Jahrgang 
01-26 (1857)
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bei dieſen Worten, die mir bewieſen, daß die Räuber, von der Nutzloſigkeit ihrer Unterſuchungen überzeugt, ſich end⸗ lich entfernten. Ich war gerettet! Aus dem tiefſten Herzen dankte ich Gott für den unerwarteten Beiſtand, den er mir in meiner Noth geboten hatte, und traf Anſtalten, mich wieder auf den Thurm hinaufzuſchwingen. Die Lage, in der ich mich befand, hatte durchaus nichts Angenehmes, und jetzt, wo die Gefahr vorüber war, empfand ich eine gewaltige Ermattung in den Handgelenken und in den Armen; ich weiß nicht, ob es Täuſchung oder Wirklichkeit

war, allein es kam mir vor, als ob die Stange, an welcher

ich hing, zu ſchwach, länger das Gewicht meines Körpers zu tragen, und ohne Zweifel durch den Roſt angegriffen, ſich langſam gegen den Abgrund zu neigen beginne. Ich mußte mich daher beeilen auf der Zinne des Thurmes. Die Anſtrengungen berech⸗ nend, die ich zu machen hatte, erhob ich den Kopf, um die Entfernung zu meſſen, die mich von dem Gipfel der Mauer trennte. Da ſah ich in die Augen des Räuber⸗ hauptmanns, der, über die Brüſtung gelehnt, ſpöttiſch lächelnd die Blicke auf mich richtete.

Aha! ſagte er.

Teufel! knirſchte ich vor Wuth.

Ohne mir zu antworten, bog El Nino ſich vor, um mich zu faſſen. Mit einer Hand die Eiſenſtange, die mir als Halt in dem freien Raum diente, loslaſſend, ergriff ich eine der Piſtolen, die ich mit geſpanntem Hahn in meinen Gürtel geſteckt hatte.

Du ſollſt mir nicht entrinnen, Freund, ſagte der Bandit höhniſch lachend.:

O, ich bringe Dich um! murmelte ich und zielte auf ihn.

In dieſem Augenblick fühlte ich, daß die Eiſenſtange ſich unter mir ſenkte, meine Hand glitt daran herab, ich ließ die Waffe fallen und mit äußerſter Anſtrengung gelang

Noveſſen

Das tiefſte Schweigen herrſchte

»Zeitung.[III. Jahrg.

es mir, mich mit beiden Händen an die Stange zu klam⸗ mern, die ſich mehr und mehr niederbog.

Ha! rief ich voll Verzweiflung,eher Alles, als ein ſolcher Tod!

Und mich mit unmenſchlicher Kraft anſtrengend, ſtrebte ich in die Höhe, um den Gipfel der Brüſtung zu erfaſſen.

Nein, ſagte der Räuberhauptmann mit wildem ſchneidendem Gelächter,Du ſollſt da wie ein Hund

ſterben.

Und er ſtieß mich zurück. Da ging in mir etwas Entſetzliches vor. Todesſchauer erfaßte mich. Die Stange,

die jetzt beinahe gerade herabhing, konnte mich nicht länger

halten; meiner wahnſinnigen und verzweifelten Anſtren⸗

gungen unerachtet fühlte ich, wie meine krampfhaft ge⸗

krümmten Finger langſam an dem Eiſen herunterglitten; ich hörte ein hölliſches Gelächter, ohne Zweifel von dem Banditen ausgeſtoßen, der ſich an meiner Marter weidete; dann verlor ich jede Hoffnung, ſchloß die Augen, um nicht in den abſcheulichen Schlund unter mir herabzuſehen, und ſtürzte

Von eiſiger Kälte erfaßt, noch halb betäubt, erhob ich mich von meinem Falle. Daß ich noch lebte, war indeß keinem Wunder zuzuſchreiben, denn nicht von der Höhe des Thurmes war ich herabgeſtürzt, ſondern nur von dem Rücken meines Pferdes, auf dem ich in Folge des genoſſe⸗ nen Weins eingeſchlafen war, während die Räubergeſchich⸗ ten, die ich den ganzen Abend hindurch gehört, meinen Kopf mit einem ſo lebendigen Traum angefüllt hatten, daß nur mein plötzliches Erwachen mich überzeugen konnte, er ſei nicht die Wirklichkeit geweſen.

