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Nr. 14.] Dritte Manne gedient zu haben; doch, was ſage ich, gedient— ich genoß ſein Vertrauen. Er war ein edler, aber ein un⸗ glücklicher Mann!“— und Thränen rollten über die ein⸗ gefallenen Wangen des gerührten Alten.
„Exinnerſt Du Dich noch jenes Abends, an dem der Doge Dir das Geheimniß verborgener Schätze anver⸗ traute?“ 1
„Woher wiſſen Sie das?“ fuhr finſter Domenico auf,—„das kann nur Mommolo verrathen haben; alſo habe ich mich auch in Dieſem getäuſcht?“
„Beruhige Dich, es iſt kein Verrath. Du kennſt Venedigs gegenwärtige Noth, und dennoch ſchwiegeſt Du? Oder warteſt Du auf noch größere Bedrängniß? Warum entdeckſt Du nicht dem Manin, was ein Manin Dir an⸗ vertraute?“
„Laſſen Sie mich reden,“ entgegnete mürriſch der Gon⸗ doliere,—„iſt Einer ein Patriot, ſo bin ich es; aber die⸗ ſer Manin, der mit ſeinen Neuerungen all' das Unglück übermuns gebracht, iſt nicht der Mann, den ich retten möchte. Wenn ich das gegenwärtige Venedig mit jenem unter Lodovico Manin vergleiche, ſo wünſche ich mir tau— ſend Mal den Tod, und es iſt ein wahres Unglück für mich, daß eben ich ein Geheimniß von ſo großer Wichtig⸗ keit bewahren muß. Nicht Daniel Manin, aber Venedig möcht ich retten, Venedig möcht ich frei und glücklich ſehen.“
Nach einer kleinen Pauſe, in der er ſich von dem über⸗ mannenden Gefühle erholt, fuhr er fort:
„Seit der Zeit des großen Dandolo war es eine Pflicht, daß jeder Doge, ſobald er von der Vermäh⸗ lung mit dem Meere nach Hauſe kam, einen entſprechenden Schatz in einem unterirdiſchen Gewölbe hinterlegte und alljährig einen Theil ſeiner Erſparniſſe hinzufügte. Das werden Sie, Herr Graf, gewiß ſchon erzählen gehört haben, hat ja Ihre Familie mehr als einen Dogen unter den Ahnen. Durch Jahrhunderte pflanzte ſich dieſe väterliche Sorgfalt für die trüben Tage der ſchönen Venezia fort.
folge.
Jeder Doge übergab das Geheimniß an ſeinen Nachfolger in einer bei den Procuratoren von St. Marco hinterlegten, wohlverwahrten Schrift, die nur der Neugewählte öffnen durfte und dann vertilgen mußte. Lodovico Manin ſollte keinen Nachfolger haben, denn das goldene Buch verbrannte am Fuße des Freiheitsbaumes. Die Republik von St. Marco ſtarb, um niemals wieder aufzuſtehen!— In einer finſtern Nacht wurde ich zum alten Dogen gerufen,— er war tief bewegt und hieß mich die Gondel bereit halten. In wenig Augenblicken war er heruntergekommen, und wir fuhren— wohin? Das darf ich Ihnen nicht ſagen. Wir betraten ein finſteres Gewölbe, die feuchten Marmorplatten
erglänzten wie Kryſtall beim Scheine unſerer Blendlater⸗ glänz
nen;— ein langer Gang, niedrig und enge, daß wir ge⸗ bückt vorwärts ſchritten, brachte uns zu einer kleinen eiſernen Thüre. Der Doge öffnete ſie, wir befanden uns in einer Gruft, die mir ein Grabgewölbe ſchien, denn ringsum ſtanden marmorne Truhen, alle jedoch ohne Deckel. Blick her, ſprach mein Gebieter, dieſe Schätze ſind aufbewahrt für unſer Venedig, wenn einſtens Tage des Unheils herein⸗ brechen ſollten. Dir vertraue ich das Geheimniß an, denn unſere Procuratoren und Nobili werden bald um die neuen Götzen tanzen und wären fähig, wie den Ruhm der Väter, ſo auch die Schätze jeder neuen Krone zu opfern. Du biſt noch ein wahrer Venetianer, Dich wird Niemand für den Bewahrer und Hüter des Jahrhunderte alten Geheimniſſes anſehn und Du wirſt Dein dem letzten Dogen Venedigs gegebenes Wort halten. Nur demjenigen wirſt Du den Weg hierher zeigen, der Dir die Locke des letzten Dogen, die bekannte Haarlocke Deines unglücklichen Herrn bringt. Du wähle Dir frei nach Gewiſſen denjenigen, durch den ſich das Geheimniß fortpflanzen ſoll.— Ja, Herr Graf, ich habe meinen gegebenen Schwur gehalten, und ich will ruhig Glied für Glied meines Körpers zerfleiſchen laſſen, ehe ich mein Wort breche. Gelingt es aber Ihnen, mich von der drückenden Qual des Geheimniſſes zu befreien und
