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wäre es ja profan, wenn die Gefeierte ſelbſt auch nur eine Blume hineinſchlingen wollte! Aber es iſt noch früh am Nachmittage. Die Reiſekoffer
für morgen ſtehen gepackt in ihrem Zimmer, das ſchwarz⸗ ſeidene Reiſekleid liegt fertig, es iſt nichts mehr zu ſchaffen Und der Bräutigam kommt erſt
übrig für die Braut. gegen Abend! Die Mutter, Tante, Schweſtern, Alle huſchen und eilen an ihr vorbei, da iſt Keiner, der ſich auch nur einen Augenblick mit derjenigen befaſſen mag, die alle die Unruhe eigentlich verurſachte.
Ja, dachte das junge Mädchen froh, heute gehöre ich mir ſelbſt, es kann gerade heute recht wohl thun, daß Nie⸗ mand den kleinſten Anſpruch an mich macht. Aber bei der Großmutter, da würde mir ein bischen Plaudern lieb ſein; die Großmutter war heute ſo eigen, nicht wie ſonſt, und
jetzt ſchläft ſie wohl hinter ihren grün umſponnenen
Fenſtern?
Sie lenkte die Schritte zum Hauſe hinaus über die Raſenplätze hinweg. Zum letzten Male wollte ſie in den Garten gehen. Der Garten war ihr von jeher unbeſchreib⸗ lich lieb geweſen. Ihre trauteſten Erinnerungen aus den Kindertagen bis heute ſchloß der Garten in ſich; jeder Baum war ihr ein lieber Freund; die alten Erlen, die ſeit⸗ wärts am Garten den ſchilfbewachſenen Teich in traum⸗ hafter Stille umſtanden, hatten ihr leiſe die erſten Märchen erzählt, davor ſie daheim, vom Frühlingsnebel ins Haus getrieben, geſchauert; im klaren Sonnenſchein hatten die Pappeln, die ſchön gruppirt zuſammen ſtanden, trotz ihrer ariſtokratiſchen Haltung ſich herabgelaſſen, das heitere Kind zu ihren Füßen mit Schatten zu necken; das gab dann ein Haſchen und Fliegen; der Kleinen war das Spiel immer ergötzlich geweſen, und als ſie nun groß geworden war, da hatte ſie hier im Garten in der Maiennacht ſanft umhüllendem Zauber zum erſten Male, ſüß erſchreckend, aus der Trauerweide Gezweige der Nachtigall Klagelied verſtanden. Und die Blumen, alle ihr ſo bekannt, ſo traut,
Novellen⸗Zeitung.
von ihr gezogen und gepflegt! Sie mußte jede noch ein Mal anſehen, wie ſie jedes Plätzchen noch ein Mal be⸗ ſuchte.
Wohl hat die Heimath ihren mächtig umſtrickenden Zauber!— Die Städter in ihren neuen, ſtolzen Paläſten kennen ihn nicht in ſeiner ganzen Stärke. Aber die draußen auf dem Lande, die wiſſen es wohl, was es heißt, nun die
Scholle verlaſſen zu ſollen, wo Eltern, Großeltern— und oft die noch weitex, viel weiter zurück— lebten und ſtar⸗ ben, wo man ſelbſt ein Kind geweſen iſt, mit all' den Freu⸗ den, die, unzertrennbar von der geliebten Stelle, nur dort empfunden werden konnten! Ach, es braucht kein ſtolzer Beſitz zu ſein, nur ein einfaches, trautes Heim— die Fäden, die unſer Herz damit verknüpfen, laſſen daſſelbe doch allemal bluten, wenn ſie nun brechen müſſen, ſei es, daß wir beſeligt dem lichten Sterne folgen, der uns voran⸗ leuchtet auf neuer, glückverheißender Bahn.
Das junge Mädchen wollte das Vaterhaus morgen verlaſſen, um mit dem zu ziehen, dem ſie ſo gerne folgen wollte, aber tief in dem Herzen voll Glück und Freude fühlte ſie nun mit leiſem Weh der treuen Heimath Arme ſie umſchlingen.— Nur Eine Stelle im Garten hatte ſie ſetzt noch nicht beſucht. Sie ſchritt längs der alten, halb⸗ verfallenen Mauer hin, an den Traubenſpaliers vorbei, dann verſchwand ſie ſeitwärts in einem Bogengange aus dichtlaubigen Buchen.
