158 Novellen⸗ Zeitung. III. Jahr
eine Reiſe nach New⸗York machen, wohin ihn ein literari⸗ aber ich kann bezeugen, daß ich ihn ſtets nur im beſten ſches Unternehmen rief. Als er ankam, gab er ſeinen Lichte geſehen; er war immer wohlerzogen, liebenswürdig, Koffer einem Träger und trat in ein Weinhaus, um eine V großmüthig und, namentlich gegen Frauen, von einer ach⸗ Erfriſchung zu nehmen. Hier fand er unglücklicherweiſe tungsvollen Ritterlichkeit und Feinheit des Anſtandes, die alte Genoſſen, die ihn zum Trinken aufforderten. Er hatte bezaubernd wirkten. Ich lernte den Dichter zuerſt im binnen wenigen Minuten alle ſeine guten Vorſätze ver⸗ Aſtor⸗Houſe kennen, wo mir ein Freund kurz vorher ſein geſſen und gerieth in einen Zuſtand der Trunkenheit, der wunderbares Gedicht„Der Rabe“ gegeben hatte; dieſe an Wahnſinn grenzte. Er verlor das Bewußtſein für merkwürdige, ergreifende Poeſie, die elektriſch auf die immer und mußte aus der Trinkſtube ins Hoſpital ge⸗ Phantaſie aller Leſer wirkte und das Vorbild einer beſon⸗ bracht werden, wo er am Tage nach der wüſten Nacht, am dern Schule der Dichtkunſt geworden iſt, hatte mich mäch⸗ 7. October 1849, im 38ſten Jahre ſtarb. Alle ſtimmen tig erſchüttert. Das Bild des Dichters paßte dazu wie darin überein, daß er ein völlig anderer Menſch wurde, die Form zu dem Inhalt; ſein ſtolzes, ſchönes Haupt trug wenn er eine Zeit lang ſich fern hielt vom Dämon des er hoch, ſeine Augen leuchteten in elektriſchem Feuer, ſein Rauſches. Einige ſeiner Verehrer, die nie Gelegenheit Weſen war mild und doch voll Selbſtgefühl. Er war bei gehabt ihn in dieſem Zuſtande zu ſehen, behaupten ſogar, der erſten Begrüßung ernſt, beinahe kalt, aber er ward es müſſe Verläumdung ſein. Einer von ihnen hat unlängſt vom Geſpräch ſehr bald erwärmt und hingeriſſen. Seine zu ſeinem Gedächtniß folgende Schilderung drucken laſſen: Unterhaltungsgabe war außerordentlich; der Ton ſeiner
„Edgar Poe war bei unſerer Zeitſchrift als Kritiker Stimme modllirte ſich mit ſeltener Kunſt nach den Gegen⸗ und Mitredacteur beſchäftigt. Wir empfanden die höchſte ſtänden, die er beſprach. Sein Mienenſpiel wechſelte eben Bewunderung für ſein Talent und waren bereit, ihm die ſo; ſeine Wangen glühten oder erbleichten, je nachdem ſeine launenhaften Ausbrüche und Unregelmäßigkeiten eines Einbildungskraft ſein Blut zum Kopf oder zum Herzen Genies zu verzeihen, aber wir fanden ihn zu unſerm Er⸗ drängte. Er war ein Träumer wie alle Dichter; er ging ſtaunen ſtets pünktlich und fleißig bei ſeiner Arbeit. Sein oft in lauten Selbſtgeſprächen über die Straße oder richtete bleiches, ſchönes, geiſtreiches Geſicht, ſeine ruhigen, ernſten in einer Art Ekſtaſe die Augen gen Himmel. Gewöhnlich Manieren, ſein melancholiſches, aber gewinnendes Lächeln zeigte ſich dem aufmerkſamen Beobachter ein Zug geheimen ließen immer den edlen, gebildeten Mann erkennen. Wir Wehs. Das düſtere Gedicht„Der Rabe“ war ein Theil haben nie die geringſte Unregelmäßigkeit oder Wildheit an ſeiner innern Geſchichte. Jeder Autor hinterläßt eigent⸗ ihm bemerkt und hörten erſt als Gerücht nach ſeinem Tode, lich in ſeinen Werken einen Theil ſeines Weſens; man er⸗ daß er für einen Trunkenbold gegolten habe. Man hat kennt in denen von Edgar Poe faſt alle ſeine Vorzüge und uns verſichert, daß er zu jenen reizbaren Naturen gehört ſeine Fehler. Leidenſchaftlichkeit war der Grundton ſeines habe, die ſchon durch ein einziges Glas Wein berauſcht und Weſens; zwei Schlangen nagten an ſeinem Herzen, der ihres freien Willens beraubt werden.“ Neid auf fremdes Glück und der Ehrgeiz. Er verlangte
Ein anderes nachſichtiges und doch wahrheitsgetreues nach Erfolg und bedachte nicht, daß man keine Freude Zeugniß für den Dichter ſtammt aus der Feder einer lite- bringen kann, wenn man nicht auch die Achtung und Liebe rariſchen Dame:„Ich habe oft ſagen hören, daß Edgar ſeiner Mitmenſchen erringt.“
Poe ſich mancherlei Verirrungen zu Schulden kommen ließ
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von einem Ausländer zu überſetzen, mag manchem überflüſſig, be⸗ V Miscellen.
