Jahrgang 
01-26 (1857)
Einzelbild herunterladen

wendigen Vertretung ſuchen.

Nr. 14.] Dritte Am vierten Abende beſchloß er, den nächſten Morgen nach Chioggia zu fahren. Doch am frühen Morgen ſchon kam ein Diener der Gräfin, der ihm die frohe Nachricht von der Rückkehr nebſt einer Einladung brachte. Mit klopfen⸗ dem Herzen erwartete er den Augenblick, in dem er ſchick licher Weiſe nach ihrem Palaſte ſich begeben könne.End⸗ lich, endlich, rief er, nachdem er, ohne ſich melden zu laſſen, in das Zimmer der Gräfin trat,ich hätte länger nicht warten können, ich habe mehr als Foltern der In⸗ quiſition ausgeſtanden!

Ich weiß nicht, entgegnete lächelnd Bianca,ſoll ich Sie, lieber Graf, bemitleiden, oder ſoll ich mir Glück wünſchen zu dieſem feurigen Empfange? Jedenfalls iſt mir dieſe ungeheuchelte Freude der klarſte Beweis für Ihre Geſinnung. Ich erlaſſe Ihnen alle Erklärungen und Betheuerungen, ſeien Sie aber auch überzeugt, daß ich in meiner Abweſenheit mich nicht weniger mit Ihnen beſchäftigt habe; hier der Beweis das verhängnißreiche Gold. Bei dieſen Worten überreichte ſie ihm ein nied liches, geſchmackvolles Etui.

f olge.

tiefſter Bewegung die Geſchichte vom Dogenſchatze, die Bedeutung des Goldſtückes, und ſchloß mit den Worten: Nun liegen die Schätze der Dogen auf ewig begraben, Venedig hat ſeine Unabhängigkeit für immer verloren, das Schickſal hat gerichtet! Laſſen Sie, liebe Bianca, uns ein Glück in unſerem engen Kreiſe gründen, da wir ſes im Großen nicht begründen konnten, nicht begründen dürfen!

Muſikaliſches Rünſtlerbreuier. Aphorismen

C. Koßmaly.

Faſt bewußtlos griff er nach demſelben, öffnete es, und

zwei hellſtrahlende goldene Reifringe blitzten ihm ent⸗ gegen.

Aber das Goldſtück fragte er in ſteigender Ver⸗ wirrung.

Das Goldſtück, ſprach Bianca ſcherzend,ließ ich verarbeiten zu dieſen zarten Reifen, die unſer Leben an einander knüpfen ſollen. So haben wir beide gemeinſchaft⸗ lich den Talisman unſeres Hauſes.

Unglückliche, was haben Sie gethan! rief der um

alle Hoffnung Gebrachte;nun ſind wir unrettbar verloren! Verzweifelt ſtürzte er fort, Bianca ſank ohnmächtig

nieder. Jahre vergingen, Auftrittes entſchmeichelte.

ehe ſie ihm die Erklärung dieſes Endlich erzählte er ihr in

1. Amt und Capital. Du ſelber biſt Dein Amt, Du biſt Dein Capital: So thu', was Deines Amts in gut' und böſen Tagen, Verwalte Dich getreu Du haſt nur dieſe Wahl, Soll Dir das Capital dereinſt auch Zinſen tragen!

2. Concentration. Laßt nicht auf weitem, uferloſem Meer Ins Blaue, Leere allzu lang umher Die Phantaſie in ihrer Willkühr ſchweifen: Nehmt bald Bedacht auf eine ſich're Bucht; Sucht ein Beſond'res, Einz'les zu ergreifen Und glaubt: die ſtete, wähleriſche Flucht

1 Preußens Marine zählt mit dem Ablauf des Jabres 1856: 2 Fregatten zu 48 und 38 Kanonen, 1 Dampffregatte von 400 Pferdekraft und 12 Bombengeſchützen, 1 desgleichen(als Kaſernenſchiff benutzt), 1 Segeleorvette zu 18 Geſchuͤtzen, das SchiffMercur mit 6 Kanonen, 3 Schooner, 1 nichtarmirtes Dampfſchiff, 36 Kanonenſchaluppen zu 2, und 6 Jollen zu 1 Kanone; außerdem 2 Schraubencorvetten zu je 28 Kanonen und 300 Pferdekraft, welche im Sommer 1857 vom Stapel laufen werden. Hierzu kommt ein Bemannghigs⸗ u. ſ. w. Perſonal in folgender Stärke: 1 Admiral, 1 Contreadmiral, 3 Capitains zur See, 5 Corvettencapitains, 38 Lieutenants zur

