Jahrgang 
01-26 (1857)
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gehabt? Ich ahn' es ſchon, Du haſt von Neuem über Dinge gegrübelt, die Du mir ſo oft ſchon vergeſſen zu wollen verſprochen hatteſt. Wie lange iſt es denn her, daß wir uns darüber zum letzten Male geeinigt haben? Kaum einige Wochen, wir fuhren zuſammen den Fluß herab auf dem neuen Kahne, und als wir um die Ecke herum bogen und unſer kleines Haus ſo freundlich im Golde der Abendſonne glänzte, als ob es uns von Neuem willkommen heißen wollte, da gabſt Du mir ja die Hand darauf, daß Du mich lange, lange Zeit nicht wieder mit Deinen Be⸗ denklichkeiten und grundloſen Sorgen quälen wollteſt. Ja, Helene, dadurch quälſt Du mich, während Du mich ſo glücklich machen könnteſt, wenn Du den rechten Glauben an mich hätteſt!

Das iſt's ja eben, erwiderte Helene in leiſem, aber feſtem Tone, indem ſie ihre Bewegung gewaltſam zurück⸗ drängte,das iſt es eben, daß ich Dich quäle und nur allzu lebhaft meine Schuld empfinde. Seit meinem letzten Verſprechen, deſſen Du eben erwähnteſt, Werner, hat ſich gar Manches geändert. Höre mich ruhig und freund⸗ lich an. Ich muß es Dir ja ſagen, muß es Dir noch heute ſagen, wenn ich ehrlich ſein und mich nicht ſelbſt auf⸗ reiben will. O Gott, daß ich es Dir, gerade Dir ſagen muß, Werner, das greift mir ins Herz hinein!

Ihre Faſſung brach bei dieſen Worten, die Thränen ſtürzten aus ihren Augen reichlich hervor und ſie trat einige Augenblicke an das Fenſter, um ſich auszuweinen und von Neuem zu ſammeln. Dann ging ſie an die Thüre des Cabinets und nachdem ſie ſich überzeugt, daß das daran ſtoßende Zimmer dunkel und leer ſei, nahm ſie ihren früheren Platz neben dem Gatten wieder ein, der zwar von dem bereits Vernommenen tief ergriffen, jedoch nicht gerade befremdet zu ſein ſchien. War es ihm doch ſchon oft gelungen, die Zweifel und düſteren Schatten in der Seele ſeines geliebten Weibes durch ſeine einfache, biedere Zuſprache zu verbannen!

folge. 181

Gott hat mir einen Fingerzeig gegeben, fuhr endlich Helene fort,daß mein bisheriges Thun und Handeln Thorheit und Sünde war, und daß ich umkehren ſoll, ehe Dein Lebensglück, mit dem ich frevelhaft geſpielt habe, unwiederbringlich verſcherzt iſt. Du biſt nicht glücklich, Werner, ſage mir nicht das Gegentheil, denn Du wür⸗ deſt mich vergebens davon zu überzeugen ſuchen. Du be⸗ ſitzeſt Alles, was Dich zufrieden und heiter machen könnte, nur kein Weib, das Dich ganz verſtände, Dir mit ganzer Seele angehörte! Und, wie ich Dich kenne, wäre das Dein größtes Glück. Ich habe mit mir gerechtet ſeit dem erſten Tage unſrer Ehe und mir die bitterſten Vorwürfe gemacht, daß ich nicht anders ſein kann, heitrer, vertrauens⸗ voller, hingebender; daß ſich noch immer zwiſchen Dich und mich ein fremdes Bild drängt, dem ich nicht entrinnen kann. Aber mein Bemühen war vergeblich, es iſt Alles beim Alten geblieben und täglich muß ich mir es wieder⸗ holen, daß ich Dich durch mein unbedachtes Eingehen auf Dein großmüthiges Anerbieten an ein verfehltes Lebens⸗ loos gefeſſelt habe. Mach' es mir nicht zum Vorwurfe, daß ich nicht früher energiſch handelte; Du ſelbſt biſt im⸗ mer der hartnäckigſte Gegner meiner Pläne geweſen. Aber in der Nacht nach jenem Tage, als Du den Brief aus Batavia erhalten, der Dich an Dein gegebenes Wort mahnte und Dir die Kunde vom Tode Deines Onkels brachte, da ward es mir, während ich auf meinem Lager keinen Schlummer fand, zur unumſtößlichen Gewißheit, was ich zu thun hätte. Ach, Werner, mir war es plötz⸗ lich, als habe ich die rechte Melodie gefunden, nach der ich Jahre lang vergebens geſucht und herumgetaſtet. Der Himmel will einen Abſchied unter uns rief es in mir, laß ihn für's ganze Leben ſein, gib Werner frei und Du wirſt recht thun! Siehe, ſo wollen wir es nun auch halten, Werner, und das das mußte ich Dir ſagen!

