Jahrgang 
01-26 (1857)
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Nr. 15.)]

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Er ging mit raſchen Schritten auf ſeinen Schreibtiſch zu, dann aber plötzlich blieb er ſtehen.Halt! ſagte er, bald hätte ich die Hauptſache vergeſſen, meinen Ring! Wahrhaftig, über dem prachtvollen Uhrband meiner ſchönen Engländerin hätte ich bald den Ring meines großen Königs vergeſſen, und es iſt doch der Talisman, ohne den ich gar nicht arbeiten kann!

Er ging wieder zu der Kommode und öffnete ein Käſt⸗ chen, um daraus einen Ring zu nehmen, den er an ſeinen Finger ſteckte. Mit einem freudigen Ausdruck betrachtete er die großen funkelnden Diamanten des Ringes.J, rief er,ja! du biſt mein Talisman und wenn ich Dich anſchaue, meine ich, die großen Augen des großen Königs

Friedrich von Preußen leuchteten mir entgegen und blitzten

mnir Muth und Freudigkeit zur Arbeit ins Herz! Drum kann ich auch nicht arbeiten, wenn ich dich nicht an meinem Finger habe*). So, jetzt bin ich fertig und geſchmückt wie ein Bräutigam, der zu ſeiner Braut gehen will! Ja, ja, es iſt auch ſo, zu meiner Braut will ich gehen, zur heiligen Cäcilia!

Wie er jetzt wieder zu ſeinem Schreibtiſch ging, nah⸗ men ſeine Züge einen ernſten, feierlichen Ausdruck an. Er wandte ſich zuerſt noch einmal dem Clavier zu und ließ die heilige Weiſe eines Chorals ertönen, dann ſetzte er ſich raſch nieder, nahm das Notenblatt und begann zu ſchreiben. Wie mit Windeseile flog ſeine Feder über das Papier hin und Seite nach Seite bedeckte ſich mit dieſen wunder⸗ lichen kleinen Punkten, Strichen und Zeichen, die wir Noten nennen.

Und Haydn's Augen flammten und ſeine Wangen

*) Haydn hatte Friedrich dem Großen 6 Quartette gewidmet und als Gegengeſchenk von dieſem einen Brillantring erhalten. Dieſen Ringettug Haydn ſeitdem immer, wenn er arbeitete, und es ſchien, als oh ſein Genius erſt dann ſich frei entfalten könne, wenn er den Ring anr Finger trug. Siehe Zeitgenoſſen 3. Reihe Band IV. Seite 17.

e folge. 233 glühten und ein himmliſches Lächeln umſpielte ſeine Lippen, während er ſchrieb. Aber auf einmal ſtockte ſeine Feder und eine leichte Wolke flatterte über ſeine Stirn hin. Ir⸗ gend eine Modulation, eine Ausbiegung mochte ihm in dem eben Geſchriebenen mißfallen, denn er überflog raſch mit den Blicken die letzten Zeilen und ſchüttelte leiſe den Kopf.

Dann ſenkte er ihn traurig nieder und ließ die Feder

aus ſeiner Hand gleiten. Auf einmal aber ſprang er auf. Hilf mir, mein Herr und Gott, hilf mir, rief er ganz laut und mit zitternder Haſt nahm er den Roſenkranz, der immer neben ihm auf dem Schreibtiſch liegen mußte.Hilf mir, murmelte er noch einmal, indem er unruhigen

Schrittes auf- und abging, den Roſenkranz durch ſeine

Finger gleiten ließ und leiſe ein Ave Maria vor ſich hin

flüſterte*).

Und dieſes Gebet ſchien ſeine Wirkung zu thun, denn die Wolke verſchwand wieder von ſeiner Stirn und ſeine Augen flammten wieder auf im Feuer der Begeiſterung. (Er ſetzte ſich wieder zu ſeiner Arbeit und begann aufs

Neue eifrig zu ſchreiben.

Heiliger Friede ſtrahlte jetzt aus ſeinen Zügen und heiliger Friede herrſchte rings um ihn in dieſem Gemach. Auf einmal ward dieſer Friede und dieſe Stille durch ein lautes Geräuſch, das von unten herauf ertönte, unter.

brochen. Klagende, jammernde und angſtvolle Stimmen ließen ſich vernehmen, polternde Schritte kamen die Treppe herauf.

Haydn hörte noch immer nichts, er war im Flug der

*) Haydn war immer ein ſehr frommer gläubiger Chriſt,aber, ſagte er ſelber,ich war nie ſo fromm, wie während der Zeit, als ich an der Schöpfung arbeitete. Wollte es mit dem Componiren nicht ſo recht fort, ſo ging ich mit dem Roſenkranz im Zimmer auf und ab, betete einige Ave, und dann kamen die Ideen mir wieder. Täglich fiel ich auf meine Kniee nieder und bat Gott, daß er mir Kraft zur glücklichen Ausführung dieſes Werks verleihen möchte. Zeitgenoſſen ebend. S. 26.

