Novellen
waren Männer mit gebräunten Geſichtern, ſinſtern Zügen, kräftig von Geſtalt und größtentheils in das rein anda— luſiſche, ſo reiche und ſo zierliche Coſtüm gekleidet; Alle waren bis zu den Zähnen bewaffnet. Sie ſetzten ſich um das Feuer, auf welches ſie friſches Holz geworfen hatten, und plauderten unter einander mit großer Lebhaftigkeit,
während ſie zuweilen gierige Blicke auf zwei große Koffer
warfen, die in einer Ecke ſtanden. Die erſten Worte, die ich hörte, geſtatteten mir nicht den geringſten Zweifel über ihr Geſchäft. Es waren salteadores oder mit anderen
Worten Straßenräuber und gehörten zu der Bande des
Nino, eines berüchtigten Räuberhauptmanns, der auf Jo⸗
ſeph Maria gefolgt war und deſſen Name ganz Andaluſien in Schrecken ſetzte. Ihre Bewegungen waren heftig; zu⸗ weilen legten ſie die Hand an ihre Waffen. Ich glaubte zu verſtehen, daß ſie ſich über die Theilung der in den Koffern enthaltenen Beute nicht verſtändigen konnten; der Streit erhitzte ſich endlich in einem ſolchen Grade, daß ich den Augenblick kommen ſah, wo die Elenden ſich unter einander umbringen würden. Sie waren in wildem Tu⸗ mult aufgeſprungen, hatten die Meſſer gezogen und maßen ſich mit Zornblicken, als ihr Hauptmann erſchien.
El Nino war um dieſe Zeit ein Menſch von 40 Jahren, von hohem, kräftigem Wuchs, ſeine breiten Schultern und ſeine ſehnenreichen Arme verriethen eine ungewöhnliche
Kraft; ſeine Züge waren hart, ſein Blick wild; der phan⸗
taſtiſche Wiederſchein des Feuers, der ſein Geſicht röthete, verlieh ſeiner Phyſiognomie einen noch auffallenderen Cha⸗ rakter durch das ironiſche Lächeln, welches ſeine dicken, fleiſchigen Lippen umſpielte.
„Schon wieder Streit und Zank!“ rief er mit ſchar⸗ fem Tone.„Carai! Könnt Ihr denn nicht in gutem Ein⸗
verſtändniß mit einander leben, wie es ehrlichen Banditen
zukommt?“ Einer der Räuber wagte eine Rechtfertigung, die El Nino ſogleich unterbrach.
Zeitung.
„Still!“ gebot er;„ich will
[III. Jahrg.
nichts hören. Gottes Tod! Ihr lagert Euch hier ruhig um das Feuer wie einfältige Mönche, ohne mehr an unſere gemeinſchaftliche Sicherheit zu denken, als wenn wir allein auf der Welt wären! Zum Glück iſt mein Auge ſtets wach!— Wohin iſt der Menſch gekommen, dem das Pferd gehört, welches ich unter dem Schuppen fand?“ Bei dieſen Worten fühlte ich mich von einem unwill⸗ kührlichen Zittern ergriffen; ich dachte mit Entſetzen an die gefährliche Lage, in welche der Zufall und mein böſer Stern mich gebracht hatten. In der That war dieſe Lage höchſt kritiſch, denn ich befand mich buchſtäblich in einer Mauſefalle. Ich hatte kein Mittel, der Räuberhöhle zu entrinnen, und empfahl in Gedanken meine Seele Gott,
möglich an dieſe Banditen zu verkaufen, deren Grauſam⸗ keit ich zu gut kannte, um den geringſten Zweifel über das Loos zu bewahren, das mir bevorſtand, wenn ich in ihre Hände fiele. Während deſſen hatten die salteadores, erſchreckt durch die Worte ihres Hauptmanns, zu ihren Gewehren ge⸗ griffen.
„Wir wiſſen nicht, wo der Menſch ſein kann, von dem Du ſprichſt,“ ſagte Einer der Räuber;„bei unſerer An⸗ kunft hierſelbſt war der Thurm leer.“
„Möglich,“ erwiderte El Nino;„jedenfalls werden zwei von Euch alle Zugänge unſerer Höhle durchſuchen; vielleicht hat er ſich in der Nähe verborgen.“
Zwei Männer gingen hinaus und der Hauptmann ſchritt, ihre Rückkehr erwartend, in dem Saale auf und nieder. Nach kurzer Zeit kehrten jene zurück.
„Nun?“ fragte er ſie.
„Nichts,“ erwiderten die beiden Banditen,„das Pferd
iſt noch unter dem Schuppen, aber von dem Reiter keine
Spur zu finden.“
machen! Was hilft es, wenn Sie ein guter Menſch ſind? Das bringt Sie vielleicht in den Himmel, aber Ihren Verleger nicht zu Abonnenten!“ u. ſ. w.
