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Novellen an die ſchöne und glanzvolle Zeit, die er in England ver— lebt, und an all' den Ruhm, den er da geerntet hat.“ „Nun ich mein', wegen das hatte unſer Herr grad nit nöthig, erſt nach England zu reiſen,“ rief Katharine.„Er iſt nit berühmter wiedergekommen, als er gegangen iſt, und die Engländer haben ihm grad' gar nix mehr zu ſeinem Ruhm beitragen können, denn er war halt ſchon der be⸗ rühmteſte Mann in der Welt, als er hinging; und wenn das nit geweſen wäre, würden ſie ihn gar nit hingerufen
haben, daß er ihnen ſeine ſchöne Muſik vorſpiele, denn
ſonſt hätten ſie halt gar nit gewußt, daß er ſchöne Muſik macht!“
„Aber ſie haben doch eine große Freud' gehabt an ihm, die guten Engländer, Katrinel! und haben gar ſchön und prächtig mit ihm gethan. Alle Tage haben ſie ihm Feſte veranſtaltet, ſelbſt der König und die Königin haben ihm gar ſchöne Worte gegeben, daß er ſollt' bei ihnen bleiben. Eine ſchöne Wohnung im Schloß Windſor hat ihm die Königin verſprochen und ein groß Jahrgeld dazu und nichts ſollte mein Mann dafür thun, als alle Tage ein Biſſel mit der Königin ſingen und muſiciren. Aber er hat doch den Muth gehabt, Nein zu ſagen zum König und zur Königin und weißt Du, warum er Nein geſagt hat?“
Die atrinel wußte es ſehr wohl, ſie hatte ſeit den zwei Jahren, daß der Herr Doctor aus England heimge⸗
kehrt war, die Geſchichte ſchon oft von ihrer Herrin ver⸗
nommen, aber ſie wußte, daß es ihr Freude machte, ſie im⸗ mer wieder zu erzählen, und ſie ſelber hatte auch ihre Freude daran, ſich immer wieder von dem Glanz und dem Ruhm ihres Herrn, dem ſie ſeit zwanzig Jahren ſchon diente, er⸗ zählen zu laſſen.
„Nein, wahrhaftig, das weiß ich halt nit,“ ſagte ſie daher lachend,„begreif' es auch nit, wie der Herr Doctor hat Nein ſagen können zu dem König und der Königin.“
„Um meinetwillen hat er es gethan, Katrinel,“ rief die Frau, und ein Ausdruck ſtolzer Freude verklärte und
[III. Jahrg.
Zeitung.
verſchönte einen Moment ihr gutes altes Geſicht.„Ja wahrhaftig, um meinetwillen allein iſt mein Mann wieder heimgekommen.„Bleiben Sie, bleiben Sie,“ hat der König zu ihm geſagt.„Es ſoll Alles ſo ſein, wie die Königin wünſcht. In Windſor ſollen Sie wohnen und Sie dürfen auch alle Tage mit der Königin ſingen. Auf Sie eifere ich nicht, denn Sie ſind ein guter ehrlicher deutſcher Mann!“ Und wie der König dies geſagt hat, da hat ſich mein Mann tief verneigt und hat geantwortet: „Dieſen Ruf zu behaupten, Sire, iſt mein größter Stolz. Aber weil ich ein ehrlicher deutſcher Mann bin, muß ich auch ehrlich ſagen, daß ich nit hier bleiben kann und daß ich mich halt nicht auf immer von meinem Vaterland und von meiner Frau trennen kann.“„O! was das anbe⸗ langt,“ hat der König gerufen,„die Frau wollen wir nach⸗ kommen laſſen! Sie ſoll mit Ihnen in Windſor wohnen.“ Da hat aber mein Mann gelacht und hat geſagt:„Ach, Majeſtät, das thut die Frau nimmer! Die fährt nicht über die Donau, viel weniger über das Meer! Und des⸗ halb muß ich dann nur wieder über's Meer zu meinem Weibel zurückkehren.“ Und das hat er gethan, und er hat den König und die Königin und alle große Herren und Damen verlaſſen und iſt halt wieder nach Wien gekommen zu ſeinem Weibel. Sag', Katrinel, war das nicht ſchön und prächtig von meinem Mann?“
„Gewiß war's das,“ ſagte Katrinel,„aber es macht eben, weil der Herr Doctor ſeine Frau eben mehr geliebt hat, als die Königin und den König und alle die vorneh⸗ V men Leut', die ihm da hofiert haben in England. Und er
hat auch gewußt, daß alle Welt ihm hier eben ſo hofiert
wie dort und daß, wenn er nur wollt' und möcht', er alle Tage beim Kaiſer und bei Fürſten und hohen Herren ſein könnt. Aber er will's ja nicht. Er iſt viel zu beſcheiden, unſer Herr, geht immer ſo einfach und ſtill einher, daß halt Niemand, der's nit weiß, denken ſollt, was für ein grau⸗ ſam berühmter Mann er iſt, zieht ſich auch immer ſo ein⸗
Feuilleton.
