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14.] Dritte
Literariſche Beſprechungen.
Der Armuth Leid und Glück. Roman v. Julie Burow. Drei Theile zig, F. A. Brockhaus. 1857
Im Theaterleben kann man es faſt alle Tage hören,
folge.
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einer ſchönen Frau, die, urſprünglich an einen herabkom⸗ menden Muſiker verheirathet, ſich ſcheiden läßt und einem
unendlich reichen ruſſiſchen Fürſten die Hand reicht, um
daß diejenigen Stücke, die der literariſchen Kritik aus dem
gedruckten Buche vortrefllich gefallen, auf der Bühne kein Glück machen, und daß die eigentlichen Theaterſtücke da⸗ gegen ſich ganz und gar nicht gut leſen laſſen. Eine ähn⸗
liche Verſchiedenheit des Urtheils haben wir mehrfach bei
Romanen erleben müſſen; es iſt uns wiederholt begegnet, daß gerade diejenigen Bücher, gegen die wir von unſerem beſcheidenſten äſthetiſchen Geſichtspunkte aus Bedenken er⸗ heben mußten und bei deren Lectüre wir auch vom mög⸗ lichſt unbefangenen Standpunkte aus gar kein oder nur wenig Vergnügen empfinden konnten, beim großen Publi⸗ cum einen ganz anderen, zum Theil ganz außerordentlichen Erfolg hatten. So erinnern wir uns namentlich der Ro⸗ mane von Philipp Galen, in denen das, was uns an einer poetiſchen Arbeit allein intereſſiren kann, der Verhältniſſe, Originalität der Charaktere, Innerlich⸗ keit der Motivirung, ſo wie Freiheit und Tiefe der geſamm⸗ ten poetiſchen Anſchauung, durchaus fehlte, in denen nichts faſt als die äußere Technik der Spannung und Ueber⸗
Eduard,
Lebenswahrheit
weint ſie über
raſchung zu finden war, und die dennoch bei allen gemüth⸗
vollen Leſerinnen, die wir darüber zu hören Gelegenheit hatten, die wärmſte Theilnahme fanden; ja, wir haben gerade bei dieſen die Erfahrung machen müſſen, daß der⸗ jenige der Galen'ſchen Romane, der den von uns geſtellten Anforderungen noch am erſten entgegen kam, den wenigſten Beifall gewonnen, und dafür der, welcher unſeren Tadel am lebhafteſten herausforderte, durch neue Auflagen ſeine errungenen Erfolge unwiderlegbar documentiren konnte. So auseinandergehend, ja geradezu entgegengeſetzt ſind unſere angelernten äſthetiſchen Principien und das that⸗ ſächliche populaire Bedürfniß, und dennoch iſt es nur die gemeinſame Berückſichtigung beider, durch welche jene wahr⸗ haft großartigen Erfolge zu erreichen ſind, durch die Na⸗ men wie Gutzkow, Auerbach, Freitag unſeren literariſchen Zuſtänden vor denen früherer Jahrzehnte den Vorzug all⸗ gemeiner nationaler Bedeutſamkeit wieder erobert haben! Nicht anders wie mit den oben genannten Romanen erging es uns mit den„Narren des Glückes“ von Edmund Lobedanz— ein Buch, in dem die abenteuerlichſten Er⸗ eigniſſe in überſtürzender E Eile auf einander gehäuft wur⸗ den, ſo daß ein Knabe von der dreifachen Gefahr des Er⸗ ſcheſſänwerd dens durch Räuber, des Zerſchellens im Abgrunde und des Gefreſſenwerdens von einem Bären auf kaum ſechs Seiten gerettet wird, und in dem wir deshalb das eigentlich werijc Intereſſe der Innerlichkeit und pſychologiſchen Entwickelung vermiſſen mußten,— und dennoch ein Buch, das in allen Leihbiblidthaken zu haben oder vielmehr nicht zu haben iſt, weil die darin enthaltene Fülle hiſtoriſcher und phantaſtiſcher Thatſachen es zu einem ſtets vergriffenen macht.— Nach ſolchen Erfahrungen können wir denn end⸗ lich vorausſehen, daß unſer Urtheil und des Le eſepublicums Beifall in gleicher Weiſe divergiren werden bei dem vor⸗ liegenden neuen Romane der Julie Burow. Den Nittelpunkt des Buches bilden die Schickſale
