Jahrgang 
01-26 (1857)
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ungünſtigen Umſtänden nicht zur Entfaltung. Kurz, die geprüfteſte Einſicht wird nicht zur Ueberzeugung kommen, ob hier Talent oder Glück, Begabung oder Fleiß, Bewußt⸗ ſein oder Eingebung, Nothwendigkeit oder Zufall den Aus⸗ ſchlag geben; ſicher aber iſt es, daß, damit Einige auser⸗ wählt werden, Viele ſich zu dem Berufe bekennen müſſen, und nicht ſelten wird das Auge des aufmerkſamen, in das innerſte Getriebe eingeweihten Beobachters ganz beſondere perſönliche und künſtleriſche Verdienſte und Liebenswürdig⸗ keiten da erkennen, wohin die allgemein urtheilende öffent⸗ liche Meinung ihren Blick nicht zu verſenken vermochte. Hermann Marggraff iſt nicht einer von denen, die der poetiſche Jugenddrang zu Reſultaten führte, reiche äußere Gaben und weite, tät für die Mühſeligkeiten des weiten Weges entſchädigen. Unſere Zuſtände ſind einmal ſo, daß uns Allen weder ein geſundes Staatsleben, noch ein reges nationales Gefühl, noch eine achtunggebietende bürgerliche Geſellſchaft oder ſelbſt nur fertig überlieferte Kunſttraditionen Stoff und Form für die künſtleriſche Geſtaltung entgegenzutragen bereit wären. Am wenigſten aber waren in jenen Jahren der erwachenden politiſchen und ſocialen Bewegungen die Verhältniſſe und Gemüther danach angethan, daß die Ta⸗ lente, desrealen Volkslebens ſich zu bemächtigen im Stande geweſen wären. Die Literatur jener Tage war Journaliſtik, und zwar eine Journaliſtik der oppoſitionellen Tendenzen; wenn Marggraff's Name von damals her nicht mehr zu uns herüberſchallt, ſo iſt das nur ein Zeugniß dafür, daß er ſchon damals keiner der einſeitigſten und dreiſteſten Journaliſten war. Wenn wir Guſtav Freitag's Jugendgedichten den Vorwurf der äſthetiſchen Zerfahren⸗ heit machen mußten, ſo können wir auch bei Marggraff's älteren Gedichten nicht in Abrede ſtellen, daß der Mangel an originalem volksthümlichen Stoff, namentlich bei ſeinen Balladen, uns nicht immer zum Behagen kommen läßt. Aufs Sorgſamſte hat der Dichter übrigens ſeine Sujets der indiſchen, iriſchen und britiſchen Sage entnommen, und die Form dürfte durchweg eine tadelloſe genannt wer⸗ den müſſen. Einen ergötzlichen Eindruck machten auf uns die humoriſtiſchen Sachen; wir erwähnen namentlich als prächtig: Ein dummer Teufel; Der Deutſche an der

Novyellen⸗Zeitung.

welche durch laut ſchallende Populari⸗

Weh empfunden,

Himmelsthür; Vom Schah bis zum Gänſejungen; Frau Wahrheit.

Am werthvollſten in dieſer Sammlung ſind die beiden AbſchnitteJugendleid und Jugendluſt undDurch Kampf zum Frieden! Das iſt keine virtuoſenhafte Lyrik, kein raffinirtes Jagen nach poectiſchen Empfindungen und Bildern; das iſt Wahrheit, tiefgefühlte Erfahrung, der Roman des Lebens, wie ihn jeder erlebt, aber nur der Dichter in Lettern verzeichnet. Der Jugendliebe Glück und Verzweiflung, Heimweh und Freude des Wiederſehens, Verlaſſenheit und Frühlingsluſt, Schmerz um Geſtorbene, Troſt in Poeſie und Weisheit, das Alles wechſelt hier in wohllautenden Melodien. Freilich wohl wiegen die düſteren Tonarten vor, aber gerade neben dieſen, gerade durch den Gedanken daran, wie dieſer Dichter des Lebens tiefſtes treten uns in ſeltſam ergreifender Weiſe die traulichen Klänge ſüßer idylliſcher Laffrduns ent⸗ gegen, z. B. in: Der Käfer; Der Liebe Ausflug; Offene Tafel; Zu Zweien; Märchenluſt; Wort und Kuß u. a. Von tiefer elegiſcher Wirkung, beſonders auch zur Compo⸗ ſition zu empfehlen, ſind: Kleine Gefühle(I. und II.); An eine Geſtorbene; Meerfahrt; Heimkehr.

Die letzten Abſchnitte des Bandes enthaltenZeitge⸗ ſchichtliches über Ereigniſſe und Stimmungen aus den Jahren 1842 bis 1856, undZum Cultus des Genius, Apoſtrophen an Mozart, Schiller, Herder und Goethe. Aus jenen ſpricht eben ſo viel Maß, Geſinnung und Ver⸗ ſtand, als aus dieſen Wärme der Begeiſterung und Achtung vor dem Stolze der Nation.

Wir ſehen in dieſem Bande ein Lebensdenkmäl des Mannes vor uns, der, ohne jemals mit Eelat die öffent⸗ liche Aufmerkſamkeit zu erſtreben, über 25 Jahre hindurch, meiſt ohne ſeinen Namen zu nennen, in den beſten deutſchen Journalen unendlich viel gethan, das Gute unſerer Lite⸗ ratur anzuerkennen, namentlich ihre Beziehungen zum Auslande mit Sachkenntniß zu verfolgen, und dem man es zum Ruhme nachſagen muß, daß er, ſelbſt wenn ihn je perſönliche Verſtimmung beherrſcht haben ſollte, ſeine Meinung ſtets mit Anſtand und Würde zur Geltung ge⸗ bracht hat.

R. Giſeke.

Allgemeiner Anzeiger.

Am 1. November v.

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124

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Aufgemuntert durch die fortw ahhend steigende Theil-

nahme, haben wir seit vorigem Jahre noch eine zweite,

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Sämmtliche Buchhandlungen nehmen Bestellungen entge- gen und hält unser Commissionair Alphons Dürr in Leipzig stets die erschienenen Hefte in grosser Anzahl vorräthig.

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Redigirt unter Verantwortlichkeit von Alphons Dürr in Leipzig. Verlag von Alphons Dürr in Leipzig. Druck von Gieſeche& Deorient in Leipzig⸗

(III. Jahrg.

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