Nr. 12.]
Vorſtellun näßt und ich verwünſchte meinen Starrſinn, der mich das ite, wide freundliche Anerbieten Don Torrivio's zurückweiſen ließ, ztes Gla um ſo mitten in der Nacht einſame Pfade zu verfolgen,
tten, ſchwang auf die Gefahr hin, zwanzig Mal den Hals zu brechen.
r der Thü Endlich wußte ich nicht mehr, welchen Heiligen ich anrufen n meinen ſollte, als ich mich plötzlich eines alten Gebäudes erinnerte, bte davon von dem ich nicht weit entfernt ſein konnte und das geeig⸗
zogen net war, mir einſtweilen einen Schutz gegen das Unwetter war zu bieten. Ich orientirte mich, ſo gut es bei der Dunkel⸗
Regentropfen heit möglich wurde, und nach wenig Minuten gelang es
mir, das gaſtliche Dach zu erreichen. Es war ein alter Thurm, das einzige Ueberbleibſel eines Feudalſchloſſes, welches der Strom der Zeiten hinweggeſchwemmt hatte. Er war verlaſſen, halb verfallen und diente zum Aufent⸗ haltsort der Nachtvögel. Bei den Leuten der Umgegend hieß er und heißt er wahrſcheinlich noch jetzt der Eulen— thurm, ein Name, den er in jeder Beziehung verdient.
Ich ſtieg vom Pferde, warf den Zügel über den Arm und trat, gefolgt von meinem Pferde, in einen großen Saal, deſſen Anblick etwas Unheimliches hatte, was mich unwillkührlich ergriff. Man erzählte von dieſem Orte eigenthümliche Geſchichten, die ſich in dieſem Augenblicke
un Hinter⸗
vallero
er Be⸗
Drilte Jolge.
licher Ton ſich miſchte.
wahrhaft erſchreckte, war ein halb erloſchenes Feuer in der
Mitte des Gemachs. Wer konnten die Gäſte dieſer Woh⸗ nung ſein? Wo waren ſie? Ich wollte mich nicht unbe⸗ ſonnen in die Kehlabſchneiderhöhle wagen, kehrte behutſamt um und ſchaute aufmerkſam nach allen Seiten umher; doch die Nacht war ſo finſter, daß ich durchaus nichts zu ent⸗ decken vermochte. Vergebens lauſchte ich; ich hörte nichts als das wüthende Pfeifen des Windes, in den kein menſch⸗ Durch das Schweigen und die Einſamkeit etwas beruhigt, beſchloß ich, die Feſtung zu umſchreiten; meine Nachforſchungen blieben ohne Erfolg, indeß entdeckte ich doch eine Art Schuppen, unter den ich mein Pferd zog. Dann überzeugt, daß ich wenigſtens für den Augenblick der einzige Bewohner des Thurmes ſei und folglich nichts zu fürchten habe, kehrte ich in den Saal zurück; indeß wollte ich doch nicht überfallen werden, und ſtatt in dem unteren Raum zu bleiben, ſtieg ich ſogleich nach dem oberen in die Höhe. So weit ich es bei der dichten Finſterniß zu erkennen vermochte, glich dieſer Saal vollkommen dem unteren; er zeigte dieſelbe Verfallenheit, denſelben Haufen von Trümmern in einer Ecke, dieſelbe ſchadhafte Treppe nach einem oberen Stockwerke.
Um nicht vertheidigungslos zu ſein, unterſuchte ich ſorgfältig das Zündkraut meiner Piſtolen; dann hüllte ich
mich in meinen Mantel, empfahl meine Seele Gott und legte mich dicht neben der Treppe nieder, um auf jedes
Ereigniß gefaßt zu ſein, mit dem Entſchluſſe, wach zu bleiben. Aber die Ermüdung und mehr wohl noch der Wein ſchloſſen bald gegen meinen Willen meine Augen; meine Ideen verwirrten ſich allmählich und ich ſtand auf dem Punkt, einzuſchlafen, als ich plötzlich durch dröhnende Schritte aus meiner halben Betäubung geriſſen und mir ſelbſt zurückgegeben wurde. Etwa zehn Perſonen waren in den unteren Saal getreten. Von dem Orte aus, an dem ich lag, konnte ich, wenn ich den Kopf behutſam vor⸗ ſtreckte, ſie beobachten, ohne ſelbſt geſehen zu werden. Es
5 Pii meinem Gedächtniſſe aufdrängten, meine ohnehin erregte . Doch Einbildungskraft ergriffen und mir ein Fröſteln durch die chrecken Glieder jagten, ſo daß ich nur mit Beſorgniß die Blicke ges nicht, rings in dem Raum umherſchweifen ließ, der mir vielleicht t dor für mehrere Stunden zum Aufenthaltsorte dienen ſollte. . ſtder Ich befand mich in einem großen Saale, der den ganzen 2e Raum des Thurmes einnahm; die Wände waren von drei verdandede Fenſtern durchbrochen, die längſt ſchon ihre Scheiben ver⸗ Wutten du loren hatten und durch die Wind und Regen rauſchend nd und d hereindrangen. Im Hintergrunde führte eine halb ver— Wuth 6* fallene Wendeltreppe nach den oberen Stockwerken; in neeſee einer Ecke erhob ſich ein Haufen von Trümmern aller Art fuerkſan⸗ bis zu der gewölbten Decke und ſchien ſeit wenigſtens einem zu vuns Jahrhundert unangetaſtet hier zu liegen. Was mich aber Hau 6 —
