Jahrgang 
01-26 (1857)
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bis zum engliſchen Obriſt und Gemahl der Frau Räthin

Wender ſich emporarbeitet; der jüdiſche Arzt; die ſchöne kranke Sängerin; die ruſſiſche alte Hexe; der franzöſiſche

geizige Doctor u. ſ. w. Kurz, unſere Leſer ſehen, daß der

Stoff dieſes Romanes ein überreicher iſt, und die Ver-

faſſerin hat ihn zu den ſpannendſten und unglaublichſten Situationen auszubeuten gewußt; wir vermochten im letz⸗ ten Bande zwar nicht mehr, ihr bis in alle Details ihrer Ver⸗ und Entwickelungen zu folgen, aber ſo viel ſahen wir doch, daß auch die Löſung all' dieſer Knoten eine be⸗ friedigende iſt, denn für die Raſtloſigkeit, mit der die meiſten dieſer Figuren ihrer Phantaſie in kühnem Fluge vom Occident in den Orient und vom Orient wieder in

den Occident folgen mußten, bereitet ſie ihnen allen ſchließ-

lich die Freude, ſich ſämmtlich als Geſchwiſter, Eltern, Kinder oder Gatten wieder zu erkennen, ſo daß die ganze fabelhafte Geſchichte endlich in eine höchſt umfangreiche und gemüthvolle Verwandtſchaft ſich auflöſt.

Was nun die Ausführung der angedeuteten Situatio⸗ nen betrifft, ſo haben wir dagegen vom Standpunkte unſres

Geſchmackes aus ſehr ernſte Bedenken geltend zu machen.

Dieſe Ausführung iſt entweder eine ganz abſtracte, von aller Beobachtung und Lebenswahrheit entfernte, nur ſo weit ausreichend, als zur Anknüpfung jener hyperromanti⸗ ſchen Verwandtſchaftsbeziehungen unumgänglich nothwen⸗

Novellen⸗ Zeitung.

dig war; dies gilt namentlich von den Schilderungen der karaitiſchen Familie, des Doctor Malmaiſon und der Hexe. Oder andrerſeits wieder wird die Darſtellung dem ent⸗ gegengeſetzt eine ſo übertrieben realiſtiſche, ſo entſetzlich naturwahre, daß wir daran noch weniger Geſchmack finden können. Wenn man die Miſere des Volkslebens zu Pa piere bringen will, ſo braucht man dazu keine Romane zu ſchreiben, ſondern ſchreibe Verbrecher⸗Statiſtiken, Armuths⸗ Myſterien u. ſ. w. Und ſchreibt man wirklich Romane darüber, ſo ſchildere man ſolche Zuſtände wenigſtens poetiſch. Der Dichter kann in der That in allem Leben Poeſie fin⸗ den, und ſo lange er dieſe nicht gefunden, hat er auch die wahre Wahrheit des Lebens nicht im Beſitz. Frau Burow aber ſchildert einen trunkſüchtigen Künſtler nur als Trunk⸗ ſüchtigen, nicht als Künſtler, und da hört der Reiz denn freilich auf; in der Dirne, die aus Liebe zur Verbrecherin wird, ſchildert ſie nicht die wirkliche Gewalt der Liebe, die ſtets poetiſch iſt, ſondern nur die Dirne, das Verbrechen, die Gemeinheit, und die ſcheint uns freilich nicht poetiſch. Doch wir wollen uns mit unſeren Bedenken beſcheiden und die mancherlei Ohren, die wir während der Lectüre bei anderen bedenklichen Stellen einkniffen, unberückſichtigt

laſſen, wir ſehen es voraus, das leſende Publicum

wird der Verfaſſerin gegen uns Recht geben.

R. Giſeke.

Allgemeiner Anzeiger.

Im Verlage von Franz Duncker in Berlin er ſcheint täglich die

H 28 Jort Volks-Zeitung. Organ für Jedermann aus dem Volke.

Preis vierteljährlich bei allen königl. preußiſchen Poſt⸗ anſtalten 25 Sgr.; bei den übrigen 1 Thlr. 6 Sgr. Inſertionsgebühren 2 Sgr. die Zeile.

Dieſe billigſte aller politiſchen Zeitungen gibt täglich eine treffende Beleuchtung der Zeitfragen und eine gedrängte Ueberſicht

der Ereigniſſe. Außerdem enthält die Zeitung naturwiſſen⸗

ſchaftliche Artikel von A. Bernſtein, und zieht ſonntäglich in beſonderer Beilage auch Literatur, Kunſt und Wiſſenſchaft in ihr Bereich. A. Dieſterweg urtheilte in den Rheiniſchen Blättern über die Volkszeitung:Kein deutſches Blatt hat für das Volk im engern Sinne des Wortes Aehnliches geleiſtet; aber

auch der gebildetſte Mann wird ſie mit Vergnügen und Beleh⸗

rung leſen. Es iſt ein Volksblatt, das auf der Höhe der Zeit ſteht: denn ſein Ziel iſt die Belebung und Hebung des Volksbewußtſeins, die Verſittlichung und Läuterung ſeines politiſchen Strebens, die Entwickelung und Steigerung ſeiner geiſtigen Befähigung.

Die Volkszeitung iſt, wie ſchon aus dieſem Urtheil hervor⸗ geht, durchaus kein Localblatt, ſondern wird mit gleichem In⸗ tereſſe an allen Punkten Deutſchlands geleſen werden, indem ſie dem Bedürfniſſe nach politiſcher Aufklärung wie belehrender Unterhaltung in einer Vereinigung entſpricht, wie ſolche um ſo geringen Preis und in ſo glücklicher gedrängter Darſtellung von keinem andern Blatte erreicht wird. 3

Anzeigen darin finden die weiteſte Verbreitung, da dieſelbe unter der Verliner Zeitungspreſſe hinſichts der Abonnentenzahl jetzt die zweite, und was die Leſeranzahl betrifft, gewiß die erſte Stelle einnimmt. Berlin, im März 1857.

Redigirt unter Verantwortlichkeit von Ilphons Dürr in Leipzig. Verlag von Ilphons Dürr in Leipzig. Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig⸗

Verlag von f. A. Brockhaus in Leipzig.

Gedichte von Hermann Marggraff.

(8. Geheftet 1 Thlr. 15 Ngr. Gebunden 1 Thlr. 25 Ngr.

Hermann Marggraff, beſonders und nicht bloß in Deutſchland als Kritiker, ſonſt aber auch durch ſeine poetiſchen Leiſtungen auf verſchiedenen Gebieten des Humors und der Poeſie ehrenvoll bekannt, tritt hier mit einer Sammlung Gedichte vor das Publicum, die ihn als geſchmackvollen, denkenden und viel⸗ ſeitigen lyriſchen Dichter zeigt.

Bei Perrotin in Paris erschien und ist durch Alphons Dürr in Leipzig zu beziehen:

MEMOIRES

du

DUCDE RAGUSE

de 1792 à 1832 neuf forts volumes in-octavo

accompagnés du portrait du duc de Reichsladt d'après une miniature offerte au maréchal, de celul du duc de Raguse

et de quatre fac-simile, un de Charles X. un du duc d'Angoulème, un de l'empereur Nicolas et un du duc de Raguse.

Preis des Bandes 2 Thlr.

Der neunte und letzte Band erscheint in Kurzem.

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