Jahrgang 
01-26 (1857)
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Der Launiſchen, von Bildern zu Gebilden,

Iſt für die Kunſt nur von geringer Frucht... Drum nicht verharrt in müß'gen Traums Gefilden, Und ſteuert bald vom unermeßlich weiten

Gebiet der muſikal'ſchen Möglichkeiten

Auf einen feſten Punkt nur unverzagt,

Wo's gilt ein dauernd einiges Verſenken,

Ein ernſtes, tiefes, reifliches Durchdenken

Und keine müßige Ideen⸗Jagd!

3. NMi l'un, ni l'autre! A.(Omnia sua secum portans.) Der Eine, der fährt mit ſo leichtem Gepäck, Man hat ihn im erſten Momente ſchon weg, Um viel ſich von ihm zu verſprechen

B.(Achtundvierzigpfünder.) Der Andre ſo gründlich und ſchwerfällig ſchreibt, Daß immer in banger Beſorgniß man bleibt: Die Deichſel werd' unter ihm brechen!

4. Empfänglichkeit. Was ſtill und lange wohl im Buſen ſchlief, Bringt ein Moment oft plötzlich zur Entfaltung; Wie ungeahnt, verborgen noch ſo tief: Es dringt zu Tage dann, gewinnt Geſtaltung. Bald iſt's ein Blick, ein Ton, ein Sonnenſtrahl, Ein Duft, ein Traum, ein Wort, das zum Gemüthe So tief und mächtig dringt, daß auf ein Mal Der dunkle Keim darin erſprießt zur Blüthe. Alſo vermag das Leben allezeit Impuls und Stoff dem Künſtler zuzubringen; Nur müſſen überall, in Freud' und Leid, Die Saiten ſeines Innern mit erklingen.

Noveſſen⸗Zeitung.

(III. Jahrg.

5. Verlieren und Finden. Du mußt Dich in Dich ſelbſt verlieren, Wenn Du Dich ſelber finden willſt!

6. Der Künſtler und ſeine Zeit. Was ſagt ihr da? Dem Inhalt ſeiner Zeit Soll ſich der freie Künſtler anbequemen,

In ſich und ſeine Werke ihn aufnehmen? Wie ſeid Ihr von der Wahrheit doch ſo weit!

Was fragt der Genius nach der Spanne Zeit, Die ihm beſtimmt zu ſeinem ird'ſchen Gange! Er folgt nur ſeinem eignen, innern Drange In angeborner Unabhängigkeit.

Was ſoll er bei der Zeit erſt betteln gehn! Der eingebor'ne Quell der Offenbarung

Wird allezeit mit Stoff und reicher Nahrung, Ihn mit dem nöth'gen Inhalt ſchon verſehn.

7. Die gute Stunde,

Nimm die gute Stunde wahr, Laß ſie nicht entgleiten:

Was Dir heute nah und klar, Morgen ſchwankt's im Weiten.

Läßt Du ungenutzt entgehn Sie auf flücht'gen Schwingen, Kann Dein höchſtes Seelenflehn Sie nicht wieder bringen.

entfernten Gegenden die ihr naheſtehenden Intereſſen würdig ver⸗ treten können. Während ihrer Gründung, die nach obigem Maß⸗ ſtabe nach zwölf Jahren vollendet ſein ſoll, ſind natürlich die An⸗ ſprüche an ihre Leiſtungen verhältnißmäßig geringer zu ſtellen, wenn ſchon heute, nach Verlauf von vier Jahren(da erſt ſeit 1852 die Beſchaffung größerer Schiffe angeſtrebt worden iſt), die ſtatt⸗ gehabten Ausrüſtungen über das angenommene Verhältniß hinaus ſich erſtrecken, wozu die politiſchen Zuſtände weſentlich beigetragen haben.

Literatur. Velaz quez und ſeine Werke. ling. Berlin, G. Schindler. 1856. Eine Studie aus der Geſchichte der ſpaniſchen Malerei. Ve⸗ lazquez iſt eine Specialität unter ſeinen Landsleuten, der Realiſt, der Genremaler, ſ. z. ſ. der Niederländer unter den Spaniern. Er iſt ein Zeitgenoſſe von Rubens und lebte mit dieſem am Hofe Philipps IV., den er in den verſchiedenſten Situationen und Di⸗ menſionen conterfeit hat. Er ſtarb 1660 und hinterließ eine große Anzahl Meiſterwerke, die in hohem Preiſe ſtehen, in Deutſchland aber wohl nicht häufig zu finden ſind; die Dresdner Galerie ent⸗ hält von ihm drei Portraits, darunter das des Guzman von Oli⸗ varez. Das vorliegende Buch iſt aus dem Engliſchen überſetzt. Es gibt einen Ueberblick über die Entwicklung und Eigenthüm⸗ lichkeit der ſpaniſchen Malerei überhaupt, führt uns in die Ein⸗

Von William Stir⸗

zelheiten von Velazquez' Leben und Kunſtbeſtrebungen ein, ver⸗

ſäumt dabei nicht, intereſſante Hindeutungen auf allgemeine hiſto⸗

riſche Zuſtände und Perſönlichkeiten ſeiner Zeit zu geben, und bietet endlich genaue Kataloge ſeiner Werke und ihrer Verviel⸗ fältigungen.

Romeo und Julia. Tragödie des Shakeſpeare.

Hamlet. Tragödie des Shakeſpeare.

Iphigenia in Tauris. Schauſpiel des Euripides. Deutſch von Edmund Lobedanz. Leipzig, F. A. Brock⸗ haus. 1857.

Ein in Dänemark heimiſcher Gelebrter, der ein ſeltenes poeti⸗ ſches Uebertragungstalent ſchon kürzlich durch Ausgaben der Antigone und Sakuntala kund gab, auch durch den Roman: Narren des Glücks in die ſelbſtſtändige deutſche Literatur ſich einführte, tritt hier mit drei neuen Ueberſetzungen vor uns. Was nun die von Shakeſpeare betrifft, ſo hat es ſich mehrfach ſchon als eine mißliche Aufgabe herausgeſtellt, darin die Schlegel⸗Tieckeſche Ausgabe, die ſo heimiſch wie eine Originaldichtung in Deutſchland ſich eingebürgert hat, verdrängen zu wollen. Dennoch finden wir hier inRomeo und Julia einen ſo einſchmeichelndelt Schwung der Sprache, daß wir dieſe Arbeit freudig willkommen heißen und ſie namentlich gewiſſenhaften Regiſſeuren empfehlen können, die nach derſelben gewiß Manches in die Theaterbücher hinübernehmen können, was in den jetzt beliebten Bearbeitungen weniger einfach oder poetiſch ausgedrückt iſt. Nicht ſo hat uns derHamlet des Herrn Lobedanz befriedigt. In Einzelheiten, auch außer den in der Vorrede berührten, hat er auch hier neue Schönheiten und

Verdeutlichungen erzielt; in vielem Anderen hat er in dem Streben,

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von ſo die bloße beſſer früher dient

9 Acht