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ſprach ſich in demſelben neben dem tiefſten Schmerze ein ſo feſter, verſtändiger Charakter aus, daß er ſchon hierdurch für die ihm bevorſtehende Aufgabe, ſo ſchwierig ſie ihm auch dünken mochte, gewonnen wurde.
Der verſtorbene Oberſt war nämlich, während er eine Stelle im Wirthſchaftsdepartement bekleidete, noch in ſeinem
letzten Lebensjahre in die verdrießlichſten Differenzen und Händel mit dem Gouvernement gerathen, welche ſogar ſeinen ehrenhaften Namen, ſeinen Ruf als redlicher Mann
antaſteten und durch ſeinen jähen Tod leider in ein höchſt
bedenkliches Stadium getreten waren, um ſo bedenklicher, weil der Oberſt zwar— vielleicht ein frühes Ende vor⸗
ausahnend— angefangen hatte, ſeine Rechtfertigungs⸗
gründe zu Papiere zu bringen, mit dieſer Arbeit jedoch nicht zum Abſchluſſe gediehen war.
In einer Art von Codicill hatte er nun ſeinen Neffen Werner— eingedenk des früher von demſelben gegebenen Verſprechens— mit Durchführung ſeiner Vertheidigungs⸗
gründe und Wahrung ſeiner und ſeiner Erben Anſprüche
dem Gouvernement gegenüber förmlich beauftragt, und gerade dies war der Hauptgrund, weshalb Dieſer nun⸗ mehr von der Witwe wirklich herbeigerufen wurde. Werner's Trauer um den geliebten Oheim war eine tiefe und ungeheuchelte; eben ſo war er von dem ganzen Ernſte der ihm obliegenden Verpflichtung durchdrungen und machte jetzt, um derſelben nach Kräften genügen zu können, ſogar Studien in der ihm nur flüchtig bekannten holländiſchen Sprache, während er gleichzeitig Vorberei⸗ tungen traf, um in dem fremden Lande und vielleicht vor⸗ eingenommenen Beamteten gegenüber mit jedem rechtlichen Nachdrucke auftreten zu können. In wenig Wochen ſtand ſeine Abreiſe bevor, der Kopf war ihm wahrhaftig von all'
den drängenden Dingen eingenommen und nur ſelten konnte er ſich, wie heute, auf einige Stunden der Freiheit im
Walde widmen; allein ſeiner Gattin gegenüber hatte es ihm nie an Heiterkeit oder doch unbefangener Stimmung
Novellen⸗Zeitung.
(III. Jabrg.
gefehlt, ja er hatte ſogar den Schmerz über den Verluſt des Oheims zurückzudrängen gewußt, um nur dieſe, deren Gemüth ohnedies ſo oft umdüſtert war, von ſeinen eignen Sorgen fern zu halten. Da traf ihn heute Helenens Vorſchlag, ja mehr als das, ihr beſtimmter Wille einer Trennung für das Leben!
Der Schlag war kein unvorbereiteter, aber immerhin ſein harter. Er ſelbſt ſah hell genug, um nach dieſen Eröſfnandt) an eine Wiederausgleichung nicht mehr zu
glauben. Darum hatte er auch ohne Rückhalt und nicht nur ſcheinbar eingewilligt. Aber das Gebäude ſeiner Ver⸗ gangenheit und nächſten Zukunft war zertrümmert und ſein Herz fühlte nun plötzlich eine troſtloſe Oede und Leere. Wie freundlich hatte er ſich die Zeit ſeiner Rückkunft aus⸗ gemalt; wie hatte er gerade von dieſer vorübergehenden, wenn auch längeren Trennung ſo manche ſegensreiche Folge für Helene und ſein Verhältniß zu ihr gehofft, und nun Alles in Nichts zerſtoben!
