I Jahrg.
Heſicht. Ia Mann wieder le,“ hat der in, wie die wohnen und Auf hrlicher gt hat,
twortet
ungen
oößte Stolz waß ich
ann und daß Vaterland und s das anbe⸗ llen wir nach⸗ dſor wohnen.“ ſagt:„Ach, fährt nicht
1 Und des⸗
r zu meinem an, und er hat Herten vnd en gekommen nic t ſchön
ber es macht ehr geliebt vorueh⸗ Uyd er ben ſo hoftert öcht', el alle gerren ſein beſcheiden, r, daß halt für ein grall⸗
umet ſo eln⸗
—
Nr. 15.)
fach und ſchlecht an und könnt' ſich doch'ordentlich auf⸗ donnern mit all' den Brillantringen und Nadeln Schnallen, mit all' den koſtbaren Uhren und Doſen und Ketten, die ihm die hohen Herren geſchenkt haben. Aber er läßt Alles in ſeinen Futteralen liegen, trägt immer noch den großen ſilbernen Suppenzeiger von Uhr, die er immer getragen.“
„Das war mein Brautgeſchenk, Katrinel,“ ſagte die
Herrin ſtolz,„und darum trägt ſie mein Mann noch im— mer, obwohl er viel ſchönere Uhren hat. Damals vor vierzig Jahren, als ich ihm die Uhr ſchenkte, da waren wir halt alle Beid' noch arm, er war ein armer Klavier⸗ lehrer, ich eine Friſeurstochter. Er wohnte bei meinem Vater in ſeinem kleinen Häuſel zur Miethe und weil er den Miethzins immer nit zahlen konnt', gab er dafür mir alle Tag' eine Klavierſtund'. Und Du weißt doch, Katrinel, was die klugen Leut' in Wien halt immer ſagen:„Ein Lehrmeiſter iſt ein Mehrleiſter“ ſagen's. Und ſo ward's auch hier. Noten, ſondern auch die Lieb' kennen und ſo ward ich ſeine Braut und ſchenkte ihm zum Hochzeitsangebind' den großen ſilbernen Suppenzeiger von Uhr, und darum hat ſie mein Mann auch immer getragen, obwohl er viel ſchönere und beſſere hat! Was ihm die Frau gegeben, iſt ihm lieber, als was ihm Kaiſer und Könige gegeben.“
„Aber er könnt' doch wenigſtens eine ſchöne goldene Kette an der Uhr tragen,“ ſagte Katrinel.„Hat doch ein ganzes Dutzend prächtiger Ketten, aber nimmer trägt er eine, ſelbſt neulich nit, als ihn die Fürſtin Eſterhazy ab⸗ holte, um mit ihm zum Kaiſer zu fahren. der Herr Doctor um, als ein einfaches blaues Band, wor⸗ auf mit ſilbernen Buchſtaben ſein eigener Name einge⸗ wirkt iſt.“
„Es hat aber auch ſeine eigene Bewandtniß mit dem Band,“ ſagte die Herrin ſinnend.„Mein Mann hat das
Band auch von London mitgebracht und er hat's da be⸗
und
In den Klavierſtunden lernte ich nit bloß die
Nichts hatte
folge. 229 kommen an einem ſeiner ſchönſten Ehrentage. Ich hab' die Geſchichte auch noch halt nit gewußt, denn Du weißt wohl, der Herr iſt immer ſo beſcheiden, und redet nimmer von ſeinen großen Triumphen in London und nichts hätt' ich erfahren von dem Band, wenn er's nit neulich umge⸗ bunden hätte, als er mit der Frau Fürſtin zum Kaiſer fuhr. Es iſt eine gar ſchöne und bewegliche Geſchicht, Katrinel.“
Diesmal kannte Katrinel die Geſchichte wirklich nicht, und ſie bat deshalb mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit ihre Herrin, ihr doch die Geſchichte von dem Bande zu erzählen. Die Frau Doctorin ließ ſich nicht lange bitten. Sie nahm auf dem Binſenſtuhl neben Katrinel Platz und lächelte freundlich der Katze zu, die jetzt traulich herbeigeſchlichen war und ſich behaglich ſchnurrend auf dem Saume ihres Kleides niederließ.
