Noyeſlen⸗Zeilung.
einem alten ſeines Lebens zu erleichtern, lenken,— mögen Sie Venedigs Retter werden!“
Eine lange Pauſe trat ein, tert. In dem Einen lebte die lebensfriſcher Kraft wieder auf; dem Andern gankelte eine hoffnungsreiche Zukunft liebliche Bilder vor. Domenico fühlte durch dieſe Mittheilung ſein Herz erleichtert, und der Graf ſchwelgte im Vorgefühle, der Retter ſeines Vater⸗ landes zu werden. Er ſtand auf, ergriff innig bewegt des Alten Hand und ſchied mit der Verſicherung, das Mitge⸗ theilte treu zu bewahren und am nächſten Abende zu beſſerer Stimmung ihn wieder zu beſuchen.
Manne die letzten noch wenigen Stunden ſo möge Gott Sie hierbei „Venedigs Doge
Beide ſaßen tief erſchüt— ganze Vergangenheit mit
Der Kanonendonner begann immer ſeltener zu werden. Schon um 4 Uhr Nachmittags am 26. Mai⸗ 1849 war
ein Manifeſt des Dictators Manin an allen⸗Plätzen und
Straßenecken angeſchlagen, welches dem Commandanten
der Feſtung Marghera, Obriſt Ulloa, den Befehl zur Räu⸗ mung der Feſtung und zum Rückzuge nach Venedig ertheilte. Alle Gaſſen waren wie in den verhängnißvollen Märztagen äußerſt belebt vom lärmenden Volke. über-die„deutſchen Barbaren,“ dort umringte mit ängſt⸗ lichen Fragen eine gaffende Menge die todesmüden heim⸗ kehrenden Krieger, dazwiſchen Mütter und Bräute über die Gefallenen. Von allen Sei⸗ ten drängte Volk herbei, beſtürmte mit Fragen die Heim⸗
das Weinen und Heulen der
Hier fluchte man
kehrenden und ſuchte mit ängſtlicher Theilnahme die An⸗
gehörigen darunter. Lodovico drängte ſich durch die Gäßchen nach ſeiner Woh⸗ nung, er ſchien dies Alles nicht zu bemerken. Seine eignen
Es war eine ſchreckliche Nacht!
Erlebniſſe und die Pläne für den nächſten Tag erfüllten
mit ſolcher Lebendigkeit ſeine Seele, daß er in der allge⸗ meinen Verwirrung nicht einmal nach deren Urſache fragte.
Am Portale ſeines Palaſtes fand er Mommolo angelehnt,
[III. Jahrg.
der ſein Käppchen zog und wehmüthig dem in Gedanken Verſunkenen eine gute Nacht wünſchte. Ein flüchtiger Blick und ein trockenes„Folge mir“ war der einzige Gegengruß des ſonſt ſo leutſeligen Grafen.
In ſeinem Zimmer angelangt, gab der Graf den kur⸗ zen Befehl, noch dieſe Nacht das Grabmal des Dogen Manin in der Kirche..... zu öffnen, um wo möglich in den Beſitz einer Locke zu gelangen.„Dies hat es nicht Noth,“ erwiderte fröhlich Mommolo,„ſeit Jahren ſchon bin ich in deren Beſitz. Erſparen Sie mir die Erzählung, wie dieſelbe in meine Hände kam, denn es knüpfen ſich gar bittere Erinnerungen daran. Ich fühle mich überglücklich, auch zur Rettung Venedigs beizutragen, da es nun wahr iſt, daß dieſes Zeichen das rechte iſt. Hier, nehmen Sie und retten Sie.“
Bei dieſen Worten überreichte er ihm eine graue Haar⸗ locke, die er in einem Tuchlappen eingenäht an der Bruſt getragen, welchen er während der Rede aufgetrennt hatte. Regungslos ſtand Lodovico da, den verhängnißreichen Ta⸗ lisman in der zitternden Hand, das Angeſicht glühend, das Auge ſtarr nach der Locke gerichtet. Jedes Wort des Dankes erſtarb in dem überwältigenden Gefühle. Nach einigen Minuten rief er aus:„Alſo gleich nach Seravalle, bereite die Gondel!“
„Es iſt ſchon ſpät, Eccelenza, Domenico wird wohl zu Bette gegangen ſein.“
„Was— ſpät! Es kann zu ſpät werden!“ rief heftig der Graf,„wer ſteht Dir dafür, daß es morgen nicht zu ſpät iſt?“
„Eccelenza, die Unſern haben ſich von Marghera zu⸗ rückgezogen.“
„Zurückgezogen? Hält ſo Manin ſein resistere ad ogni costo? Schnell nach Seravalle,— mit Geld läßt ſich noch Alles machen.“
Beide eilten die Treppe hinunter und in die Gondel. Der bereits erſchöpfte Mommolo ſtrengte ſich mit aller
