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bleiben wollten. Still und trübe wie das Wetter war auch ſie ſelbſt: ihr war, als ſei mit einem Male aller poetiſche Hauch von dem ganzen Reſt der Reiſe abgeſtreift, und alle Vernunft vermochte dies Gefühl nicht zu verban⸗ nen. Sie beſchloß den kleinen Zug und hatte volle Muße, Vergleiche mit den beiden letzten Tagen anzuſtellen, die natürlich ſelbſt dieſen anmuthigen Weg ihr ſehr langweilig erſcheinen ließen. Wie ſchwer begriff der Burſch neben ihrem Pferd, daß er das Körbchen mit feuchtem Moos, worin ſie ihre Alpenroſen mit ſich führte, in jedem friſchen Quell zu tränken habe! Das Pferd ſtolperte ewig, und die Fliegen waren unleidlich— kurz Fanny begriff nicht, was es für ein Vergnügen ſein könne, zu reiſen. Zwar oben auf der Höhe angelangt, hielt ihre Mißſtimmung
Noveſfen⸗Zeitung.
nicht Stich bei dem Anblick des reizenden Vierwaldſtädter⸗
ſees, über welchem die Sonne eben ſiegreich hervortrat; aber die alte Traurigkeit beſchlich ſie bald nur noch mehr, da ſie gerade nach dieſem See auf dem Faulhonn oben ge⸗ ſchaut hatte, und zwar wenig Minuten, bevor ſie am Rande des Abgrundes von— ja— richtig, war wie— der er— der Räthſelhafte, und mit ihm begann die ganze Reihe der Zweifel von Neuem.———
Roth angeſtrahlt von der üntergehenden Sonne waren die wunderbaren Zacken der Mythen und des Pilatus, und leiſe an das grüne Ufer ſchlagend, ſang der See ſein Schlummerlied; aber die beiden Fremden auf dem Balcon des Gaſthauſes„Zur Sonne“ in Beckenried ſchienen nur wenig dieſen Anblick zu genießen, zum hundertſten Male trat Harald heraus, um die Straße entlang zu ſehen, die von dem Brimig herab⸗ und hier vorüberführt, und lächelnd ſah ſein blonder Gefährte Axel Garſtröm dem ungeduldigen Freunde zu, behaglich und ſelbſtgenügſam den Dampf ſei⸗ ner Cigarre vor ſich hinblaſend— jedoch nicht ohne neu— gierige Theilnahme und mitunter Blicke nach jener Richtung ſendend, woher Jener den Inbegriff all' ſeiner Wünſche er⸗ wartete.„'S iſt doch ein wunderlich Ding um die Liebe!
[III. Jahrg.
vor zwei Tagen noch vogelfrei, und nun—!“ ſo philo⸗ ſophirte der auf Halbſold geſetzte Freund. Da bog der Alpenſtock und der Regenſchirm des Rentier
Hagen mit dem Führer und der Pferdenaſe zuerſt um die:
Ecke, und bald folgte das behagliche Antlitz des Eigen⸗ thümers jener Dinge, vergnügt nach der ſtattlichen„Sonne“ von Meſſing ſchauend, die ſich vor dem Hauſe im Abend⸗ wind ſchaukelte. Tante Aurelia verſchleierte ſich augen— blicklich, als ſie fremde Herren erblickte, und ließ ihr Pferd abſeits führen; denn ſeit den Begebenheiten der letzten Tage hatte ſie ſich vorgenommen, ihre Strenge gegen das männliche Geſchlecht zu verdoppeln. Endlich erſchien auch Fanny, unendlich gleichgültig um ſich blickend; da traf ihr Auge auf den blonden Schweden oben und erhaſchte noch eine andere Geſtalt, die raſch in das Zimmer zurücktrat: ein leiſer Ausruf entfuhr ihren Lippen, und ihre Wangen glühten mit ihren Blumen um die Wette, als ſie zuerſt ihr Körbchen hinabreichte, dann leicht wie eine Sylphe auf den Boden ſprang und dem Mädchen des Gaſthauſes raſch die Treppe hinauf folgte.
„Er iſt da! er iſt da!“ das war das Einzige, was ſie dachte und fühlte. Allerdings war er da, und wieder zeig⸗ ten ſich Spuren von der Nähe des vorſorglichen Berg⸗ geiſtes; ſorgfältig hatte er dies kleine Gemach für ſie in Beſchlag genommen, wo ſie ſicher war, allein ſein zu können— welch ein Glück! denn unter den friſchen Kin⸗ dern Flora's lag ein Briefchen an ſie: raſch war der Riegel
vor die Thür geſchoben, das Siegel erbrochen und ſie las,
was wir ſchon wiſſen, Rübezahl's Generalbeichte, zwiſchen Rührung und Heiterkeit getheilt.