An der entlegenſten Seite des Gartens, wo derſelber mit dem angrenzenden Gehölze ſo ſich verband, daß man kaum zu beſtimmen vermochte, wo eigentlich die Kunſt vor der Natur das Feld hatte räumen müſſen, war ein unbe⸗ ſchreiblich anmuthiges Plätzchen. Kleine Felsſtücke hatten ſich grottenartig zuſammengeſchoben, dunkles Moos ſchmiegte ſich warm und innig dem nackten Geſteine an, mühſam klet⸗ terte der treue Epheu an ihm empor, oben auf der Höhe der Felsſtücke hatte üppiges Farrenkraut die lichtgrüne Fahne aufgerollt und ſtand ſo ſchirmend zu Häupten des
Feuilleton.
— Ge
Ein Staatsgeheimniß.
1.
In einer Zeit, die wir nicht näher bezeichnen können, und in einem Lande, das wir nicht nennen dürfen, lebte einſt ein Gelehrter, ein echter deutſcher Stubengelehrter, vollgepfropft mit den gründ⸗ lichſten und verſchiedenartigſten Kenntniſſen vom Wirbel bis zur Zehe und unpraktiſch in allen Verhältniſſen des Lebens.
So kam es denn auch, daß der Doctor Beatus— ſo mag er für uns heißen— trotz aller ſeiner Gelehrſamkeit und ungeachtet er in den eifrigen Forſchungen bis zu ſeinem fünfundſechzigſten
Jahre gelangt war, kaum des Lebens Nothdurft befriedigen konnte
und zuweilen ſogar dem Mangel ausgeſetzt war.
Ihm ſelbſt galt dies ziemlich gleich, ja, er merkte es kaum, nicht ſo aber war es auch mit ſeinem Neffen, Fritz Blume, dem einzigen menſchlichen Weſen, für das er außer für ſeine Bücher und Inſtrumente, ja faſt noch mehr als für dieſe, ein Intereſſe fühlte. Dieſer ſtand als wohlbeſtallter Unterofficier in der Garde des Fürſten und ſtrebte danach, Officier zu werden, weil von der Erreichung dieſer erſten Stufe der militäriſchen Ehrenleiter das ganze Glück ſeines Lebens abhing, denn er liebte ein ſchönes
Bürgermädchen, Minna, und der Vater derſelben hatte ſeine Ein⸗ willigung zu der Verbindung von der Gewinnung der Officier⸗ epaulettes abhängig gemacht. Bei ſeinen Kenntniſſen und ſeiner guten Führung hatte Fritz auch alle Hoffnung, das Ziel bald zu erreichen, aber er glaubte, dies würde noch ſchneller geſe zhen, wenn ſein Oheim, ſein zweiter Vater, Rang und Vermögen in dis Wagſchale der eigenen Anſprüche und Verdienſte werfen könne. Endlich war das wichtige Avancement wirklich erreicht, aber noch immer zögerte Meiſter Garner ſein Wort zu erfüllan, und Fritz Blume machte die ſchmerzliche Erfahrung, daß daran des Spießbürgers Beſorgniß ſchuld war, er möchte auch noch den alten Gelehrten zur Erhaltung auf den Hals bekommen
Mit allem möglichen Zartgefühl machte er ſeinem Oheim die Mittheilung ſeiner Entdeckung, und des gelehrten Doctors Eigen⸗ liebe wurde dadurch ſo geſtachelt, daß er, der ſich nie um Ehren und Würden beworben hatte, ſich entſchloß, um die ſo eben er⸗ ledigte Stelle eines fürſtlichen Bibliothekars einzukommen. 5
Er begab ſich deshalb eines Tages in ſeinem beſten Staate nach dem fürſtlichen Reſidenzſchloſſe, um eine Privataudienz des wohlwollenden Fürſten zu erlangen, und geführt von ſeinem Neffen erreichte er unangehalten die inneren Gemächer; hier aber
(III. Jahrg.
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