Novellen⸗Zeitung.
III. Jahrg.
. 3— Begeiſterung, vor ſeinen Ohren rauſchten noch immer die verloren, der Wurmſer iſt verjagt worden und der General göttlichen Harmonien. Bonaparte rückt mit ſeiner Armee auf Wien zu!“ 1 Aber jetzt wurde die Thür des kleinen Salons heftig„Schlimme und traurige Nachrichten freilich,“ ſagte
aaufgeriſſen und mit bleichem angſtvollen Geſicht eilte die Haydn achſelzuckend,„aber das iſt immer noch kein Grund 1 Frau Doctorin herein, hinter ihr ſah man die alte Katrinel zum Verzweifeln. Hat der Erzherzog eine Schlacht ver⸗ und den alten Conrad; neben der Frau Doctorin ſchlüpfte loren, ſo iſt das ſchon jedem Feldherrn paſſirt.“
die Katze eilig ins Gemach herein und von unten herauf„Dem Bonaparte nimmer,“ ſeufzte Conrad,„der ge⸗
vernahm man das laute durchdringende Geſchrei des Pa⸗ winnt jede Schlacht und frißt jedes Land auf, das er pagei's. haben will.“
Haydn fuhr entſetzt aus ſeiner Begeiſterung empor„Wir müſſen einpacken, Joſeph,“ ſagte die Frau Doc⸗
— und ſtarrte ſeine Frau an, ohne im Stande zu ſein, nur V torin,„müſſen unſer Geld, unſer Silberzeug und vor allen
ein Wort, eine Frage auszuſprechen. Dingen Deine Koſtbarkeiten vergraben und verſcharren,
Es war etwas ſo Unerhörtes, Niedageweſenes, daß daß dieſe Räuber und Menſchenfreſſer, dieſe Franzoſen, die Frau ihn in ſeiner Arbeitszeit zu ſtören wagte, daß ſie nicht finden! Komm, komm, Mann! laß uns raſch
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in der That etwas Unerhörtes, Fürchterliches geſchehen aus Werk gehen, ehe ſie kommen und uns Alles rauben!
ſein mußte. Und daß es ſo war, las er auf dem Antlitz„Ruhig, Frau, ruhig!“ ſagte Haydn milde, und ein
ſſeeiner Frau, auf den bleichen Geſichtern ſeiner Diener. ſanftes Lächeln glitt über ſeine Züge hin.„Aengſtige Dich
b„Ach, armer, lieber Mann„“ jammerte jetzt die Frau nicht um unſere paar Kleinigkeiten und denke nicht, daß
Doctorin, pack Deine Arbeit zuſammen, denn es iſt jetzt die Franzoſen juſt deshalb nach Wien kommen wollen, um
nicht Zeit zum Arbeiten und zum Componiren. Schreck⸗ meine paar goldenen Doſen und Ringe zu holen. Wenn's
liche Nachrichten hat der Conrad mit heimgebracht aus der ihnen um Brillanten und Gold zu thun wäre, da brauch⸗
A Stadt. Wir ſind alle verloren, ganz Wien iſt verloren. ten ſie ja nur, da ſie einmal als Feinde kommen, ſich die 1 O, es iſt füchterlich und ich ſag' Dir, ich hab' eine grau kaiſerliche Schatzkanmer zu öffnen und ſich zu nehmen, was
ſame Angſt!“ ihr Herz reizt.“
Und die alte Dame ſank ganz zerbrochen und zitternd„Sie würden halt nix finden,“ rief Conrad.„Das auf einen Seſſel nieder. iſt's ja eben, Herr Kapellmeiſter, das iſt's ja, daß der „Was iſt's denn?“ rief Haydn.„Was hat Euch V Staatsſchatz leer iſt. Es iſt Alles fort, keine einzige Krone denn Alle ſo außer Cuch gebracht? Sprich Du, Conrad, und keine Diamanten mehr in der Schatzkammer.“
was hat's denn für Nachrichten gegeben?“„Na, und wo iſt's denn geblieben? Du Narr!“ fragte
O Herr,“ jammerte Conrad, indem er mit gefalteten Haydn lächelnd.
