Jahrgang 
01-26 (1857)
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ſtumme hinzufügen, den Kampf nicht fruchtlos zu ver⸗ längern und durch ein ſchnelles Jawort der peinlichſten Unterredung ihres Lebens ein Ende zu machen.

Aber Werner war nicht geneigt, dem leidenſchaft⸗ lichen Drängen ſeines Weibes ſo raſches Gehör zu geben. Er entzog ihr nun faſt unwillig ſeine Hand, ſtand von ihrer Seite auf und ſagte mit dem Tone ſchweren Vor⸗ wurfs:

Das geht zu weit, Helene! geglaubt, derartige Gedanken ſeien bei Dir nur hypochon⸗ driſche Grillen. Aber heute ſetzeſt Du mir gar einen Ter⸗ min und kündigſt mir die Ehe, wie einen läſtigen Contract. Denkſt Du, ich würde je auf Deine frevelnden Vorſchläge eingehen? Und frevelhaft ſind ſie, das wiederhole ich, weil ſie einen Wahn, ein Hirngeſpinnſt höher achten, als mein ehrliches Wort, und unter dem Deckmantel, mein Glück gründen zu wollen, daſſelbe zerſtören möchten. Helene, Du meinſt es gut, ich zweifle nicht daran; aber was Du jetzt geſagt haſt, das mußt Du mir abbitten!

Dieſe Worte brachten in der jungen Frau eine eigen⸗ thümliche Wirkung hervor. Dieſer offene Tadel, dieſes entſchiedene, unwillige Ablehnen Deſſen, was ſie mit tief⸗

ſter Erregung und muthiger Ueberwindung der ſchmerz⸗

lichſten Gefühle ausgeſprochen, ſtählte ſie nur in der Ver⸗ folgung des einmal erwählten Ziels. Eine nachgebende, weichmüthige Rede hätte ihr die Aufgabe ſicher erſchwert; ſo aber fand ſie die Kraft, mit ruhiger Entſchiedenheit zu antworten.

Ich bitte Dir nichts ab, Werner, ſo leid es mir auch thut. Der größte Fehler im Leben iſt das fortwährende

Zögern und Hinhalten, welches jeden Schritt von einiger

Bis jetzt hab' ich ſtets

Novellen⸗Zeitung.

weghelfen.

[III. Jahrg.

Dann fuhr ſie wieder milder und herzlicher fort:Jetzt wird uns Beiden die Trennung am leichteſten, kein anderer Zeitpunkt kann uns beſſer über den ſchweren Abſchied hin⸗ Du gehſt auf Monate fort von hier, um den Namen Deiner Familie zu verfechten, einer bedrängten, ſchutzloſen Frau Beiſtand zu leiſten und ſie dann in die erſehnte Heimath zurückzugeleiten. Haſt Du Deine Pflicht

erfüllt und kehrſt einſt in die Heimath zurück, froh im Be⸗

Bedeutung ſcheut und hierdurch einen koſtbaren Tag um

den andern dahinopfert. Mein Wille ſteht unerſchütter⸗ lich feſt; Du wirſt ihn ehren, wie ich einſt Deinen Willen geehrt habe.

wußtſein des eingelöſten Wortes, dann liegen die ver⸗ gangenen Tage weit, weit hinter Dir zurück und Deine neue Freiheit wird Dir recht wohl thun. Aber auch ich habe dann ſicher ſchon einen neuen Kreis gefunden, wo ich wirken und nützen kann und glücklich machen, ſo weit es mir vergönnt iſt. Führt uns dann ja einmal das Leben wieder zuſammen, ſo begegnen wir uns wie Freunde, die ja nicht ſchlechter von einander denken, weil ſie ſich Beide geirrt haben. Und welch ein Stolz für mich, Werner, wenn Du mir dereinſt noch dankbar wäreſt für meinen raſchen Entſchluß und wenn Dich der Beſitz eines reichen hingebenden Frauenherzens überzeugen ſollte, wie wenig Du an mir beſeſſen!

Werner, der bisher in dem kleinen Raume haſtig auf⸗ und abgegangen war, blieb jetzt ſtehen, faßte die Spreche⸗ rin, die mit gefalteten Händen am Fenſter ſtand und ihr faſt ſchwärmeriſch verklärtes Antlitz auf ihn richtete, ge⸗ rührt ins Auge und fragte ſie ſo leidenſchaftslos, als es nach dem eben Erlebten nur immer möglich war:

Alſo liebſt Du mich nicht, Helene, hoffſt auch nicht, mich jemals lieben zu können?

