Jahrgang 
01-26 (1857)
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IIl Jahrg.

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Nr. 16.]

blauen Fingerhutes, der es ſich nicht hatte verſagen können, den kleinen Fuß in die mit wenigem Erdreich gefüllten Spalten hineinzuſtemmen. Zuletzt kam das Bergwaſſer murmelnd und plaudernd durch die künſtlich verſteckte Röhre gezogen; und ſobald es das traulich einladende Plätzchen erblickte, da ſtürzte es heraus in heller Luſt, und vergehend vor Freude warf ſich der Strahl mit lautem Gejubel unten in das tiefe Baſſin, an deſſen Rande Crocus und Maßliebchen, kindlich vertraut, zuſammen ſtanden. Seitwärts aber lehnte ein Fliederbaum. So unſäglich verſtändnißboll neigte er das einfach geſchmückte Haupt voll erquicklicher Blüthe über den bequemen Sitz, aus bemooſten Aeſten zuſammengefügt. Dahin war das Mädchen jetzt gelangt. Sie bog den breiten Zweig, der den Eingang verwehrte, hinweg.O ſieh, Großmutter, liebe Groß⸗ mutter!

Unter dem Flieder ſaß eine alte, ſchöne Frau mit feinem weißen Geſicht und ſpann, und die ſchneeweißen Hände ließen jetzt den zierlichen Rocken in den Schooß ſinken und ſtreckten ſich der Enkelin entgegen.

Hedwig! ſagte die alte Frau herzinnig und fühlte

in demſelben Augenblicke ihre Hände ergriffen und warm geküßt.

O, ſagte das Mädchen,wie ſich das ſo lieb trifft!

Im Hauſe iſt meines Bleibens nicht, Alles ſchwirrt und rennt durcheinander, ich ging hierher in den Garten, Dich glaubte ich in Deinem Lehnſtuhle ſchlafend erſt

eben ſchlug es drei, nun biſt Du hier, jetzt bleiben wir

ein Stündchen oder zwei zuſammen, Großmutter, wie wird mir das wohl thun!

Und mir auch, Kind, ſagte die alte Frau,mir auch, mas ſoll die Großmutter heute im Hauſe? Das Mittagsſchläfchen iſt lange vorüber, den Kaffee hatte ich mir hierher beſtellt, ſieh', ich habe den kleinen Tiſch mit dem leeren Geſchirr bei Seite geſchoben, um Platz zu gewinnen, denn der alte Daniel mußte mir auch das

Dritte Folge.

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Spinnrädchen hierher nachtragen; die alten Hände wollen immer noch nicht müßig im Schooße liegen und das Spin⸗ nen ſänftiget die Gedanken in Freude und Trauer; Du aber kommſt mir wie gerufen, und doch habe ich es gerne, daß Du ungerufen gekommen biſt.

Die Enkelin ſah der Großmutter lange innig ins Ge⸗ ſicht. Dann küßte ſie ihr die feinen blaſſen Lippen und die frommen Augen.O Großmutter, ſagte ſie endlich, ich bin ſo zum Sterben glücklich! Heute iſt es ein Jahr, da ſaß ich hier, der Flieder blühte auch, voll und ſchön, das Waſſer murmelte und tönte, als klagte es von kurzen, wundervollen Tagen, die nun auf ewig dahin

wären aber es war nicht im klaren Sonnenſchein, das Mondlicht flog durch den Garten, mit den Strahlen, die man mitunter ſo vergehend bis ins Herz hinein fühlt ich ſaß hier und weinte!

Kind, ſetzte die Großmutter der Enkelin verſtum⸗ mende Rede fort,ich weiß ja noch Alles! Wie ich Dich hereinholte und Du drinnen bei mir erſt vorjährigen Flie⸗ der trinken mußteſt, daß das unſinnige Treiben Dir nicht ſchadete. Siehſt Du wohl, die alte Großmutter hatte nicht ſo Unrecht mit ihren Troſtſprüchen damals; es iſt doch nun Alles ſo gekommen, Du wollteſt es nur nicht glauben in Deinem ungeſtümen Schmerze, Du wollteſt nun ſchier ein⸗ mal unglücklich ſein, aber es iſt ein Gottlob, daß es ſo gut vorüber ging, und nun morgen wirſt Du ihm angetraut und ziehſt mit ihm fort in die weite Welt, und die alte Großmutter mag gerne allein hier ſitzen und ſpinnen und ſorgen, daß der junge Nachſchlag eben auch nicht am Herz⸗ zerbrechen und Weinen ſtirbt.

Die Enkelin lächelte mit Thränen in den Augen. Die Alte nahm den Rocken wieder auf und ſpann ſtille fort. Das Rädchen ſchwirrte behaglich.