Aus der Geſchichte. Ein königlicher Eſſer⸗Dichter.

Es iſt bei Gelegenheit der jüngſten literariſchen Streitigkeiten üher die dramatiſche Behandlung des Grafen Eſſex wohl kaum zur Sprache gekommen, daß Dr. Laube in ſeinem Stück nicht nur mit Stadtgerichtsrath Werther zund Herrn Peter Lohmann, nicht nur nnit Calprenede, Boyer, Corneille, Banks, Jones und Brook, Dyk und Collin, nein, auch mit einem gekrönten Haupte, mit einem der nächtigſten Monarchen Europa's, mit König Philipp IV. von Spanien, dem Freunde von Rubens und Velazquez, concurrirt hat!

PhilippIV., der von 1621 bis 1665 den ſpaniſchen Thron inne hatte, war ein Mann von bedeutendem Talent und nicht ohne gei⸗ ſige Regſamkeit. Als Beſchützer der Literatur und Kunſt ſtand er an Kenntniſſen und freigebiger Fürſorge keinem gleichzeitigen Für⸗ ſin nach. Während ſeiner Regierung ſtand die caſtiliſche Buͤhne auf dem Gipfel ihres Ruhms; keine Koſten wurden geſpart, um di zahlreichen Stücken des Veteranen Lope oder des claſſiſchen

alderon eine entſprechende Darſtellung zu ſichern, und die muſi⸗ kaliſchen und dramatiſchen Unterhaltungen in Buenretiro wettei⸗ ſatin an Glanz mit denen des engliſchen Hofes, als Ben Jonſon uid Inigo Jones ihre Talente vereinigten, um die Luſtbarkeiten dn Wbitehall auszuſtatten. Auch war Philipp nicht nur Liebhaber und Beſchützer der Literatur; er ſchrieb ſeine eigene ſchöne Sprache ſſ reinem, elegantem Stil, wie ſelten ein königlicher Schrift⸗

ſeiniſchte Schriften befinden ſich, wie man ſagt, in der königlichen Bibllother zu Madrid. Pellicer de Salas, ein gleichzeitiger Kri⸗ ſker, rühmt ihn als einen der beſten Muſiker und Dichter ſeiner

Zeit. Die Vortheile ſeiner bevorzugten Stellung verſchmähend, maß er ſeine Kräfte unter dem Pſeudonamen eines: Ingenio de esta corte mit den ſchönen Geiſtern auf dem gedrängt vollen Felde dramatiſcher Dichtung; und vor allen anderen ſeiner Werke be⸗ hauptet ſein Trauerſpiel über die Geſchichte des engliſchen Günſt⸗ lings, Eſſex, noch jetzt ſeinen Platz in Sammlungen caſtiliſcher Theaterſtücke.

Wir zeigten kürzlich erſt eine Lebensbeſchreibung des berühm⸗ ten Malers Velazquez*) unſern Leſern hier an. In derſelben be⸗ findet ſich eine ausführliche Skizze dieſes ſeltſamen, oft genannten Herrſchers, aus der wir einige Züge hier mittheilen, die nicht nur dieſen Einzelnen, ſondern die geſammte Nachkommenreihe des furcht⸗ baren Philipp II. zu charakteriſiren vermögen.

Philipp IV. iſt einer der Potentaten, die mehr Glück in ihren Malern, als in ihren Biographen hatten und deren Geſtalt daher bekannter iſt, als ihre Geſchichte. Seine blaſſe flamändiſche Ge⸗ ſichtsfarbe, ſeine blonden Haare, dicken Lippen und ſchläfrigen grauen Augen, ſein langer gekräuſelter Schnurrbart und der dunkle Anzug mit der Halskette des goldnen Vließes ſind aller Welt durch Rubens und Vandyk vertraut geworden. Genauer bekannt iſt den Beſuchern großer Gemäldegalerien weder Karl l. mit ſeiner me⸗ lancholiſchen Stirn, dem Spitzbart und juwelenſtrahlenden Stern, wie Vandyk ihn uns vorführt, noch die pomphaft gütige Miene Ludwig XIV., aus einem Perrückenwalde hervorſcheinend, zwiſchen der Pracht ſeiner Draperien, wie ſie Mignard und Rigaud liebten, oder, gleich einem Feiertagsſoldaten, der er war, auf ſeinem ge⸗

*9) Velazquez und ſeine Werke. Von William Stirling. Berlin, Heinrich Schindler. 1856.