Ehrenerklärung zu machen, ſo würde ich Ihnen die Geſchichte von dem engliſchen Lord erzählen, den bei Gelegenheit der Scheidung der Königin Caroline von England das Volk, das für die Königin Partei nahm, zwang, ein Lebehoch für ſie auf offner Straße aus⸗ zubringen:„Ein Hurrah für die Königin,“ rief der Lord,„und mögen Eure Weiber und Töchter alle ihr gleichen!“ würde ich es Ihnen gönnen, einmal von den zierlichen Pfötchen eines ſolchen Kätzchens wie Emma geſtreichelt und— gekratzt zu werden. Was mich heute zum Schreiben bewegt, iſt nur die leidige Frauennatur, die Neugier. Unmöglich kann Ihre Kritik nach der richtigen Lectüre des Buches entſtanden ſein, Sie müſſen ſich mit einem oder vielmehr einer Andern darüber geſtritten haben, die Andere muß ſich über Emma entſetzt und meinen guten, ebrlichen Theologen gelobt haben, und aus dem angeborenen Widerſpruchs⸗ geiſte der Männer iſt Ihre Oppoſition hervorgegangen. Nicht ſo? Aber das iſt nicht Recht! Ein Kritikus darf kein Advocat der einen Partei, er muß Richter ſein. Sie ſind es meiner Neugier, oder
ort darauf.
was der Advocat der Gegenpartei vorgebracht hat. Bedenken Sie doch, welches Unheil Ihre Recenſion anrichten kann, wenn ich ſie buchſtäblich nehme und mich in Zukunft nach Ihren Principien richte! Ich ſtehe doch nun einmal in dem Rufe, daß die Mutter der Tochter meine Bücher ruhig in die Hände geben kann; wenn ich nun nächſtens ſage:„Kinder, hütet Euch vor der Wahrheit und
geraden, tüchtigen Mann, wie Ernſt Wild, ſondern ein Julius Hoſe und ein Hans von Norden ſei das Ideal Eurer Träume; vor Dingen aber werdet ſo ſchlau wie Emma, denn ſolcher iſt das
melreich und der Beifall der Männer und der Kritiker!“ Denken
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Von Herzen
eigentlich den Leſern Ihres Blattes, ſchuldig, auch das zu ſagen,
Natürlichkeit, ſie macht langweilig, nehmt um Gottes willen keinen ben.
Sie, was ſoll dann aus unſerer jungen Generation werden! Wenn ich mich in Zukunft eben ſo ſehr bemühe, den Fiſchſchwanz der Si⸗ rene zu verbergen, wie ich jetzt Kunſt und Mühe aufgewandt habe, ihn ans Licht zu ziehen, ſo iſt ja kein Ulyſſes ſeines geſunden Ver⸗ ſtandes mehr ſicher. Mir kann es gleich ſein; da ich weder eine ſentimentale Marie noch eine Gouvernante bin, noch Töchter zu erziehen habe, ſo können mir die Emma's nicht gefährlich werden, aber die armen Männer!
Doch Scherz bei Seite. Ihre Kritik, geehrter Herr Doctor, iſt ſo anregend geſchrieben, daß ſie dem Buche nur förderlich ſein kann und ich Ihnen zu lebhaftem Danke verpflichtet bin. Sie gibt mir zugleich den Beweis, daß Ihnen meine Schreib⸗ und An⸗ ſchauungsweiſe nicht mißfällt, und deshalb u. ſ.w.
Erwiderung. Hochgeehrte Frau! Meine Kritik iſt nicht aus Widerſpruchsgeiſt entſtanden, wie Sie ſupponiren. Ich habe ſehr wenig Widerſpruchsgeiſt— leider! Sie ſollten nur meine Freunde unter den Herre uchhändlern fragen, die mir bei Berathung über das Wohl ines kleinen
Journals ſagen würden:„Sie widerſprechen zu wenig, mein Herr
Redacteur! Wiſſen Sie, wozu ein Redacteur da iſt? Ein Redacteur iſt da, um Scandal zu machen. Sie aber loben immer, und das will Niemand leſen, denn lobende Artikel kann ſich Jeder ſelbſt ſchrei⸗ Schaffen Sie ſich einen Haß an, einen recht großen Haß gegen irgend einen berühmten Mann, damit macht man Epoche! Oder ſchaffen Sie die ganze deutſche Literatur ab, damit man eine neue verlegen kann! Sie ſehen ja, was Andere für Glück damit