Nein, Werner, nie ſo, wie Du es verdienſt, wie es

2 zum Glücke eines Mannes Deiner Art von Gott geordnet iſt. Und nach einer kleinen Pauſe fügte ſie hinzu:O, wie hab' ich Jenen geliebt, wie iſt all' mein Dichten und Trachten in ihm aufgegangen, und er war doch nicht beſſer, als Du!

ten, waren Pferde bereit; die Bibliothek ſtand denen offen, die ſich mit einer Lectüre oder einem Studium beſchäftigen wollten. Er ſelbſt ſetzte ſich dann zu Pferde, um ſeinen gewöhnlichen Morgen⸗ ritt von 10 12 engliſchen Meilen durch ſeine Beſitzungen zu machen, von dem er erſt ein Viertel vor 3 Uhr zurückkehrte, um

ſich für das Diner anzukteiden. Er liebte es, bei demſelben Ge⸗ ſellſchaft zu haben, denn eine gute Unterhaltung war ſein größtes

Vergnügen. An Zechgelagen fand er ſelbſt in ſeiner Jugend keine Freude. Er trank bei Tiſche ſchwaches Bier und nach dem Diner 34 Gläſer alten Wein, den er, wie zu jener Zeit jeder Gentle⸗ man, für ſo nothwendig hielt wie das Fleiſch. Die Nachmittags⸗ ſtunden brachte er dann in ſeiner Bibliothek zu, wo er ſich mit Schreiben und Leſen beſchäftigte und Geſchäfte beſorgte. Den

Abend verlebte er in dem Familienzirkel, trank mit den Uebrigen

ſeine Taſſe Thee, und wenn kein Beſuch zugegen war, ſo las er ſeiner Gattin, die mit ihrem Strickzeuge in einer Ecke des Sopha

ſaß, aus der Zeitung oder einem Buche, mit dem er ſich eben be⸗

ſchäftigte, intereſſante Stellen vor. Sonntags beſuchte er des Morgens den öffentlichen Gottesdienſt und Abends las er zu Hauſe der Familie eine Predigt oder etwas aus einem Andachts⸗ buche vor..

Gleich vielen anderen großen Männern ſtand Waſhington des Morgens ſehr früh auf. Die Morgenſtunden widmete er, weil da

der Kopf am klarſten iſt, der Erledigung der wichtigſten Geſchäfte. Seine Toilette war in kurzer Zeit beendigt, obgleich er in ſeinem

Anzuge die größte Sauberkeit liebte.

Sein Diener legte ihm die

nöthigen Gegenſtände ſtets an Ort und Stelle und hatte nur das

Haar ſeines Gebieters zu ordnen, der ſich ſelbſt raſirte und Sorge trug, das in der möglichſt kürzeſten Zeit zu thun.

Sobald das geſchehen war, beſchäftigte er ſich bis zur Früh⸗ ſtückszeit in ſeiner Bibliothek. Sein Frühſtück war ſehr einfach, denn es beſtand aus etwas Gebackenem, Butter und Honig und zwei bis drei Taſſen Thee.

Waſhington war ein Seclavenhalter, denn er war durch Ge⸗ burt, Erziehung und Gewohnheit ein Pflanzer; und er ſah nicht bloß, ſondern fühlte recht gut die Schwierigkeiten, welche die Lage der Dinge zwiſchen dem Norden und Süden erzeugen müſſe. Die erſte Nothwendigkeit und Pflicht ſeines ganzen Lebens war aber die Erlangung der nationalen Unabhängigkeit und nach derſelben die Errichtung einer weiſen und wirkſamen Regierung für die neu⸗ geborne und wankende Nation. Jede andere Pflicht war dieſer untergeordnet und ſie nahm ſeine Thätigkeit, ſo wie die anderer großer Männer, die mit ihm für jene Zwecke wirkten, vollkommen in Anſpruch. Uebrigens ſahen Waſhington, Jefferſon und andere Männer unter ihren Zeitgenoſſen recht gut ein, welche Geſtalt die Sclavenfrage ſpäter annehmen möge. Jefferſon drückte ſich dar⸗ über ganz beſonders mit großer Wärme aus und ſagte, der All⸗ mächtige beſitze keine Eigenſchaft, die an der Sclaverei Vergnügen finden könne, und er zittere für ſein Vaterland, wenn er an Gottes Gerechtigkeit denke. Waſhington druckt ſeine Anſichten darüber mit nicht weniger Beſtimmtheit aus, wenn er ſchreibt:Ich beab⸗ ſichtige durchaus nicht, wenn nicht ganz unvorhergeſehene Umſtände mich dazu zwingen, je wieder einen Sclaven zu kaufen. Einer meiner erſten Wuͤnſche iſt, irgend einen Plan angenommen zu ſehen, nach dem die Sclaverei in unſerem Vaterlande geſetzlich abgeſchafft

werden könne. In einem anderen Briefe ſagt er:Soh hofe aus dieſen Bemerkungen(ſie bezogen ſich auf das Wiedereinfangenn eines entflohenen Sclaven) wird man nicht den Schluß ziehen,

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