Helene ſchwieg und drückte ſeine Hand an ihr Herz, als wollte ſie der lauten Bitte noch eine inſtändigere,

Ganz natürlich wird in dieſer kleinen Schrift auch viel von der Gattin Waſhington's geſprochen. Unter Andern wird von ihr geſagt:

Die Ankunft der Miſtreß Waſhington im Lager war das Signal, daß auch die Gattinnen der übrigen Officiere ſich einfin⸗ den durften, was eine große Veränderung in dem Lagerleben her⸗ beiführte. Selbſt der General war bei einigen Mitgliedern des Maſſachuſſets Königshofs unbeliebt geworden, weil er ungeſellig ſchien und ſich weit mehr mit den ernſten Pflichten ſeiner Stellung, als mit den Aufmerkſamkeiten, die dieſen mächtigen Beamten ge⸗ bührten, beſchäftigte. Doch die Ankunft von Mrs. Waſhington in ihrem Vierſpänner und mit den ſcharlachrothen und weißen Livreen ihrer Dienerſchaft war phyſiſch und moraliſch einem Son⸗ nenſtrahle gleich, der Alles wieder in Ordnung brachte. Sie nahm ihren Platz an der Spitze einer Art von einem vicekönig⸗ lichen Hofe ein, deſſen Einladungen als eine beſondere Ehre ange⸗ nommen wurden und deſſen perſönliche Höflichkeiten in der Rede und dem Benehmen jede Stirn, und war ſie noch mehr gerunzelt, glättete und die feindſeligſten Zungen derer, denen dieſe Begünſti⸗ gung zu Theil wurde, zum Schweigen brachte.

Mrs. Waſhington war gewohnt, Geſellſchaften zu geben, und ſie wußte, wie es geſchehen muß. Ihre Diners waren vielleicht nicht genau nach franzöſiſchem Geſchmack, ſie ſetzte aber ihren Gäſten ſtets das Beſte vor, was ſie hatte, und hielt es durchaus

nicht unter ihrer Würde, alle Pflichten zu beobachten, die zu einer

einfachen, aber freigebigen Gaſtfreundſchaft gehören. Ihre Unter⸗ haltung war anziehend. Sie verſtand es recht gut, einen politi⸗ when Gegenſtand zu vermeiden, wenn ein Gaſt unbeſcheiden genug gar, ihrer Meinung eine Falle zu ſtellen, und eben ſo verſtand ſie

ſehr gut, jüngeren Damen guten Rath zu ertheilen, die ſie ſtets zum Fleiß und zur Sparſamkeit ermahnte. Stricken war ihre

Lieblingsbeſchäftigung, wenigſtens wenn ſie in Geſellſchaft war,

ſo daß eine Dame, die ſie während der erſten Präſidentſchaft ihres Gemahls faſt täglich ſah, ſagt, ſie erinnere ſich nicht, Mrs. Wa⸗ ſhington je in ihrem Zimmer ohne das unvermeidliche Strickzeug in der Hand geſehen zu haben. Dabei war ſie jedoch bei geeigneten Gelegenheiten keineswegs für die Vortheile des Glanzes gleichgül⸗ tig und ihre Garderobe war ſehr reich.

Obgleich ſie ſich nie in öffentliche Angelegenheiten miſchte, ſo ſprach ſie ihre Meinung darüber doch ganz unverhohlen gegen ihren Gemahl aus. Dem Fräulein Friederike Bremer wurde dar⸗ über folgende Anekdote mitgetheilt:

Ein Gaſt in Mount Vernon ſchlief zufällig in dem Zimmer, das an das Schlafzimmer des Präſidenten und deſſen Gattin an⸗ ſtieß. Spät in der Nacht, als Jedermann ſich in ſein Schlafzim⸗ mer zurückgezogen hatte, hörte er, wie Mrs. Waſhington ihrem Herrn und Gemahl über etwas, was er gethan hatte und was nach ihrer Meinung in einer anderen Weiſe hätte gethan werden ſollen, eine ſehr lebhafte Gardinenpredigt hielt. Der Prüſident hörte

dieſelbe in dem tiefſten Schweigen an, und erſt als ſie zu ſprechen

aufgehört hatte, öffnete er ſeine Lippen und ſagte zu ihr:Nun ſchlafe recht ſüß, liebes Weib.

Die Lebensweiſe in Mount Vernon erlitt durch die hohe Stellung Waſhington's keine weſentliche Aenderung. In der Re⸗ gel war jeden Tag Beſuch daſelbſt, der oft Tage, ja Wochen lang dablieb. Der General frühſtückte mit ſeinen Gäſten und ſagte ihnen dann, ſie möchten bis zur Zeit des Mittagseſſens ihre Zeit nach ihrem Belieben verwenden. Für die, welche ausreiten woll⸗