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Novellen-Zeitung.
Frauenliebe.
Eine Erzählung aus dem Leben. Von Theodor Herzog. (Schluß.)
Gerade um die Zeit, als Werner dieſen Brief em⸗ pfangen hatte, dem eine Anzahl ähnliche vorausgegangen waren und noch folgten, hatte er ſelbſt Helenens Bekannt⸗ ſchaft gemacht. Er befand ſich nach Vollendung ſeiner Studien und im Beſitze eines glänzenden Einkommens recht wohl in der Lage, ein ernſtes Verhältniß eingehen zu können; ſeine Familie führte einen alten angeſehenen Na⸗ men, der Landesherr, zu deſſen höchſten Beamteten Werner's Vater gehört hatte, war dem jungen, fein gebildeten und ehrenhaften Manne außergewöhnlich geneigt, und er hätte nur wollen dürfen, um die von ſeinem Vater dereinſt er⸗ wählte Laufbahn vielleicht mit gleichem Glücke zu verfolgen. Alle dieſe Umſtände, ſo wie ein gewinnendes Aeußere und ein klarer, heiterer Charakter vereinigten ſich zu ſeiner Empfehlung, ſo daß es ihm nicht ſchwer wurde, auch um die Gunſt der Frauen mit Erfolg zu werben. Vor allen bisher Geſehenen zog ihn Helene am meiſten an. Es war eine jener ſchlanken blonden Schönheiten, in denen ſich die zarte Weiblichkeit mit all' ihrer ſchwärmeriſchen Innigkeit und tiefen Poeſie am deutlichſten ausſpricht und deren Er⸗ ſcheinen ſo ſehr geeignet iſt, den ſtarken Mann zum Aner⸗ bieten ſeines liebenden, kräftigen Schutzes zu beſtimmen.
Dazu ſtand Helene nach dem Tode ihrer Eltern ziemlich
einſam da und ſchien nicht glücklich zu ſein. Weshalb? wußte man nicht; man erzählte ſich aber von einem früher beſtandenen, ſpäter wieder aufgelösten Verhältniſſe der— ſelben, deſſen nähere Umſtände jedoch— weil jener Vor⸗ gang in einer andern, ziemlich entfernten Stadt ſeinen an⸗ geblichen Schauplatz gehabt hatte— nicht bekannt waren. So viel ſtellte ſich als gewiß heraus, daß Helene zuvor bei anderen näheren Verwandten gelebt, nun aber den Aufent⸗
halt bei den entfernteren vorgezogen hatte und ſich der Ge⸗
gkeit, wenn auch nicht gänzlich entzog, ſo doch, wo im⸗ möglich, abkehrte: Gründe genug, um allerhand Ver⸗ thungen Raum zu geben.
Alles dies zog Werner mächtig an, wenn er auch änglich fürchtete, daß eine entſchiedene Annäherung von ner Seite vergeblich ſein mlöchte, und dabei ernſtliche weifel hegte, ob Helene— follten die Vermuthungen iber ihre Vergangenheit, denen nachzuſpüren er nicht ge⸗
(neigt war, ſich bewahrheiten.— ob Helene dann wirklich lim Stande ſein werde, ſein Lebensglück zu begründen.
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Die edle und tief ernſte Auffaſſung aber, welche der Oheim ſeinem eigenen, ſo vielfach ähnlichen Verhältniſſe zu ſeiner Frau zu geben wußte, und deſſen vom Erfolge gekröntes Beiſpiel flößten ihm den Muth ein, Helenen ſeine Empfindungen zu geſtehen und ſie, die ſeine bisheri⸗ gen Bewerbungen und Aufmerkſamkeiten nur freundlich hingenommen, nie ermuntert hatte, um ihre Hand zu bit⸗ tten. Sie verhehlte ihm nicht, daß ſie einen Andern geliebt habe und noch immer liebe, wenn ſie auch äußerlich geſchie⸗ den ſeien, und lehnte ſeinen Antrag ab. Wie ſie aber ſpäter dennoch ſich beſtimmen ließ, ſeiner Werbung Gehör zu geben, wiſſen wir bereits; leider hatte Werner ſich in dieſer Hinſicht nicht des Glückes ſeines Oheims zu erfreuen, ſein Verhältniß zu Helene blieb, der redlichſten Bemühungen von beiden Theilen ungeachtet, ein bloß äußerliches und der beſeligende Strahl der echten verſtändnißinnigen gegen⸗ ſeitigen Liebe war noch niemals in dieſe beiden Herzen ge⸗ drungen, ſo nahe ſie auch an einander zu ſchlagen beſtimmt V waren. Helene, die ſich die Hauptſchuld zuſchreiben mußte, fühlte ſich äußerſt unglücklich und faßte nach und nach ihren von uns bereits geſchilderten Entſchluß; Werner hielt da⸗ gegen wacker aus und hoffte von Jahr zu Jahr, wiewohl vergeblich. Seine Liebe zu Helene war noch unerſchüttert;
es war ſeine erſte und einzige Neigung im Leben. Bis⸗ weilen freilich dünkte ihm ſein Loos hart und ſchmerzlich, aber er beſiegte immer von Neuem die ihn ſelbſt der Thor⸗ heit anklagende innere Stimme und tröſtete ſich mit ſeinem unſträflichen Willen. Dann kamen auch einmal Stunden und Tage heiterer Zufriedenheit, in denen die alten Hoff⸗ nungen doch endlich zur Wirklichkeit werden zu wollen verſprachen.
Ueberraſchend und mächtig erſchütternd traf plötzlich aus Batavia die Kunde vom Tode ſeines Oheims ein, zu⸗ gleich mit einem Briefe der Witwe deſſelben, welcher ihn
der letzten Willensverfügung des Verſtorbenen gemäß nach Indien berief und dabei in Kenntniß ſetzte, daß ihm der Letztere, gewiſſermaßen als Entſchädigung für das ver⸗ langte große Opfer— der Trennung vom häuslichen Heerde auf geraume Zeit— ein anſehnliches Vermächtniß aus ſeinem Vermögen ausgeſetzt habe. Die Witwe über⸗ ſandte ihm zugleich eine Abſchrift jener ihn betreffenden Vexrfügung und ſprach ihr herzliches Bedauern aus, daß V ſie ihm um des Verſtorbenen willen das Opfer dieſer Reiſe
nicht erſparen könne, ſo gern ſie auch für ſich und ihr Kind auf ſeine edelmüthige Hülfe verzichten wollte; er werde ſich indeſſen aus der Niederſchrift des theuren Verſtorbenen ſelbſt überzeugen, daß ſein Kommen unumgänglich noth⸗
V wendig ſei. Der Brief Mary's war indeſſen ſchon an und für
ſich klar genug, um Werner ſofort zu beſtimmen. Zudem