ihre Kinder aber die Fülle
lichen Kriege, in
Güter verluſtig wird und
dadurch das Loos ihrer Kinder erſter Ehe zu ſichern, und in Folge dieſer Ereigniſſe die Schickſale dieſer ihrer beiden Kinder. Der ſtolze Muſiker verbittet ſich jede Unter⸗ ſtützung von der Frau, die ihn verläßt, um einem andern Manne zu folgen; Hermione unternimmt es deshalb, heim⸗ licherweiſe durch die Hände ſeiner Wirthſchafterin dem Manne pecuniaire Mittel zukommen zu laſſen; dieſe aber unterſchlägt dieſelben zum größten Theile, ſo daß die Kin⸗ der, ein Knabe und ein Mädchen, im Glauben aufwachſen, von ihrer Mutter völlig vergeſſen und verlaſſen zu ſein. der Sohn, rafft alle ſeine Kraft zuſammen, um durch Arbeit aus der Armuth ſich emporzuretten, um ſich, ſeinem Vater und ſeiner Schweſter eine anſtändige Exiſtenz zu ſichern. Während er ſo der Armuth Glück genießt, dieſe Früchte ſeines Schaffens reifen zu ſehen, findet im Gegenſatze dazu ſeine Mutter in all' dem Reichthum und Ueberfluß, der ſie umgibt, keine Zufriedenheit. Ihr Herz hängt an ihren Kindern und ſo lange ſie durch den Betrug der liſtigen Wirthſchafterin von dieſen nichts vernimmt, dieſe Trennung; als aber der Betrug ent⸗ deckt iſt, erzürnt ſie durch die Freude über die erſten Liebes⸗ zeichen ihrer Kinder den neuen Gatten, ſo daß dieſer ihr jede Verbindung mit ihrer Vergangenheit aufs Strengſte unterſagt. So findet ſie nur Leid in ihrem Reichthum, des Glückes in der Armuth. Feldmeſſer und erhält eine ehrenvolle und einträgliche Stellung; ſeine Schweſter Gertrud erwirbt ſich durch Schönheit und Tugend einen unendlich reichen und liebenswürdigen Gatten. Hermione endlich hat das Unglück, daß ihr Gatte, der letzte Sprößling Dſchingis⸗ kan's, tatariſcher Fürſt auf der Krim, im letzten weſtmächt⸗ dem er ſeine Souverainetät den Ruſſen wieder zu entreißen hofft, ſtatt deſſen auch noch ſeiner zu Schamyl in den Kaukaſus fliehen muß. Hermione rettet aus dieſem Bankerott ihre Garderobe und ihren Schmuck, gerade genug, um zu ihren Kindern nach Deutſchland zu fliehen und dort mit ihrem Sohne der Armuth Leid und Glück zu theilen.
Eduard wird
Dies die Grundidee des Buches. Sie iſt ohne Zweifel eine glückliche, ſie iſt von moraliſchem Ernſte, von ſocialer Bedeutung, ſie iſt intereſſant, ſpannend, romanhaft und modern, das Alles zugleich. Sie iſt ferner auch durchge— führt mit einer Fülle von Epiſoden, die an ſich dem Erfin⸗
dungstalente der Verfaſſerin ſeiner erleaſtben Kraft nach
alle Ehre machen. Es ſind in dieſe Grundidee eine Menge von Nebenfabeln hineinverwebt, die der Bereeüenen Ge⸗ legenheit geben, die mannigfachſten, zum Theil ſehr roman⸗ tiſchen Figuren und Zuſtände zu ſchildern; da ſind: die Commerzienräthin Wender, eine reiche abenteuerliche Dame, durch die Hermione mit dem Prinzen bekannt wird; der maſchinenbauende Ee ahinder Tom Smith, durch den Eduard ſein Glück macht; der leichtſinnige junge Dubois, der ſpäter zur enaendhaſten Neigung zu Gertrud bekehrt wird; deſſen Freund, der Baſtard Heiking, der aus ſehr verworfenen Verhalteiſen mit der Wirthſchafterin Berge⸗ nau's(ſo heißt Hermione's erſter Gatte), die er zum Mord
verſuche an ihrem Herrn und Gemahl indirect veranlaßt,
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