II. Schwediſche Küche.
Kein ſüßeres Volk als die Schweden. Man ſollte billiger Weiſe denken, Jedermann ginge hier mit einem Stück Eis in der Taſche und ein gebratener Schneeball wäre das erſte Nationalge⸗ richt, doch weit entfernt davon, iſt es charakteriſtiſch, daß, je weiter nach dem Norden, die Menſchen um ſo froſtiger ſcheinen und ſich vor der Kälte zu verwahren ſuchen, auch nirgend mehr Süßig⸗ keiten und ſüße Speiſen geliebt werden, als bei den abgehärteten Kindern des Nordens. Weiß iſt allerdings ihre Lieblingsſpeiſe, allein wenn man annimmt, daß kein Menſch ohne Salz gedeihen könne, ſo läßt ſich behaupten, daß die Schweden davon eine Aus⸗
nahme machen. Ohne Salz kann ein Schwede Methuſalem's
Alter erreichen, aber ohne Zacker geht er elendiglich ſchon im erſten Lebensjahre zu Grunde. Daher verbrauchen die 3 ½ Schweden mehr Zucker als zehn Millionen Deutſche, und ihre Zuckerfabrikanten ſind ſämmtlich Millionaire geworden. oder gab daher auch kein einträglicheres Geſchäft, als eine Zucker⸗ raffinerie, da obenein gegen Einführung fremder Fabrikate ein be⸗ deutender Einfuhrzoll ſchützt, bis einige Ueberfüllung eintrat, wie es immer geſchieht, wenn die Vortheile gar zu verlockend ſind. Alle
Millionen
Es gibt
Nahrungsmittel ſind ſüß, bei denen Zucker möglicher Weiſe ange⸗
wandt werden kann. Setzt man ſich irgendwo zu Tiſche, ſo fällt
der erſte Blick gewiß auf eine ungeheure Schale, gefüllt mit einem weißen Puder, der bei näherer Beſichtigung ſich als fein geriebener
Zucker enthüllt. in welchem einladend weiße, weiche Brodſtücke liegen, welche man mit um ſo größerem Wohlgefallen betrachtet, als in einem andern Korbe daneben ein Gebäck ruht, welches ein gerechtes Mißtrauen
Man iſt hungrig und greift in einen Brodkorb,
in der Bruſt jedes unbefangenen Sterblichen hervorruft. Dies Gebäck läßt zunächſt Zweifel entſtehen, ob es aus irgend einem Samen erzeugt oder aus dem Mineralreiche hervorgegangen. Es iſt hart wie Stein, zerſpringt wie Glas und beſteht aus flachen Tafeln oder Scheiben von weißgrauer oder bräunlicher, zuweilen etwas verbrannter Farbe. Man bemerkt jedoch, wie jeder Schwede ein Stück dieſer fabelhaften Maſſe ergreift, zerbricht, die Splitter in den Mund ſchiebt und nun mit ſeinen Kinnladen und Zähnen ein Geraſſel hervorbringt, das an den Jahrmarkt erinnert, wo ein berühmter Zauberer ein Bierglas zerbeißt, kaut und hinunter⸗ ſchluckt. Von allen Seiten hört man das Zerbrechen, Knirſchen und Knatſchen, und da jeder gute Deutſche an das vortreffliche Sprichwort glaubt: unter den Wölfen muß man mit heulen, ſtreckt er ſeine Hand nach dem ſeltſamen Gegenſtande aus und wagt es, einen ſchüchternen Verſuch zu machen. Ein dienſtfertiger Freund kommt ihm dabei auch wohl zur Hülfe und ladet ihn freundlich zur Nachfolge ein. Wollen Sie nicht etwas von unſerem ſchwedi⸗ ſchen Brode nehmen, es iſt ſehr gut, hört er ſich anreden, und die flache Scheibe wird ihm vorgehalten, während der Andere mit Entzücken weiter kaut, daß es praſſelt. Auf dieſe Empfehlung verſchwinden die letzten Bedenken, aber wehe dem, der nicht mit einem felſenfeſten Gebiß ausgeſtattet iſt. Iſt ein ſchadhafter Zahn in ſeinem Munde vorhanden, ſo wird dieſer beim Zubeißen in ſol⸗ ches Entzücken verſetzt, daß der beglückte Eigenthümer alle Engel im Himmel pfeifen hoͤrt; iſt irgend eine Stelle da, wo einſt in guten, alten Zeiten ein untadelhafter Knochen wuchs, den das Schickſal cher von uns forderte, als es uns ſelbſt begehrt, ſo dringen die Splitter dieſer mörderiſchen Erfindung wie ſebaſtopoliſche Bom⸗ benſplitter in die unbewaffnete Tiefe, und wälzt man mit erſtarr⸗
Kra einge nico, grüß itt di
und lenz anb bett


