ſtieg von Minute zu Minute und ihr Herz ſehnte ſich, laut pochend, nach Erlöſung von ſeiner drückenden Laſt, der Mittheilung des heute erkämpften verhängnißvollen Ent⸗ ſchluſſes. O, warum mußte Werner gerade heute ſo lange auf ſich warten laſſen, wo ſie ſein Kommen faſt mit der der Liebe eigenthümlichen Ungeduld herbeiſehnte? Sein Weil⸗ heim und deſſen geliebte Bewohner blieben ihm ja doch (— denn nun zweifelte ſie kaum noch, daß Werner ſeine Jagdpartie nach dieſer Richtung hin ausgedehnt habe—), wenn ſie ſelbſt längſt aus dieſen Räumen geſchieden ſein und vielleicht einer Andern Platz gemacht haben würde!
Bei dem Gedanken an den Abſchied zerdrückte ſie eine Thräne in ihrem ſchwärmeriſchen braunen Auge und mußte doch faſt zugleich lächeln über ihren kindiſchen Einfall, ſich — ehe ſie ſelbſt geſchieden— ſchon eine Nachfolgerin hier waltend zu denken!
Plötzlich trat Werner in das Zimmer. Zurückgelehnt in ihren Seſſel und verſunken in ernſtes, ſchmerzliches Sin⸗ nen, hatte ſie jetzt doch überhört, wie die Gartenthüre ge⸗ räuſchvoll geöffnet und geſchloſſen und ein geraumer Theil des leichtgebauten Landhauſes von ſtarken, männlichen Schritten, die ſich bald ihrem Cabinet näherten, durcheilt worden war.
Da ſtand nun mit einem Male der Mann vor ihr, der drei Jahre lang und länger ihr Stab und Hort geweſen war und dem ſie jetzt in dieſem entſcheidenden Augenblicke mit unabänderlicher Entſchloſſenheit die Hand zum Ab⸗ ſchiede darreichen wollte.
Sie zitterte leiſe, als Werner auf ſie zu trat und mit einem ſanften Kuß auf die Stirn ihr„Guten Abend“ bot.
„Du warſt länger aus, als gewöhnlich,“ ſagte ſie
Roveſlen⸗eitung.
V
hierauf, ſeinen Gruß erwidernd, aber mit faſt zaghafter
Stimme, wie Eine, der ein ſchweres Wort auf dem Herzen laſtet:„Warſt Du in Weilheim drüben?“ „Ach nein, Helene,“ antwortete er heiter und unbe⸗
fangen, ohne die Geſichtszüge der Gattin näher zu beob⸗ achten, deren Ausdruck ihm ſicher aufgefallen ſein würde, „ich wäre wohl gern hinübergegangen, um die Leute ein⸗ mal zu ſehen, allein die Jagd hielt mich zu lange auf, und ſeit mehreren Stunden hab' ich beim Förſter geſeſſen und geſchrieben und gerechnet mit ihm nach Herzensluſt, wie es ſich für Einen ſchickt, der eine ſo weit ausſehende Reiſe vor Augen hat wie ich und daher wohl daran thut, ſein Haus zu beſtellen. Aufrichtig geſagt, Helene, es wird mir recht ſchwer werden, Dich und Alles, was mir lieb iſt, auf ſo lange Zeit zu verlaſſen, und hätte ich nicht mein Mannes⸗ wort gegeben, das ich dem Todten gegenüber doppelt heilig halten muß, ſo möchte das Vermächtniß in Gottes Namen⸗ den Erben verbleiben. Ich weiß wahrhaftig nicht, ob ich Dich deshalb Monate lang allein laſſen dürfte. Freilich, zu verſchenken hab' ich nichts, wirſt Du denken——“
Helene unterbrach hier den Sprecher, welcher aus dem tiefen Ernſte, in den er bei dem Gedanken an die von ihm gemeinte längere Trennung verfallen war, wieder in ſeinen erſten heitern Ton übergehen zu wollen ſchien, mit den haſtigen Worten:
„O laß das ſein, Werner, daran denke ich gar nicht. Aber ſo viel weiß ich, daß Du als Mann von Wort und Ehre reiſen mußt und gern reiſen würdeſt, auch wenn Du auf Jahre, nicht nur auf Monate, und mit Hinterlaſſung des liebſten Glückes ſcheiden ſollteſt. Alles Dies iſt
Nebenſache für Dich, der ja immer zuerſt an ſeine Pflicht
denkt!“
Werner faßte die Gattin, deren Rede eine heftige in⸗ nere Aufregung verrieth, beſorgt ins Auge, und als er nun auch in den Zügen ihres lieblichen Geſichts, deſſen Farbe faſt unter ſeinem Blicke wechſelte, die Spuren des durch⸗ lebten Seelenkampfes gewahrte, ergriff er mit zärtlicher Theilnahme ihre Hand und fragte, ſich neben ſie nieder⸗ laſſend, in faſt bittendem Tone:
„Helene, was haſt Du wieder für eine Anwandlung
Feuilleton.
