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bilder jener dunklen zehn Jahre vor uns.
liedes liegt der Erklärungsgrund für den Mangel ſeines innigern Zuſammenhanges mit dem Ganzen. Herder's Geſammelte Werke geben uns aber noch genaueren Auf⸗ ſchluß über jenes Gedicht. Daſſelbe iſt ein wendiſches Spottlied, mit der Ueberſchrift„Die luſtige Hochzeit,“ entlehnt aus Eckard's Hist. stud. Etymol. germ., Hann. 1711, und der Anfang deſſelben lautet in Herder's Werken:
Wer ſoll Braut ſeyn?
Eule ſoll Braut ſeyn.
Die CEule ſprach hinwieder den Beiden: Ich bin ein ſehr gräßlich Ding,
Kann nicht die Braut ſeyn,
Ich kann nicht die Braut ſeyn! u. ſ. w
Bei Goethe iſt die dritte Zeile der Strophe etwas geändert.
Im vierten Bande der„Iris“, einer von J. G. Jacobi(Düſſeldorf und Berlin, 1775— 1778, 8⁰) ausge⸗ gebenen Wochenſchrift, ſteht das folgende Gedicht:
Freundin aus der Wolke. Wo, Du Reiter, Willſt Du hin? Kannſt Du wähnen Wo ich bin? Leis umfaſſ' ich Dich als Geiſt, Den Dein Trauern Von ſich weiſt. Sei zufrieden, Goethe mein! . Wiſſe, jetzt erſte — Bin ich Dein; 8 Dein auf ewig Hier und dort— Alſo wein' ich Nicht mehr fort.
Es iſt bekannt, daß Goethe in die„Iris“ mehrere Gedichte mit der Chiffre P. gegeben. Auch das angeführte
Dritte Jolge.
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Gedicht hat dieſe Chiffre. Im Druckfehler-Verzeichniß ſteht aber: Lies L ſtatt P. Das Gedicht könnte alſo von M. N. Lenz ſein? Noch intereſſanter als die Gewißheit dieſer Frage wäre aber die Aufhellung des myſteriöſen Titels und Inhalts.
Goethe wurde vor 86 Jahren— am 6. Auguſt 1771— zu Straßburg öffentlich zum Doctor juris gra⸗ duirt. Das Thema ſeiner Diſſertation lautete:„Daß
der Geſetzgeber verpflichtet ſey, einen gewiſſen Cultus ſeſt⸗ zuſetzen, von welchem weder die Geiſtlichkeit noch die Laien ſich losſagen dürften.“ Der Decan lobte die Ausarbeitung dieſes Satzes, doch iſt gegen die Sitte der Abdruck der Diſſertation unterblieben. Dies iſt wirklich zu bedauern, denn gewiß wäre es lehrreich und für Goethe's Politik bezeichnend, dieſen an und für ſich intereſſanten und eben ſo oft beſtrittenen als auch vertheidigten Satz von dem jungen Goethe behandelt zu ſehen.
Man hat es ſich von verſchiedenen Seiten und na⸗ mentlich in neuerer Zeit zur Aufgabe gemacht, Goethe un⸗ chriſtlich, ja einen Atheiſten zu ſchelten. Für Dieſe die folgenden Sprüche aus Goethe's Schriften, wie ſie uns gerade in den Sinn kommen.
Das Unſer Vater ein ſchönes Gebet, Es dient und hilft in allen Nöthen; Wenn Einer auch Vater Unſer fleht, In Gottes Namen, laß ihn beten. . Wer Gott ahnet, iſt hoch zu halten, Denn er wird nie im Schlechten walten. * V Dauert nichts ſo lang in den Landen Als das„Chriſt iſt erſtanden.“ * Ich wandle auf weiter bunter Flur, Urſprünglicher Natur; Ein holder Born, in welchem ich bade, Iſt Ueberlieferung, iſt Gnade.