Großmutter, ſagte ſie mit halbem Ernſte,wie lange haſt Du ſchon geſponnen? Ich will auch ſpinnen lernen, das muß gut thun, vielleicht werde ich dann ein⸗

nußte ſelbſt Fritz zurückbleiben, und mit gewaltigem Herzklopfen verfolgte der Doctor ſeinen Weg allein weiter.

So kam er in einen großen Saal, in welchen rechts und links nehrere Thüren mündeten. In welche derſelben ſollte er eintreten, um den Fürſten zu finden? Kein Faden der Ariadne bot ſich, ihn aus dieſem Labyrinthe zu führen, und noch ſtand er ſinnend da, als er eine Thür zur Rechten ſich öffnen ſah. Wie ſollte er ſeine Anweſenheit an dieſem Orte erklären oder rechtfertigen? Er wußte es nicht, und in dem erſten Schrecken ſprang er, ohne geſehen zu Herden⸗ in die nächſte Thür zur Linken, die er raſch hinter ſich zuzog.

Eswar der Fürſt, der in den Saal trat, begleitet von ſeinem erſten Niniſter, dem eigentlichen Regenten des Landes. Beide beſprachen ein Staatsgeheimniß von der höchſten Wichtigkeit, und da der Fürſt der Anſicht des Miniſters einige Widerſprüche ent⸗ gegenzuſetzen wagte, erhob dieſer die Stimme immer lauter und lauter, ſo daß es zuletzt keines Lauſchers bedurfte, um aus einem Rebenzimmer jedes Wort zeines Geſpräches verſtehen zu können, deſſen Inhalt ein unverbrüchliches Geheimniß zwiſchen den beiden Sprechenden bleiben mußte, ſollten nicht die nachtheiligſten Folgen zu befürchten ſtehen. Da ertönte plötzlich ein gewaltiges Gepolter in einem der Nebengemächer, und als der Miniſter, erſchrocken und wüthend zugleich, hineinſprang, erblickte er in einer dicken Staubwolke, am Boden liegend, unter Büchern, Papieren und Inſtrumenten begraben, den Doctor Beatus, der ſich erſchrocken und beſchämt emporraffte und zitternd dem Miniſter und dem Fürſten, der ebenfalls eingetreten war, gegenüberſtand und aus Furcht nicht einzugeſtehen wagte, daß die Wißbegier ihn bewogen jatte, in der Bibliothek, in der er ſich befand, eine Leiter zu er⸗

ſteigen, um zu einem ſeltenen Werke zu gelangen, daß er aber das Gleichgewicht verloren habe und herabgeſüdht ſei.

Ha, verruchter Spion, donnerte der Miniſter, Graf Forſten⸗ burg, ihn an,Du haſt alſo zu lauſchen gewagt? Doch das Ge⸗ heimniß ſoll mit Dir begraben werden und, wenn es ſein muß,

auch mit Dir ſterben!

Sein Klingelzug rief die Dienerſchaft und dieſe den wacht⸗ habenden Officier herbei, dem der Miniſter, ohne auf den Wider⸗ ſpruch ſeines Fürſten zu achten, den armen Beatus als Arreſtanten zu ſtrengſter Obhut mit dem ausdrücklichen Befehle übergab, ihn mit keinem Menſchen ein Wort wechſeln zu laſſen. Einem zweiten, ſogleich herbeigerufenen Officier befahl er dann, den Arreſtanten ohne Weilen unter ſicherer Escorte nach der Feſtung Eiſenſtein zu bringen und dem dortigen Commandanten als Staatsgefangenen zur ſtrengſten Bewachung zu übergeben. 2

Aber zugleich zur achtungsvollſten Rückſicht in jeder Be⸗ ziehung, fügte der Fürſt hinzu, auf den das gutmüthige Geſicht des Gelehrten einen ſehr günſtigen Eindruck gemacht hatte, ſo daß er ihn nur mit Bedauern und Widerſtreben den Sicherheitsmaß⸗ regeln ſeines Miniſters zum Opfer werden ſah.

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Selten wohl, wahrſcheinlich nie, hat ſich ein Staatsgefangener, ſeiner Freiheit beraubt, ohne auch nur den Grund zu ahnen, ſo durchaus glücklich gefühlt, als der Doctor Beatus in dem elegant und bequem möblirten Gemache, das durch nichts als die Eiſen⸗ gitter vor den Fenſtern an den Kerker erinnerte, denn es hatte früher zum längeren Aufenthalt eines Mitgliedes der fürſtlichen Familie ſelbſt gedient und war noch ganz in dem Zuſtande, wie