Jahrgang 
01-26 (1857)
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Nr. 13.] Dritte die, irregeleitet durch ihre eigene Unruhe, in ſeinem Ver⸗ hältniſſe zu Emilie mehr ſuchte, als unbefangene verwandt⸗ ſchaftliche Zuneigung, und in der Letzteren ihre eigene be⸗ glücktere und berechtigtere Nachfolgerin ahnte, ſo würde ihm wohl Manches in einem andern Lichte erſchienen ſein.

Ermüdet und angegriffen warf er ſich endlich auf das Sopha und liebkoste den großen Hühnerhund, der ſich ſchmeichelnd herangeſchlichen und den Kopf auf ſeine Kniee gelegt hatte. Dann verſank er wieder in ſchwermüthiges Hinbrüten über die lange Reihe verfehlter Tage ſeines Le⸗ bens, deren Ende ſich noch immer nicht abſehen ließ.

Da lag nun das anmuthige Landhaus mitten darin in der reichen geſegneten Flur, umgeben von Garten und Feld und Wald, ſeinem freundlichen Zubehör, und ein köſtlicher Herbſtabend, erleuchtet vom vollen Monde, ruhte auf dem Hauſe und rings umher; und dennoch beherbergte es zwei ſchwer geprüfte, troſtesarme Menſchen, die nichts von allen ſeinen Reizen empfanden und in dem Sturme ihrer Lebensſchifflein noch vergebens nach dem rettenden Anker ſuchten, wenn ſie Beide gerecht ſein wollten.

In dieſe ſchwüle und bange Stimmung des Hauſes, welche auch die wenigen Dienſtboten ergriffen hatte, ſo daß ſie die Köpfe draußen ängſtlich zuſammenſteckten, ſchallte jetzt plötzlich ein muntres Poſthorn von der Straße her, und im raſchen Laufe fuhr ein leichter Wagen beim Hofe vor, deſſen Lenker noch überdies ungeduldig mit der Peitſche

knallte, als ihm das Gatterthor nicht raſch genug geöffnet

wurde. Der Hund zu Werner's Füßen ſchlug laut an, ſo daß Dieſer, aus ſeinen quälenden Gedanken herausge⸗ riſſen, in die Höhe fuhr und nach dem Fenſter eilte, um ſich von der Urſache der ſpäten und ungewöhnlichen Störung zu überzeugen.

Draußen fragte ſo eben eine tiefe und volle Männer⸗ ſtimme, welche ihm nicht unbekannt klang, deren er ſich aber nicht ohne Weiteres zu erinnern vermochte, nach dem

Hausherrn und gebot dem Poſtillon nachdem die ge⸗

folge. 197

wünſchte Auskunft von dem inzwiſchen herbeigekommenen Diener ertheilt worden war nach der Station zurückzu⸗ fahren, den Koffer aber abzuſetzen, da hier vorläufig Quar⸗ tier genommen werden ſolle.

Werner ſtaunte immer mehr, weil der ſpäte Gaſt, der ſich auf dieſe Weiſe ſo ohne alle Förmlichkeit einquartieren wollte, auf keinen Fall ein näherer Freund war. Und wahr⸗ haftig, einen Fremden oder nur oberflächlich Bekannten gaſtfrei zu empfangen, dazu fühlte er ſich gerade heute am allerwenigſten geſtimmt; ja, es ſchien ihm dies eine ſo unnatürliche Zumuthung an ſeine Kräfte, daß er den Ankömmling kaum anders als mürriſch empfangen zu können glaubte.

Er hatte jedoch nicht lange Zeit mehr, ſich Gedanken zu machen. Denn dem anmeldenden Diener folgte auf dem Fuße ein ſchlank gewachſener junger Mann im Neiſe⸗ anzuge, deſſen braunes, ſonnenverbranntes Geſicht mit den dunkeln, feurigen Augen und dem ſchwarzen, langlockigen Haare den Vielgereiſten verrieth. Dieſe dunkeln Augen hafteten jetzt einen Augenblick wie fragend an dem be⸗ troffenen Werner, deſſen Züge gerade hell von den Lichtern im Zimmer beſchienen wurden, und als ſie keine Antwort erhielten, eilte der Gaſt, um der ſonderbaren Scene ein Ende zu machen, auf Werner zu, ſchüttelte ihm herzlich beide Hände und ſagte mit einem immerhin etwas fremd⸗ artig lautenden Accente:Ei, Werner, mein theurer Vet⸗ ter, erkennſt Du mich nicht mehr, daß Du mich wie verſtei⸗ nert anſtarrſt und nicht einmal willkommen heißeſt? Oder, fügte er in leiſerem, forſchenden Tone hinzu, wobei ſeine Augen einen beinahe ſtechenden unheimlichen Ausdruck an⸗ nahmen,bin ich Dir in der That nicht willkommen, hat ſich zwiſchen uns etwas verändert, um Deines Oheims oder um einer andern Perſon willen?