denklich, wenigſtens der Rechtfertigung bedürftig erſcheinen. Dieſe
Rechtfertigung liegt in dem Werth und der Tüchtigkeit des Lewes'⸗ Cuha.
ſchen Werks; es kann ſich ebenbürtig neben die deutſchen Lebens⸗ Die Regierung der Inſel Cuba hat kürzlich eine Volkszählung beſchreibungen Goethe's ſtellen und hat bedeutende Vorzüge vor 1 3
lyr, S. Tenen he 5 vornehmen laſſen und in Folge derſelben ſind intereſſante ſtatiſti⸗ ihnen voraus. Die Viehoff'ſche Schrift kann einen höheren Rang ſche Angaben über die Inſel veröffentlicht worden, denen wir Nach⸗ als den einer umfaſſenden Materialienſammlung nicht beanſpru⸗ ſtehendes entnehmen: 3 chen; das Werk von Roſenkranz läßt den Dichter und Menſchen zu Während die Inſel im Jahre 1770 nur 170,000, 1815 ſehr hinter ſeinen Dichtungen und ihrer philoſophiſch⸗conſtruiren⸗ 500,000 und 1810 1,000,000 Einwohner zählte, hat ſie deren den Betrachtung zurücktreten; das Buch des feinſinnigen Schäfer jetzt 1,449,462. Die weiße Bevölkerung bildet davon 39 Procent ermangelt doch der lebensvollen, kräftigen Erfaſſung einer Perſön⸗ oder 564,698; freie Mulatten und Neger gibt es daſelbſt 215,176, lichkeit, wie die Goethes iſt, und der Friſche der Darſtellung die demnach 15 Procent; die übrigen 46 Procent ſind Sclaven, an ein ſolcher Gegenſtand verdient und erfordert. Grade in den letzt⸗ der Zahl 662,587. genannten beiden Beziehungen iſt das Lewes ſche Werk ausgezeich⸗ Es ergibt ſich daraus, daß das Verhältniß der Weißen zu den net. Das Leben unſeres Dichters— das reichſte nach unſerer Farbigen auf Cuba weit günſtiger iſt, als in den nordamerikani⸗ Kenntniß, das je ein Menſch lebte— iſt hier in ganzer Fülle mit ſchen Sclavenſtaaten, wo die Zahl der Sclavesh die der freien Verſtändniß und liebevoller Wärme erfaßt; ſeine Perſönlichkeit, ſo Weißen bei Weitem überſteigt. t liebenswürdig und bezaubernd, ſo mannhaft groß und imponirend, Es gibt auf der Inſel 1442 zuckerplantage iſt hier nach allen dieſen Seiten hin klar und tüchtig gezeichnet; bauen Tabak 1682 beſchäftigen ſich mit dem A die Darſtellung iſt friſch und markig, mit individuellen Zügen und ſind verſchiedenen Culturzweigen gewidmet. Der localen Farben angenebm belebt.“—— der Ernten wird auf 300 Millionen Realen Die Anerkennung, die das Buch bereits vor ſeiner Ueberſetzung Zucker 95 Millionen, Früchte verſchiedener Ar auch in Deutſchland gefunden, hat dieſes Urtheil bereits beſtätigt. Melaſſe 2 Millionen, Tabak 55 Millionen, Ka Sein engliſcher Verfaſſer hat bekanntlich Jahre lang in Deutſch⸗ und der Reſt kommt auf verſchiedene Erzeugniſſe land gelebt, um die vorhandenen Quellen zu ſtudiren und perſön⸗ Die Einfuhr auf Cuba erreicht jährlich de lich die noch lebenden Zeitgenoſſen auszuforſchen.— Auf Einzel⸗ Millionen, die Ausfuhr den von 140 Millionen heiten gedenken wir noch näher einzugehen.
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