und V
Nr. 14. Drilte
8. Theorien. Nicht Alles, was die Theorie Dir ſagt, ſei ſtolz von Dir verſchmäht; Doch brauchſt Du auch nicht Alles für ein Evangelium zu halten: Frei iſt und macht die Kunſt, und jede Individualität
Kann ſich darin nach ihrer Art zwanglos bewegen und
entfalten.
9. Schild und Hemmſchuh. Die Selbſtgenügſamkeit, der Ueberſchätzung Wahn, Womit Du träg und ſtolz verharrſt in Deinen Gleiſen Sie dienen oft als Schild auf rauher Künſtlerbahn, Doch öfter mögen ſie als Hemmſchuh ſich erweiſen.
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10. Freiheit und Gebundenheit im Tone. Das Geiſtigſte des Geiſtes,— wie verſchloſſen Gleichwie im tiefſten Schrein auch oft es ſei: Stets hat es ſich im Liede doch ergoſſen, Im Tone doch ward es noch immer frei;
Das Tiefſte, Eigenſte— der Seele Seele, In ſeinem Weſen ganz erfaßt noch nie:
Wie flüchtig ſonſt ſich's jedem Zwang entſtehle, Gefeſſelt doch ward's in der Melodie!
11. Zu große Fülle und Gedrungenheit Läßt leicht die Wirkung oft verfehlen; Jedoch iſt die ſtudirte Einfachheit Auch nicht beſonders zu empfehlen.
Juste-milieu.
folge. 221
12. Ein Jegliches zu ſeiner Zeit. In manchem Fall beſonderer Natur
Erſcheint ganz unerläßlich es geboten: Den künſtlich fein und viel verſchlung'nen Knoten, Statt all' und jeglicher Vermitt'lung, nur Mit einem kühnen Schwertſtreich zu durchhauen. Oft wieder, wenn der Knäul der Harmonie Nur Maſch' für Maſche— gleichſam um die Wette Sich löſt— allmählich wieder in ſein Bette Zurücke tritt der Strom der Phantaſie, Wird's den Effect nicht minder unterbauen. Nun ſei Geſchmack und Takt Examinator Des Fragepunkts: für welches wohl von beiden Im jedesmal'gen Fall ſei zu entſcheiden, Wo's gilt, zu ſein ein kühner Alexander, Wo wiederum ein Fabius Cunctator,— Wo alternirend Beides mit einander?
13. Schatz und Schlüſſel. „Zum Schatz der Schlüſſel iſt die Theorie,
Nicht ſelbſt der Schatz!“— Laß allen Ernſts Dir
ſagen: Fleiß hilft Dir wohl zum Schlüſſel, aber nie Zum Schatz:— ihn mußt Du ſchon im Buſen tragen!
14. Regelzwang.
Was immer über dieſen Punkt ſich pro und contra ſagen V läßt,—
Es bleibe All' dahingeſtellt; ſo viel indeſſen ſteht doch feſt: Nie hat ein Künſtler eher noch der Regeln Feſſeln ſich ent⸗ rungen,
Bevor er nicht im Innerſten ſie erſt erfaſſet und durch— drungen.
von Schlegel⸗Tieck abzuweichen, geändert, ohne zu beſſern, und
ſo die uns gewohnt und lieb gewordenen Ausdrücke verwiſcht; eine bloße Bearbeitung des bisher geltenden Textes wäre hier vielleicht beſſer an der Stelle geweſen.— Die„Iphigenia“ endlich, wie früher ſchon die„Antigone“ iſt in Fünffüßlern überſetzt und ver⸗ dient auch der eingehenden Vorrede wegen Aufmerkſamkeit.
Atlantiſche Studien. Von Deutſchen in Amerika.— Achter Band.— Göttingen, G. H. Wigand. 1857.
Ein neuer Band dieſer vortrefflichen Zeitſchrift liegt vor uns. Wenngleich nicht mehr ein ſo großer Theil des öffentlichen In⸗ tereſſes wie vor wenigen Jahren auf die transatlantiſchen Zuſtände gerichtet iſt, ſo haben die Wigand'ſchen Studien doch immer noch
rege Theilnabme im Publicum und die eigne Gediegenheit ihrer
Artikel ſich bewabrt. Im vorliegenden Bande finden wir nament⸗ lich einen Artikel von Friedrich Kapp aus Hamm, Advocat in
New⸗York, über die„Geſchichte der deutſchen Anſiedlungen des weſtlichen Texas und deren Bedeutung für die Vereinigten Staa-
ten,“ ein Aufſatz, in dem die Beſtrebungen des ſeiner Zeit vielbe⸗ ſprochenen„Coloniſationsvereines deutſcher Fürſten und Herren,“ namentlich unter Leitung des Prinzen Solms und des Aſſeſſor von Meuſebach, beleuchtet werden, Die Haltung des Aufſatzes iſt eine würdige und freuen wir uns namentlich, hier eine voll⸗ kommene Anerkennung des letzteren vielfach verkannten Mannes zu finden. Fr. Kapp prophezeit der deutſchen Coloniſation in Tepas eine große Zukunft.
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Miseellen. Preiſe von Reliquien.
Man möge es nicht als Profanation betrachten, wenn wir hier als Reliquien ſolche Gegenſtände bezeichnen, die nicht von Heiligen herrühren, ſondern ihren oft fabelhaft hohen Werth da⸗ durch erlangen, daß ſie als Erinnerungszeichen an irgend eine be⸗ rühmte Perſon dienen, oder einer ſolchen während ihrer Lebens⸗
zeit zum Gebrauch gedient haben.
So ſieht man nicht ſelten bei öffentlichen Verſteigerungen Dinge, die an und für ſich ganz ohne Werth ſind, bis zu ſehr ho⸗ hen Summen hinauftreiben, nur weil ſie von berühmten Perſonen
berrühren, und der bezahlte Werth gibt gewiſſermaßen einen Maß⸗ ſtab für den Grad der Berühmtheit ab, obgleich nur einen ſehr unzuverläſſigen, da häufig Laune, augenblickliche Liebhaberei, der Neid und die Eiferſucht zwiſchen reichen Raritätenliebhabern und ſogar die Mode dazu beitragen, den Ausſchlag zu geben.
Wollte man ein vollſtändiges Verzeichniß der Dinge geben, die auf ſolche Weiſe ohne alles Verhältniß zu ihrem eigentlichen Werthe bezahlt worden ſind, ſo könnte man damit Folianten fül⸗
len; wir begnügen uns deshalb damit, hier nur einige auffallende Beiſpiele anzuführen.
Eine 1471 in Venedig gedruckte Ausgabe des Decameron wurde für 2260 Pfd. Sterling verkauft.— Im Jahre 1823 ſchlug man den Elfenbein⸗Seſſel, welchen die Stadt Lübeck einſt Guſtav Waſa zum Geſchenk gemacht hatte, für 58,000 Gulden zu.— Einen Band von einein Buche, welches Shakeſpeare gehörte und von ihm mit ſeinem Namen als ſein Eigenthum bezeichnet worden war, bezahlte ein Verehrer dieſes großen Dichters mit 120 Pfd.
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