—de—
Aus Waſhington's Leben.
In New⸗York iſt kürzlich ein kleines Werkchen unter dem Titel „Memoirs of Washington. By Mrs. Kirkland“ erſchienen, das
unglücklich hält, weil eine junge Dame ſich nicht gütig gegen ihn
hatten, ſo hören wir ihn nicht mehr darüber klagen, daß er ſich für
benahm. Er liebte zu allen Zeiten Damengeſellſchaft ſehr, unter⸗ hielt ſich gern mit Damen, und in vielen ſeiner Briefe zeigt es
ſich weit mehr mit dem häuslichen Leben und dem Charakter ſich, daß er in kleine Angelegenheiten, in denen Damen intereſſirt
Waſhington's beſchäftigt, als mit ſeiner Thätigkeit in ſeiner Stel⸗ lung als Feldherr und Staatsmann, aus dem wir Einiges hier mittheilen wollen, da von einem ſo großen Manne wie Waſhington auch kleine Charakterzüge ein großes Intereſſe darbieten. In der erwähnten Schrift heißt es:
„Waſhingtonss früheſte Schriften zeigen deutlich, daß er wußte
und fühlte, was Gefühl war, und ſeine urſprüngliche Empfäng⸗ lichkeit für zärtliche Regungen— die ſich ganz beſonders durch ein
verunglücktes Liebesgedicht bewies, wie nur je ein junger Menſch
von ſeinem Alter es ſich zu Schulden kommen ließ— zeigt ſich in
dem allgemeinen Tone ſeiner Bemerkungen über die jungen Da⸗ immer, wen in) 2 3 men, deren Bekanntſchaft er machte. Es iſt gewiß, daß es Zeiten kunft ihre kindiſchen Spiele, denen er gern beigewohnt hätte, ein⸗ gab, wo er ſich einbildete, ſehr unglücklich zu ſein, weil dieſes oder ſtellten, ſo verdroß das ihn förmlich. Man hat geſehen, daß er
jenes ſchöne Fräulein ihn nicht anlächelte. Sobald er ſich aber eine ganze Viertelſtunde durch eine Thürſpalte lauſchte
erſt dem Geſchäftsleben gewidmet hatte und als er anfing zu füh⸗ len, daß ſeine Sehnen— geiſtig und körperlich— ſich gekräftigt
waren, verwickelt war. Er hatte ſehr viel Geſchmack und bewies es in ſeiner Kleidung, ſeinen Möbeln und ſeiner Equipage, denen er während ſeines ganzen Ebens ſo viel Aufmerkſamkeit ſchenkte, wie ein Mann in ſeiner Stellung es nur thun konnte. Alte Leute in Philadelphia erzählen, daß man, wenn er durch die Straßen ritt, bei der allgemeinen Aufmerkſamkeit, die ſeine glänzende Er⸗ ſcheinung erregte, bemerkte, daß die Hufe ſeines Roſſes eben ſo ge⸗ ſchwärzt und glänzend waren, wie ſeine eigenen Stiefell.
„Er liebte die Kinder und ſie liebten ihn, obwohl ſie für ihn eine große Hochachtung fühlten. Dies gefiel ihm durchaus nicht immer, und wenn ſie in Folge dieſer Hochachtung bei ſeiner An⸗
em fröhlichen Treiben junger Leute, die Blindekuf 1 zuſehen zu können.“
[III. Jahrg.
2* .
Nr. 1
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