5.. 216 Novellen⸗Zeitung.(III. Jahrg. ₰ N —— V ¹ ſtehe; jetzt erſt wiegte ſie ſich in den Traum einer Vereini- Anſuchens, der Gewährung einer ſo kleinen Bitte, an eine We gung mit dem Grafen und malte ſich dieſes Bild mit Vereinigung unter ihnen nicht zu denken ſei. fich den feinen Farben der Sehnſucht reizend aus; jetzt erſt be⸗„Sie werden höchſt ungalant, ich möchte ſagen arro⸗ alſc gann ſie Tage und Stunden zu zählen, die ſeit der letzten gant, Herr Graf, an eine ſolche Kleinigkeit, die nur für faſt Zuſammenkunft verfloſſen waren. mich aus Pietät Bedeutung und Wichtigkeit hat, unſer als Im reizenden Negligé lehnte ſie heute am daͤmaſtenen beiderſeitiges Lebensglück knüpfen zu wollen?“ oll Sopha, indeß der flüchtige Blick oberflächlich an einem„Kleinigkeit?“ fiel der Graf ein,„ja wohl eine Klei⸗ glau Journale hineilte. Durch die dunkelrothen Fenſtergardinen nigkeit, doch glauben Sie mir, es iſt keine Laune, die mich. 3 drangen die Sonnenſtrahlen nur matt hindurch, der Salon ſo ſprechen macht, nur darf ich Ihnen jetzt nicht ſagen, wie dar war von einem magiſchen Lichte ſchwach erhellt. Da trat viel mir eben an dieſer Kleinigkeit gelegen iſt.“—+— 3 die flinke Cameriera ein und meldete den Grafen Lodovico, Die Dame lächelte ungläubig und ſprach:„Hören mi der ſie dringend zu ſprechen wünſche. Eine leichte Röthe V Sie die Geſchichte, wie es in meine Hände gekommen, und tu flog bei dieſem Namen über ihr Antlitz. Schleunig gab beſtehen Sie auch dann noch auf Ihrem Verlangen, ſo bit ſie einige Weiſungen und in wenig Minuten war ſie bereit, ſollen Sie mit dieſem Golde überraſcht werden. Es iſt C! den Grafen zu empfangen. Ihnen bekannt, lieber Graf, daß Lodovico Manin im Jahre— V Der Graf brachte hundert Entſchuldigungen für das 1788 dem Paolo Renieri in der Dogenwürde folgte. Sie we .. S2„ 5;„ C. 5 8 0 Unſchickliche ſeines frühen Beſuches, die auf die feinſte und wiſſen, daß die alten Ideen, auf denen Venezia's Macht 9 V pikanteſte Weiſe von der geiſtreichen, überglücklichen Gräfin ruhte, von dem allgewaltigen Umſchwunge der Neuzeit be⸗ ni angenommen wurden. Bianca war noch niemals ſo lie⸗ rührt, in ſich zuſammenſtürzen mußten. Es hätte keines de „..„ 7. p c..: 6— benswürdig, noch niemals in ſo hohem Grade zutraulich Napoleon bedurft, um die Republik von San Marco über 6 geweſen, und der Graf glaubte den Moment gekommen, den Haufen zu werfen; der Keim des Sturzes und der 99 ſich ihr offen zu erklären und um ihre Hand anzuhalten. Verweſung lag ſchon in den vor dem fortſchreitenden Zeit⸗ un Daran knüpfte er die Bitte, als Erinnerung an dieſe geiſte unnütz gewordenen Inſtitutionen. Die philoſophi— ge 4.. 8 4 ₰ 3... 2 gle ſchöne Stunde wolle ihm Bianca das Goldſtück, das ſie ſchen Doctrinen der neuen Aera drangen im Siegesſturme 9 ſtets als Medaillon zu tragen pflegte, jetzt überlaſſen. Die vorwärts,— wie konnten da veraltete, beengende Vor⸗ u Dame lächelte zu der ſonderbaren Forderung und ſchien urtheile noch Widerſtand leiſten? Die Frühlingsboten 97 es nicht zu begreifen, warum Lodovico eben dieſem Gold- der neuen Zeit fanden insbeſondere⸗ bei der jüngeren b ſtücke eine ſo hohe Wichtigkeit beimaß. Sie hielt es für Generation leichten Eingang. Die ſchwärmeriſche Auf⸗ ba Laune und wich zuerſt neckiſch aus; als er jedoch mit Be⸗ faſſung des Menſchenthums machte das altersſchwache Ge⸗ n ſtimmtheit darum erſuchte, erwiderte ſie, ſie könne und bäude der venetianiſchen Republik wanken, und als am de werde daſſelbe nicht weggeben, indem es ein theures Ver⸗ 16. Mai 1797 eine franzöſiſche Diviſion den noch nie von d mächtniß ihrer verblichenen Mutter ſei, welche es vom fremden Truppen entweihten Marcusplatz betrat, jubelte 1 un Dogen Manin in ſeiner Sterbeſtunde erhalten hatte. Dies das Volk: Es lebe die Freiheit und Gleichheit! Bis zu 1 überzeugte den Grafen um ſo mehr, daß eben dieſes Gold- der Zeit waren die Wellen Venedigs Wälle geweſen; der 9 —. 