nach der innern wie der techniſchen Seite hin, zur Ausführung zu

Miscellen.

bringen. Es iſt bereits ein Kreis von Mitarbeitern in den verſchie⸗

denſten Theilen Deutſchlands und Oeſterreichs ſowie im Auslande gewonnen, die als tüchtige Fachmänner einen Namen haben und ſich zugleich durch die Gabe eleganter und populärer Darſtellung auszeichnen. Außerdem ward für die Sammlung eines großen Schatzes von ſtatiſtiſchen, hiſtoriſchen, namentlich biographiſchen Materialien geſorgt, deſſen Verwendung zur Förderung des Werks nicht wenig beitragen wird.

Ideen zu kleinen Gartenanlagen, nebſt praktiſcher Anleitung über die Verwendung der Blumen zur Ausſchmückung der Gärten, mit Angabe der Höhe, Farbe, Form, Blütbezeit und Cultur derſelben. Von Rudolph Siebeck, Rathsgärtner zu Leipzig, Verfaſſer derbildenden Gartenkunſt in ihren modernen Formen. Leipzig, Fr. Voigt. 1856 und 1857.

Der Haupttbeil dieſes Werkes iſt ein Atlas von 24 colorirten Tafeln in breit Folioformat, auf deren jeder ein oder zwei Pläne zu kleinen Gartenanlagen ſich finden. Dieſe enthalten 1) land⸗ ſchaftliche Därſtellungen, 2) dergleichen in Verbindung mit moder⸗ nen Blumenbeeten, 3) landſchaftliche Umgebungen des Wohnhauſes mit ſich anſchließenden Obſt- und Gemüſegärten. Der Text be⸗ ſteht in ausführlichen Erklärungen der Pläne mit Angabe der darin zu verwendenden Gehölze, Blumen, Gebäude und anderen nothwendigen oder unterhaltenden Daten in Bezug darauf. Die Pläne ſind elegant ausgeführt. Der Preis des Ganzen ſoll 8 Thlr. betragen.

Das caspiſche Meer.

Unter dem 15. Januar c. wurde aus Petersburg gemeldet, daß eine neue Karte des caspiſchen Meeres erſchienen iſt. Dieſe Arbeit verdankt man einer Expedition, welche den Auftrag hatte, die Sondirung eines großen Theils dieſes Meeres vorzunehmen und die Lage der öſtlichen und ſüdlichen Küſte deſſelben zu bezeichnen.

Die Oberfläche des caspiſchen Meeres mit Einſchluß ſeiner Meerbuſen und Buchten wird zu 352,000 Quadratwerſten(unge⸗ fähr 400,000 Quadrat⸗Kilometres), ſeine größte Länge zu 650 Meilen, ſeine größte Breite zu 300 Meilen angegeben.

Der Schiffslieutenant Iwaſchintſoff ſagt in der Einleitung ſeines Berichts über jene Expedition:Jetzt, wo unſere regelmä⸗ ßigen Beziehungen zu Centralaſien und unſer Seehandel mit Per⸗ ſien und den andern Ländern, die von dem caspiſchen Meer beſpült werden, in einer fortſchreitenden Entwickelung begriffen ſind, er⸗ langt dieſes Meer mit jedem Tage eine größere Wichtigkeit. Durch dieſes Meer und unſere Flußwege ſind unſere Häfen am baltiſchen Meere mit den reichen Provinzen des nördlichen Perſiens in Ver⸗ bindung geſetzt. Kurz, der alte Handelsweg zwiſchen Aſien und Europa über das caspiſche Meer, die Wolga, den Don und das aſowſche Meer kann bei den Fortſchritten, welche der Dampf die Schifffahrt hat machen laſſen, ein ausgezeichneter Verbindungs⸗ weg werden und die Stelle wieder einnehmen, die ihm in den frühe⸗ ſten Zeiten mit Recht zukam. C.

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