„Ja, es iſt eine gar bewegliche Geſchichte mit dem Band,“ ſagte ſie ſinnend,„und ich weiß wirklich nit, Ka⸗ trinel, ob ich werd' halt die Geſchichte erzählen können, ohne daß mir die Stimme ein Biſſel dabei zittert. Es war in London. Mein Mann war eben heimgekommen von Ox⸗ ford, wo er ſehr feierlich im großen Dom zum Doctor war gemacht worden.“ 3
„Ja, ja, ich weiß,“ murrte Katrinel,„deswegen müſſen wir ihn auch halt jetzt immer Herr Doctor nennen, was lang' nit ſo groß und vornehm klingt, als Herr Kapell⸗ meiſter, wie wir vor der Reiſe nach England unſern Herrn nannten.“
„Es iſt aber eine gar große Ehre, ein engliſcher Doc⸗ tor der Muſik zu ſein, Katrinel! Der große Händel iſt dreißig Jahre in England geweſen und iſt's nicht geworden und mein Mann war erſt ein paar Monate in England, da machten ſie ihn ſchon zum Doctor. Und alſo wie er
heimkam aus Oxrford, da war er den andern Tag bei einem
gar reichen und gar vornehmen Herrn eingeladen, und eine große Geſellſchaft war da, und als mein Mann in den
der Einheizer, der, weil er immer im Ruß ſteckt, in der ganzen Gegend als Inbegriff alles Schmuzes gilt; er ſpricht faſt nie und iſt pechſchwarz; das Einzige, was weiß an ihm iſt, ſind ſeine präch⸗ tigen Zähne. Anfangs ſah er mir gar poſſirlich aus, und ich rief ihn wie alle Andern bei ſeinem Spitznamen„Manzerl*)“ erhielt aber niemals Antwort. Eines Tages ſah ich ihn aus der Hütte
kommen und rief ihn an.„J ho ka Zeit“ ich habe keine Zeit),
war ſeine Entgegnung.„Manzerl,“ rief ich ihm nach,„wenn Du nur ein einziges Mal ſer.“— Da blieb er ſtehen, ſchlug große ſchwarze Augen zu mir auf und verzerrte den Mund, als ob er lachen wollte. kaufſt Du Dir für den Sechſer, Manzerl?“—„A Milli“(Milch). — Ich gab ihm das Geld; er nahm es mit weitvorgeſtrecktem
Arm, als ob er ſich vor mir ſcheue, ſah mich ganz erſtaunt an und
ſagke mit heiſerer Stimme:„Ah na, vergelt's Gott!“—„Halt!“
lachen willſt, ſchenke ich Dir einen Sech⸗
„Was
rief ich, als er fortwollte,„erſt ſag mir, wie Du eigentlich heißt.“
—„Blechinger.“—„Wo biſt D „Warſt Du immer hier?“— Plötzlich ſieht er mich erſchrocken und bittend an, beſinnt ſich eine Weile und ſtammelt endlich gernd mit einem ſchweren Seufzer: warſt Du immer auf der Glashütte?“—„Ja wohl, ſo lang' die Hütten ſteht, bin i derbei; jetzt komm' i ad aus’m Ruß nimmer raus; ſchlafen thu i im dicken Rauch über'm Ofen.“—„Wie lange ſchläfſt du denn immer?“—„Drei Stund', aber feſt! Achtzehn Stund’ muß i arbeiten, da wird ma mügd.“— Ich ſeufzte unwill⸗ kührlich:„Armer Manzerl!“— Da ſah er mich eine Weile ganz verwundert, zuletzt wehmüthig an, dann ſagte er leiſe und ganz
u her?“—„Von hier.“—
*) Manzerl— vermuthlich eine Abkürzung von Amandus.
eigenthümlich nochmals:„Vergelt's Gott!“ und ging ohne ſich einen Augenblick länger halten zu laſſen.
Ich ſtand lange und ſann über dieſen erſt ſcheuen, dann weh⸗ müthigen Blick und Ton des rußigen Geſchöpfes nach— dann ſagte ich mir: auf dieſem Menſchen laſtet ein ſchweres Unglück oder ein Verbrechen!
Ich ging ins Haus und fragte leiſe die Großdirn, ob ſie nichts Näheres über den Manzerl wiſſe.—„O mein Gott!“ ſchrie ſie ganz erſchrocken,„mit dem müſſen's nit reden, der iſt ja ein—“ hierbei ſah ſie ängſtlich um ſich und flüſterte mir ins Ohr—„ein Mörder!“—„Kann man ihm das beweiſen?“ frug ich.—„O leider nein, wir haben halt am Land keine ſo g'ſcheidte Unter⸗ ſuchungsrichter wie die in der Stadt, aber das weiß ja jed's Kind in der Gegend, daß der Manzerl und ſeine Brüder Einen umbracht haben; iſt jetzt auch ſchon zu lang her, als daß man ihm noch was thun könnt', aber wir ſind's Alle überzeugt.“—„Aber hat er
denn ſchon mehr Böſes gethan?“—„O nein, er is ſonſt nit bös
zö⸗ „O mein Gott, ja!“—„Und
und thut keiner Fliegen was z' Leid', aber er muß es halt in der Wuth than haben, weil der Andre a gar a boshafter Kerl war.“
Ich wußte genug, um zu begreifen, wie unglücklich der arme Menſch iſt, und habe ſeitdem ein ſo ſchmerzliches Mitleid für den ſchwarzen Kobold mit den wehmüthigen großen Augen, daß mir alle Luſt an der wildromantiſchen Gegend verdorben iſt, denn der Onkel ſagte mir, daß ohne Zweifel Manzerls Brüder die That vollbracht hätten, aber er habe dieſe nicht denunciiren wollen und habe nun einmal die allgemeine Meinung gegen ſich, weil er über⸗ haupt ſolch ein ſcheuer, unheimlicher Geſelle ſei, dem man nur aus Erbarmen das Plätzchen auf dem Glaswerk gegeben.


