor Beatus nach wenigen Tagen ſeine Ernennung zu dem Poſten eines fürſtlichen Bibliothekars, den er ſich als das höchſte ihm noch erreichbare Glück ſeines Le⸗ bens gewünſcht hatte und für welchen ſeine Taubheit kein Hin⸗ derniß war.

Nach dieſer Anſtellung, durch die der bisher unbekannte oder über die Achſel angeſehene Gelehrte plötzlich zu allgemeiner Ach⸗ tung und Anerkennung ſeiner vielſeitigen Kenntniſſe gelangte,

machte auch Minna's Vater weiter keine Einwendungen gegen die

Heirath ſeiner Tochter mit dem Lieutenant Blume, und wenn der tadt. n 1 ehren, hatte er in Abomsé einen Theil ſeines Heers, namentlich

redliche Beatus, der zu dem neuvermählten Ehepaare zog, mit ſtiller Freude das Glück der jungen Leute beobachtete, die ihn mir den Beweiſen ihrer Liebe überhäuften, dann pflegte er mit dem Lächeln eines wahrhaft Seligen zu ſagen:

Ach, Kinder, welch ein Glück iſt es doch für uns Alle ge⸗

weſen, daß ich ſo ſtocktaub bin! v. A.

Zur Länder⸗ und Völkerkunde.

Zwei afrikaniſche Prinzen.

Der König von Dahomey hat zwei ſeiner Söhne nach Frankreich geſandt, um dort ihre Erziehung zu erhalten. Dieſe beiden Knaben ſind in der zweiten Hälfte Februars in Marſeille angekommen, haben eine einſichtsvolle, kühne Miene, und das in

dem Collegium zu Marſeille übliche Coſtume, das ſie jetzt tragen müſſen, ſcheint ſie nicht im mindeſten zu beläſtigen. Sie ſcheinen ſich deſſen bewußt zu ſein, daß königliches Blut in ihren Adern fließt. Ihr Vater, der König Guezo, iſt einer der muthigſten Häuptlinge an der Weſtküſte Afrika's. Whydah an dem Meer⸗ buſen von Guinea gehört ihm, er hat aber franzöſiſchen Kaufleu⸗ ten erlaubt, ſich dort niederzulaſſen, und dieſe haben daſelbſt eine franzöſiſche Factorei errichtet. Whydah iſt eine Stadt von ohn⸗ gefähr 25000 Seelen, die 5 Kilometres von der Seeküſte entfernt iſt. Die Hauptſtadt von Dahomey iſt Abomé.

Der König Guezo empfing vor ungefähr 4 5 Jahren den Schiffslieutenant Bouet als Vertreter Frankreichs mit einer orientaliſchen Pracht in ſeiner Hauptſtadt. Um ſeinen Beſuch zu

eine Legion Amazonen von 2000 reich gekleideten Frauen ver⸗ ſammelt. Guezo regiert ſeit 1817 und hat durch⸗Kriege gegen ſeine Nachbarn ſein Reich ſehr vergrößert. Dieſer König hat drei Miniſter, nämlich den Miniſter des Innern, der Marine und des Handels; den der Juſtiz; den der Finanzen, der Magazine und der induſtriellen Unternehmungen des Königs⸗ Dieſe drei Miniſter bekleiden ihre Poſten ſeit der Thronbeſteigung des Königs. In Dahomey herrſcht der Grundſatz, daß die Stellen auf Lebenszeit verliehen werden. Läßt ſich einer der Beamten eine Veruntreuung zu Schulden kommen, ſo verſchwindet der Schuldige in den Ge⸗ fängniſſen des finſtern und ſchrecklichen und von Allen gefürchteten Juſtizminiſters. Wenn irgend Jemand zu ihm berufen wird, ſo begibt er ſich zitternd dahin, denn er iſt nie ſicher, ob er zurück⸗ kehren wird.

[III. Jahrg.

llehr. Sinne Nleibe

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