Jahrgang 
01-26 (1857)
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Meinung, und als er kurze Zeit vor ſeinem Tode noch ſagte: Ich bin 1830 liberal geweſen; ich bin geblieben, was ich damals war, und ich rühme mich deſſen, ſo fühlte ſich nicht ein einziger ſeiner politiſchen Gegner, die das Mo⸗ nopol des Liberalismus nur allzu oft für ſich in Anſpruch nahmen, verſucht, die vollkommene Aufrichtigkeit ſeines Worts in Zweifel zu ziehen.

Mitten in einer Berathung, an der er noch Theil ge⸗ nommen hatte und die ſich auf die Unterrichtsfreiheit be⸗ zog, mit der er ſich vorzugsweiſe gern beſchäftigte, gelangte zuerſt die Nachricht von ſeiner Erkrankung und dann von ſeinem Ende an das belgiſche Parlament. Sogleich machte ſich der Führer der Oppoſitionspartet, Charles Rogier, ehemals ſein College in der proviſoriſchen Regierung, zum Organ der allgemeinen Rührung und ſchlug dem Congreſſe vor, in corpore ſeine ſterbliche Hülle zur Kirche zu beglei⸗ ten, ein Schritt, der von Seiten des belgiſchen Parlaments noch nicht vorgekommen war. Der Präſident der Kammer richtete dann an den Grafen Werner de Mérode, den Sohn des Verſtorbenen, im Namen aller ſeiner Collegen einen rührenden Brief, der mit folgenden Worten ſchloß, welche

Noveſlen⸗Zeitung.

p V

dieſes edle Leben in einer bewundernswerthen Weiſe

ſchildern:

Nuthiger Gründer unſrer Unabhängigkeit und unſrer

Nationalität; Veteran des parlamentariſchen Regime, das zu ſchaffen er ſo mächtig geholfen hat; Mann von Einſicht und von Herz, vor Allem ein Ehrenmann, nimmt er das Bedauern, die Achtung und Liebe Aller mit ſich... Die Deputirtenkammer iſt das Organ des Nationalgefühls, indem ſie ſich mit Ihren Thränen vereint; der Religion gehört es allein, ſie zu trocknen.

Am Grabe des Grafen Felix de Mérode durfte die Religion ſicher nicht vergeſſen werden. Sie war mit ſeinem ganzen öffentlichen Leben vermiſcht. In dem Augenblicke,

wo man alle irdiſchen Beſchäftigungen, ſelbſt die edelſten,

vergißt, hatte ſie allein ſeine Gedanken gefüllt. Sie bleibt

III. Jahrg.

die einzige Tröſterin derjenigen, die ihn geliebt haben und die ihn jetzt beweinen. 1

Dem voranſtehenden Urtheil des Herrn de Sacy wird ein Jeder beiſtimmen, dem das öffentliche Leben in Belgien nicht fremd geblieben iſt; es findet aber ſeine Beſtätigung in dem Urtheil, das die belgiſchen Blätter jeder Farbe über ihn fällen, ſo ſchwer es auch manchen derſelben fallen mag, indirect einzugeſtehen, daß Freiſinnigkeit und wahre Fröm⸗ migkeit recht gut neben einander beſtehen können. In den Annalen der Geſchichte nicht nur ſeines Vaterlandes, ſon⸗ dern Europa's wird ſeinem Namen, der ſo eng mit einem wichtigen Ereigniß der neuern Geſchichte verknüpft iſt, für immer eine ehrenvolle Stellung geſichert bleiben. C.

gedicht von Clara Held.

Meine Lieder.

All' meine Lieder ſind der Rahmen, Und hell in Farben ſtrahlt dein Bild: Der ſüße Klang des theuern Namen, Dein Blick ſo heiß, dein Wort ſo mild; Aus meinen Liedern dir entgegen

Wie Zauber klagt's all' überall:

Es ruht darauf als beſter Segen

Von deinem Lied ein Wiederhall.