Jetzt aber erwiderte Werner aufrichtig den Händedruck des Andern und rief, des kalten, widerwilligen Empfangs ſich faſt ſchämend:

auf die Erlangung großer, ſteifer Halskragen, damit, wenn ihm beim Austritt aus der Akademie oder aus der Börſe von ungefähr Shakeſpeare's oder Goethe's Geiſt begegnen und einer von ihnen in verzeiblicher Aufwallung ihm einen Denkzettel appliciren ſollte, zunächſt nur der Halskragen davon betroffen werden könne.

Dieſen traurigen Anblick hat ſich der junge Alexander Dumas zu Herzen genommen. So weit ſoll es mit dir nicht kommen, dachte er. Du biſt von vornherein beſcheidener und führſt das Thema weit gewiſſenhafter durch. Kommſt du deshalb auch nicht in die Akademie, ſo erwirbſt du dir doch den Orden der Ehren⸗ legion und zeigſt dem Kaiſer den Mann, der bei etwaigem Mi⸗ niſterwechſel die meiſte Anwartſchaft auf die Stelle des Finanz⸗ miniſters oder des Miniſters der öffentlichen Angelegenheiten be⸗ ſitzt. Und nachdem wir ſeineQuestion d'Argent mit eignen Augen geſehen haben, finden wir die Gratulationen ſehr begreif⸗ lich, die ihm Louis Napoleon hat zu Theil werden laſſen. Inter⸗ eſſanter, geiſtreicher wird ſich über die ſocialen Verbältniſſe, die ſich innerhalb der Kategorie desHabens undNichthabens bewe⸗ gen, ſchwerlich irgend ein Miniſter oder Staatsmann auslaſſen können. Deshalb braucht das Stück keineswegs ein vollgültiges Drama zu ſein. Louis Napoleon hat dem Verlaſſer wegen ſeiner ſtaatswirthſchaftlichen Kenntniſſe und Vorſchläge gratulirt; wir gratuliren uns, daß wir das Ziel, an das die franzöſiſche Dramatik gegenwärtig gelangt iſt, ſeit Jahresfriſt vorhergeſehen haben.

Soll ich Ihnen die Fabel des Stücks mittheilen?! Es geht nicht gut, denn was man Fabel eines Drama's zu nennen ſich ge⸗ wöhnt hat, iſt in derGeldfrage nicht vorhanden. Aber ich will Ibhnen einen Begriff von dieſem Sittenbilde zu geben verſuchen. Denken Sie ſich, ich hieße Jean Giraud, wäre der Sohn eines

Kammerdieners, gegenwärtig Banquier und durch die keckſten Spe⸗ culationen Beſitzer eines Vermögens von mehreren Millionen. Sie ſollen Réné von heißen.(Unglücklicher Weiſe iſt mir der Zuname entfallen, er thut nichts zur Sache.) Sie beſitzen an jähklicher Rente 3000 Franken und nehmen dafür für ſich das Privilegium Nichts zu thun in Anſpruch. Sie ſind befreundet und verwandt mit einem Kaufmanne, Namens Durieu, einem Speculanten im Kleinen, deſſen Herz im Geldbeutel und deſſen Verſtand auf der Zunge ſitzt; einem Familienvater, der ſeine Gat⸗ tin höchſtens wie die Mutter ſeiner Kinder achtet, ſie aber nicht liebt, der eine zarte, unſchuldige, Sie liebende Tochter beſitzt und einen Sohn, der uns durch ſeine ſtete Abweſenheit nicht beſchwer⸗ lich fällt. Ein herabgekommener Edelmann, Herr v. Roncourt, und ſeine über alle Begriffe edle Tochter Eliſe erwecken unſer Aller Theilnahme um ſo mehr, als die Armuth des Herrn v. Roncourt nur aus der Großmuth entſprang, womit er für ſeinen Bruder Bürgſchaft geleiſtet hatte. Einen Eiſenbahnbeamten, Herrn von Cayolle, lernen wir en passant fennen. Endlich iſt da noch eine Gräfin Savelli, eine Salondame, die im Hötel de Pologne oder Hötel de Bavière wohnen mag, in einem Privathauſe jedenfalls nicht, da wir ohne alle Schwierigkeit, wenn es uns beliebt, zu ihr eintreten. Sie werden einräumen, daß, wenn wir uns obenein das Verſprechen geben, ſo geiſtreich als möglich unſere Angelegenheiten zu beſprechen, und ich, von Haus aus ein ſehr fader Menſch ver⸗ ſchiedene geiſtreiche Definitionen über Speculation u. ſ. w. zum Beſten gebe, eine Art von Verwicklung, die von einem Hauſe ins andere ſpielt, eintreten kann, ſchwerlich aber eine dramatiſche Ver⸗ knüpfung der loſen Fäden, noch auch eine dramatiſche Entwicklung und Löſung herauskommen wird.