Jahrgangs hat uns beſonders die Schweigerin von L. Kom⸗ pert angeſprochen. Conſt. von Wurzbach, Siegfr. Kapper und Karl Egon Ebert. Der Ertrag dieſes Taſchenbuchs iſt der Verſorgungs⸗ und Be⸗ ſchäftigungsanſtalt für erwachſene Blinde in Böhmen gewidmet.
Licht⸗ und Schattenbilder aus Aſien, Afrika und Europa. Von Sigismund Wallace.— Drei Bände.— Leipzig, Hermann Coſtenoble, 1857.
Ein fahrender Schüler, ein promovirter Zigeuner, ein litera⸗ aiſcher Tauſendkünſtler, aus Kaſſel, wenn wir nicht irren, gebürtig,
der in Hamburg ſich die Recenſentenſporen verdiente, dann ein zehn
Jahre verſchwunden war und endlich als Oſtindienfahrer am Alſter⸗ daſſin wieder auftauchte! Hier liegen die Licht⸗ und Schatten⸗ r. 3 3 Eine erſte Seefahrt, natürlich nicht ohne die obligaten Windſtillen und ſchwimmenden Eisberge, wird uns, wie in allen Seereiſebüchern, ſehr ausführlich und nicht ohne Humor geſchildert. Wir werden dann ſpeciell in die Verhältniſſe von Isle de France eingeführt, einige Novellen aus dem dortigen ſchwarzen und weißen Sclaven⸗ und Haus⸗
lehrerleben werden uns erzählt; dann folgt„Oſtindien“ auf zehn
Seiten in Verſen abgehandelt und hieran ſchließt ſich die„Heim⸗ kehr.“ Erzählungen aus England, Frankreich und Deutſchland bilden den Schluß. Das Buch offenbart eine biedere, das Wohl⸗ wollen ſchützende Geſinnung und eine ſichere Beobachtungsgabe
in den Dingen, die der Verfaſſer kennen zu lernen Gelegen⸗
heit hatte.
Von den Gedichten erwähnen wir die von
Von Auerſtädt bis Bellealliance. Nach den Erin⸗ nerungen eines preußiſchen Veteranen bearbeitet von Ferdinand Pflug.— Zweites Bändchen.— Berlin, L. Rauch.
Die Fortſetzung einer Volksſchrift, deren Anfang wir bereits recenſirten. Der Bearbeiter iſt Herausgeber der Schrift„Unter dem Doppeladler,“ einer Darſtellung des Krim⸗Feldzugs, die mit Beifall aufgenommen iſt. Das Ganze erſcheint als erſter Band einer„Militairiſchen Unterhaltungsbibliotbek.“
Miscellen. Ein Curioſum deutſcher Theaterkritik.
Die Biographie Dawiſon'’s, die das erſte Heft des Brock⸗ haus'ſchen Jahrbuchs zum Converſations⸗Lexikon:„Unſere Zeit“ bringt— wie wir vermuthen, aus einer Dresdener Feder,
— enthält eine Kritik, die zu Faſtnacht 1850 ein Wiener Literat über ſeinen Richard III. veröffentlichte. Sie lautete:„Die Palme des Faſchingsrepertoire hat die Joſephſtadt davongetragen und mit der Wiederaufnahme des Raimund'ſchen„Barometermachers“ und Bäuerle's„Lindane“ hat ſie die eingeſchlagene Bahn glücklich verfolgt. Faſt hätte jedoch das Hofburgtheater ihr den Sieg mit der Aufführung des Shakſpeare ſchen„Richard III.“ ſtreitig ge⸗ macht. Wenigſtens gab ſich Dawiſon, der Darſteller der Haupt⸗ und Titelrolle, alle Mühe, den Anſprüchen der Zeit und den An⸗ forderungen des Carnevals möglichſten Vorſchub zu leiſten. Und wenn er weniger Heiterkeit im Publicum erregte, als ſeine Dar⸗ ſtellungs weiſe zu erzielen geeignet war, ſo liegt das wohl in dem Ernſte, den die Zuzörerſchaft aus hergebrachter Achtung vor der