Die Thränen, die noch jüngſt gefloſſen, Als Perlen drin ſind aufgereiht, Und ſchimmernd drüber iſt ergoſſen Ein Abglanz einſt'ger Seligkeit.

der Abſchaffung der Negerſclaverei gehabt hat und dem 1833 nach ſeinem Tode die Ehre zu Theil wurde, in der Weſtminſterabtei neben Pitt und Canning begraben zu werden. Sein Sohn hat ſich in der kirchlichen Geſchichte ſeines Vaterlandes bekannt ge⸗ macht, und daher verdient ſein Tod auch in Deutſchland Be⸗ achtung.

Robert Wilberforce, der nur ein Alter von 55 Jahren er⸗ reicht hat, machte ſeine Studien an der Univerſität zu Oxford, an der er längere Zeit als Profeſſor an dem Oriel⸗College wirkte. Er erlangte in der claſſiſchen Literatur und in der Mathematik alle Univerſitätsgrade und neunzehn Jahr gehörte er theils als Prediger, theils als Archidiakonus der Diöceſe York, als welcher er in Eaſt⸗Riding wohnte, zu der Geiſtlichkeit der engliſchen Hochkirche.

Seit dem Jahr 1834 nahm Robert Wilberforce mit ſeinem Freunde, dem Doctor Newman, an der theologiſchen Bewegung Theil, welche ſich die Verbreitung katholiſcher Ideen auf der Uni⸗ verſität zu Oxford ſo angelegen ſein ließ. Außer dem Antheil, den er an der Veröffentlichung der Zeittractate(Tracts for the times) hatte, ſchrieb er mehrere Abhandlungen über die Menſch⸗ werdung Chriſti, die Taufe und das heilige Abendmahl. Im Jahr 1855 veröffentlichte er ſein Buch über dieAutorität der Kirche, worin er die Gründe auseinander ſetzte, die ihn beſtimmten, zur katholiſchen Kirche überzutreten, zu der er ſeinen Ueberzeugungen nach ſchon längſt gehört hatte, während er erſt öffentlich zu der⸗ ſelben Zeit zu ihr übertrat, als er dieſes Buch erſcheinen ließ.

Kurz nachher begab ſich Robert Wilberforce nach Rom, wo er in die geiſtliche Akademie eintrat, um ſich vorzubereiten, die geiſt⸗ lichen Weihen zu empfangen. Sechs Wochen vor ſeinem Tode

wurde er daſelbſt von einem Gallenfieber befallen und nach Albano transportirt, von wo er lebend nicht wieder zurückkehren ſollte.

Sein Leichnam iſt nach Rom in eine Marienkirche geſchafft worden und man erwartet daſelbſt ſeine beiden Söhne, die noch zur proteſtantiſchen Kirche gehören, um über denſelben zu ver⸗ fügen.

Ein jüngerer Bruder Robert Wilberforce's, der ebenfalls zu den Puſeyiten gehörte, iſt bereits ſeit mehreren Jahren katholiſcher Prieſter und er iſt der Redacteur des in London erſcheinenden Catholic Standard; der für die Verbreitung des Katholicismus in England nach Kräften zu wirken ſucht. C.

Was iſt ein Fragezeichen?

Der engliſche Dichter Pope war außerordentlich verwachſen und dabei wegen ſeiner ſatiriſchen Laune und ſeines biſſigen Charakters bekannt.

Eines Tages gerieth er mit Jemand über irgend eine litera⸗ riſche Frage in Streit. Beide Theile erhitzten ſich immer mehr und mehr, und ärgerlich rief endlich Pope mit ſeiner kreiſchend⸗ ſcharfen Stimme: 1

Wiſſen Sie denn auch nur was ein Fragezeichen iſt?

O ja! entgegnete der ſeiner würdige Gegner,ein Frage⸗ zeichen iſt ein kleines krummgezogenes Ding, das manchmal ſehr dumme und manchmal ſehr impertinente Fragen thut. a.

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