gegen; hätte dieſe aber das leiſe Kopfſchütteln und fröh⸗ liche Lächeln geſehen, womit ſie ihren Gedankenmonolog begleitete, ſo würde ſie mit Recht ihr eignes Verdienſt an Fanny's Benehmen in Zweifel gezogen haben.
In dem großen Raum des Erdgeſchoſſes, in welchem
ſich die Reiſenden zu verſammeln pflegten, ſaßen auf langen
Holzbänken an roh gezimmerten Tiſchen bereits die hungri⸗ gen Gäſte des Hauſes, der Mehrzahl nach dem ſtarken Geſchlecht angehörend, und harrten mit Verlangen des wohlverdienten Abendbrodes. Weniger zahlreich war das Publicum allerdings, als geſtern auf der Wengernalp;
denn das Faulhorn liegt nicht ſo unvermeidlich auf dem
großen Touriſtenpfad und gilt allgemein für weit unbe⸗ quemer zu beſteigen, als es in der That iſt. Dafür jedoch genießt es auch des Vorzuges, daß die Mehrzahl ſeiner Beſucher wirkliche Naturfreunde ſind, und mitunter ſogar recht hartnäckige: an jenem runden Tiſch auf einer Art Sopha ſitzt nun bereits den dritten Abend ganz häuslich etablirt eine engliſche Familie, feſt entſchloſſen, hier oben einen Sonnenaufgang abzuwarten, wozu ihnen der heutige Abend alle Ausſicht verſprach. Auch die übrige Geſell⸗ ſchaft war dadurch ſehr heiter geſtimmt, und Papa Hagen in beſter Laune: er, der Rentier Hagen, war nun ſo recht eigentlich auf dem Höhepunkte ſeiner irdiſchen Wallfahrt, er war wirklich in eigner Perſon auf dem berühmten Faul⸗ horn, wie er dort unten in jener niederen Berliner Staub⸗ atmoſphäre gelobt hatte— wo ſeine Freunde jetzt im Reſſourcengarten bei einer Stange Weißbier vermuthlich ſeiner gedachten!
Taugenichts iſt!“
Er fühlte ſich glücklich und ſtolz und
ließ zur beſſeren Beglaubigung augenblicklich den großen
Namen auf ſeinen Alpenſtock einbrennen.
Fräulein Aurelia's Beobachtungen, irgend einen Zu⸗ ſammenhang zwiſchen einem der Reiſenden und dem Bou⸗ quet Alpenblumen zu entdecken, blieben an dieſem Abend gänzlich erfolglos, und auch Fanny warf vergebens Blicke
Novelſen⸗Zeitung.
des Räthſels eintreten zu ſehen, das ſie ſo ſehr beſchäftigte. Beide Damen zogen ſich in ihr Gemach zurück, deſſen Bre⸗ terwände, eben ſo verrätheriſch wie die geſtrigen, zwar kein ſo bequemes Aſtloch darboten, aber dafür jedes Wort zu den Ohren ihres Nachbars dringen ließen, der, von unge⸗ wohnter Anſtrengung ruhend, bereits ſein Lager geſucht hatte. Wohl zeigten ſich, als das Kerzenlicht in das Neben⸗ zimmer drang, zahlreiche, gefällige Spalten; aber ſein geſtriger heitrer Uebermuth war in eine andere Stimmung übergegangen, und er hatte ſich feſt vorgenommen, nicht einen einzigen verbotenen Blick in das Gemach des jungen Mädchens zu thun, deren lieblicher Reinheit gegenüber er ſich faſt beſchämt fühlte. Darum aber war er durchaus nicht geſonnen, ſeine Rolle aufzugeben, die ihn im Gegen⸗ theil immer mehr feſſelte.
„Ich behaupte, Fanny, daß der junge Menſch, der Träger in der grauen Blouſe, bei dem Bouguet da die Hand im Spiele hat, und jedenfalls irgend ein entlaufener Dies war die Privatmeinung der Tante und blieb ſie auch, trotz der Gegenvorſtellungen der Nichte:
„Ich will ja gar nicht wiſſen, wie und woher? ich habe mich nun einmal dem Schutze Rübezahl's und ſeiner Gei⸗ ſter übergeben, ſeit wir in den Bergen ſind, und finde ihn ganz charmant, ſelbſt wenn er ſich als Träger verkappt hätte.“
Die Tante war zu müde, um mehr als einige ſeufzer über dieſen Leichtſinn und dieſe Gottloſigkeit bringen, wandte ſich um und entſchlief.