Solcher auf Eclat und nur auf Eclat ausgehender Wider⸗ ſpruchsgeiſt, verehrte Frau, wäre der Geſchäftsſtandpunkt, mit dem es meinem Herrn Verleger ſelbſt durchaus nicht Ernſt ſein muß, da ich mich bisher immer noch als ſein Redacteur anſehen kann, obgleich ich jenen zu verfolgen bis heute nicht gelernt habe.
Von dieſem Geſichtspunkte aus alſo iſt auch die Recenſion Ihres Romanes nicht geſchrieben, ſondern ſie iſt, wenn auch in zum Theil humoriſtiſcher Ausdrucksweiſe, in der That von meiner innerſten Ueberzeugung dictirt. Es iſt nicht ſowohl meine Abſicht geweſen, das Recht der coquetten Damen überhaupt in Schutz zu nehmen, als vielmehr zu behaupten, daß dieſe von Ihnen gezeichnete coquette kleine Emma nicht in der Weiſe durchgeführt ſei, als wir nach der Anlage zu erwarten berechtigt ſind. Die Coquetterie an ſich iſt noch kein Verbrechen, nur die falſch ange⸗ wandte. Emma Roſe aber, die ihre ganze allerliebſte Coquetterie dazu anwendet, den Mann ihrer Wahl zu erobern, den Mann, den ſie liebt zm ſeiner ſelbſt willen, obgleich äußerlich viel glän⸗ zendere Parkſen ſich für ſie bieten,— dieſe Emma Roſe iſt unſer Intereſſe zu gewinnen wohl im Stande. Wenn ſie, nachdem ſie Ernſts Liebe gewonnen, demſelben nicht mehr treu bleibt, ſo iſt, wie wir ſchon neulich ſagten, der Haupttheil der Schuld nicht an ihr, und wenn ſie ſo durch einen Andern, dem ſie ſo viel opferte, unglücklich wird, ſo wäre auch das nur ein neuer Grund, das In⸗ tereſſe, das ſie erregt hat, zu befeſtigen. Aber hier ſchon beginnt die Ungerechtigkeit der Verfaſſerin gegen dieſen ihren Charakter, indem ſie alle Schuld des gebrochenen Verhältniſſes von ihrem
Helden auf die kleine Intrigantin wälzt. Doch ſelbſt wenn ſie dieſelbe mit klarſtem Bewußtſein von vornherein als einen durch⸗
aus verwerflichen Charakter, als einen weiblichen Franz Moor, als einen Richard III. der Mädchenliſt ſchildern wollte, ſelbſt dann war das Ende dieſer Figur mit ihrem Beginne nicht im Einklang. Nach der Energie, die Emma für ihre erſte Liebe aufgeboten hatte, durfte ſie nicht ſo in der Alltäglichkeit aufgehen, und ſelbſt wenn ſie das ſollte, mußte dieſes Ende anders dargeſtellt werden, als es geſchehen iſt; wenn uns die Verfaſſerin im Eingange in die inne⸗ ren Stimmungen der aufſtrebenden Emma einweihte, warum ver⸗ ſchließt ſie uns jetzt die der herabſinkenden, die gewiß nicht weniger leidenſchaftlich, nicht weniger gerechtfertigt und nicht weniger rüh⸗ rend waren? Ein Charakter, der ſo zu handeln verſtand, hatte das Recht, anders unterzugehen; die Conſequenz der Entwickelung vermiſſen wir in dieſer Schilderung.
Sie ſehen alſo, geehrte Frau, es iſt nicht die perſönliche Vor⸗ liebe für eine niedliche Coquette, die uns ſo urtheilen ließ, ſondern das allgemeine äſthetiſche Rechtlichkeitsgefühl einem Charakter gegenüber, der durch die Energie ſeines Weſens ein echt poetiſches Intereſſe in Anſpruch nehmen durfte. Daß dadurch Ihr Buch weniger moraliſch geworden wäre, bezweifeln wir,— vielleicht weniger moraliſirend, und wenn, wie es aus Ihrem Schreiben zu ergehen ſcheint, letzteres ihre Intention war, ſo haben Sie ja die⸗ ſelbe in hohem Grade erreicht. Jedenfalls iſt es ein glänzendes
Zeugniß Ihrer nicht nur moraliſirenden, ſondern auch echt poeti⸗ V ſchen Darſtellungskraft, wenn Sie einen Charakter, der abſchreckend ſein ſoll, mit ſo viel Zauber echten, friſchen Lebens auszuſchmücken wiſſen, daß er auf uns, die nicht ſowohl Moral als Poeſie in den RNomanen ſuchen, einen ſo beſtrickenden Eindruck machte. Und
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