See, 15 Fähnriche zur See, 24 Seecadetten, 15 Volontaircadetten⸗

549 Matroſen, 300 Schiffsjungen, 280 Handwerker(Werft), 23 Deckofficiere, 26 Maſchiniſten, 6 Stabswachtmeiſter, 9 Lazareth⸗

gehülfen, 13 Aerzte, 1 Auditeur und 3 Compagnien Seeſoldaten

zu 25 Officieren und 445 Unterofficieren und Gemeinen.

Die Küſtengeſtaltung der Inſel Rügen, ſo wie die ſtrategiſche Wichtigkeit ihrer Lage hatten ſchon Guſtav Adolf aufgefordert, unter dem mittelbaren Schutze Stralſunds einen, Kriegshafen auf derſelben anzulegen, der zugleich ein Depot für ſeine Kriegs⸗ macht in Deutſchland und ein Verbindungspunkt zwiſchen Schwe⸗ den und dem damaligen Kriegsſchauplatze ſein ſollte. Die Kämpfe um dieſe Inſel zwiſchen Kurbrandenburg, Dänemark und Schwe⸗ den ließen wiederholt die Wichtigkeit derſelben erkennen, und in heutiger Zeit hat Prinz Adalbert mit kundigem Blick die Bedeu⸗ tung eines Kriegshafens auf Rügens Küſte durchſchaut. In den

Tagesblättern ſind bereits Mittheilungen über dort betriebene

Vorarbeiten kund geworden, ſo daß die Ausführung dieſes Plans wohl erwartet werden kann. Die Wahl des angedeuteten Punk⸗

tes, im Jasmunder Bodden, welcher mittels eines Durchſtichs der ſchmalen Landzunge,Schabe genannt, mit der See in Verbin⸗ dung geſetzt werden ſoll, iſt durchaus zweckentſprechend; die den Jasmunder Bodden umſchließenden Höhen ſind zur Aufnahme von fortificatoriſchen Anlagen vortrefflich geeignet, ſo wie der Bodden ſelbſt hinreichende Waſſertiefe hat, die überdies durch Baggerungen leicht erhöht werden kann. Wird das zu erbauende Etabliſſement in Verbindung mit ſeinen natürlichen Schutzmitteln und der Rückenanlehnung an Stralſund ſtark genug befeſtigt, daß die Oſtſeeflottille, ſei es in zukünftiger angeſtrebter Größe, darin ſicher vor Anker zu gehen vermag, ſo wird die Exiſtenz der Kriegs⸗ marine überhaupt geſichert ſein, wenn auch unglückliche Verhält⸗ niſſe eine zeitweiſe Störung der freien Bewegung veranlaſſen.

In Ausſicht ſo weſenklich vortheilhafter Punkte verſpricht die Zukunft einen ſichern Fortſchritt in der Entwickelung der preußi⸗ ſchen Kriegsmarine als einer deutſchen Wehrkraft von hoher poli⸗ tiſcher Bedeutſamkeit; ihre veranſchlagte Stärke von 9 Schrau⸗ benſchiffen von durchſchnittlich 60 Kanonen und 425 Pferdekraft, 3 Segelfregatten von 50 Kanonen, 6 Dampfcorvetten von durch⸗ ſchnitklich 20 Kanonen, 3

12 Dampfſchiffen von 6 Kanonen, 3 Schoonern von 3 bis 5 Kanonen nebſt einer entſprechenden An⸗ zahl von Kanonenbooten würde ſie befähigen, der däniſchen Flolte

gegenüber den Durchgang nach der Nordſee zu erzwingen und der⸗

ſelben das Einlaufen in die Oſtſee zu verbieten, auch der vereinten ſcandinaviſchen Seemacht zu ſwiderſtehen. Außerhalb der Oſtſee würde es die preußiſche Kriegsmarine, mit Ausſchluß der See⸗ mächte erſten Ranges, denen ſich auch Nordamerika neuerdings zugeſellt hat, mit allen, auch den an Zahl der Schiffe ihr über⸗ legenen Marinen im rangirten Gefecht aufnehmen und ſelbſt in