Eben entführte der Berggeiſt die träumende Fanny über Land und Meer, und es war ihr ganz behaglich dabei zu Muthe, als ein lautes Donnern an jeder Thür des Hauſes die müden Schläfer benachrichtigte, daß die Sonne geneigt ſei ihr Lever zu halten. Nur ein heroiſcher Ent⸗ ſchluß vermag in ſolchen Fällen vor dem gefährlichen und
Stoß⸗ vorzu⸗
nach der Thür, als erwartete ſie durch dieſelbe eine Löſung verführeriſchen Umdrehen auf dem Kopfkiſſen zu retten,
Feuilleton.
—OS
Neue Erfindung zur Conſervirung des gemüſes.
Bereits ſeit dem 15. Jahrhundert iſt von denkenden Män⸗
nern auf dieſe Art der Erhaltung der pflanzlichen Nahrungsmittel hingewieſen worden. Im vorigen Jahrhundert verſuchte man es zu wiederholten Malen, dem Trocknen der Gemüſe in England, Italien und Schweden Eingang zu verſchaffen; der Erfolg aber war kein günſtiger. Man verwendete dabei nicht die gehörige Sorgfalt, ſo daß die Gemüſe eine Veränderung in ihrem Ge⸗ ſchmack erlitten. Zu dem erinnerte der Geruch derſelben ſehr an das Heu; auch die nährenden Eigenſchaften erlitten eine Vermin⸗ derung, weil das Pflanzeneiweiß in zu großer Wärme gerinnt. Dazu kam ferner, daß das Volumen der getrockneten Pflanzen immer noch ein ſehr großes war. Dies hinderte die Aufbewahrung
Alle dieſe Schwierigkeiten hat ein franzöſiſcher Gärtner Maſſon glücklich überwunden. In Frankreich verſteht man es meiſterhaft, anſcheinend geringfügigen Dingen eine große Wichtig⸗ keit zu verſchaffen. So iſt denn in dem kurzen Zeitraum von we⸗ nigen Jahren das Trocknen der Gemüſe bereits zu einem anſehn⸗ lichen Induſtriezweige herangewachſen. Nachdem die Gemüſe ſorgfältig ausgeleſen und geputzt worden ſind, bringt man ſie auf Horden von grober Leinwand, die in einem Zimmer aufgeſtellt ſind. Letzteres wird durch warme Luft, die in Röhren circulirt,
je nach der Beſchaffenheit der Gemüſe bis auf 35 bis 400 C. er⸗
und den Transport, aber noch mehr fiel der Umſtand ins Gewicht,
daß dieſe Gemüſe, eben in Folge der großen Oberfläche, die ſie
der Einwirkung der Luft und des Lichtes darboten, vielen Ver⸗
wärmt. Bei dieſer geringen Wärme verdunſtet das Waſſer aus den Pflanzen nur ſehr allmählich; dies iſt durchaus nothwendig, denn ſonſt verlieren die Gemüſe ihren Geſchmack und die Farbe. Aber auch für die nun folgende Operation, das Preſſen, iſt ein langſames Austrocknen ſehr weſentlich, damit den Pflanzentheilen
nicht die Fähigkeit verloren gehe, beim ſpäteren Einweichen in
änderungen ausgeſetzt waren, die ſehr leicht das Verderben her⸗
beiführten.
*) Aus Abel’s:„Aus der Natur. Die neueſten Entdeckungen auf dem Gebiet der Naturwiſſenſchaften.“ 9. Heft.— Leipzig, Ambr. Abel, 1856.
Waſſer ihre urſprüngliche Form wieder anzunehmen. Durch ſtark wirkende hydrauliſche Preſſen wird das Volumen
der getrockneten Gemüſe um ⅜ verringert und dadurch iſt das
Problem der Aufbewahrung der pflanzlichen Nahrungsmittel auf das Vollſtändigſte gelöſt worden. Zur Aufnahme der Gemüſe
(III. Jahrg.
Nr. 11
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