Wie er ſo einſam in ſeinem Zimmer auf⸗ und nieder⸗ ſchritt und die Fragen des alten Dieners, der über die Unfreundlichkeit des ſonſt ſo wohlwollenden Herrn faſt außer Faſſung gerieth und ſich endlich kopfſchüttelnd ent⸗ fernte, mürriſch zurückwies, vermochte ihn kein andrer Ge⸗ V danke zu zerſtreuen oder zu beruhigen. Früher hatte wohl
bisweilen in Stunden des Unmuths und des Mißverſtänd⸗ niſſes die Erinnerung an ſeine Couſine Emilie, die Tochter einer Schweſter ſeines Vaters, einige Macht über ihn ge⸗ wonnen und es hatte ihm dann eine leiſe Stimme ſeines Herzens zugeflüſtert: Wie glücklich würde Dich ſolch ein Weib gemacht haben, dem auch Du die erſte und einzige Liebe geweſen wäreſt!— aber jetzt dachte er nicht einmal an das holde, ihm mit ganzer Seele und voller Unſchuld ergebene Mädchen und es hätte ihm ſchwere Sünde ge⸗ dünkt, in dieſer Stunde gerade mit einem andern Frauen⸗ V bilde die Hoffnung auf eine neue glücklichere Zukunft zu
verbinden. Hätte er freilich Helenens Auffaſſung gekannt,
Feuilleton.
—e
Berliner Plaudereien.
„La Question d'Argent“’—„Die Geldfrage“ Alex. Dumas' des Jüngeren.
Die Mächte, welche gegenwärtig die Welt regieren, ſind erſtens
— das Geld, zweitens— wieder das Geld und drittens— erſt
recht das Geld, das hat ſchon der große Friedrich behauptet; das hat jüngſthin auch Brachvogel in ſeinem„Adalbert vom Baben⸗ berge“ ausgeſprochen,— darauf läuft auch ſchließlich Alexander Dumas' Beweis in ſeinem neueſten dramatiſchen Producte„Die Geldfrage“ hinaus. Geldfrage, klingt das nicht wie ein Thema
zu einer wiſſenſchaftlichen Abhandlung!— Klingt das nicht, als
wollte der geiſtreiche Verfaſſer der„dame aux Camélias“ und „demi-monde“ nächſtens in die Reihe der Nationalökonomen
treten?! Das klingt nicht nur ſo, ſondern iſt bereits zur Wirk⸗
lichkeit geworden. Die franzöſiſchen Dichter, welche, angeweht von dem Geiſte der materiellen Zeit, zu dem Geld⸗Agiotage⸗ und Schwindelthema ihre Zuflucht nehmen, verbinden damit ſehr egoiſtiſche, eigennützige Zwecke. Als Herr Ponſard ſein„Geld oder Ehre“ ſchrieb, gelüſtete ihn nach einer Summe von 50,000 Franken; die Ehre war im Grunde nur ein Aushängeſchild, hinter
Chre!“ flickte er„la bourse“ zuſammen und mit dem andern polſterte er
dem ſich der Goldteufel verſtecken konnte. Und kaum hatte ihm der Goldteufel die bewußte Summe von 50,000 Fr. als Tantième in die Taſche geſpielt, da führte er ihn von ungefähr am grünen Tiſche von Baden⸗Baden und Homburg vorbei, um ihm die Lehre deutlich vor die Augen zu führen, daß für einen Poeten ohne alle und jede dichteriſche Begeiſterung Geld ſowohl wie Ehre nur blauer Dunſt ſei. Wie flimmerte es vor Ponſard'’s Augen von Ducaten und goldnen Lorbeerkränzen, und als er die Augen vor Entzücken faſt blind gerieben, riß er ſie weit auf und ſah geraden noch ſeine letzten Silberſtücke unter dem Rechen des Croupierz fröhlich von dannen hüpfen. Da raunte ihm der Teufel das Wort Ehre“ zu, und Ponſard rief triumphirend;„ja wohl, meine Dann zerſchnitt er ſie in zwei Theile, mit dem einen
„
ſeinen Seſſel in der Akademie hoch auf, um über alle ſeine Mit⸗ brüder weit hervorzuragen. Da hatte aber wieder ein ſchalkhafter Teufel ſeine Hand mit im Spiel und pumpte in den Seſſel etwas Shakespeare'ſchen Geiſt, der bei der leiſeſten Berührung des Seſ⸗ ſels durch Ponſard ſogleich entwich, daß Ponſard tiefer denn je, tiefer denn einer ſeiner Leidensgefährten in den Seſſel hinabſank. Nun ſitzt er da und verwendet all' ſein Geld und all' ſeine Er
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