„Und haben Sie dem Stellvertreter des Berggeiſtes vergeben, gewähren Sie ihm als Beweis davon die Gunſt, Sie heut noch ſehen zu dürfen. In welcher Geſtalt aber er auch vor Sie treten wird— in jeder wird ſeine ſchönſte Hoffnung die bleiben, Sie auch ferner auf Händen tragen zu dürfen, über die Klippen und Steine des Lebens.“
und die Auswanderer gehören keineswegs dem höchſtgeſtellten und reinſten Theil der Bevölkerung des chineſiſchen Reichs an, allein deſſenungeachtet werden wir in Bälde dieſe geheimnißvolle Quelle zu ſchauen bekommen, welche für die Savannen Amerika's eine Fluth freier Arbeiter, künftiger Ackerbauer, wo nicht Eroberer der neuen Welt in Reſerve hält.
Genrebilder. Rlugheit eines Algierers.
In Cairo gibt es 13,000 Algierer. einer entſchiedenen Verachtung auf die egyptiſchen Araber und ſagen zu denſelben:„Ihr ſeid nur Leibeigene und Sclaven, ich aber bin ein Franzoſe.“
Das wichtigſte Vorrecht, das ſie in dieſer Eigenſchaft ge⸗ nießen, beſteht darin, daß ſie keine Stockſchläge erhalten, denen jeder Egypter ausgeſetzt iſt. In Bezug darauf erzählt man in Cairo eine ziemlich originelle Anekdote.
Kürzlich geriethen in einer Straße oder vielmehr in einem Gäßchen von Cairo zwei Individuen in einen Wortſtreit, der bald
häßlich. Er ſeinerſeits klagte ſeinen Gegner an, ihn ohne Grund angegriffen und vor jeder Erklärung geſtoßen zu haben. Nachdem die Plaidoyers beendigt waren, wies der Richter
mit der Unparteilichkeit, welche die Gerechtigkeitspflege in den tür⸗
Dieſelben blicken mit
zu Fauſtſchlägen führte, worauf die Polizei einſchritt und ſie
Beide vor den Richter brachte.— Dieſer unterſuchte die Sache, während er dabei ruhig ſeine Pfeife rauchte. Der Eine der beiden Verhafteten machte dem
Andern den Vorwurf, ſeine Frau in zu großer Nähe betrachtet zu
haben; der Zweite leugnete das Verbrechen und vertheidigte ſich damit, daß er ſagte, wenn er es wirklich begangen hätte, ſo ſei er
kiſchen Ländern auszeichnet, beide Parteien mit ihren Klagen ab, indem er befahl, daß man einem Jeden funfzehn Stockſchläge auf die Fußſohlen geben ſolle.
Auf die Urtheilsſprüche dieſer Art folgt, ſo häufig ſie auch vorkommen, gewöhnlich ein großes Klagegeſchrei. Die Egypter ſind boshaft und ſie ſuchen immer glaublich zu machen, daß ſie nicht an Stockſchläge gewöhnt ſind.
Dieſesmal waren die Wehklagen der beiden Verurtheilten verzweifelter als je. Der Algierer zeichnete ſich beſonders durch ſein Seufzen und ſeine reichlichen Thränen aus. Wir müſſen da⸗ bei bemerken, daß die Baſtonnade allerdings kein Kinderſpiel iſt. Das Inſtrument, deſſen man ſich zur Ertheilung dieſer Tortur bedient, iſt aus der Haut des Nilpferdes geſchnitten, etwas mehr als ein Metre lang, und wird gegen das Ende dünner. Dieſe lederne Ruthe iſt hart und biegſam. Um ihr eine größere Ge⸗ ſchmeidigkeit zu geben, wird der untere Theil derſelben mit einer Fettigkeit überzogen.
Als der Augenblick kam, wo das Urtheil ausgeführt werden ſollte, warf ſich der Algierer vor dem Richter auf die Knie und bat ihn inſtändig, ſeine Strafe bis nach der ſeines Gegners auf⸗ zuſchieben.—
„Er hat mich,“ ſagte er,„falſch angeklagt, er hat mich por⸗
rätheriſch angegriffen, mich beſchimpft und geſchlagen; ich erbirte von Deiner hohen Gerechtigkeit, mir wenigſtens die Genugthuung bereits genug beſtraft, denn die Frau ſeines Gegners ſei grund⸗ zu bewilligen, ihn vor mir geſtraft zu ſehen.“
Nr. 11.
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