Jahrgang 
01-26 (1857)
Einzelbild herunterladen

Jahrg. Nr. 14.] Dritte folge.

novellen-Zeitung.

niemals Freund desDictators Manin geweſen, ihm, deſſen Herrſchſucht ſtets verhaßt, es gefiel ihm überhaupt nicht, das ganze damals beſtehende Regierungsſyſtem; eben ſo wenig aber war er ein Freund Oeſterreichs. Er del Von gehörte zu jener Partei, welche in einer Vereinigung Ita⸗ V. F. Klun liens unter dem Scepter Piemonts das einzige Glück er⸗

.F.. blickte, mit einem Worte, er war auch ein ſpottweiſe ſo

V Der Dogenſchatz.

Eine hiſtoriſche Novelle aus der neueſten Zeit.

Du läßt lange auf Dich warten, Mommolo. Ich ſtehe genannter Fuſionario. Ihm ſchwebte die Zukunft

ſcon über eine halbe Stunde hier und ſpähe nach Deiner Venedigs im lebendigen Bilde vor, es glühte nur ein Gondel. Wunſch in ſeiner Seele:Venedigs Unabhängigkeit. 4*.

en!Eceelenza! Sie wiſſen, daß wir armen Gondolieri Mommolo, der alte Gondoliere, warzein ſtarrer Re⸗

jetzt oft genöthigt ſind, gegen unſern Willen das Wort publikaner aus der alten Zeit. Er konnte ſich ane Republik

zu brechen. Die beſtändigen Fahrten der Officiere nach ohne Dogen, Nobili, Inquiſition und Bleidächer gar nicht

Marghera, Murano, und ſchon gar heute, die Te⸗ denken. Auch er war ein Gegner Manin's, den er nach

ſdeschi ſeinen politiſchen Anſchauungen ſich alsköniglich Ge⸗

Gut, gut entgegnete barſch der Harrende, der ſinnten dachte, der nur den günſtigen Moment abwarte,

6 die Treppe vor dem Palaſte hinunterſtieg und die ange⸗ um Venedig an Piemont zu übergeben, undder Marcus⸗ langte Gondel betratDu fährſt nach St. Helena. Löwe dürfe ſich vor dem Kreuze Savoyens niemals beu

Der alte Gondoliere mit dem blauen Käppchen griff gen war deſſen ſtändiger Refrain. Dachten und fühl⸗ kräftig nach dem Ruder, und das ſchwarzbedeckte Schiffchen ten die beiden Männer auch verſchieden, beiden ſchwebte glitt flüchtig an den dunklen Paläſten, die ſich in der bläu⸗ doch das gleiche Ziel als letzter Wunſch vor Unab⸗ lichen Fläche widerſpiegelten, an der prachtvollen Salute⸗ hängigkeit von denDeutſchen. Kirche vorbei gegen die Piazzetta hinab. Die Sonne war Ohne ein Wort gewechſelt zu haben, waren ſie an der bereits untergegangen, nur ein leichtes Roth färbte die Ecke deröffentlichen Gärten angelangt und fuhren hin⸗ Knuuppeln der Marcus⸗Kirche und die Bleidächer des Dogen- über nach der romantiſchen Inſel St. Helena, dem ehema⸗

dſahn palaſtes, der, ein Gemiſch arabiſch⸗byzantiniſchen Bau⸗ ligen Beſitzthume des verblichenen Vice-Admirals Erzher⸗

ſtiles, Ehrfurcht gebietend daſtand und ſich wenig um das zog Friedrich. Ruhig und einſam lag die Inſel da, ganz

tolle Treiben zu ſeinen Füßen zu kümmern ſchien. An der geeignet, dem Schwärmer ein anmuthiges Plätzchen zu bie⸗

n Piazzetta und an, der Riva herrſchte reges Leben; denn ten. Ihr gegenüber ſtiegen die weißen Rauchwolken empor,

der dumpfe Donner der fernen Geſchütze, worunter zeit- nur zerriſſen von den mörderiſchen Blitzen der Kämpfenden.

welſe die Paixhans von Campalto herüber wie furchtbare Das ruhige Plätzchen war ein greller Gegenſatz zu dem Racheſtimmen mit lautem Grolle die Lüfte durchzitterten, ſturmbewegten Gemüthe des Grafen.

hatte die ganze Bevölkerung aus ihrem gedankenloſen Er mußte dieſes gefühlt haben, denn als die Gondel Brüten gerüttelt und ihr den gegenwärtigen wichtigen ſtille ſtand, rief er dem Alten zu:Nach Lido. Der Augenblick in ſeinem ganzen, Unglück drohenden Umfange romantiſche Lieblingsaufenthalt Lord Byron's mußte mit

lebendig vor die Seele geführt. Die heutige Regſamkeit ſeiner Fernſicht auf die ſchäumenden Wogen, die ſich über

V Gäßchen belebte. Seit achtundvierzig Stunden ſchon entſprechen.

zangen⸗ war nicht jenes ſiegberauſchte Leben, das vor einem Jahre das ſandige Ufer in taktmäßigem Schlage hinwarfen und in Witz und Laune und beſtändigem Jubel Venedigs enge wieder zurückſchlugen, der bewegten Seele ſicherlich mehr engen

dauerte das furchtbare Bombardement; die beſten Kräfte Die Gondel landet, der Graf ſteigt aus, und vorbei

Venedigs waren ſchon von der öſterreichiſchen Artillerie an der Kaſerne führt ihn der Weg über die Brücke des

kampfunfähig oder getödtet, viele Geſchütze demogtirt, das Canals und zwiſchen Leichenſteinen des israelitiſchen Fried⸗

Ende des Verzweiflungskampfes war klar und Rahe; hofes an die jenſeitige Meeresküſte. Der Alte folgt

es war ein ſchrecklicher Abend, der Abend des 26ſten 1. und den Schweiß von der Stirne ſich trocknend.

Mai 1849.Du kennſt ihn alſo, den Alten, der das Geheimniß

Auch die Eccelenza in der Gondel faßte den für Vene⸗ bewahrt, welches einzig und allein Venedig noch zu retten

deh. 1 Tgs Schickſal ſo hochwichtigen Augenblick von dieſer vermag? fragte der Graf, der ſich auf einen Stein an 4 eite auf und lag verſtört und düſter auf den Polſtern der Küſte geſetzt hatte.

V ddes geheimnißreichen Schiffchens. Graf Lodovico S., warJa, Eccelenza, der alte Domenico wohnt in Sera⸗

1 4

f

gen⸗