— ½α.e
Aus dem Reiſe⸗Cagebuche einer jungen Künſtlerin.
Dom und Synagoge.
—— Heute ſah ich den Dom zu Speyer. Ein großartiges Gebäude, das darum den Stempel des Göttlichen trägt und
wahrhaft erhebend wirkt, weil ſich die Kunſt in göttlicher Vollen⸗
dung darin offenbart. Frei von jedem Trödelkram, den man ſo oft in katholiſchen Kirchen findet, bietet das erhabene Werk nur koloſſale, ſtillfeierliche, edle Formen dar, die ihrer Großartigkeit und reinen Hoheit wegen jedes Gemüth, das noch irgend empfäng⸗ lich für Kunſt und Schönheit iſt, zur Andacht und Anbetung ſtim⸗ men müſſen, eine Art von Frömmigkeit, in der ſich Chriſt, Jude, Philoſoph und ſelbſt Atheiſt begegnen: die unleugbare Gottheit der Kunſt, deren Weihe unwiderſtehlich auf das menſchliche Herz wirkt.
Einen eigenthümlichen Eindruck, wenngleich anderer Art, doch nicht minder anregend, machte mir die Pracht der Synagoge zu Mannheim. Dies Werk iſt ſo düſter und charakteriſtiſch, daß es meine tiefſte Sympathie erregt. Rother Sammet und ſchwarze, glänzende Marmorſäulen, reiche goldene Candelabers, als Wand⸗
verzierungen ſchwarze Arabesken auf Goldgrund und, von den zehn ſchwarzen Säulen getragen, ringsumher auf blauen Tafeln in ſchwarz und goldenen Lettern die zehn Gebote Gottes. Die Betſtühle vom prachtvollſten Schnitzwerk in dunklem Holz, der Plafond in drei ſpitzen Wölbungen tiefblau, mit goldenen Sternen beſäet. Eine finſtere Poeſie, die Poeſie des Audenium in ſeinem Schmerz, ſeinem Haß, ſeiner Todes⸗Reſignation, die meine Seele ſtets mit einem geheimnißvollen Behagen durchſchauert, liegt in üppiger Fülle über dem Ganzen ausgegoſſen, das, ſtreng byzan⸗ tiniſch gehalten, auch in künſtleriſcher Hinſicht ein Vollendetes iſt. Großartig erſcheint mir die Zuſammenſtellung von Roth und Schwarz; Roth, die Farbe der ſtolzen Majeſtät, Schwarz, die des Todes, und darüber ausgebreitet das luftige Blau des Himmels, der Unendlichkeit.———
Ein ſchwarzer Kobold.
—— In das eigentliche Landleben auf Onkels Gute kann ich mich bis jetzt noch nicht finden. Ueberall in der Nähe— Proſa, was nach der Ferne hin wie Poeſie leuchtet! Eine einzige Perſon in der Glashütte(die überhaupt mit ihrem Cyklopentreiben noch am meiſten Anziehendes hat) fing an mich zu intereſſiren; es war
Nr. 10
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