„— Händen und ſchlotternden Knieen ſich ſeinem Herrn näherte.„Fortgebracht nach Preßburg, Herr! Ich ſelbſt habe Soldaten ritten vorauf, Soldaten
„ Es iſt Alles aus und vorbei. Oeſterreich iſt verloren, die Wagen geſehen, . Wien iſt verloren und alſo ſind wir auch verloren. Nach⸗ hinterher, alle Straßen, alle Plätze waren voll Menſchen V richten ſind gekommen von der Armee! Ach, was ſage ich, und einen Aufruhr hat's gegeben und ein Zetern und woiir haben gar keine Armee mehr, Alles iſt auseinander⸗ Heulen und endlich iſt alles Volk deſperat worden und hat geſprengt, der Erzherzog Carl hat wieder eine Schlacht geſchrieen und geheult, daß ſollt' Frieden gemacht werden,
ſcheckten Prunkroß im Vorgrund irgend eines Scheingefechts, von tete, als dieſer verſchwenderiſche Günſtling zu Ehren des Geburts⸗ Vandermeulen. So gern ſich dieſe Herren auch auf der Leinwand feſtes des muthmaßlichen Thronerben in dem ſpaniſchen Stierge⸗ doeerewigen ließen, ſo ſind ſie doch nicht ſo oft und mannigfach por⸗ fecht die Kampfſpiele des alten Roms erneuerte. Ein Löwe, ein
ß fſ f Tiger, ein Bär, ein Kameel, kurz, ene von
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traitirt, als ihr ſpaniſcher Zeitgenoß. Bewaffnet auf ſeinem feuri⸗ Panther, ein Ti n B ggen Andaluſier ſitzend, in Carmoiſin und Gold zur Gala glänzend, jeder Gattung wilder Thiere, oder, wie Quevedo in einer poe⸗ zum geheimen Conſeil in ſchwarzem Sammet gekleidet oder in tiſchen Schilderung des Schauſpiels ausdrückt:„die ganze Arche dunkelbraunem Büffel zur Cberjagd— in all dieſen verſchiedenen Noäh und alle Fabeln Aeſop's“ wurden in der geräumigen Plaza Momenten unterwarf ſich Philipp dem ſcharfen Auge und der kunſt⸗ del Parque freigelaſſen, um ſich die Herrſchaft der Arena zu er⸗ geübten Hand des Velazquez⸗ Und nicht zufrieden mit der Ver⸗ kämpfen. Zum großen Jubel ſeiner caſtiliſchen Landsleute beſiegte vielfältigung ſeines Ebenbilds in dieſen gewöhnlichen Stellungen ein Stier von Karama alle ſeine Gegner.„Der Stier von Ma⸗ und Beſchäftigungen, veranlaßte er den großen Maler, ihn auch im rathon,“ ſagt der Berichterſtatter des Tags,„der das Land von Gebet zu malen, wie er auf dem geſtickten Kiſſen ſeines Betzimmers Tetrapolis verheerte, war nicht tapferer, und Theſeus, der ihn er⸗ ſt Bildniſſen finden ſchlug und den Göttern opferte, erwarbe ſich damit keinen größeren Ruhm, als unſer erhabener Monarch. Um ein Thier, das ſich ſo ühn und mächtig gezeigt hatte, nicht unbelohnt zu laſſen, beſchloß
kniet. In all dieſen mannigfach ausgeſtatteten id ſwir denſelben kalten, phlegmatiſchen Ausdruck, der ſeinem Geſicht
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Aehnlichkeit mit einer Maske gibt, und der ſo gut zu den mit Fe⸗ kü und maſh 1- i be. der und Tinte ausgeführten Stizzen ſtimmt, in denen gleichzeitige Se. Majeſtät ihm die größte Gunſt zu erweiſen, die der Stier ſelbſt, 1 Schriftſteller ſein Talent zu todtenähnlichem Stillſchweigen und wäre er mit Vernunft begabt geweſen, ſich nur irgend hätte wün⸗ marmorner Unbeweglichkeit ſchildern, ein Talent, das freilich in ſchen können, nämlich; ihn mit eigner königlicher Hand zu tödten.“ ſſeinem Hauſe erblich iſt, das er aber ſo außerordentlich ausbildete, Nachdem er befohlen hatte, ihm ſeine Vogelflinte zu bringen, legte [ daß er der Aufführung eines Theaterſtücks bis zum Ende beiwoh⸗ er ſie alsbald an die Schulter, und kaum hatte man Blitz und Knall 4 nen konnte, ohne Hand oder Fuß zu regen, und daß er manchmal geſehen und gehört, als das mächtige Ungeheuer auch ſchon blus 1 ſſeine Audienzen gab, ohne andere Muskeln zu bewegen, als die tend und leblos vor der bewundernden Menge der Vaſallen dalag, ſeiner Zunge und Lippen. Er tummelte ſein Pferd, handhabte ſein„Aber nicht einen Augenblick lang,“ fährt der Chroniſt fort,„ver⸗ 4 Gewehr, trank ſein Glas nüchternes Zimmtwaſſer und hielt ſeine änderte ſich die gewohnte Heiterkeit Sr. Majeſtät; ja ſo vollkom⸗ — Andacht mit einer ſo unwandelbaren Feierlichkeit der Mienen, wie men gleich blieb ſich ſeine würdevolle Haltung und die edle Graß man ſie beim Ertheilen oder Empfangen eines Todesurtheils paſſend vität ſeines Ausſehens, daß es einer ſolchen Anzahl gültiger Zeugelſt finden würde. bedurfte, um zu glauben, daß er ſelbſt es auch wirklich geweſen, de den kühnen und glücklichen Schuß abgefeuert hatte.“
Einen beſonders in die Augen fallenden Beweis ſeines Gleie muths gab er bei einer Feſtlichkeit, die Olivares 1631 veranſta
l⸗ Da ſeine Geburt an einem Charfreitag ſtattgefunden hatt
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