8 Se⸗ 1 9.ö 1 ſtück das vom alten Domenico geforderte ſei, und er er⸗ Friede von Campo Formio brachte uns an Oeſterreich, und war klärte gereizt und entſchloſſen, daß ohne Erfüllung ſeines ſchon am 18. Jänner 1798 nahmen die neuen Herren von 3 A *.— Galerie verſchiedenartiger Gläſer umſteht jeden Teller, und wenn überall geübt wird und ſo auch uns Deutſchen gewiß nicht abge⸗ nun zunächſt der Herr oder die Frau vom Hauſe ſich gefreut hat, ſprochen werden darf, doch den Schweden darin der Preis gebührt. un den Gaſt bei ſich zu ſehen, ruft plötzlich von der anderen Seite des Jeder Fremde wird dies dankbar anerkennen. mä Tiſches ein Unbekannter, der ſein gefülltes Glas aufgehoben hat:. da Herr ſo und ſo! indem er den Namen ausſpricht. Weiter ſagt er— 8 nichts, aber er ſchwingt ſein Glas mit unverkennbarer Abſicht, leert 5. 2 3 ben es, zeigt es und verneigt ſich verbindlich. Es iſt Portwein geweſen, Zur Nahrungsmittellehre. 3 alſo erhebt man ebenfalls ſein Glas, gefüllt mit demſelben dunkel⸗ ie franzäſiſche W rothen Stoffe, lächelt verbindlich, verneigt ſich, und wenn man den Did franzöͤſiſchen Weine. da 6„Namen des Herrn weiß, ruft man dagegen: Herr ſo und ſo! trinkt, Unter dem beſcheidenen Titel„Etude sur les vins et les con- ba lächelt wieder, ſagt weiter nichts, ſetzt aber das leere Glas auf den serves“ iſt jetzt in Paris von dem Doctor Gaubert eine ſehr volle di Tiſch, worauf es alsbald wieder gefüllt wird. Sofort läßt ſich von ſtändige und geiſtreiche Abhandlung über den Weinbau und die A der linken Seite ein Nachbar vernehmen, der, ſein Glas ſchwingend, Weinbereitung und Conſerven erſchienen, von der der erſtere Theil 34 d ebenfalls nichts weiter ſagt, als: Herr ſo und ſo! Diesmal iſt es für Weintrinker und Weinhändler eben ſo intereſſant und beleh⸗ die Rheinwein, folglich muß im Rheinweine der Beſcheid erfolgen. rend iſt wie für den Weingutsbeſitzer und Weinerbauer. bei Und nun kommt von der rechten Seite ein Dritter, darauf ein Um ſich mit der Wiſſenſchaft der Thatſachen in Einklang zu M Vierter, Fünfter oder Sechster mit Rothwein, Ungar oder Cham⸗ ſetzen, ſtellt die„Etude“ zunächſt von dem eben ſo neuen wie prak⸗ gar pagner, und mitten zwiſchen dieſen wunderbaren Gemiſchen wird tiſch nützlichen Geſichtspunkte der Geſundheitspflege und der Haus⸗ ſer plötzlich Porterbier umhergereicht, das jedoch, wie ich gefunden, eine haltungslehre aus eine Statiſtik der franzöſiſchen Weine auf. In herz Wirkung ausübt, als wenn Jemand, der geneigt iſt, ſo eben die guten Jahren erzeugt Frankreich ungefähr 40 Millionen Hecto⸗ der; Treppe hinunter zu fallen, plötzlich einen herzhaften Sprung macht litres Wein( Hectolitre= 87,335 berliner Quart). Gaubert und wohlbehalten unten ankommt. Der Schwindel vergeht, und theilt dieſelben in folgende Kategorien: 6 Millionen, die von 20 tern man iſt im Stande nach ausgezeichneten Leiſtungen kaltblütig dar⸗ V Departements geliefert werden, ſind von der vorzüglichſten Qua⸗ ſow über nachzudenken, welch ein wunderbar organiſirtes Ding doch ein lität und das ſind die Weine, welche aus der Gironde, aus Bur⸗ den ſogenannter menſchlicher Magen iſt, welchen ungeheuren Einfluß gund und der Champagne ſtammen, die den Ruhm prachtvoller V ſoro er auf die Weltgeſchichte ausgeübt hat und was noch daraus, wie Tafeln und die Berühmtheit des weinbauenden Frankreichs bilden; ſfel auch aus dem jungen Scandinavien mit ſeiner göttlichen Hülfe 6 Millionen, die ebenfalls in dieſen Departements erbaut werden, 1ſc entſtehen kann. Das aber muß ich hinzufügen, daß, wenn auch im können unter die guten Qualitäten gerechnet werden; 4 Millionen Na Norden überhaupt die patriarchaliſche Tugend der Gaſtfreundſchaft gehören zu der Kategorie der gewöhnlichen oder paſſabeln Weine V auft . Gre
Jahrgang
01-26 (1857)
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