die Schneeſchmelze mit außerordentlicher Macht, denn die Sonne iſt ſchon zu hoch und hat keine Zeit mehr, um ihr Werk zögernd auszuführen. Stockholm ſchwimmt dann in einem fürchterlichen Brei von Schlamm und Waſſer, aber die vielen Hügel machen, daß dieſe üble Zeit raſcher vorübergeht als man denkt, und bald ſind die Straßen frei und trocken. Zugleich aber wachſen die Tage fort und fort, bis der Mittſommertag da iſt. Die Sonne ſpindelt ſich über dem Nordpol höher und höher auf, oder vielmehr der Nordpol dreht ſich mehr und mehr der Sonne zu, bis dieſe zuletzt dem ganzen nördlichſten Theil Europa's nicht mehr untergeht, das Nordcap ſechs Wochen lang beſcheint und da, wo man ſich den Polarkreis gezogen denkt, wenigſtens vierundzwanzig Stunden über dem Horizont bleibt. In Schweden iſt dies in der kleinen Stadt Tornea der Fall, welche am äußerſten Ende des bothniſchen Meerbuſens liegt, und auch diesmal ging ein Dampfer mit einer Anzahl Engländer dahin ab, welche am 24. Juni das Schauſpiel genießen wollten, im mitternächtlichen Sonnenſchein umherzuſpa⸗ zieren; leider aber war die Sonne diesmal auf höchſten Befehl abbeſtellt worden, denn es ſoll fürchterliches Regenwetter beim düſterſten Himmel geweſen ſein. Für wißbegierige Reiſende, welche eine mehrtägige Seereiſe machen, um dermaßen vom neidiſchen Himme, wie von neidiſchen Menſchen verſpottet zu werden, iſt eine ſolche Prellerei doppelt verdrießlich. In Stockholm hat man keine mitternächtliche Sonne. Die Feuerkugel taucht in den aller⸗ längſten Tagen gegen zehn Uhr unter den Horizont, allein ſie geht nicht tief genug, um ſie nicht fortgeſetzt verfolgen zu können, bis an den Punkt, wo ſie nach kaum vier Stunden wieder zum Vor⸗ ſchein kommt. Ein Meer von röthlichgelbem Licht ſtrahlt in den Himmel auf, der mit ſmaragdnem Glanz ſich darüber wölbt. Bis
in den fernen Oſten iſt der unermeßliche Rauag beleuchtet, damit aus keinem Winkel die lauernde Nacht heroorkriechen kann. Die Sterne durchbrechen matt dies ſanfte, feine Schimmern und bren⸗ nendroth ſteigt der Mond darin auf, ohne von der erborgten Pracht etwas abgeben zu können.— Um Mitternacht durch die Straßen Stockholms zu gehen, hat dann einen eigenthümlichen Reiz. Ge⸗ wöhnlich ſchweigt der Wind, überall iſt tiefe Ruhe und Stille, aller Lärm des Lages iſt verſtummt. Die vielen tauſend Menſchen ſchlafen und doch iſt es nicht Nacht geworden, durch jedes Fenſter bricht der mitternächtliche Tag herein, als wollte er die Schläfer aufwecken. In dem Hafen liegen die Schiffe lautlos, aber ihre Maſten und da und dort ein weißes Segel ſind in röthliches Licht getaucht. Das rieſige Schloß ſteigt hell in den Himmel, um ſeine hohen Zinnen läuft ein falber Saum und dort auf den Höhen von Sbdermalm ſtehen die langen Reihen weißer Häuſer in wahrhaft zauberiſcher Beleuchtung. Die Kirchen glänzen, als ſpiele die Sonne ſchon mit ihren goldenen Kreuzen und Kuppeln, der Mä⸗ lar wiegt ſich funkelnd zwiſchen ſeinen gelbſchimmernden Felſen⸗ ufern, alle Ferne und Nähe ſträubt ſich gegen Nacht und Schlaf und dennoch ſieht Alles weit umher mehr wie ein Traumbild aus, das ein Poet von Stockholm träumt, denn wie Wahrheit und Wirklichkeit.— Oftmals bin ich lange Zeit in ſolchen Nächten umher gewandelt und habe mich nicht ſatt ſehen können an dieſer magiſchen Beleuchtung. Zuweilen habe ich um Mitternacht am Fenſter ſitzend in einem Buche ohne alle Schwierigkeit geleſen, und dieſe lichtvollen herrlichen Nächte ſind allerdings ein Erſatz für die kurzen Tage des Winters, wo es um zehn Uhr Tag und um zwei Uhr Nacht wird, zuweilen auch kaum das Licht überhaupt ausgelöſcht werden kann.
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